Okt 21, 2010 - Social Media    2 Comments

Die “Social Media”-Blase Teil II: Wann kommt der Kater?

Im ersten Teil wurde Twitter beleuchtet. Jetzt hole ich Facebook auf die Bühne und stelle das verfilmte “Social Network” mal unter den Röntgenschirm.

Auch Facebook ist trotz eines Umsatzziels von über einer Milliarde Dollar noch immer im Seifenblasen-Land. (Bild: slollo&benstein / Bearbeitung: sdoering / Lizenz: cc-by)

Weg vom “Sterbenden Schwan” hin zum Klassenprimus - Facebook.

Facebook gewinnt noch immer neue Nutzer. Das ist die gute Nachricht. Die Menschen sind auch immer länger auf Facebook. Länger viel länger als bei Google. Auch länger, als auf jeder anderen Seite im Internet.

Doch was sagt uns das? Journalisten und Tech-Blogger feiern diesen Wert als relevante Größe. “Hallo, McFly, jemand zu Hause?

Wenn ich das Nutzer-Verhalten meiner Freund, Kollegen und Bekannten auf Facebook betrachte gibt es für die (scheinbar und tatsächlich) verschwendete Lebenszeit so vieler Menschen eine einfache Erklärung (OK, vielleicht zwei).

Browsertabs

Wieso Tabs? Ganz einfach. Ich surfe bei Google, lese Blogs im RSS-Reader, schreibe diesen Artikel in WordPress – und die ganze Zeit ist mein Facebook-Tab offen. Ich verbringe also an einem durchschnittlichen Arbeitstag mal dezent acht Stunden auf Facebook. Die einzige Seite, auf der ich ebenfalls so lange bin ist Google-Reader.

Immer wieder springe ich durch die Tabs, aktiviere dabei zwangsläufig den Facebook-Tab und werde so in die tolle Rechnung als Heavy-User gewertet. Und wisst Ihr was? Bei vielen meiner Kontakte ist es ebenso.

“Ich will doch nur Spielen”

Die andere Erklärung ist ein genialer Schachzug. Denn die Öffnung der Plattform für App- und Spiele-Entwickler ermöglicht Facebook gleich mehrere Dinge. Immer mehr Menschen wurden in der Vergangenheit von ihren Freunden eingeladen sich bei Facebook zum zocken anzumelden. Die Menschen sind durch die Spiele motivierter öfter und länger bei Facebook zu sein. Und durch die Einführung einer eigenen virtuellen Währung wird ein zusätzlicher Einnahmen-Kanal generiert.

Stagnation im Wachstum? Ein negativer Faktor?

Immerhin schaffe es Facebook mittlerweile Geld einzunehmen. In diesem Jahr rechnen Unternehmen und Analysten mit einem Umsatz, der 1,2 Milliarden Dollar überschreitet.

Wobei dies noch nichts darüber aussagt, ob das Unternehmen mit solchen Umsätzen auch profitabel ist. Wie viel am Ende als Gewinn (nach Steuern und Abgaben) konnte ich leider nicht ergründen.

Bei den Nutzerzahlen sieht es so aus, als habe Facebook ein Plateau erreicht. Der Anstieg verlangsamt sich massiv und es wird interessant sein zu beobachten, wie sich Facebook im Hinblick auf Anzeigendichte und -relevanz weiterentwickelt.

Was passiert, wenn eine Sättigungsgrenze erreicht ist? In einigen Regionen sinken die Nutzerzahlen mittlerweile schon wieder. Gerade in Regionen, in denen Facebook schon länger aktiv ist, scheint sich der Userverlust einzustellen. Sind die ersten Nutzer die Seite inzwischen leid?

Vielleicht bietet das Netzwerke, hat sich die erste Begeisterung erst einmal gelegt, den Usern nicht genug Anreize, ihr Profil weiterhin zu pflegen. Vielleicht hat es sich durch frühere Privatsphäre-GAUs auch Sympathien verspielt. Vielleicht ist die empfundene (soziale) Wertschöpfung für einige nicht hoch genug.

Es mag viele Gründe dafür geben, die Plattform zu verlassen. Die Entwicklung genauer zu verfolgen bleibt jedenfalls spannend.

Im dritten Teil werde ich auf Google eingehen. Der Werbe-Vermarkter will nach einigen gescheiterten Versuchen bald auch wieder in den “Social Media”-Bereich expandieren.

ps.: Ich selbst nutze Twitter

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