Archive from Dezember, 2009
Dez 31, 2009 - Gesellschaft    2 Comments

2009 – Ein kurzer Rückblick

Mit dem ersten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends geht es zu Ende. So auch weltweit mit den Bürgerrechten.

Feuerwerk in Bratislava // Foto: public domain

Es waren die Jahre nach dem “Schock” von 911. Die Bilateralen Blöcke sind (bislang) verschwunden, die Bedrohung der westlichen Welt durch den Kommunismus dahin. Und doch scheint die Sicherheit der fragilen Demokratie gefährdet. Die Politik versucht den Menschen nicht erst seit jenem Tag im September 2001 einzureden, dass der Staat mehr Wissen, mehr Macht und mehr Kontrolle benötigt, um die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten.

Doch spätestens in Folge der Ereignisse im September 2001 wurden diese Forderungen verstärkt durchgesetzt. Der Sicherheitsrelevante Gewinn erscheint hierbei jedoch fraglich. Das Problem in meinen Augen ist jedoch nicht das eigentliche Einschränken der Bürgerrechte, das Aushöhlen des Datenschutzes und die Suspendierung der Unschuldsvermutung unter dem Deckmäntelchen des Schutzes von Bürger und Demokratie.

Das eigentliche Problem sind vielmehr zwei Probleme:

Zum einen das nahezu stillschweigende Erdulden jeglicher Maßnahmen durch die Bürger – vermutlich und vor allem auch deshalb, weil der durchschnittliche Bürger ebenso wenig Ahnung von den digitalen Medien hat, wie diejenigen Politiker, die derartige Gesetze verabschieden.

Zum anderen jedoch auch die fälschliche Einstellung der Medien, der Bürger und auch der Politiker die Welt immer rückwärts zu erklären. Zufällige, unberechenbare, schwerwiegende Ereignisse, die nicht kalkulierbar sind (und vor denen sich die Welt auch nicht wirklich zu schützen vermag) werden rückwirkend rationalisiert und dazu genutzt, um “Schutzmaßnahmen” zu rechtfertigen, mit denen ein derartiges Ereignis hätte verhindert werden können.

Menschen tun sich im Allgemeinen schwer mit Wahrscheinlichkeiten und der “Berechnung” der Chance, dass derartige Ereignisse eintreten. Die mediale Dominanz derartiger Großereignisse lässt sie übermenschlich erscheinen – zum Nutzen derjenigen Politiker, die der Wählerschaft nicht vertrauen.

Ein so genannter “Black Swan” lässt sich nicht verhindern. Vielmehr sollten die Menschen lernen eine Welt zu erschaffen, in der derartige Ereignisse nicht die Empfindung der Bürger aus den Angeln heben.

Zusammengefasst:
Das zweite Problem der Menschen ist ihre Art Geschichte als kausale Folge zu missinterpretieren. Hätte ich Ereignis “A” verhindert, wäre Ereignis “B” nicht eingetreten. Die Welt wird als zwangsläufige Folge von Ereignissen wahrgenommen. Eine derartige Kausalität von Ereignissen gibt es jedoch nur in der Literatur.

„[Es] weist [alles] darauf hin, dass die treibende Kraft der narrativen Aktivität die Verwechslung von zeitlicher Folge und logischer Folgerung ist, das Nachfolgende in der Erzählung als verursacht von gelesen wird; die Erzählung wäre in diesem Fall die systematische Anwendung des in der Scholastik unter der Formel post hoc, ergo propter hoc angeprangerten logischen Irrtums[...].“ (Roland Barthes, “Das semiologische Abenteuer”)

Funktioniert auch die Wahrnehmung der Welt in den meisten Fällen nach dieser fälschlich angewandten Formel, so läuft die Welt jedoch an unserer Wahrnehmung vorbei viel chaotischer, ungeordnet und zufällig ab.

In diesem Sinne bleibt die Hoffnung, dass im kommenden Jahrzehnt ein anderer Wind herrscht und der Bürger wieder zum mündigen Subjekt einer Staatsform wird, die ihren Souverän zu lange entmündigt hat. Die Forderung geht hierbei an die Menschen, die sich informieren sollten. Und sie geht an Medien, die ihren Auftrag als Anwalt der Bürger vernachlässigt haben.

Roland Barthes, Das semiologische Abenteuer, S. 113.
Dez 22, 2009 - Gesellschaft    3 Comments

Eine Deutschlandreise mit AirBerlin

Oder: Inkompetenz und Unfreundlichkeit ist kein Kundenservice.

Air Berlin // Quelle: Hannes Sallmutter (Lizenz: cc-by-sa)

Das Ziel war eigentlich Nürnberg. Start der vorweihnachtlichen Reise Hamburg. Ein kurzer Flug sollte es werden. Gerade einmal 80 Minuten hätte es dauern sollen. Doch daraus wurde nichts. Über zehn Stunden sollte die Odyssee gehen – und sie ist noch nicht beendet. Doch der Reihe nach:

Geplant war ein Flug von Hamburg nach Nürnberg mit AirBerlin. Günstig, selten schlechte Presse, also warum nicht mal den Flieger probieren, wenn es doch günstiger ist, als das Geld der Deutschen Bahn in den Rachen zu werfen, die auch noch mehr als drei mal so so viel Zeit für die gleiche Strecke benötigt. Also einen Flug gebucht. Das ist nun gut sechs Wochen her. Nach einer Woche kam dann die Info, der Flug sei verschoben. Na gut, nicht so früh aufstehen, etwas mehr Ruhe und eben nicht am frühen Vormittag starten, sondern um 16:00 Uhr vom Flughafen Hamburg. Web-CheckIn am Sontag, so dass ich schon meine Boardkarte hatte und ab zum Flughafen.

Dort angekommen ein Blick auf die Tafel mit den Abflugzeiten – alles OK, einige Flüge abgesagt, doch mein Flug ist nicht darunter. Eigentlich wollte ich dann nur noch etwas am Schalter fragen. Dort hörte ich ein Gespräch zweier AriBerlin-Mitarbeiter mit, die darüber sprachen, der Flug nach sei ebenfalls gecancelt. Keine Durchsagen, keine Information. Also ab an den Ticketschalter und erstmal nachfragen.

Ja, der Flug sei abgesagt meinte die freundliche Dame am Schalter. Man könne mir einen Ersatzflug nach Frankfurt am Main anbieten, mit anschließendem, nahtlosen Bustransfer zum eigentlichen Zielflughafen. Klingt ja erstmal nicht schlecht. Gut, würde wohl ein paar Stunden länger dauern, aber ich bin ja nicht in Eile. Der Flug sollte auch kurz nach dem eigentlich geplanten Abflug gehen, so dass ich zu einer vernünftigen Zeit in Mittelfranken ankommen würde.

Geplanter Abflug: 16:20 Uhr

Geplante Ankunft: ca. 17:10 Uhr

Ich rechne also damit etwa um 21 Uhr in der Stadt des Christkindelmarktes anzukommen, noch einen späten Zug in die eigentliche Heimat zu erwischen und spät aber immerhin anzukommen. Tja – schön wär’s gewesen. Abflug war schlussendlich um 19:10, Ankunft eine Stunde später in FFM.

Soweit so schlecht, aber der Tag kann ja noch werden. Eine Übernachtung im Raum Nürnberg habe ich schon, eine zweite wurde spontan auf Facebook angeboten. Soziale Netzwerke funktionieren also. Im Gegensatz zu AirBerlin.Denn weder in der Maschine, noch am Boden wusste irgendjemand über den Transport via Bus Bescheid. Es wartete auc hniemand auf die gut 15 Reisenden die alle nur nach NBG wollten. Keine Info, keine Ahnung – nichts, nada.

Nachdem eine sehr(!) unfreundliche Dame am Infoschalter auch nicht weiterhefen konnte folgte ein Versuch über die Hotline der Fluggesellschaft. Vom Handy auf eine 01805-er Nummer. Dauer des Gesprächs 09:39 Minuten. Das wird teuer. Aber immerhin am Ende stand die Information, dass nicht AirBerlin, sondern aufgrund eines Vertrages angeblich der Flughafen Frankfurt den Transport organisieren würde. Also ab zur Info des Fraport. Und dort? Ein großes, leuchtendes Fragezeichen über dem Kopf des ebenfalls nicht gerade freundlichen Mitarbeiters. Drei Telefonate später die Aussage: “Da kann ich ihnen auch nicht weiterhelfen, ich erreiche niemanden, gehen sie doch zu AirBerlin, die sind dafür zuständig.”

In diesem Moment fühlte ich mich wie Asterix auf der Suche nach “Passierscheins A 38 aus der Präfektur, dem Haus, das Verrückte macht.” (Quelle: wikipedia)

Nun gut, vielleicht hat die “nette” (Ironie) Dame am Infoschalter “AirBerlin” ja inzwischen mit Weisheit (und Freundlichkeit) geduscht. Also zurück. Dort steht dann auch schon eine Traube von Menschen, alle auch aus der Maschine, alle mit dem Ziel Nürnberg. Ich überschlage mal die Anzahl – die lag irgendwo zwischen 15 und 18. Dort ankommend erfahre ich: “Ja es gibt einen Bus, der steht auch schon drausen. Aber es ist ein Siebensitzer.”

Moment? Weiß AirBerlin nicht, wie viele der eigenen Kunden nach Nürnberg wollten, wie viele das Angebot der Umbuchung angenommen haben? Ich bin (freundlich ausgedrückt) erstaunt. Na gut innerhalb von 10 Minuten soll nun also ein größerer Bus ankommen, der uns bei Schneetreiben und weißen Straßen durch die deutschen Mittelgebirge chauffiert. Mal abwarten. Die Stimmung der Mitreisenden ist im Keller, abgesehen von einigen Augenblicken zynischen Galgenhumors. Zehn Minuten vergehen, dann nochmal und nochmal…

… nach 90 Minuten ist noch immer kein Bus da. Die Dame, die hektisches Treiben simulierend den Bus zu organisieren schien ist auch nicht mehr aufzufinden und die Dame am Infoschalter hat, ebenso wie ihr Vorgesetzter keine Ahnung und versucht die ungehaltenen Reisenden dadurch von Informationen abzuhalten, dass sie mit einem Telefonhörer am Ohr zu telefonieren scheint. Kurz vor 22 Uhr wird es der Gruppe dann endgültig zu bunt. Man beschließt im Kollektiv den Zug nach NBG zu nehmen und die Tickets geschlossen beim Kundenservice einzureichen.

Ankunft am Hauptbahnhof in Nürnberg: 00:50 Uhr.

Fortsetzung folgt (sobald eine Information von AirBerlin verfügbar ist.)

Dez 20, 2009 - Gesellschaft    1 Comment

Populistische Zahlenspiele

Politiker und Medien nutzen gern symbolische Zahlen um einen Standpunkt zu untermauern.

Jeder im Krieg getötete Mensch ist einer zu viel. Dennoch stellt sich die Frage, warum nach einem Angriff auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan populistische Politiker für einen Rückzug plädieren, bei der Veröffentlichung der Verkehrsstatistik jedoch nicht gegen das Autofahren votieren.

Die Friedensbewegung teilt mit den Angehörigen der Soldaten die Trauer um die drei Getöteten. Sie tut dies umso mehr, als der schreckliche Tod der jungen Menschen vermeidbar gewesen wäre. Die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen im Deutschen Bundestag tragen die Verantwortung für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan – ob im Rahmen von ISAF oder von Enduring Freedom. Noch im März hat der Bundestag gegen den Rat zahlreicher humanitärer Organisationen und gegen den Protest der Friedensbewegung den Einsatz zusätzlicher Tornado-Flugzeuge beschlossen.
(Quelle: Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag vom 19 Mai 2007)

Obige PM soll als ein Beispiel dienen. Eines von vielen.

Aber nennen wir doch einmal Zahlen. Mir ist bewusst, dass kalte Zahlen nicht den emotionalen Zustand von Betroffenen erfassen können, auch nicht den emotionalen Zustand einer breiten Öffentlichkeit. Dennoch sind es einzig und allein Zahlen, die, werden sie gegenübergestellt, Verhältnisse klären können.

Im Verkehr Getötete:
2004    2005    2006    2007    2008

5.780    5.298    5.027    4.893    4.477

Im Durchschnitt dieser fünf Jahre starben also pro Jahr um und bei 5000 Menschen in Deutschland im Straßenverkehr. Seit Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 starben bislang 3100 Soldaten. Im Einsatz in Afghanistan 36 Soldaten.

Jeder im Einsatz getötete Soldat ist einer zu viel. Aber auch für jeden im Straßenverkehr getötete Menschen gilt diese Aussage. Jede populistische Aussage zu im Einsatz getöteten Soldaten, jede Forderung nach einem Abzug ist eine Entwürdigung, eine Instrumentalisierung der Opfer. Und eine Entwürdigung all der Opfer, die aufgrund einer fehlenden Lobby daher vergessen werden.

Dez 13, 2009 - Gesellschaft    No Comments

Legitimierte Schutzgelderpressung

Die GEZ soll bald noch einfacher an die ungeliebten Gebühren der Mediennutzer kommen.

Logo der Gebühreneinzugszentrale

Zukünftig sei geplant, die Beweislast umzukehren. Mussten bislang die Vertreter der GEZ beweisen, dass die vermeintlichen Nutzer über ein gebührenpflichtiges Empfangsgerät verfügten, sollen zukünftig die Menschen beweisen, dass sie kein Gerät besitzen. Ansonsten werden besagte Gebühren fällig.Also nicht mehr “Im Zweifel für den Angeklagten.”

Für Menschen, die einen Laptop oder ein Smartphone besitzen, in deren Haushalt es aber keinen Fernseher gibt (was vorkommt und zukünftig häufiger vorkommen wird), soll die GEZ-Gebühr bald um über 200 Prozent steigen. (Quelle: http://carta.info)

Denn offensichtlich ist geplant, für alle Geräte, (Smartphones, Netbooks, Notebooks, etc.) den vollen TV-Satz zu verlangen. Meine Datenflatrate kostet mich im Monat 10 Euro. Die geplante GEZ-Gebühr liegt um und bei 18 Euro im Monat. Ein doch schon interessantes Verhältnis, gerade wenn man bedenkt, dass die Staatsferne und Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Meiden weitestgehend in Zweifel gezogen werden darf. Denn gerade für diese Unabhängigkeit zahlen wir mit unseren Gebühren.