Articles by " sdoering"

Relevanz – Mein schwarzer Schwan

99 von 100 Mails lösche ich nahezu ungelesen. Ich spreche nicht von Spam, ich spreche nicht von den Mails in der Arbeit. Ich spreche nur von den Mails, die täglich in meine privaten Postfächer fließen.

Lange dachte man in Europa, alle Schwäne seien weiß. Diese Allaussage musste mit der Entdeckung eines einzigen schwarzen Exemplares aufgegeben werden. (Bild: RedCraig / Lizenz: cc-by-sa)

99 von 100 Status-Updates lese ich nicht. Sie sind ausgeblendet, oder ich sortiere sie aus meiner Wahrnehmung.

999 von 1000 Tweets fliegen ungelesen durch meine Timeline. Ich sehe sie nicht und wenn ich mal auf meinen “Nachrichten-”Strom schaue, erscheint mir der kollektive Bewusstseinsstrom oft reichlich irrlevant. Er gleicht einer großen Massenparty, bei der man einmal durch den Raum läuft – und wieder zurück zum Ausgang, weil man lieber sofort wieder verschwindet.

Unzählig viele, mögliche Ergebnisse filtert Google schon “für mich”  aus den Suchergebnissen aus – auch wenn sie auf meine Suchanfrage passen würden. Mein Google-Ergebnis sieht anders aus, als Deins. Bei gleicher Suchanfrage wohlgemerkt.

Ich filtere radikal. Und dennoch lese ich noch viel zu viel. Das Wissen um die Filter, in den letzten Monaten nur noch faschistoider eingestellt, noch radikaler im Aussortieren und Entsorgen, sorgt zugleich dafür, dass all das, was übrig bleibt, den Anschein von Wichtigkeit bekommt. Völlig unbewusst. Ein Problem in meinem Kopf.

Ich muss noch lernen im Kopf härter zu filtern. Das schlechte Gewissen auszuschalten. Diese Stimme, die versucht mir einzureden, ich könne etwas verpassen. Doch was ich “verpasse” ist nahezu immer die endlose Perpetuierung bekannter, altbekannter Aussagen. Alter Wein in neuen Schläuchen, ohne Mehrwert – und ohne Relevanz.

Doch wieso ist Relevanz dann mein schwarzer Schwan?

Etwa ein bis zwei Ereignisse gibt es in der Woche, in denen der “Zufall” sich Bahn bricht. In denen mir ein Link, ein Wort, ein Zitat vor die Füße fällt und eine andere, eine neue Perspektive eröffnet. Oft geschieht dies allerdings analog, nicht digital.

Das ist dann der schwarze Schwan im kulturpessimistischen Denken. Es gibt die Relevanz dort draußen. Doch wie im analogen Leben ist sie rar gesät und man muss zum Spurenleser werden, um sie zu finden.

Filtert, schließt die Schleusen und öffnet so Eure Aufmerksamkeit für die absolut subjektive Relevanz. Ihr könntet die kleinen Perlen sonst am Wegesrand übersehen.

Denn: Wer findet schon das 10-Cent-Stück auf dem Fußboden einer 4000-Mannparty?

Apr 28, 2011 - Gesellschaft, Social Media    2 Comments

Aufklärung 2.0?

Gesellschaft 2.0? Aufklärung 2.0? Sind wir auf dem Weg in ein neues, vernetzt-goldenes Zeitalter? Ich glaube nicht (zwangsläufig) an die, viel gepriesene, positive Kraft der schönen bunten Welt.

Wir legen Daten, keine Eier: Für Facebook sind wir eingepferchte Legehennen. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by)

“Schlaue” Menschen schreiben über unsere Zeit, wir befänden uns im Zeitalter einer neuen Aufklärung. Die globale Vernetzung führe uns zu einer neuen Gesellschaft. Die alten Machtstrukturen und -Eliten verschwänden. Bis wir schließlich auf Elyseischen Feldern 2.0 unter der Sonne der Vernetzung beim neuen “Woodstock” tanzen.

Ich habe meine Zweifel. Ich zweifle, dass die Vernetzung uns in paradiesische Zustände führen wird (oder kann). Ich bezweifle, dass es zur Abschaffung der Eliten kommt. Betrachte ich die aktuelle Entwicklung, so sehe ich vielleicht(!) den Sturz bestehender Eliten, doch vor allem sehe ich das Erwachsen neuer Macht-Strukturen, -Eliten und -Gefahren.

Wir ziehen uns aus, vollständig und völlig freiwillig. Mehr als in jeder Beichte im hölzernen Stuhl, strippen wir unser Leben und schenken dem Netz unsere Daten. Wir lassen uns digital sezieren in der Hoffnung, uns mit (meist) unwichtigen Menschen im Netz zu verknüpfen. Nur um dann deren Belanglosigkeiten, deren uninteressante Lebenssplitter live verfolgen zu können.

Wozu sind wir hier?

Wir sind nicht im Netz (bei Facebook, Twitter, Google und Co.) um zu sozialisieren, um uns auszutauschen und uns gegenseitig zu besseren Menschen zu befruchten. Wir sind hier als Nahrung. Wir sind die Menschen, nach deren Daten-Blut sich die Vampire Namens Zuckerberg, Page und Co. so sehnen. Wir sind die Herde in Massentierhaltung, gezüchtet (lese: erzogen) um möglichst kostenoptimal als Futter zu dienen.

Erinnert Ihr Euch an die Szene aus Matrix, in der Neo in seinem Tank erwacht? Kennt Ihr die Bilder von Legehennen in der Batterie? Schaut in den Spiegel und erwacht. Durchbrecht den Schleier des Wunderlandes und blickt hinter die Fassade, die jedes Hollywood-Set in den Schatten stellt.

Lasst die Maske fallen!

Leben ist Blut, ist Liebe, ist Trauer, ist Fleisch, ist Schmerz, Leid und Glück. Leben, das seid Ihr selbst und die Menschen, die wirklich in Euren Herzen sind. Nicht auf Eurer Pinnwand.

Jan 18, 2011 - Persönliches    No Comments

Pause, Persönliches, Perfektionismus

Dieser Eintrag ist vollständig persönlich. Wer nun irgendwelche Erwartungen an “Social Media”, “Twitter” oder “Facebook” hegt, wird enttäuscht. Thema ist eine Blog-Pause auf schriftrolle.de. Eine Pause von Buchstaben auf Word, eine Pause von Bits und Bytes.

Meine internen Abläufe bedürfen eines Reboots. Daher erfolgt eine Blogpause. (Bild: jeff_golden / Lizenz: cc-by-sa)

Vielleicht ist es auch eine Netz-Pause. Ein verstärkter Rückzug aus den sogenannten “sozialen Netzwerken”, um die internen Filter und Speichermedien mal wieder vom digitalen Datenmüll zu befreien. Zumindest die digitale Präsenz wird reduziert werden in dieser Zeit. Während einer Defragmentierung sollte man ja auch nicht zu viel auf den Festplatten treiben.

Der Grund lautet: “buffer overflow

Pufferüberläufe (engl. buffer overflow) gehören zu den häufigsten Sicherheitslücken in aktueller Software, die sich u. a. über das Internet ausnutzen lassen können. Im Wesentlichen werden bei einem Pufferüberlauf durch Fehler im Programm zu große Datenmengen in einen dafür zu kleinen reservierten Speicherbereich, den Puffer, geschrieben, wodurch nach dem Ziel-Speicherbereich liegende Speicherstellen überschrieben werden. (Quelle: wikipedia)

Mein Gehirn ist ein Speichermedium. Jeden Tag, jede wache Stunde, beinahe jede Minute fließen Informationen in meinen Speicher. Mein Gehirn ist wie ein Schwamm. Es saugt diese Informationen auf, es kategorisiert sie und legt sie ab.

Mein Gehirn nutzt diese informationen, diese Objekte des Wissens, um daraus durch Rekombination “neues” Wissen zu schaffen. Erkenntnis zu befördern und Probleme zu hinterfragen und zu durchdringen.

Ein Parser (engl. to parse „analysieren“ bzw. von lateinisch pars „Teil“; im Deutschen gelegentlich auch Zerteiler) ist ein Computerprogramm, das in der Computertechnik für die Zerlegung und Umwandlung einer beliebigen Eingabe in ein für die Weiterverarbeitung brauchbares Format zuständig ist. Häufig werden Parser eingesetzt, um im Anschluss an den Analysevorgang die Semantik der Eingabe zu erschließen und daraufhin Aktionen durchzuführen. (Quelle: wikipedia)

Filter sorgen normalerweise dafür, dass dieser Informationsstrom die richtigen Bahnen nimmt und in der richtigen Menge von statten geht.

Diese Filter sind im Moment überlastet.

Im Vergleich zu einem Recognizer, der die Eingabe analysiert und ausgibt, ob diese im Sinne der Vorgaben richtig oder falsch ist, gibt der Parser die Analyse einer Eingabe in einer gewünschten Form aus und erzeugt zusätzlich Strukturbeschreibungen. (Quelle: wikipedia)

Ich nutze ganz bewusst die Sprache der Technik, um in diesen Analogien zu beschreiben, warum ich mich einige Zeit zurückziehen werde. Mein Gehirn braucht einen Reboot, vielleicht sogar ein “neues Gehäuse”. Ich nehme eine Auszeit aus dem sozialen Netz.

Die Zwänge, zumindest die gefühlten Zwänge des “sozialen” Netzes erscheinen oftmals auch als die Fesseln, die den freien Geist an sich binden, aussaugen durchkauen. Nur um am Ende des Zyklus ausgespuckt zu werden und zu sehen, wie der Zyklus erneut beginnt. Iteration 2.0 sozusagen. Eine Auszeit aus der empfunden gezwungenen Content/Produktion.

Mein Anspruch ist es ein Problem immer so gut wie möglich zu durchdringen. Fragen zu stellen, die den Kern des Systems berühren oder zumindest den Weg dorthin zeigen. Ich will Systeme verstehen und darin zeigt sich auch der Perfektionismus, der Teil meines Wesens ist.

Den Ansprüchen gerecht zu werden, kann ich im Augenblick nicht. Schalte ich mein text-produktives Schaffen auf Standby. Mein Anspruch auf Durchdringung muss erst auf mich selbst angewandt werden.

Ich werde sicherlich den ein oder anderen Inhalt beispielsweise bei Twitter verbreiten. Ungefilterte Rohdaten sozusagen, die Andere nutzen sollen um daraus gedankliche Diamanten zu pressen. Wer daran interessiert ist, darf mir gerne auf Twitter folgen.

Bis dahin verbleibe ich,

Sven Döring (@sdoering)

ps.: Schöner Nachtrag:

Jan 14, 2011 - Social Media    5 Comments

Facebook-Werbung: Personalisierte Irrelevanz

Kann es sein, dass personalisierte Werbung bei Facebook und Co. viel irrelevanter ist, als Werbung zu einer anonymen Suchanfrage? Ich sage ja.

Personalisierung als Erfolgskriterium für Marketing-Kampagnen? Ein Argument für SEM. (Bild: mrbill / Lizenz: cc-by)

Mal eine Frage: Macht es Euch wahrscheinlicher zu Kunden für Eheringe, wenn Ihr bei Facebook Euren Beziehungsstatus ändert? Oder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ihr Eheringe kauft, wenn Ihr bei Google nach “Claddach Ring” sucht?

Ist es wahrscheinlicher, dass Ihr Euch für eine Wanderschuh-Anzeige bei Facebook interessiert, nur weil Ihr Wandern als Interesse habt, oder hat eine derartige Anzeige bei Google, wenn Ihr nach Wanderschuhen sucht, mehr Relevanz?

Bei Facebook kann der Werbetreibende seine Zielgruppe aufgrund demographischer Daten nahezu beliebig genau eingrenzen. Ich kann nach Interessen, nach Orten, Beziehungs-Status, etc. kategorisiert werden. Doch macht mich all das zu einem wahrscheinlicheren Kunden? Ist die Personalisierung, das Targeting also ein Vorteil für den Werbetreibenden?

Google hingegen hat einen enormen Vorteil, wenn es mir Werbung zu meinen Suchanfragen serviert. Ich zeige im Moment meiner Suche ein Interesse an einem bestimmten Thema. Dennoch bleibe ich potentiell anonym. Ich versuche also eine Lösung für ein Problem (oder Informationen) zu finden und zeige nicht nur ein diffuses Interesse.

Ich versuche es mal mit einer Geschichte zu verdeutlichen:

Meine Wanderschuhe sind kaputt. Sie sind undicht, ich hab ständig nasse Füße und bin total genervt davon. Ich brauch dringen ein neues Paar. Bei Google suche ich jetzt nach Testberichten für Wanderschuhe, Starte eine Suche nach Preisvergleichen, und dergleiche mehr. Wie reagiere ich auf eine gut geschriebene Werbung nach dem Motto: “Ihre Wanderschuhe sind Schrott? Wir helfen Ihnen das richtige Paar für Sie zu finden”?

Jetzt die Situation bei Facebook. Ich füge Wandern zu meinen Interessen hinzu, weil ich gerne mit meinen tollen Wanderschuhen große Touren gehe (OK, tue ich nicht, aber für das Beispiel denken wir uns das mal). Jetzt wird mir Werbung für Windbreaker, Wanderschuhe, etc eingeblendet. Zeigt mein Interesse mich also tatsächlich als interessierten Kunden?

Das sogenannte Targeting hat das Problem, dass Interessen und beliebig granular gefasste Demographien noch nichts über ein tatsächliches Kaufinteresse aussagen. Eine entsprechende Suche bei Google hingegen sehr genau zeigt, dass dieses Interesse besteht. Eine anonyme Suchanfrage “erzählt” dem Marketing-Menschen also tatsächlich mehr über einen ihm völlig unbekannten Kunden, von dessen Demographie er noch nicht einmal etwas zu wissen braucht.

“Here’s the dirty little secret to Facebook advertising: social network data doesn’t make ads more relevant. All it does is let marketers choose their eyeballs by selecting an infinitely fine grain of demographic, courtesy of all the data we put into the platform.

Search ads are infinitely more relevant because our search terms self select us as prospects. So if you have 50 people who do a Google search for ‘wedding rings’, chances are at least some percentage are actively looking to buy a wedding ring and the ads are served up accordingly. Now say 50 people change their relationship status on Facebook from ‘single’ to ‘engaged’. Now Facebook knows you’re getting married and you get ads for wedding photographers, rings, wedding planners, etc… but it still doesn’t peg you as a prospect for any product. You’re just a demographic. The irony is that an anonymous search term reveals much more about us than any information we put on a social networking site.” (Quelle: Kommentar von Andi R. im Blog Businesinsider)

Ziel einer guten Marketing-Strategie sollte immer sein den effektivsten Kanal zu nutzen. Möglichst viel Gewinn aus dem investierten Kapital (also der Werbung) heraus zu holen. Es gibt sicherlich Fälle, wo es am Ende des Tages bedeutet massiv auf beispielsweise Facebook zu werben, oder in Display-Werbung zu investieren (hohe Sicht- und Wahrnehmbarkeit), doch gerade bei kleineren Budgets oder spezielleren Angeboten, dürfte Google die bessere Wahl sein.

Was meint Ihr? Liege ich mit meiner Einschätzung so daneben? Diskutiert mit mir auf Twitter oder in den Kommentaren.

ps.: Ich freue mich, wenn Ihr meinen RSS-Feed abonniert.

Jan 13, 2011 - Social Media    3 Comments

Der virtuelle Messestand

Wieso fällt es vielen Unternehmen so schwer in sozialen Netzwerken gute (das heißt zielführende) Auftritte zu erstellen? Wieso fällt ihnen die Kommunikation mit den Kunden auf der Fanpage derart schwer? Vielleicht fehlt die richtige Analogie um eine Fanpage zu erklären.

Stellen Sie sich Ihre Fanpage bei Facebook einfach als einen Messestand auf einer Konsumenten-Messe vor. (Bild: Martin Dehn / Lizenz: cc-by)

Stellen Sie sich vor, sie planen einen Messeauftritt auf einer großen Konsumenten-Messe. Würden sie auf dort einen schönen Stand errichten, aussagekräftige Banner an die Wände hängen, Ihre Produkte vorführen und dann niemanden an den Stand stellen, der für (potentielle) Kunden ansprechbar ist?

Würden Sie Planung, Leitung und Betrieb des Messe-Stands einem externen Dienstleister überlassen? Oder die Kundengespräche?

Würden Sie den Stand eines Konkurrenten 1zu1 kopieren, weil Ihnen die aus der Ferne beobachtete Stand-Strategie zusagt?

Können Sie eine der Fragen mit “Nein” beantworten?

Wieso also Agenturen für die Betreuung der Fanpage engagieren? Wieso also den Facebook-Auftritt von Starbucks, Coca Cola oder Lufthansa kopieren und wieso niemanden dafür abstellen, mit den (potentiellen) Kunden (=Fans) zu kommunizieren?

Auf einer Messe ist auch nicht jeder Besucher Ihres Standes am Ende des Tages ein Kunde. Ziel eines Messe-Stands ist einerseits die Wahrnehmung der Marke/des Unternehmens bei allen Passanten zu erhöhen. Andererseits und viel wichtiger ist die Aufgabe potentielle Kunden aus der vorbeischlendernden Masse herausfiltern.

Es geht also um Markenwahrnehmung und Kundengewinnung/Kundenpflege. Erst bei einer “gefilterten Zielgruppe” hat Marketing nicht mehr mit riesigen Streuverlusten zu kämpfen.

Was passiert also, wenn ein Passant Interesse an Ihrem Messestand zeigt? Liegt dort auch nur ein Firmenprospekt (= Homepage), oder findet er Ihre freundlichen Mitarbeiter, die Fragen beantworten und den potentiellen Kunden beraten?

Vielleicht kommt aber auch (nur) ein Bestandskunde an Ihren Messestand, weil er eine Frage zu Ihrem Produkt hat. Verweisen sie ihn auf die Bedienungsanleitung (= FAQ-Bereich), oder beantworten Sie (oder Ihre Mitarbeiter) die Frage direkt?

Es geht also um Markenwahrnehmung und Kundengewinnung/Kundenpflege. Es geht darum, aus der Masse der Menschen diejenigen heraus zu destillieren, bei denen ein grundsätzliches Interesse am Thema besteht.

Erst bei einer “gefilterten Zielgruppe” hat Marketing nicht mehr mit riesigen Streuverlusten zu kämpfen.

Wieso nicht auch auf Facebook? Stellen Sie sich eine Seite (= Fanpage) bei Facebook doch einfach als Ihren virtuellen Messestand auf der größten Konsumenten-Messe der Welt vor.

Fragen zu Facebook, Twitter und Co.? Kommentieren Sie oder folgen Sie mir auf Twitter.

Social Media: Alles, nichts, oder?

Was ist “Social Media”? Facebook, Twitter, Quora? Sind diese Dienste wirklich “sozial”, oder sind sie in ihren Untiefen nicht viel mehr anti-sozial?

Was bedeutet der Begriff "Social Media" - und sind die entsprechenden Netzwerke wirklich "sozial"? (Bild: MelkiaD / Lizenz: cc-by)

Facebook ist das größte sogenannte “soziale” Netzwerk. Twitter analog dazu der größte Kurznachrichtendienst. Blogs, Video-Portale, Netzwerke und Co. werden gemeinhin unter dem Begriff “Social Media” zusammengefasst. Was ist daran “Social” und was “Media”?

“Das Wort sozial (von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet‘) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins (der Mensch als soziales Wesen). Es taucht in mehreren Bedeutungen auf.” (Quelle: Wikipedia)

Weiter in der Definition der Wikipedia heißt es, dass es bedeutet “anderen zu helfen und nicht nur an sich selbst zu denken”. Hierbei geht es um das Vermögen sich durch Einfühlung in andere Menschen hineinversetzen zu können. Es bedeutet auch „gegenüber Gleich- und Nichtgleichgestellten hilfreich, höflich und taktvoll und verantwortungsbewusst“ zu handeln.

Unsozial in diesem Sinne handelt, wem all das abgeht. Asozial (oft mit absprechendem Beiklang) ist, wer (fast) unverbunden mit ihr ‚am Rande‘ der Gesellschaft lebt, wer sich nicht in sie ‚einfügen‘ kann oder zumal, wer als ihr Schädiger angesehen wird.”

Handelt das Netzwerk nun also “sozial” im Sinn jeglicher Definition? Vielleicht handeln  Nutzer in diesem Netzwerk untereinander “sozial”. Ich jedenfalls habe sehr viele interessante und hilfreiche Kontakte über Facebook (und vor allem Twitter) erleben dürfen.

Doch das Unternehmen “Facebook” , das die technische Plattform  bereitstellt, wird handelt in jeglicher Weise unternehmerisch. Die Nutzer sind hier nur als Daten und Werbeempfänger relevant. Nur so haben sie einen Wert.

“Ein Medium (lat.: medium = Mitte, Mittelpunkt) ist etwas in der Mitte Befindliches, dazwischen Liegendes; der Plural ist Medien, selten Media.” (Quelle: Wikipedia)

Facebook und Co. befinden sich gleich mehrfach “in der Mitte”. Die Netzwerke befinden sich in der Mitte der Nutzer. Die Netzwerke sind in dieser Sichtweise Medien, die für die vermittlung zwischen den einzelnen Akteuren eine Verbindung erstellen.

Sie befinden sich aber auch zwischen Nutzer und Unternehmen. Diese Verbindung ist jedoch, wie oben beschrieben, keine gleichberechtigte, sondern eine hirarchische. Wer den stofflichen Überträger von Information besitzt, besitzt auch die Information.

Medium als stofflicher Vermittler: Ein Medium ist zunächst ein zwischen individuellen Körpern befindlicher raumerfüllender Stoff mit bestimmten Eigenschaften. Meist ist ein solcher Stoff einchemischer Stoff. Das Medium eines Schwimmbeckens ist beispielsweise Wasser, jenes einer Sauna Luft oder Dampf. Weil Stoffe Impuls und Energie übertragen, können sie auch Information übermitteln. Die Übertragung von Schall benötigt z. B. einen vermittelnden Stoff wie Luft.” (Quelle: Wikipedia)

Grundlegender ist jedoch die Bedeutungslosigkeit des Begriffs “Social Media”, die durch Bedeutungspluralität entsteht.

Ferdinand de Saussure hat erklärt, sprachliche Zeichen entstünden arbiträr, also zufällig. Es gibt keine natürliche Herleitung, warum ein Tisch beispielsweise Tisch heißt. Hören oder lesen wir das Wort Tisch, so stellen wir uns etwas vor, das sich im großen und ganzen die Idee eines Tisches aus der Realität deckt.

“Social Media” ist ein Begriff, bei dem sich nahezu jeder etwas anderes vorstellt (wenn eine solche Vorstellung überhaupt existiert). Somit herrscht eine vielfache Multiplikation an Bedeutungen vor, eine Multi-Signifikanz des Begriffs.

Mir ist bislang kein besserer Begriff über den Weg gelaufen, mit dem man die modernen Netz-Applikationen zusammenfassen kann. Doch bin ich mir bei jedem Gebrauch des Begriffs “Social Media” der damit verbundenen Problematik bewusst.

Wie seht Ihr das? Was bedeutet „Social Media“ für Euch und habt Ihr bessere Begriffe? Schreibt mir auf Twitter und folgt meinem RSS-Feed.

Aus dem Netz gefischt: Lesestoff für die Woche (KW 02)

Die erste Woche des Jahres hat sich in die Vergangenheit verabschiedet. Das Jahr ist gut gestartet, wenn man von Krankheit und Schlafmangel absieht. Für die zweite Woche gibt es natürlich wieder neues Lesefutter.

Ich versuche jede Woche erneut nach spannenden und inspirierenden Links zu fischen. Ich hoffe meine Auswahl gefällt Euch. (Bild: p2y / Lizenz: cc-by)

Rund um den Jahreswechsel habe ich viele Beiträge zu „guten Vorsätzen“ für das neue und Rückblicken auf das alte Jahr gelesen. Igor Schwarzmann hat, finde ich, die schönsten Worte getroffen, um sein Jahr Revue passieren zu lassen.

„It almost feels like the first year in which I took control of my own future and it’s a remarkable experience to process that. At the same time, it looks like all those things that we’re doing with the company, in Berlin or just in general with all the incredible people I have the pleasure to have around me, that the future can be many, many things. Exciting, good and full of life.“ (Quelle: wiredvanity)

Einen kritischen Blick hinter die Kulissen in “Silicon Valley” wirft Devin Friedman. In einem Artikel für die GQ, interviewt er die Macher der neusten Streiche, wenn es um soziale Netzwerke geht. Dabei ist er allerdings kein unkritischer Fanboy, sondern stellt die Fragen, auf die ich bei Journalisten lange gewartet habe. Ich hätte einen derartigen Artikel nicht in der GQ erwartet, die für mich eher für nackte Titten und schlechte Lifestyle-Werbung steht.

„ A more pessimistic way to look at it is that we’re slave labor, getting lured by our desire to show off what we buy (Swipely) or our witty repartee (Twitter), by our need for affirmation (all of the above), or by our habit of looking at pictures of girls from high school all day instead of doing work (FB), and we end up not only driving traffic to these sites but filtering information so that FB and Twitter and Swipely can capitalize on it. They would say they’re just trying to make it easier for us to find movies we like. That’s probably true, too.” (Quelle: Big Issues)

Lauren Schaefer hat in dieser Woche auf dem Blog ihres Vaters eine sehr interessante Analogie dafür gefunden, das „Social Media“ nichts, aber auch wirklich nichts Neues ist.

“While the term “social media” might have been coined with the rise of Facebook, Twitter, and blogs, these sites are mere copies of the original collaborative social networking — the bathroom stall.” (Quelle: Grow)

Die beschmierten Wände in der Schultoilette, als Pinnwand, die Antworten als Kommentare, und so weiter. Ihre Analogie ergibt Sinn. Schon immer haben Menschen Wege gesucht und gefunden ihren Drang zur Kommunikation auszuleben. Heute sind es Facebook oder Twitter, früher waren es Briefe und dazwischen kamen Telegraph und Telefon.

Kann man die Ökonomie “hacken”? Douglas Rushkoff (Affiliate Link) stellt diese Frage und beantwortet sie eindeutig mit „Ja“. Man sollte die Herleitung lesen, um das obige Zitat wirklich zu verstehen, denn er plädiert für lokale Währungen, die einer lokalen Gemeinschaft und somit der Gesellschaft dienlich sein können.

„ Thanks to the current economic meltdown, a restaurant in my town called Comfort has been unable to secure a loan from the bank to expand. Instead, John the owner has turned to us. We are buying “Comfort Dollars” at a rate of 1 US dollar for every $1.20 worth of restaurant food. So if I invest $1000, I get $1200 to spend at the restaurant. I get a 20% return on my investment, and  – since he’s paying in food – he gets money a lot cheaper than he can borrow it through the bank.” (Quelle: h+)

Und gleich noch ein wirklich genialer Beitrag von Douglas Rushkoff. Ich sollte den Mann beobachten!

“The longer the company can maintain the illusion of great profits without alienating its user base, the longer they can delay the inevitable decline. But given that Facebook has already begun cashing in its chips, that moment has quite likely arrived.” (Quelle: Facebook Hype will fade)

Ich wünsche Dir, lieber Leser, eine erfolgreiche und schöne Woche. Abonniere doch meinen RSS-Feed und folge mir auf Twitter.

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