Okt 7, 2010 - Social Media    2 Comments

Facebook Groups – Der große Wurf

Eine neue Funktion auf Facebook – und die Welt scheint still zu stehen. Nachdem ich einige Blogs zu Facebook Groups gelesen habe, sehe ich vor mir Blogger, Redakteure und Netzfirmen-Betreiber mit freudigen Augen und/oder Angstschweiß auf der Stirn.

So sieht das Netz für Facebook aus. Jeder Knoten ist ein Kontakt. Facebook Groups erweitert den Funktionsumfang und die Ausrichtung des Netzwerks radikal. (Bild Robert Scoble / Lizenz: cc-by)

Facebook hat die bisher eher schlechte Gruppen-Funktion so richtig auf Vordermann gebracht. Gute Ideen, interessante Funktionen, einfache Bedienung. Nach zwei Monaten des “Lockdown” haben die Entwickler wirklich allen Grund ihr Produkt zu feiern.

Bei neunetz.com schreibt Marcel Weiss:

“Die zweite große Neuerung bei Facebook ist eine neue Gruppenfunktion, die das Potential hat, zum wichtigsten Feature von Facebook direkt hinter dem Newsfeed zu werden.” (Quelle: neunetz.com)

Dem kann ich zustimmen. Auch die Ningifizierung des Netzwerks wurde die Funktion schon genannt. Ning ist ein Anbieter individueller sozialer Netzwerke. Hier kann sich jeder ein eigenes “Social Network” einrichten. Nachdem viele Stimmen im “Social Media”-Umfeld gerade hier von einem Trend zur Individualisierung der Netzwerke sprechen, gibt auch Facebook scheinbar den ursprünglichen Gedanken, “Alle teilen mit Allen”, auf. Jetzt kann jeder Nutzer seine Inhalte individueller und spezifischer verteilen.

Die neuen Gruppen erscheinen mir, wie eine intelligente Mischung aus früheren Foren, Google Wave (eingestellt), Mailinglisten, Friendfeed (von Facebook gekauft) und Google Docs. Man könnte auch sagen: Das Beste von Allem.

Klar, die Bearbeitung von Dokumenten ist bislang rudimentär, aber sicherlich erweiterbar. Die kollaborative Zusammenarbeit wird in Groups also ermöglicht. Ich denke beispielsweise an die gemeinsame Planung von Veranstaltungen.

Die Idee Gruppen auch als geheim markierbar zu machen macht die Funktion wirklich spannend für alle, die ohne Spuren in ihren Profilen mit Familie, Freunden oder anderen Kontakten in einer Gruppe kommunizieren wollen.

Die Gruppe als Forum zu nutzen wird sicherlich nicht die klassischen Foren ablösen, aber für eine neue Nutzergeneration ist so ein wichtiges und spannendes Feature geschaffen worden.

Die Möglichkeit aus einer Gruppe eine Mailingliste zu machen und auch via Mail an die Gruppe zu schreiben, so dass man Facebook nicht mehr öffnen muss um zu interagieren, erweitert die Reichweite von Facebook in Büros hinein. Denn viele Firmen sperren das Netzwerk bislang noch aus.

Auch zeigt sich hier möglicherweise eine Tendenz hin zu Facebook Mail. Schon lange wird darüber spekuliert, dass Facebook ein eigenes Mail-Produkt an den Start bringen könnte:

“Bei all dem frage ich mich, was Paul Buchheit macht. Buchheit ist einer der wesentlichen Köpfe hinter GMail und FriendFeed gewesen, und arbeitet heute für Facebook. Bis dato hört man gar nichts von ihm. Ich könnte mir vorstellen, dass er an einem neuen internen Messaging-System arbeitet, das Email weiterdenkt und für das die neuen Gruppen quasi der erste Baustein sind.” (Quelle: neunetz.com)

Ein neues Zeitalter für Voice-over-IP?
Auch die Kooperation mit Skype könnte, vermischt mit der Gruppen-Funktion ganz neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Ich denke da an Dienste wie Teamspeak und Co. Wenn sich Spieler von Online-Spielen nicht mehr bei einem eigenen Anbieter registrieren müssen, sondern zukünftig bei Facebook ihre Mitspieler (Teams) treffen, in einer Gruppe vereinen und in der Gruppe Voice-Chat nutzen können, dürften harte Zeiten für die genannten Dienste anbrechen.

Google hat Voice-over-IP in sein Mail-Produkt integriert. Ich denke, dass Facebook hier nicht zurückstehen wird.

ReadWriteWeb schreibt:

“People will start using Facebook for new things – planning events, for example. It’s not just a social network anymore. Now it’s also a newsgroup, a planning tool and more.”

Und auch All Facebook ist der Meinung:

“Facebook is aiming to become a more significant communications and collaboration platform.”

Im Augenblick wage ich nicht einmal eine Vorhersage

Groups könnte so viel für die künftige Nutzung von Facebook bedeuten. Die Möglichkeiten sind enorm. Die Funktion könnte untergehen, oder zum absolut integralen Bestandteil unserer täglichen Nutzung werden.

Die Funktion könnte das kaum verwendete Listen_Feature völlig ablösen und obsolet machen, wie es auch den ein oder anderen Dienst im Internet hinfällig werden lassen könnte.

Das Potential ist groß – es bleibt spannend.

ps.: Ich bin natürlich auch auf Facebook und bei Twitter.

pps.: Es mag sein, dass das Posting etwas zu unkritisch und positiv daher kommt. Ich finde die Funktion nach ersten Tests durchweg interessant. In ihrer Funktionalität und mit dem was daraus künftig werden könnte ist Facebook etwas solides gelungen. Mit der default-Einstellung “closed” wurde auch der Aspekt der Privatsphäre bedacht.

Natürlich sehe ich trotzdem, dass dadurch Facebook sehr viel genaueren Einblick in Verknüpfungen zwischen Kontakten und in die Intensität des Kontaktes zwischen Nutzer und Freundes-Gruppen gewinnt.

2 Kommentare

  • Die organisationelle Verbesserung durch Empfängerkreise hat positive und negative Aspekte für das Ich-Management:

    Da die Trennung zwischen Freunden und Bekannten bei Facebook in der sozialen Wirklichkeit effektiv aufgelöst ist, kann man durch Trennungen der Empfänger nun wieder mehrere Personen/Rollen sein und wird durch Facebook nicht mehr auf eine einzige öffentlich-bürgerliche Person in seinem Sendeverhalten reduziert.

    Was mir als Raumwissenschaftler aber natürlich auffällt, ist die stetige Tendenz Facebooks, seine Masse an Daten zu kartographieren (siehe auch den neuen Verortungsdienst). Da es dieses jedoch von rechtswegen nur beschränkt selber machen darf, braucht es dafür die Selbstauskünfte seiner Nutzer. Es sollen also die eigentlich sinnvollen Schranken des Datenschutzes umgangen werden. Jede räumliche Ordnung – ob selber produziert oder “auto-kartographiert” – ist Machtwissen und soll stragisches Handeln in diesen Räumen ermöglichen. Kurz: demokratisch legitmierte Rechtsnormen werden letztlich effektiv durch eine jugendliche Nutzungs-Demokratie ausgehebelt und Macht/Wissen an eine supranationale Korporation übergeben.

    Diese Ambition ist bei großen, verdateten Massen-Korporationen natürlich unausweichlich und nicht zu verhindern (siehe die ewig wiederkehrenden Wissens-Ambitionen von Staaten bezüglich ihrer Bürger; Facebook muss aber keine Vorratsdaten löschen). Die vermeintliche Privatsphäre ist in diesem Rahmen aber natürlich naive Augenwischerei.

    Unternehmenswissen entsteht nicht, um nicht genutzt zu werden. Hierbei ist die große strategische PR-Frage, ob man Maßnahmen als Service/Dienstleistung für den Kunden darstellen kann. Die taktische Gegenfrage hierzu wäre, ob man die “Dienstleistung” im Alltagsgebrauch auf ein ‘Instrument’ reduziert oder damit spielt und sich des Wissens/Macht/Blick-Hungers auch bewusst ist. Diese Reife traue ich jungen Menschen, die ihr Leben ja gerade erst für sich selbst ordnen müssen, eher nicht zu.

    ‘ ” Nur die Unschärfe des strategischen Wissens ermöglicht Freiräume’ ”

    in dieser Hinsicht würde ich mir weiterhin etwas Unschärfe bei der Selbstäußerung wünschen.. und finde den Beitrag tatsächlich etwas zu euphorisch, trotz des anfangs beschriebenen Vorteils des neuen Dienstes.

    Es entscheidet letzlich die effektive Nutzung des neuen “räumlichen” Gruppen-Tools über dessen Schärfe. Bin gespannt, wie die Nutzer sich selbst organisieren.. Für die professionelle Nutzung Facebooks ist die Funktion natürlich ganz geil. :)

  • [...] Groups sich durch Funktion und Bedienung tätsächlich von anderen Services abhebt, und das “Beste von Allem” auf sich vereinigt, bleibt [...]

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