Okt 21, 2011 - Social Media    6 Comments

Google Minus

Ich war dann mal weg. Und ich bin es noch immer. So einige Menschen haben mich gefragt, wieso ich Google+ den Rücken gekehrt habe. Hier nun ein für alle mal meine Begründung.

Aus dem fahrenden Zug gesprungen? Wohl eher aus der "Deutschen Bahn"... (Bild: Sean MacEntee; Lizenz: cc-by)

Google beherrscht den Markt als Suchmaschine. Google hat die größte Datenbank über das (Fakten-)Wissen der Welt. Google nutzt die besten Algorithmen um dieses Wissen zu sortieren, zu filtern, zu bewerten und uns verfügbar zu machen.

Doch Google macht das alles nicht aus Altruismus. Google will Geld verdienen. Auf welchem Weg auch immer. Ob dazu künftig noch eine Suchmaschine (heutiges Kernprodukt) notwendig ist, oder nicht, selbst darüber denkt man bei Google scheinbar nach.

Was Google nicht kennt, ist der menschliche Faktor im Netz. Die Frage, welche Meldungen sich in welchen Netzwerken verbreiten. Wer wen, auf welchem Weg, beeinflusst, wer welche “Kaufentscheidungen” für andere mitprägt und -beeinflusst.

Denn wenn Google weiß, was mich (neben “normalen” Suchanfragen interessiert, kann esm ir “bessere” Werbung andrehen. Um dieses “soziale Ebene” kennen zu lernen hat Google mehrere Möglichkeiten.

  • Google kauft Twitter (oder gibt Twitter Geld für einen entsprechenden Datenzugang).
  • Google kooperiert mit Facebook, was die wohl eher nicht tun würden (Kooperation mit Microsoft)
  • Google macht sein eigenes Ding.

Da Google bei fast allem, was das Unternehmen tut, darauf setzt unabhängig zu sein, ist die letzte Option nur logisch. Vor allem, da man Twitter nicht kaufen konnte.

Also entwickelt man ein eigenes Netzwerk, bei dem man die Vorteile der großen “Mitspieler” auf dem Markt zu einem Produkt verschmelzen will.

Man führt eine aufgeräumte Optik ein, die sich jedoch strukturell an den erlernten Facebook User-Gewohnheiten orientiert. Man führt die “Folgen”-Logik von Twitter ein, bricht also mit dem 1 zu 1 Beziehungsgeflecht von Facebook. Gerade diesen essentiellen Unterschied haben die meisten “normalen Menschen” da draußen das erstmal nicht verstanden. Es ist eben nicht jeder ein Online-Freak wie meine Wenigkeit. Google nennt dieses Prinzip “Circles” man schmeißt also Menschen in irgendwelche Kreise, die man nach seinem eigenen Gusto benennen und sortieren kann.

Das heißt: Die meisten Menschen gehen davon aus, dass man als Mitglied in den Kreisen einer Person, analog zu Facebook, in einer direkteren, engeren Verbindung steht, als dies tatsächlich der Fall ist. Das hier aber das Twitter-Prinzip greift (Jeder kann mir folgen), wird schon aufgrund der Gestaltung der Seite und der Medien-Berichterstattung über Google Plus von Otto Normalverbraucher gerade nicht wahrgenommen.

Und genau an diesem Punkt setzt mein großes Problem mit den Einstellungen von Google Plus ein:

Ich kann Menschen zwar blocken, erscheine nicht mehr bei denen im “Nachrichtenstrom” und sehe sie auch nicht mehr auf meinem Bildschirm. Ich verbleibe aber in deren Kreisen. Hat so jemand nun sein Profil öffentlich gemacht, kann man mich über eine Google-Suche in so einem Profil finden. Und dann (siehe oben) denkt Otto Normalverbraucher und Personalchef: “Oh Herr Döring ist mit XY verbunden. Wieso hat der denn so jemanden als Kontakt?”

In die Verlegenheit, dies im Vorstellungsgespräch zu erklären komme ich dann gar nicht. Denn eingeladen werde ich auf Grund dieser Wahrnehmung nämlich nicht.

Und was kann ich dagegen tun? Nada! Nichts! Niet!

Um mal ein plastisches Beispiel zu bringen:
Adolf Hitler hat Sophie Scholl zu seinen Kreisen hinzugefügt… Ich glaube, ich muss nicht deutlicher werden.

Ich höre das Argument: “Aber Twitter…”
Bei Twitter blocke ich jemanden und bin auch aus seinem Following entfernt. Problem gelöst.

Daher mein Ausstieg aus Google Plus. Für mich eben Google Minus.

6 Kommentare

  • Google erfüllt wirklich nicht den sozialen Anspruch aber es ist gut um Menschen zu folgen, die tatsächlich etwas zu haben – was man im eigenen Bekanntenkreis ja eher selten vorfindet.

    • Hallo Boris,

      ich wollte auch nur den Grund erklären. Die Ursache nennen, die mich zur Löschung meines Profils veranlasst hat. ;-)

  • Bruch und Konsequenz sind selten heutzutage. Glückwunsch.

    Ich bin bisher nicht eingestiegen. Die Gründe dafür sind knapp: a) nur Business Netzwerker b) Klarnamenpflicht. Dein Argument der unkontrollierten Öffentlichkeit wäre hier eine Erweiterung von b) …

    Ich sehe bei Googleplus außerdem das erste Mal das Einladungsprinzip scheitern. Bei einem potenziellen Identität/Profil-Massenmedium darf die erste Kultur nicht von Kommunikationsprofis dominiert werden.

    Fazit: Google scheitert, privat zu sein.

    • Meine Erfahrung bei G+ war, was die Kommunikation betrifft, dass wirklich zu 90% reine Kommunikations/Social Media/Netz-Nerds unterwegs waren. Zum Teil waren die Diskussionen ja recht gut – und ich habe ein paar nette Personen entdeckt, deren Blogs ich nun ab und an mal überfliege. Alles in allem, hatte G+ für mich jedoch den größten Vorteil in dem Druck, den es auf Facebook aufgebaut hat, dass sich dort mal wieder einiges bewegt (Produktdesign und Privatsphäre).

      • Habe den Start von Googleplus auf Twitter mitbekommen… jeder Professionelle hatte Angst, einen neuen Social Media Trend zu verpassen. Alle haben ihre Pseudonyme aufgegeben. Haben gebettelt, um Einladungen. Es war schon eine kleine Realsatire :)

        Frage mich, ob es ein allumfassendes Netzwerk überhaupt geben kann. Und ob dies ein normaler Nutzer überhaupt möchte. Der Charme eines Kommunikationsnetzwerkes ist auch seine sehr eigene Szene im Zusammenhang mit einer eigenen Form (siehe z.B. 140 Zeichen). Heißt: Variierendes Publikum. Gruppen sind da irgendwie bisher zu virtuell…

        Für gute Fachdiskussionen mag Googleplus gut sein. Vielleicht wird Netzrhetorik mal ein Kandidat für ein Profil… ;)

        Gruß,
        Pi

  • Meine Erfahrung bei G+ war, was die Kommunikation betrifft, dass wirklich zu 90% reine Kommunikations/Social Media/Netz-Nerds unterwegs waren. Zum Teil waren die Diskussionen ja recht gut – und ich habe ein paar nette Personen entdeckt, deren Blogs ich nun ab und an mal überfliege. Alles in allem, hatte G+ für mich jedoch den größten Vorteil in dem Druck, den es auf Facebook aufgebaut hat, dass sich dort mal wieder einiges bewegt (Produktdesign und Privatsphäre).
    +1

Deine Meinung? Ich freue mich über Deinen Kommentar!