Dez 12, 2010 - Gesellschaft, Social Media    1 Comment

Ist Wikileaks Social Media

Wir diskutieren meist unserer Komfortzone: Social Media als Marketing-Kanal. Oder Social Media als Kommunikation zwischen Freunden. Wikileaks ist unkomfortabel: Ist die Plattform Social Media?

Ist Wikileaks “Social Media”? Zumindest schafft die Organisation von Julien Assange ein Kristallisationspunkt zur Schaffung von Gemeinschaft. (Bild: Alex E. Proimos / Lizenz: cc-by)

Einseitige Kommunikation

Wikileaks ist ein mono-direktionaler Kommunikationskanal. Irgendjemand reicht Dokumente ein und diese werden der Welt dann medienwirksam zum Fraß vorgeworfen. Nach jeder gängigen Definition ist das kein Social Media.

Gerichtet auf das Gesicht von Julien Assange, verbirgt die Organisation ihr eigenes Netzwerk hinter einem Namen und einem Gesicht. Das soziale Engagement innerhalb der Organisation wird dem Schutz der Organisations-Mitglieder geopfert.

In keiner mir bekannten Definition handelt es sich bei Wikileaks um Social Media.

Die Masse engagiert sich – die Schaffung von Gemeinschaft

Wikileaks polarisiert. An Wikileaks scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite die Vertreter des bestehenden Systems. Personen und Institutionen, die in Wikileaks eine Bedrohung sehen. Hier werden Nebelkerzen gezündet. Hier wird rhetorisch schweres Kriegsgerät aufgefahren.

Auf der anderen Seite stehen die Verfechter einer freien Welt. Befürworter eines Systems, in dem sich Institutionen für ihr Handeln verantwortlich zeigen müssen. Ein System, das diese Institutionen kontrollieren will. Hier werden mit Cyber-Attacken und Wikileaks-Klonen die digitalen Schwerter geschärft.

Egal auf welcher Seite man sich selbst verortet. Man integriert sich in eine (neue) Gemeinschaft. Bin ich gegen Wikileaks, oder stehe ich auf Seiten der digitalen „Achse des Bösen“? Menschen organisieren sich und diskutieren in Foren, Blogs oder klassische Medien. (Selbst-)Organisation findet statt in den Kanälen, die Social Media bietet.

Wikileaks schafft eine Grenze – und Grenzen dienen der (Selbst-)Definition von Gruppen. Wikileaks schafft ein diskursives Umfeld, ganz im Sinn von Michel Foucault. Die historisch erarbeiteten Theorien von Macht, Subjekt und Disziplinierung lassen sich hier am aktuellen Beispiel beobachten.

Wichtig ist hier die Schaffung von Gemeinschaften. Wikileaks ist sozusagen der Kristallisationspunkt. In dieser Sichtweise ist Wikileaks vielleicht nicht an sich Social Media. Wikileaks schafft jedoch Kommunikation, schafft Gemeinschaft. Und Gemeinschaft kann sich nur in Abgrenzung definieren.

Bin ich Katzen- oder Hunde-Mensch. Trinke ich Pepsi, oder Cola. Gehe ich zu McDonalds oder zu Burger King. Oder verabscheue ich Fast Food? Ich bin ich – immer in Abgrenzung zu anderen.

Ist Wikileaks Social Media?

Diese Frage lässt sich final nur mit einem eindeutigen „Jein“ beantworten. Hinter Wikileaks verbirgt sich ein soziales Netzwerk. Ein Netzwerk von Menschen, die sich für eine Sache engagieren. Und ein Netzwerk von Menschen, die der Plattform geheime Daten zur Verfügung stellen. Dieses Netzwerk wird durch einmalige, einseitige Verbindungen definiert.

Doch im gebräuchlichen Wortsinn ist Wikileaks kein Social Media. Es lässt keine beliebige Mitarbeit zu und öffnet sich auch nicht der Massenkommunikation, die in beide Richtungen läuft. Die Organisation selbst zeigt keinerlei Transparenz.

Wikileaks ist (noch) eine Singularität im sozialen Netz. Doch wird es künftig weitere Plattformen für Leaks geben. Openleaks steht schon in den Startlöchern. Wie unsere (Online-)Welt damit umgeht wird sich zeigen.

Was meint Ihr? Für wie „sozial“ haltet ihr Wikileaks? Diskutiert mit mir auf Twitter.

1 Kommentar

  • Schöner hätte das mit der Massenkommunikation auch ein Kommunikationswissenschaftler nicht formulieren können. Ich stimme zu: Die Kommunikationsrichtung ist “One to many” und nicht “Many to many”, denn die Informanten kommunizieren ja nicht selbst mit den Usern. Wikileaks ist also durchaus vergleichbar mit einem klassischen Informationsmedium ( wie z.B. Süddeutsche). Die investigativen Journalisten erhalten auch Informationen aus anonymen Quellen und bereiten diese dann für die Öffentlichkeit auf. Leider gibt es bei den klassischen Medien kaum noch Raum dafür. Daher werden in Zukunft Plattformen wie Wikileaks zunehmend diese Rolle übernehmen.

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