Dez 3, 2010 - Social Media    2 Comments

Sprichst Du mit mir?

Wenn ich Facebook schon meine ganzen Daten schenke, dann will ich dafür wenigstens keinen Spam erhalten. Meinen die eigentlich mich mit dieser Kampagne? Dabei soll Targeting doch so einfach sein?

Werbung im Hamburger Schanzen-Viertel. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by-sa)

Meinst Du mich?

Ja, ich rede mit Euch. Ja mit Euch Ihr Werber, die Ihr mich mit belanglosen Spam-Versprechen nervt. Und ja liebe “GoreTex Outdoor Community” – auch Dich meine ich. Wieso sollten mich bitteschön Neuigkeiten eines Stoffes interessieren? Klar, ich bin gerne draußen. Ich klettere, betreibe Geocaching. Aber wieso zum Geier, sollte ich Fan einer Seite werden, die mir irgendwelche unspezifischen Neuigkeiten verspricht. Bin ich als unkritischer Fanboy im Targeting gespeichert?

Klar weiß ich, wie Targeting funktioniert. Natürlich ist mir bewusst, dass dem Werber gar nicht so viele Möglichkeiten der Einschränkung bleiben, wie er vielleicht gerne hätte.

Werbung ist Spam in meinen Augen und ich blende sie schon unterbewusst aus. Information wird konsumiert. Was erreicht mich wohl eher? Wieso bietest Du mir also Spam an? Wieso machst Du Dir nicht die Mühe, mich mit relevanten Inhalten zu “ködern”?

Du willst mich als Fan, Du willst einen vernünftigen CPF (Cost per Fan) erreichen? Wieso dann mit schlecht ausgerichteten und auch noch unspannenden Anzeigen.

Biete mir etwas – sei relevant!

Im Gegensatz dazu ist es schon vorgekommen, dass ich Anzeigen, die ich in Screenshots gesehen habe, als Anlass genommen habe, nach dieser Kampagne, der Marke oder dem Unternehmen zu suchen. Denn in diesen Anzeigen versteckte sich für mich ein Mehrwert, der mir die Mühe wert schien. Meistens zu Recht.

In den Netzwerken und bei Google stecken so viele Informationen über mich, die man für intelligente Werbeeinblendungen nutzbar machen könnte. Vielleicht gefällt die Vorstellung nicht jedem – kann ich gut verstehen. Doch wenn ich mir überlege, dass Facebook mehr weiß, als nur meine Interessen. Es kennt die Seiten in meinem Profil, weiß, wie oft ich auf Beiträge der jeweiligen Seiten reagiere oder ob ich die Seiten direkt besuche. Und Facebook kann auch wissen, wie viel Zeit ich auf Fanseiten verbbringe, wenn ich sie direkt besuche. Ja das Unternehmen könnte sogar sagen, wie viel Zeit ich auf den “echten Webseiten” verbringe, die zu den Fanseiten gehören.

Man sollte also annehmen, dass meine Interessen viel detaillierter Vorliegen. Vielleicht blende ich manche Meldungen von Fanseiten aus. Das sollte doch zeigen, dass ich nur ein Interesse am Rand habe – oder ich die Seiten nur im Profil habe, weil deren Name auch etwas  über mich aussagt.

Mit dieser Interessen-Relevanz sollten granularere Zuweisungen von Werbung möglich sein – und was passiert? Ich bekomme immer und immer wieder Spam.

Also liebe Werbetreibende und liebe Werbeflächen-Verkäufer. Bietet mir Information, nicht Spam.

Lieber Leser, was meinst Du? Beachtest Du Werbung im Netz? Macht Dir Targeting Angst? Schreib mir doch bei Twitter. Oder hier in den Kommentaren.

2 Kommentare

  • Toller Beitrag. Spicht mir aus der Seele. Gruß Stefan

  • Nein, Targeting muss keine Angst machen. Allerdings denke ich, dass sich jeder halbwegs intelligente Mensch, der seine Daten Systemen wie Facebook oder Google überlässt, informieren sollte, wie es funktioniert. Nur dann kann er für sich persönlich entscheiden, wie weit er gehen will oder wie weit eben nicht. Eigentlich ist es nämlich viel schöner, informiert und selbstbestimmt zu sein, als immer nur Herrn Schaar und Frau Aigner entscheiden zu lassen, was gut für einen ist.

    Für die Werbewirtschaft stellt sich allerdings primär das Problem, das mit immer feinerem Targeting auch die Zielgruppen immer kleiner werden. Andererseits ist aber Werbung im Netz im Vergleich zu anderen Werbeformen ziemlich preiswert. Deshalb streut man seitens der Werbetreibenden und Agenturen lieber breiter. Extrembeispiel: Der klassische Viagra-Spam geht auch an zwölfjährige Mädchen, weil eine Auflage von fünf Millionen Mails auch nur unmaßgeblich teurer ist als eine von 20.000.

    Dass man sich auf diese Weise natürlich auch die Zielgruppe kaputt macht, dass diese gegen Werbung immer weiter abstumpft, möchten die Werber meist nicht so gern hören. Erfolg wird in dieser Branche in sehr kurzen Zyklen gemessen, Kennzahlen werden nach Gutdünken festgelegt. Sobald in bestimmten Segmenten verbrannte Erde festgestellt wird, haben die Verantwortlichen doch längst ihren Job gewechselt: Von der Agentur in die Marketingabteilung, von einem Markt in den anderen.

    Letztlich bleibt es aber einfach dem Internetnutzer überlassen, welche Werbung er wahrnimmt. Dabei ist es seine freie Entscheidung, ob er sich des natürlichen Filters zwischen seinen Ohren oder eines Softwaremoduls in Browser oder Proxy bedient. Entgegen der oft von Seitenbetreibern und Werbewirtschaft kolportierten Meinung ist beides genauso legitim, wie aus einer gekauften Zeitschrift nur die Seiten mit den interessanten Artikeln herauszureißen und den Rest wegzuwerfen. Es gibt keinerlei ethische oder gar rechtliche Verpflichtung für irgendwen, Werbung wahrzunehmen. Nirgends.

    Will die Wirtschaft ihre Werbebotschaften weiter an potenzielle Zielgruppen herantragen, dann wäre sie tatsächlich gut beraten, diesen schon mit der Werbung einen Zusatznutzen mitzuliefern. Nur, wenn Werbung auch dem Umworbenen einen Mehrwert in irgendeiner Form bietet, wird er sie auch zukünftig noch wahrnehmen.

    (Disclaimer: Ich bin diplomierter Direktmarketer.)

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