Gesellschaft, Persönliches, Social Media
10 CommentsEs ödet mich an
Ach ja. Das Leben ist schön. Oder so. Schnell mal auf Facebook gepostet, gleich mal noch ein paar Bilder geklickt. Oh ein “Like” – Mist jetzt ist schon wieder der ganze Abend rum. Dabei wollte ich doch…

Das (soziale) Internet langweilt mich. Es ödet mich an, immer wieder den gleichen Bodensatz "lustiger" Videos zu sehen. Ich wünsche mir mehr Substanz, Tiefgang und "echte Menschen". (Bild: Jayegirl99; Lizenz: cc-by-sa)
“Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.” (Albert Einstein)
Ich beziehe mich dabei gar nicht so sehr auf Facebook. Wobei dieser Zeit-Assasine wohl lange Zeit der größte Feind meiner Lebenszeit war. Mir geht es darum, dass mich das Internet inzwischen (fast) in seiner Gesamtheit anödet.
Es langweilt mich, da es immer (und immer) wieder den gleichen Morast durchwühlt. Und am Ende die gleiche Scheiße in neuem Gewand präsentiert.
Wann habe ich das letzte mal etwas aus den (A-)sozialen Netzwerken erfahren, dass für mein Leben auch nur irgend eine Relevanz besessen hat. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Das gilt auch für Medienseiten, Nachrichten, und, und, und…
Dieser ganze Mist mit dem “sozialen Internet” hat im Grunde nur zwei Ursachen (und keine hat mit Menschen zu tun):
- Als Plattform (Unternehmen) geil erscheinen für die Werbekunden
Du, Du als Nutzer, bist das Produkt, das Unternehmen wie Facebook an ihre Kunden (Werbetreibende) verkaufen.
Im Netz bist Du immer dann das Produkt, wenn Du für einen Service nichts bezahlen musst. So einfach ist das. - Als Unternehmen geil erscheinen für Investoren
Egal, ob Risiko-Kapitalgeber, oder ob die breite Masse an Idioten beim Börsengang. Ziel sind möglichst viele Nutzer und taugliche Umsatzzahlen durch Vermarktung (oder sonstwas), um Investoren anzulocken, damit am Ende die Gründer mit einem dicken Scheck nach Hause gehen.
Manchmal braucht es einen entsprechenden Anstoß, um darüber nachzudenken. Für solche Momente bin ich dankbar.
Und nun? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich deutlich weniger Lust habe dieses ganze Spiel mitzuspielen. Ich will etwas mehr hinterlassen, als irgendwelche “Likes” (oder so) auf den Pinnwänden anderer.
Ich möchte mehr geben, als nur ein “Oh, dieser lustige Katzenconent gefällt mir aber”.
Ich will mehr vom Leben, als bunte Bits und Bytes.
Ja, die Social-Media-Wechseljahre mit ihren bekannten Symptomen.
Wobei es ja nicht nur um Social-Media geht. Aber es ist halt überall auf der Welt so, dass der gleiche Kram immer und immer wieder wiederholt wird. Das hat ja nichts genuin mit dem Netz zu tun.
Hier fällt es mir nur eben im Augenblick in besonderem Maß auf.
(Der ausgefilterte Link sollte zu http://maennig.de/social-media-muedigkeit leiten.)
Dank Dir für den Link. Wie dort geschrieben, kann ich nur zustimmen…
Wenn Du wirklich andere Spuren als “Likes” hinterlassen willst, solltest Du dorthin gehn wo die Menschen sind, die Dich brauchen. Adoptier ein Kind. Geh in die VHS und geb Dein Wissen weiter. Oder geh auf couchsurfing.org und lad die Welt zu Dir ein. Es gibt so viele Möglichkeiten und das Internet ist dabei nicht der Zweck, sondern eher Instrument oder besser eine Schicht in der Realität, wie die materielle, finanzielle, kulturelle usw., die Menschen, die etwas zu geben haben mit denen, die es brauchen, verbinden kann. Unter diesem Aspekt betrachtet gibt es Orte in der virtuellen Welt, die einen vollendeten sozialen Markt schaffen, der ohne finanzielle Umwege auskommt. Wir haben diese Möglichkeiten bereits. Wir müssen in der Masse nur noch lernen, sie vernünftig einzusetzen.
Moin Andreas,
sicherlich bietet das Internet in seiner Gesamtheit einige interessante Möglichkeiten. Crowdfunding, alternative Meinungen, die Möglichkeit Dinge zu lernen, die früher sehr viel schwieriger erlernbar gewesen wäre, politische Mobilisation, et. al.
Mir geht es gar nicht darum, das Netzwerk in seiner Gesamtheit zu verteufeln. Ich bin im Augenblick (die letzten Monate) allerdings in einer Phase, in der ich viele Dinge, die ich als selbstverständlich erachtet habe zu hinterfragen. Ebenso hinterfrage ich viele der Dinge, die für die meisten Menschen “normal” sind.
Zum Thema “Hinterlassen”: Deshalb versuche ich, Dinge zu durchdenken, Gedankenanstösse zu geben und mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Oder ich gehe an Orte, an denen meine Hilfe gebraucht wird. Und/Oder ich renoviere weiter am Haus. All das sind Dinge, die für mich einen höheren Wert haben, als irgendwelche lustigen Katzenbilder mit einem “Like” zu würdigen. Klar, auch das mache ich ab und an. Wieso auch nicht. Ich will mir nur der DInge bewusst sein, die ich tue. Ich möchte leben und nicht nur existieren.
Ist schwierig, weil meine Gedanken dazu nur bedingt ausgereift sind. Ich kaue da noch auf einigen Punkten rum…
Wolln wir uns darüber mal wieder, wie in alten Zeiten, gemeinsam den Kopf zerbrechen? Aber bitteschön in analog und technicolor, vorzugsweise an einem Lagerfeuer. Ich wüsste einen wundervollen Ort dafür, den Du wahrscheinlich noch nicht kennst. Er liegt ganz in der Nähe von dem Ort, in dem Du Deine moderne Version von bohemer Jugend verbracht hast und wo einige alte Weggefährten von Dir immernoch abgeblieben sind – vielleicht wird es Zeit, dass Du sie mal wieder likest, und zwar mit beiden Armen?
Das ist eine sehr, sehr gute Idee. Allerdings wird mich wohl die alte Heimat in diesem Jahr eher weniger zu sehen bekommen. Denn in diesem Jahr werden meine freien Tage und Wochenenden wohl vor allem in die Renovierung von Haus und Garten fließen. Immerhin wollen wir im kommenden Winter nicht noch einmal so viel Heizkosten aufgrund fehlender Dämmung berappen.
Aber ein schöner Abend mit alten Freunden am Feuer…
… sehr reizvolle Idee!
Wie wärs, wenn Du der reizvollen Idee mal reizvolle Taten folgen lassen würdest? Besserwisser gibts schon genug auf dieser Welt… es fehlen die Bessermacher.
Ich muss ja zugeben, dass ich den Kommentar nicht verstehe. Bezieht er sich auf die Idee mal wieder in die alte Heimat zu kommen? Oder auf meine Antwort, am Haus zu arbeiten.
Oder bezieht er sich auf meinen Text? Der Text ist vor allem erst einmal ein Zustandsbild. Eine Niederschrift meiner Gefühle und Gedanken, wenn es um Dinge wie das “soziale” Netz geht. Wie ich ja geschrieben hatte, bin grübel ich, denke ich nach und schaue mich um. Und wenn es darum geht mehr als nur “Likes” zu hinterlassen – glaub mir, dass tue ich. Analog und in Farbe…