Archive from Januar, 2010

Mr. Quick: Be first, but first be right

Die dpa besinnt sich auf die Grundtugend eines guten Journalisten. Richtigkeit geht vor Schnelligkeit.

Quelle: public domain (Logoverwendung beachten)

Nach mehreren peinlichen Fehlern bei der Nachrichtenagentur “dpa” hat nun der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner erklärt, dass die Presseagentur lieber zu spät mit einer Meldung um die Ecke kommen wolle, als eine falsche Meldung weiter zu verbreiten.

Diesen Ansatz kann man nicht hoch genug anrechnen. Denn den Krieg um die Geschwindigkeit kann eine Agentur in Zeiten von Twitter gar nicht mehr gewinnen. Will die dpa ihr Geschäftsmodell sichern, so bleiben nur zwei Optionen – und Geschwindigkeit gehört nur nachrangig dazu.

Erstens: Die journalistische Qualität muss stimmen. Der Kunde muss sich immer sicher sein können, dass die Recherche hinter der Meldung stimmt, die Quellen hinterfragt wurden und es sich bei der Meldung nicht nur um die Weitergabe einer PR-Nachricht handelt.Auch die Auswahlkriterien sollten nachvollziehbar sein.

Zweitens: Die Unabhängigkeit muss gewahrt sein. Dies ist bei der dpa (noch) keine Frage und die Aussagen Büchners lassen auch darauf schließen, dass sich hieran nichts ändern wird.

Jetzt erst kann Geschwindigkeit zum relevanten Faktor werden. Denn trotz aufwändiger Recherche und Prüfung darf die dpa hier natürlich nicht den Anschluss an ihre Konkurrenten verlieren. Doch auch hier besteht Hoffnung, dass weiterhin die “große alte Dame” ihren Kunden zeitnah die relevanten Meldungen servieren kann.

Würden andere Medien, sowohl in Deutschland, als auch im Rest der Welt, diesen Grundsätzen treu bleiben, Relevanz, Bewertung und Transparenz im Blick auf ihre Kunden (vulgo: Leser) beachten, es wäre sogar möglich, dass diese noch einen Sinn darin sähen für Content (ob Print oder Online) zu bezahlen. Berichten jedoch weiterhin die meisten ungefiltert, nur dem Verdikt der Schnelligkeit unterworfen, so sehe ich kaum eine Zukunft (und auch kaum eine Daseinsberechtigung) für die Dinosaurier der Medien.

Jan 19, 2010 - Gesellschaft    No Comments

Merkel steht das Wasser bis zum Hals

Das Bundeskanzleramt ist nicht ganz dicht. Bundeskanzlerin Merkel verlässt deswegen erstmal ihr Büro.

Foto: Manfred Brückels (Lizenz: CC SA)

Auch wenn man der Meinung sein könnte, die Überschrift dieses Eintrags spielt auf die bundesdeutsche Politik an, so muss ich den geneigten Leser leider enttäuschen. Denn Frau Dr. Merkel leidet unter den Baumängeln, die sowohl das Kanzleramt, als auch andere Regierungsgebäude nur wenige Jahre nach der Fertigstellung plagen.

Experten hatten vor einiger Zeit Brandschutzmängel und undichte Wände im Bundeskanzleramt festgestellt. Das rund 250 Millionen Euro teure Gebäude ist erst 2001 fertig geworden, aber schon jetzt „voller Risse“, sagte ein ehemaliger Bauleiter dieser Zeitung. In der Tiefgarage tropfe es, die Betonwanne des gesamten Baus sei „allgemein in einem schlechten Zustand“. Auch Teppiche mussten, nachdem sie von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erstmals vor neun Jahren offiziell betreten worden sind, ausgetauscht werden [...]. (Quelle: Berliner Tagesspiegel)

Trotz der Kosten, die durch die fälligen Sanierungsarbeiten auf den Steuerzahler zukommen, kann man der ganzen Geschichte doch einen humoresken Faktor nicht absprechen. So drückt der Zustand des Gebäudes perfekt die Situation in der bundesdeutschen Politik aus.

Das Gebäude wurde schnell errichtet, der Umzug von Bonn nach Berlin kam überraschen, sehr überraschend und alles musste schnell gehen. Eine saubere Bauabnahme fand offensichtlich nicht statt. Wie oft sind in den letzten Jahren Gesetze verabschiedet worden, die ebenso in Eile entstanden, nicht richtig durchgesehen wurden, nicht mit der Verfassung abgeglichen wurden und so schließlich nachgebessert werden mussten? Zu viele in meinen Augen. Sowohl bei der Bauaufsicht, als auch in der Gesetzgebung haben die Volksvertreter offensichtlich ihre Sorgfaltspflicht vergessen.

Ausbaden muss es wie immer die “Cash-Cow” der Nation. Der Steuerzahler.

Jan 19, 2010 - Gesellschaft, Social Media    3 Comments

Klientelpolitik gegen Google

Nach dem gekauften Gesetz für Hoteliers arbeitet die FDP mit medialer Macht an einem GEsetz zur Zerschlagung von Google. Auch das ist reine Klientelpolitik.

Screenshot: www.google.de

Das die FDP das Spiel mit den Medien beherrscht hat sie im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 bewiesen. (Neo-)Liberale Medien unterstützten (und tun dies offensichtlich noch immer) die Ideen der Gelben. Gerade weil es sich dabei auch um Politik für die Klientel der großen Verlage handelt, stehen diese mit ihren Produkten bereit gegen die “große Datenkrake” ins Feld zu ziehen. Auch wenn dies kein Bürger wünscht.

Die Volksvertreter machen ihrem Namen mal wieder alle Ehre:

Liberale Medien und FDP werfen sich die Bälle zu. Gesetze, die (außer von einigen Verlegern) von niemandem gefordert werden, sollen durch’s Parlament gejagt werden. Volksvertreter sollen zur Ausschaltung einer lästigen Konkurrenz missbraucht werden. (Quelle: MAGDA)

Im Justiz- und im Wirtschaftsministerium werden unterschiedliche Waffen im Kampf gegen Google entwickelt. Das “Leistungsschutzrecht für Presseverlage” (Justizministerium) und das Gesetz zur Entflechtung marktbeherrschender Unternehmen (Wirtschaftsministerium). Zwar ist letzteres rein vom Namen her keine schlechte Idee, könnten doch so Stromkonzerne, die Bahn und andere “Big Player” sich genötigt fühlen, kundenfreundlicher zu agieren, zu mehr Markt gezwungen werden oder ihnen gar die Zerschlagung drohen, sollten sie einen Markt einseitig beherrschen. Doch das Gesetzt dient nicht dem Bürger. Es dient einzig und allein gegen einen Feind, der sich durch absolute Benutzerfreundlichkeit und den Drang dem User immer das beste Ergebnis zu erzielen ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt hat.

Nicht nur China zählt für Google zu den gefährdeten Märkten – auch in Deutschland droht Gefahr.

Es geht im Gesetz um nichts weniger, als die Zerschlagung des Unternehmens, auch wenn es sich nicht dem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung schuldig gemacht hat. Schon ist geht die Klientel, die Verlagsbranche mit irrwitzigen Forderungen in Stellung:

Die deutschen Zeitungsverleger haben beim Kartellamt gegen den Suchmaschinengiganten Google Beschwerde eingereicht. Sie fordern für die Anzeige der Suchtreffer eine Bezahlung. (Quelle: zeit.de)

Nicht der Bürger, der einfache Benutzer der Suchmaschine fordern ein Gesetz, beispielsweise zum Thema Datenschutz. Immerhin ist es nicht einfach zu kontrollieren, was das Unternehmen mit und aus seine persönlichen Vorlieben, Daten und Suchen so alles macht. Hier könnte ein Gesetz sinnvoll ansetzen.

Nein, die Verlage wollen dafür bezahlt werden, dass sie in den Suchergebnissen gelistet werden. Damit beweisen sie wieder einmal, dass sie das Internet nicht verstehen und beweisen zugleich, dass es ihnen einzig um Geld geht. Um die Sicherung ihrer Einnahmen.

Oder aber, sie verstehen das Netz inzwischen es sehr gut, tun aber so als ob nicht, um wünschenswerte Gesetze zu befördern. Immerhin ist es für jeden im Internet extrem einfach, nicht in den Suchergebnissen gelistet zu werden. Doch wer nicht gefunden wird, wird auch nicht besucht. Wer von Werbung auf den eigenen Seiten lebt, sollte also tunlichst alles versuchen, möglichst weit oben in den Ergebnissen von Google zu erscheinen. Nicht umsonst bezahlen jene, die am Lautesten schreien sehr viel Geld für die Optimierung ihrer Online-Auftritte im Hinblick auf Google.

Hier geht es also um Geld und die FDP ist ein willfähriger Helfer. Die Verlage erkennen, dass das Internet ihr klassisches Geschäftsmodell gefährdet. Die Freiheitlichen springen bei gegen die digitale Achse des Bösen.  Anstatt dass sich Wirtschaftsunternehmen an einen veränderten Markt anpassen versuchen sie die Kosten zu sozialisieren. Der Steuerzahler soll als finanzieller Blutspender die Verlagshäuser retten. Und nebenbei kann man auch noch lästige Konkurrenz ausschalten.

So sagt man bei der FDP also “Danke” für kostenlose Wahlkampfhilfe von “Zeit”, “Spiegel” und Co.