Apr 28, 2010 - Social Media    2 Comments

Zu alt für Social Media?

Im Interview auf Netzökonom erklärt Sandra Sieber, viele Führungskräfte in Deutschland seien zu alt für Social Media. Sie würden die Kommunikationsprinzipien und das gesamte System nicht mehr verstehen. Ich widerspreche und sage, die Verständnishürde hat nichts mit dem Alter zu tun.

Social Networks (Quelle: 10ch / Lizenz: cc-by)

Danach gefragt, warum in den meisten Fällen “Social Media”-Bemühungen nie aus der traditionellen Firmenhierarchie heraus entstehen, antwortet Frau Sieber:

“Weil die Führungskräfte zu alt sind, weil sie die Vorteile nicht sehen, weil sie sich nicht vorstellen können, wie soziale Medien funktionieren.” (Quelle: netzökonom)

Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass das Verständnis für die neuen Kommunikationswege und -kanäle im Netz nichts mit dem realen Alter einer Person zu tun hat. Viele ältere Menschen in meinem Bekanntenkreis (auch in Unternehmen), nutzen Social Media, vernetzen sich und verstehen die Möglichkeiten sehr gut.

Eine nicht unbeträchtliche Anzahl jüngerer Menschen in meinem Umfeld hingegen verstehen die Implikationen des Web2.0 nicht.

Viel mehr liegt dem fehlenden Verständnis von Social Media eine fehlende Bereitschaft zum spielen, zum erkunden, forschen und weiterentwickeln zugrunde.

“Kann ich nicht auch eine Mail schicken?”

Diese Frage im Bezug auf die Vorteile von Twitter musste ich leider widerlegen. Eine kurze Erklärung, was Twitter ist, wie man es nutzen kann und wie sich die Vorteile begründen, verbunden mit einer Demonstration half hier recht schnell weiter.

Natürlich gibt es eine größere Anzahl an älteren Nutzern (und Firmenchefs) im Netz, die aufgrund ihrer persönlichen Motivation bislang die sozialen Medien nicht ausgiebig genutzt haben. Daher mag der pauschalisierte Fehlschluss von Frau Sieber nachvollziehbar sein. Dennoch geht in meinen Augen diese Einschätzung am Kern des Problems vorbei.

Für Unternehmen müssen Berater oder interessierte/motivierte Mitarbeiter Wege finden, die Vorteile und Nutzungsmöglichkeiten der neuen Kanäle einfach, kurz und verständlich zu erläutern.

Ein gutes Beispiel ist hier einem Artikel auf “Spiegel Online” im Bezug auf Facebooks “I like”-Button gelungen:

“Wenn man sich das Netz als Fressgasse vorstellt und Web-Seiten als Restaurants, dann hat Facebook den Seitenbetreibern soeben folgenden verwegenen Plan vorgestellt: Wir stellen alle Kellner, überall. Unsere Kellner erzählen euren Gästen, was ihre Freunde hier schon mal gegessen haben, was ihnen gefallen hat. [...] Wir verraten euch, wie alt eure Gäste sind, woher sie kommen und wie oft sie hier sind.” (Quelle: “Spiegel Online“)

Auf dem Weg intelligenter Analogien erreicht man, dass durch die Übersetzung in die bekannte Erfahrungswelt, beim Zuhörer die digitalen Neuerungen greifbar, vergleichbar werden. Das Web2.0 wird so beinahe sinnlich erfahrbar. In vielen Fällen ein Weg, den schon die klassische Rhetorik vor 2000 Jahren vorgestellt hat. Den Zuhörer in seiner Lebenswirklichkeit abzuholen.

Kommunikations-Verständnis und PR-GAU

Ein anderweitig fehlerhaft hergeleitetes Verständnis von Social Media führt sonst schnell zu einem GAU, wie das Kommunikationsdesaster auf der Facebook-Fanseite von Nestlé zeigt. Klaus Eck hat diese Vorgänge klug kommentiert:

“Der Fall Nestlé verdeutlicht, wie wichtig es ist, in Social Media nicht nur einzelne Kanäle aufzubauen, sondern diese auch aktiv zu nutzen. Rund 760.000 Kitkat-Fans auf Facebook stellen ein großes (positives) Potential dar. Warum sollte Nestlé diesen Platz kampflos räumen? Auf Twitter und Facebook reicht es eben nicht aus, dort präsent zu sein. Die Technik kann immer nur ein Hilfsmittel sein. Jetzt ist die PR auch in Social Media gefragt und sollte Twitter und Facebook für eine aktive Reaktion nutzen statt nur zuzuschauen.” (Quelle: PR Blogger)

Zu den dafür notwendigen Qualifikationen innerhalb der PR/Kommunikationsabteilung gehören daher zukünftig auch und vor allem networking-skills.

“The technology will begin to fade into the background so that people can focus on the relationships that are created because of the technologies, not the technologies themselves.” (Quelle: Charlene Li)

Natürlich lassen sich die notwendigen Skills erlernen. Kommunkation, Sprachtonalität in sozialen Medien, Netzwerker-Fähigkeiten. All dies wird zukünftig immer stärker in den entsprechenden Abteilungen der Firmen gefragt sein. Für Talente in diesem Bereich eröffnen sich jedoch gute Möglichkeiten, einen Einstieg in entsprechende Unternehmen zu erhalten.

Dennoch ist für die meisten Unternehmen eine große Rekrutierungs-Welle nicht zwingend nötig. Eine klare Strategie, Ideen und dabei auf vorhandenes Wissen der Mitarbeiter zurückgreifen ist für viele Unternehmen, zumindest für die ersten Schritte im Web2.0 sicherlich ausreichend.

Im Zweifel, ab einer kritischen Größe der Bemühungen im Social Web, sollte man jedoch eine verantwortliche Person benennen, die für diese Kommunikationswege und deren Organisation verantwortlich ist. Allerdings wird das soziale Netz derart alltäglich werden in den kommenden Jahren, was bedeutet, dass Posten wie “Social Media Manager” oder “Head of Social Media” zwar nette Titel, aber absolut temporäre Erscheinungen sind.

Diese Suche nach Talenten wird im folgenden Zitat und dem vorangehenden, sehr lesenswerten Artikel, gut beschrieben:

Vor diesen Herausforderungen stehen zwangsläufig alle Unternehmen, weil das Netz – und damit auch die Netzwirtschaft – sich verändert. Danach wird der Run auf die Talente beginnen, egal, ob sie Community- oder PR-Manager heißen werden.” (Quelle: cluetrainpr.de)

Aber auch hier hat Talent nichts mit dem Alter, sondern mit der Bereitschaft zu lernen und sich weiterzuentwickeln zu tun. Es wird auch in fünf Jahren gute Community-Manager im Alter zwischen 50 und 65 geben.

2 Kommentare

  • Ich glaube auch, dass es an der Motivation und nicht am Alter liegt, siehe die 90-jährigen Blogger etc..

  • Auch ich glaube nicht, dass das Alter ein Grund ist. Eher wie offen man für neue Dinge ist. Da ist glaube ich der Unterschied, da jüngere Menschen eher offen für neue Dinge sind, versuchen sie sie eher zu lernen. Aber es ist sicher nicht so, dass Social Media nichts für ältere Menschen ist.

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