<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>schriftrolle.de &#187; Gesellschaft</title>
	<atom:link href="http://schriftrolle.de/category/gesellschaft/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://schriftrolle.de</link>
	<description>Neue Gedanken für eine alte Welt</description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 23:09:51 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Es ödet mich an</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2012/01/gelangweilt-vom-internet/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2012/01/gelangweilt-vom-internet/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 08:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Langeweile]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitverschwendung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://schriftrolle.de/?p=2700</guid>
		<description><![CDATA[Das Internet ödet mich an. Ich habe deutlich weniger Lust dieses ganze Spiel mitzuspielen. Ich will mehr hinterlassen, als irgendwelche “Likes” oder so auf den Pinnwänden anderer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ach ja. Das Leben ist schön. Oder so. Schnell mal auf Facebook gepostet, gleich mal noch ein paar Bilder geklickt. Oh ein “Like” &#8211; Mist jetzt ist schon wieder der ganze Abend rum. Dabei wollte ich doch&#8230;</strong></p>
<div id="attachment_2701" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><a href="http://schriftrolle.de/2012/01/gelangweilt-vom-internet/gelangweilt/" rel="attachment wp-att-2701"><img class="size-full wp-image-2701" title="gelangweilt" src="http://schriftrolle.de/wp-content/uploads/2012/01/gelangweilt.jpg" alt="Das (soziale) Internet langweilt mich so unendlich" width="460" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Das (soziale) Internet langweilt mich. Es ödet mich an, immer wieder den gleichen Bodensatz &quot;lustiger&quot; Videos zu sehen. Ich wünsche mir mehr Substanz, Tiefgang und &quot;echte Menschen&quot;. (Bild: Jayegirl99; Lizenz: cc-by-sa)</p></div>
<blockquote><p>“Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.” (Albert Einstein)</p></blockquote>
<p>Ich beziehe mich dabei gar nicht so sehr auf Facebook. Wobei dieser Zeit-Assasine wohl lange Zeit der größte Feind meiner Lebenszeit war. Mir geht es darum, dass mich das Internet inzwischen (fast) in seiner Gesamtheit anödet.</p>
<p>Es langweilt mich, da es immer (und immer) wieder den gleichen Morast durchwühlt. <strong>Und am Ende die gleiche Scheiße in neuem Gewand präsentiert.</strong><span id="more-2700"></span></p>
<p>Wann habe ich das letzte mal etwas aus den (A-)sozialen Netzwerken erfahren, dass für mein Leben auch nur irgend eine Relevanz besessen hat. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Das gilt auch für Medienseiten, Nachrichten, und, und, und&#8230;</p>
<p>Dieser ganze Mist mit dem “sozialen Internet” hat im Grunde nur zwei Ursachen (<em>und keine hat mit Menschen zu tun</em>):</p>
<ul>
<li><strong>Als Plattform (Unternehmen) geil erscheinen für die Werbekunden<br />
</strong>Du, Du als Nutzer, bist das Produkt, das Unternehmen wie Facebook an ihre Kunden (Werbetreibende) verkaufen.<br />
Im Netz bist Du immer dann das Produkt, wenn Du für einen Service nichts bezahlen musst. So einfach ist das.</li>
<li><strong>Als Unternehmen geil erscheinen für Investoren<br />
</strong>Egal, ob Risiko-Kapitalgeber, oder ob die breite Masse an Idioten beim Börsengang. Ziel sind möglichst viele Nutzer und taugliche Umsatzzahlen durch Vermarktung (oder sonstwas), um Investoren anzulocken, damit am Ende die Gründer mit einem dicken Scheck nach Hause gehen.</li>
</ul>
<p><strong>Manchmal braucht es einen entsprechenden Anstoß, um darüber nachzudenken. Für solche Momente bin ich dankbar. </strong></p>
<p>Und nun? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich deutlich weniger Lust habe dieses ganze Spiel mitzuspielen. Ich will etwas mehr hinterlassen, als irgendwelche “Likes” (oder so) auf den Pinnwänden anderer.</p>
<p>Ich möchte mehr geben, als nur ein “Oh, dieser lustige Katzenconent gefällt mir aber”.</p>
<p><strong>Ich will mehr vom Leben, als bunte Bits und Bytes.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2012/01/gelangweilt-vom-internet/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Benachteiligung Behinderter durch Staat und Gerichte</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/12/benachteiligung-behinderter/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/12/benachteiligung-behinderter/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 20:02:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[AGG]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Zeugungsunfähigkeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://schriftrolle.de/?p=2607</guid>
		<description><![CDATA[Ist es OK, wenn behinderte Menschen benachteiligt werden? Ist es OK, wenn sie aufgrund ihrer Behinderung mehr zahlen müssen, als ein ganz normaler, gesunder Familienvater? Staat und Bundesverfassungsgericht sagen ja.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ist es OK, wenn behinderte Menschen benachteiligt werden? Ist es OK, wenn sie aufgrund ihrer Behinderung mehr zahlen müssen, als ein ganz normaler, gesunder Familienvater? Staat und Bundesverfassungsgericht sagen ja.</strong></p>
<div id="attachment_2608" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><a href="http://schriftrolle.de/2011/12/benachteiligung-behinderter/schafe-cc-by-b3d_/" rel="attachment wp-att-2608"><img class="size-full wp-image-2608" title="schafe - cc-by - b3d_" src="http://schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/12/schafe-cc-by-b3d_.jpg" alt="Eine Schafsfamilie" width="460" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Na wie gut, dass zumindest bei Schafen keine Benachtteiligung stattfindet. (Bild: b3d_; Lizenz: cc-by)</p></div>
<p>Ich hab da mal ne Frage. Irgendwie gibt es ja dann doch immer mal wieder Sachen, die ich einfach nicht verstehe. Heute ist es mal wieder so weit. Meine Freundin hat eine sehr interessante Frage in den Raum geworfen, während wir über gesellschaftlich-politische Fragen diskutiert haben.<span id="more-2607"></span></p>
<p>Wir kamen irgendwie auf die Pflegeversicherung und darauf, dass ja Menschen über 23 einen höheren Beitrag zu zahlen haben, wenn sie keine Kinder haben. OK, das betrifft nur Arbeitnehmer, aber das sind auch Menschen.</p>
<p>Die Frage war nun, wie es denn mit Menschen sei, die keine Kinder bekommen können, die also zeugungsunfähig sind. Ich dachte mir nur: “Interessante Frage, hab ich ja noch nie daran gedacht.”</p>
<p>Wir neigen ja dazu, uns keine Gedanken zu machen, wenn uns die Dinge nicht direkt oder indirekt betreffen. Da ich selbst keine Kinder will, hab ich mich ja mit der “Strafsteuer” schon abgefunden.</p>
<h3>Unfruchtbarkeit eine Behinderung?</h3>
<p>Könnte es also sein, dass der Staat hier Menschen aufgrund einer körperlichen Benachteiligung (sozusagen Behinderung) benachteiligt?</p>
<p>Klar, bislang habe ich mich auch nie gefragt, ob Unfruchtbarkeit eine Behinderung sein könnte.</p>
<p>Das SG Marburg hat <a href="http://www.sokolowski.org/sozialrecht/zeugungsunfahigkeit-kann-behinderung-i-s-d-schwerbehindertenrechts-sein/1884/" target="_blank">in einem Urteil von 2010</a> jedoch festgestellt:</p>
<blockquote><p>[...] der Eintritt von Zeugungsunfähigkeit [führt] grundsätzlich nicht zur Feststellung einer Behinderung im Sinne des Schwerbehindertenrechts. Eine Ausnahme besteht bei Patienten im jüngeren Lebensalter bei noch bestehendem Kinderwunsch. Dabei ist auf den Zeitraum abzustellen, in dem Männer üblicherweise eine Vaterschaft anstreben. Das Gericht hält hier einen Spielraum bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres für vertretbar, solange die Partnerin, mit der der Kinderwunsch verwirklicht werden soll, das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet hat</p></blockquote>
<p>Somit ist ein zeugungsunfähiger Mann also schon mal im Topf. Da unser Grundgesetz eine Gleichberechtigung von Mann und Frau vorsieht, sollten wir hier die Geschlechter-Unterscheidung fallenlassen.</p>
<p>Ein biologisch-natürlich nicht erfüllbarer Kinderwunsch gilt also nach Gerichtsmeinung als Behinderung.</p>
<p>Das erkennt auch der Staat mittlerweile an, nachdem der der Bundesfinanzhof der Klage eines Ehepaars stattgegeben hatte. Sie hatten die Kosten von 21.345 Euro für eine In-vitro-Fertilisation als außergewöhnliche Belastung beim Finanzamt geltend gemacht. Denn:</p>
<blockquote><p>Die Befruchtung der Ehefrau mit Fremdsamen sei eine medizinische Maßnahme, weil sie eine behinderte Körperfunktion des Ehemannes ersetze, heißt es in dem Urteil. (<a href="http://www.politblogger.eu/zeugungsunfahigkeit-ist-eine-behinderung/" target="_blank">Quelle</a>)</p></blockquote>
<p>Ich bin ja nicht der erste, der sich mit dieser Frage beschäftigt.  Immerhin gibt es recht weit vorn im Grundgesetz eine entsprechende Aussage:</p>
<blockquote><p>Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. <strong>Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.</strong> (<a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html" target="_blank">GG, Art. 3 (3)</a>)</p></blockquote>
<p>Allerdings scheint das in anderem Zusammenhang, weder bei unseren Volksvertretern, noch beim Verfassungsgericht, bislang angekommen zu sein.</p>
<h3>Behinderte dürfen gegenüber Vätern/Müttern benachteiligt werden</h3>
<p>So stellt das <a href="http://www.jusmeum.de/rechtsprechung/urteil/sozg_m%C3%BCnster/f45bc7be92be2f87c55f8fec906a8e022b9aa9af60a04a0dffb4d8589df0617b" target="_blank">Sozialgericht Münster 2006</a> schon fest:</p>
<blockquote><p>Eine Ermäßigung des Beitragssatzes für Kinderlose ( insgesamt 1, 95 v. H.) aufgrund einer bestehenden Behinderung sähen die gesetzlichen Vorschriften nicht vor.</p>
<p>Ob die dem Beitragszuschlag zugrunde liegende Regelung des Kinder-Berücksichtigungsgesetzes verfassungswidrig sei, könne dahinstehen, weil nur das Bundesverfassungsgericht ( BVerfG ) die Kompetenz habe, die Ungültigkeit der Vorschrift festzustellen.</p></blockquote>
<p>Und wir reden nicht von irgendeiner Behinderung. Der Kläger war von Geburt an zeugungsunfähig. In meinem laienhaften Verständnis findet hier also eine Benachteiligung statt. Dennoch wurde die Klage abgewiesen. Der Kläger muss den höheren Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen.</p>
<p>Denn ein Verweisen der Fragestellung an das Bundesverfassungsgericht verweigerte das Sozialgericht mit einer Begründung, deren Logik auch nur Juristen verstehen können.</p>
<p>Die gesetzliche Änderung zum Beitrag der Pflegeversicherung kam zustande, weil das BVerfG geurteilt hatte, dass Eltern durch den gleichen Betrag wie Kinderlose benachteiligt werden. Und dabei habe das BVerfG dem Gesetzgeber einen großen Handlungsspielraum, bei der Ausgestaltung dieses Gesetzes, eingeräumt.</p>
<p><strong>Es ist also, nach Auffassung der deutschen Gerichte, alles in bester Ordnung. </strong></p>
<p><strong></strong>Ich frage mich jetzt, ob es wirklich alles in Ordnung ist, wenn eine Ungerechtigkeit (gegenüber Eltern) dadurch beseitigt wird, dass eine andere Ungerechtigkeit (gegenüber durch Zeugungsunfähigkeit Behinderten) in ein Gesetz gegossen wird.</p>
<p>Die Logik verstehe ich einfach nicht. Gut, das mag daran liegen, dass mir die Logik der Bevorzugung von Eltern in unserem Staat sowieso nicht eingeht. Kinder zu kriegen (oder eben nicht) ist in meinen Augen noch immer eine persönliche Entscheidung. Klar ist mir bewusst, dass die armen kleinen, schreienden Fleischklopse auch irgendwann mal meine Rente, Pflege, etc zahlen werden. Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass ich noch Rente bekomme. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=45nJp-1-sX8" target="_blank">Da glaub ich ja nicht mehr dran</a>.</p>
<p>OK: Unser Staat/unsere Gesellschaft will, dass Menschen Kinder in die Welt setzen. Auch klar, dass Kinder Geld kosten. Unser Staat gewährt Kinderfreibeträge, gibt Eltern- und Kindergeld und gibt Steuererleichterungen. OK, so weit so gut (auch wenn Kinder sicherlich teuer sind, als die Freibeträge).</p>
<p>Geht mir ja nix dabei verloren. Und selbst wenn (indirekt durch Steuern und so), muss ich halt als gesunder Mensch, der keinen Kinderwunsch hat, damit leben. Ist meine eigene Entscheidung und ich zahle den Preis sehr gerne dafür.</p>
<p>Aber wieso ist es dann OK, dass Menschen bestraft werden, die sich Kinder wünschen? Menschen, die gerne eigene Kinder hätten und nur durch eine Behinderung daran gehindert werden.</p>
<p><strong>Irgendwie geht mir die Logik nicht ein. Irgendwie komme ich mir bei solchen Gedanken vor, als lebte ich in </strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schildb%C3%BCrger#Erz.C3.A4hlungen" target="_blank"><strong>Schilda</strong></a><strong>.</strong></p>
<p><sub>ps.: Wer Tippfehler findet, darf sie in meinem Rotweinglas ablegen. Oder beim nächsten Lottoschein verwenden.</sub></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/12/benachteiligung-behinderter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Erneuerbare Energie: Ein Perpetuum Mobile?</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/12/erneuerbare-energie-ein-perpetuum-mobile/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/12/erneuerbare-energie-ein-perpetuum-mobile/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 12:38:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Atom]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerbare Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Geothermie]]></category>
		<category><![CDATA[Solarstrom]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://schriftrolle.de/?p=2582</guid>
		<description><![CDATA[Wir stoppen Atomstrom, schonen die Umwelt, trennen den Müll und wechseln den Stromanbieter. Wir sind die neue Generation des umweltbewussten, hippen Stadtmenschen, der seinen &#8220;Coffee to Go&#8221; aus Alu-Thermobechern anstatt aus Pappe trinkt. Wir wollen alle bekehren. Und wir sind so grün (hinter den Ohren). Die Idee ist bestechend: Wir nutzen unerschöpfliche Energiequellen, um den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir stoppen Atomstrom, schonen die Umwelt, trennen den Müll und wechseln den Stromanbieter. Wir sind die neue Generation des umweltbewussten, hippen Stadtmenschen, der seinen &#8220;Coffee to Go&#8221; aus Alu-Thermobechern anstatt aus Pappe trinkt. Wir wollen alle bekehren. Und wir sind so grün (hinter den Ohren).</strong></p>
<div id="attachment_2591" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><a href="http://schriftrolle.de/2011/12/erneuerbare-energie-ein-perpetuum-mobile/windpark/" rel="attachment wp-att-2591"><img class="size-full wp-image-2591" title="Windpark" src="http://schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/12/Windpark.jpg" alt="Windpark auf hoher See" width="460" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Windparks gelten als saubere Möglichkeit der Energieerzeugung. Tatsächlich erzeugen sie einige Probleme. (Bild: EnecoMedia; Lizenz: cc-by-sa)</p></div>
<p>Die Idee ist bestechend: Wir nutzen unerschöpfliche Energiequellen, um den immer steigenden Hunger der Weltbevölkerung nach günstiger Energie zu stillen. Sie Sonne scheint ja sowieso. Und der Wind weht auch umsonst. Und Bioenergie klingt nach einem erfolgreichen Konzept &#8211; immerhin wachsen die Rohstoffe ja nach. Oder Erdwärme. Ich mein &#8211; wieso auch nicht, die Erde ist ja sowieso schön warm in ihrem Inneren. Kann man sich ja auch zunutze machen &#8211; oder?<span id="more-2582"></span></p>
<p>Soweit so schön. Und hier endet meist auch der Horizont der Verfechter von erneuerbaren Energien. Und ich muss diesen Thesen sogar zustimmen. Mir geht es auch gar nicht darum zu widerlegen, dass die Sonne scheint, oder das der Wind weht &#8211; oder gar, dass unser Heimatplanet recht warm ist unter seiner Oberfläche.</p>
<p>Doch wie machen wir aus diesen “erneuerbaren” Energiequellen unseren Strom in der Steckdose?</p>
<h3>Es weht ein Wind</h3>
<blockquote><p>Der Wind, der Wind, das himmlische Kind&#8230;</p></blockquote>
<p>Wind ist eine saubere Form der Energie. Bewegungs-Energie wird durch die Zauberkraft der Windturbinen in elektrischen Strom umgewandelt. Meist findet dieser Zauber an Orten statt, die für Menschen schwer zugänglich sind. Diese Hogwards der modernen Energieerzeugung heißen dann &#8220;Offshore Windparks&#8221;.</p>
<p>Doch damit der Strom auch zu mir in die Steckdose kommt, müssen die kleinen Elektronen in Leitungen gequetscht werden, die über den Meeresgrund gezogen werden, irgendwo an der Küste an Land kommen und dann ins Stromnetz eingespeist werden.</p>
<p>Abgesehen von den Ressourcen, die für diese Seekabel benötigt werden, gibt es noch ganz andere, sehr endliche Ressourcen, die zwingend benötigt werden, wenn man Strom aus Windkraft erzeugen will.</p>
<p>Sogenannte seltene Erden werden benötigt, um die Turbinen zu bauen. Diese seltenen Erden sind, wie der Name vermuten lässt, recht begrenzt. Außerdem kommen sie in Gegenden vor, die sich nicht gerade durch ihre menschenfreundlichen Regierungssysteme auszeichnen. Jede Windturbine unterstützt also fast schon zwangsläufig Menschenrechtsverletzungen.</p>
<blockquote><p>The gearbox of a two-megawatt wind turbine contains about 800 pounds of neodymium and 130 pounds of dysprosium. (<a href="http://www.dawnstover.com/" target="_blank">Dawn Stover</a>)</p></blockquote>
<p><strong>Wichtig in meiner Argumentation ist jedoch, dass die Materialien, die benötigt werden, um die endlose Energieressource &#8220;Wind&#8221; auszubeuten sehr endlich, sehr begrenzt sind.</strong></p>
<h3>Die Kraft der Sonne</h3>
<blockquote><p>Sogar die Sonne hat ihre Schattenseiten. (Pavel Kosorin)</p></blockquote>
<p>Denn während Sonnenlicht relativ unendlich vorhanden ist &#8211; zumindest für die kommenden vier Milliarden Jahre, so sind es <del>Photovoltaik-Zellen</del> die Solarthermie-Kraftwerke nicht. Und auch das Grundwasser in der Wüste ist vergleichsweise begrenzt. Wenn ich mir also entsprechende Projektideen anschaue, die auf diese Art Strom aus Sonnenlicht in der Wüste erzeugen wollen, muss ich mir die Frage stellen, woher kommt das Wasser, das in diesen Anlagen genutzt wird, um in Form von Dampf die Turbinen anzutreiben? Woher kommt das Wasser, dass genutzt wird, um Anlagen, Pannels oder Spiegel zu reinigen, die der Staub sonst in ihrer Leistungsfähigkeit mindert. Und woher kommt das Wasser, das zum Betrieb der Kühlungen verwendet werden muss?</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Ein Beispiel aus Kalifornien:</span><br />
Im Jahr 2013 soll  das &#8220;<a href="http://www.energy.ca.gov/sitingcases/solar_millennium_blythe/" target="_blank">Blythe Solar Power Project</a>&#8221; ans Netz gehen. Die Kühlung der Kondensatoren erfolgt hier via Luftkühlung, der Wasserverbrauch konnte so um 90% reduziert werden. Dennoch wird die Anlage rund 740.000 Kubikmeter Grund-Wasser im Jahr verbrauchen. Nur für die Reinigung, die Kühlung der Hilfssysteme und um Wasserverluste im System auszugleichen.</p>
<p><strong>Wenn ich mir überlege, dass rund <a href="http://www.welthungerhilfe.de/defizit-sauberes-wasser.html" target="_blank">1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser</a> leben müssen&#8230;</strong></p>
<h3>Geothermie</h3>
<p>Auch hier wird zum Betrieb Grundwasser benötigt. Irgendwas muss man ja in den Boden pumpen, damit es &#8211; erhitzt von der Erde &#8211; irgendwo wieder als Dampf hervorkommt und eine Turbine antreiben kann, die dann Strom erzeugt. Klar, Grundwasser wird vom Regen &#8220;nachgefüllt&#8221; &#8211; nur leider nicht in dem Maß, in dem man es zur Stromerzeugung verbraucht.</p>
<p>Ein &#8220;schönes Beispiel&#8221; ist hier das Geothermie-Kraftwerk <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Geysers#Future" target="_blank">&#8220;The Geysers</a>&#8221; in Kalifornien:</p>
<blockquote><p>The Geysers electrical plant reached peak production in 1987, at that time serving 1.8 million people. Since then, the steam field has been in gradual decline as its underground water source decreases. Currently, the Geysers produce enough electricity for 1.1 million people.</p></blockquote>
<p>Klar, man versucht das Problem zu beheben, indem man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grauwasser" target="_blank">Grauwasser</a> einer nahe gelegenen Stadt nutzt, um dieses in den Boden zu pumpen. Hier wird also &#8220;schlechtem Geld noch gutes hinterher geworfen.&#8221;</p>
<h3>Biomasse</h3>
<p>Biomasse wird vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern als &#8220;win-win&#8221;-Situation erachtet. Denn nicht nur wird durch die Umwandlung von Biomasse in Energie eben diese erzeugt, sondern man kann auch der Bodenerosion vorbeugen &#8211; oder beispielsweise feueranfällige Waldgebiete ausdünnen.</p>
<p>Die Frage stellt sich jedoch, ob es wirklich so sinnvoll ist, Ackerfläche (oder Wald) für den Anbau von Energiepflanzen zu nutzen, oder ob es nicht sinnvoller wäre, diese Ackerflächen für den Anbau von Lebensmitteln zu nutzen. Vor allem wird es schwer werden den Menschen in diesen Ländern zu erklären, wieso sie neben solchen Feldern nicht doch zusätzlich Wald roden sollten, um nicht zu verhungern.</p>
<p>Je weiter man den Anbau von Energiepflanzen vorantreibt, um so mehr werden die Biotope für die Tierwelt und Anbaufläche für Nahrung zurückgehen. In dieser Form ist die &#8220;erneuerbare Energie&#8221; Biomasse dann für einen höheren CO2-Gehalt der Erdatmosphäre ebenso verantwortlich, wie für Waldrodungen, weniger Nahrungsmittelanbau, etc.</p>
<h3>Wasserkraft</h3>
<p>Wasserkraft klingt doch gut. Flüsse fließen zum Meer, Wellen schlagen ans Ufer, der Tidenhub (Ebbe und Flut) kommt auch regelmäßig. Nutzen wir doch einfach die unendliche Kraft, die das Wasser uns zur Verfügung stellt. Eine wahrhaft erneuerbare Energiequelle.</p>
<p>Was ist denn <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Schluchten-Damm" target="_blank">mit Staudämmen</a> bei Flüssen? Allein der Verbrauch an Rohstoffen beim Bau lässt den Begriff &#8220;erneuerbare Energien&#8221; als <em>Absurdum</em> erscheinen.</p>
<blockquote><p>Das zurückgehaltene <a title="Flusssediment" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flusssediment">Sediment</a> steht außerdem flussabwärts nicht mehr zur Verfügung. Bisher wurde es bei <a title="Hochwasser" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser">Hochwasser</a> auf den flussnahen Feldern abgelagert und verbesserte damit den <a title="Nährstoff" href="http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%A4hrstoff">Nährstoffgehalt</a> der Böden. Darüber hinaus wurde bislang die normale Abtragung am Flussgrund durch frisches Sediment aus dem Oberlauf ausgeglichen. Bleibt dieses aus, besteht die Gefahr, dass der Fluss sich eintieft und der <a title="Grundwasser" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundwasser">Grundwasserspiegel</a> sinkt. (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Schluchten-Damm#.C3.96kologische_Auswirkungen_und_Risiken" target="_blank">Wikipedia</a>)</p></blockquote>
<p>Die Aussagen für den Ressourcenverbrauch gelten natürlich auch für Wasserkraft (Wellen, Tidenhub und so weiter&#8230;)</p>
<h3>Wieso also das Märchen?</h3>
<p>Egal, ob die Vorteile der Atomkraft herausgestellt werden, ob man Erdgas bevorzugt, Öl oder eben die &#8220;grüne Energie&#8221;. Immer steckt eine Agenda dahinter und in den seltensten Fällen werden rationale Gründe für oder wider kommuniziert.</p>
<p>Atomkraft ist schlecht? Wieso eigentlich. Seit mehreren Jahrzehnten haben wir diese Energieform subventioniert, ursprünglich deshalb eingeführt, damit wir uns unabhängiger machen können von anderen Ländern, die entsprechende Energieträger fördern.</p>
<p>Das wir uns beim Uranabbau ebenso abhängig machen, keine Wiederaufbereitung hatten und vor allem, dass es durch die Subventionierung auf Seiten der Industrie nie die Notwendigkeit gab zu Wiederaufbereitung und Endlagerung zu forschen, fällt uns nun auf die Füße. Auch die Frage der Sicherheit ist weniger eine Frage rationeller, sinnvoller Entscheidungen, sondern davon, dass Standards herabgesetzt werden, damit die Industrie zu niedrigeren Preisen produzieren kann.</p>
<p>Wieso herrschten in Deutschland Sicherheitsstandards, die beispielsweise in Finnland zur sofortigen Abschaltung der Meiler geführt haben? Wieso müssen Entsorgungskosten auf die Gesellschaft übertragen werden und wieso sind diese nicht eingepreist im Atom-Strom.</p>
<p>Wieso werden Offshore-Windparks errichtet, obwohl es bis heute keine Technologie gibt, die beim Bau sicherstellen kann, dass die Lärmschutzvorschriften eingehalten werden können? Wieso werden solche Parks genehmigt? Die Zerstörung der Natur wird an dieser Stelle eben in Kauf genommen &#8211; es ist ja eine umweltfreundliche Energie.</p>
<p>Wieso müssen Methoden der Energieerzeugung Anwendung finden, die darauf angewiesen sind, dass wir Materialien nutzen, die in Regionen vorkommen, deren politische Systeme sich nicht gerade durch ihre menschenfreundlichkeit auszeichnen. Wieso unterstützen wir also mit unserem Ökowahn Diktaturen, Zensur, Folter und Menschenrechts-Verstöße?</p>
<h3>Es gibt keine &#8220;saubere Energie&#8221;</h3>
<p>Energie kann nicht aus dem Nichts geschaffen werden. Energie wird nur von einer Form in eine andere Umgewandelt. Dabei kommt es zu Wirkungsverlusten in Form von Reibung, Wärme und so weiter.</p>
<p>Jede Form der Energie-Umwandlung benötigt also eine zugrundeliegende Ressource. Das diese Hauptressource vielleicht (nahezu) unendlich verfügbar ist, ändert nichts an den Problemen, die bei der Produktion/beim Bau der Energieumwandler (Windkrafträder, Wasserkraftwerke, etc) entstehen.</p>
<p>Wir neigen jedoch gerne dazu, unser eigenes Gewissen dadurch zu beruhigen, dass wir den wohlklingenden Versprechen einer grünen PR glauben. Wir beziehen gerne &#8220;grünen Strom&#8221;, gehen brav in die Kirche, beichten unsere Verfehlungen und lassen uns von Predigern wie Al Gore, oder Krichen wie &#8220;Die Grünen&#8221; verführen.</p>
<p><strong>Wir waschen unser Gewissen rein, baden unsere Hände in Unschuld &#8211; und ersetzen Religion A durch Religion B. Die Energierevolution ist nichts anderes, als das große <a title="Schisma" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schisma" target="_blank">Schisma</a>. </strong></p>
<h3>Update:</h3>
<p><strong>Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich einen Fehler im Artikel habe. Beim Ressourcenverbrauch in der Solarenergie, handelt es sich um die Solarthermie. </strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/12/erneuerbare-energie-ein-perpetuum-mobile/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stella Splendens &#8211; Ein glänzender Stern?</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/11/stella-splendens-ein-glanzender-stern/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/11/stella-splendens-ein-glanzender-stern/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 06:40:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bankster]]></category>
		<category><![CDATA[Commerzbank]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pressekodex]]></category>
		<category><![CDATA[Steffen Hallaschka]]></category>
		<category><![CDATA[sternTV]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://schriftrolle.de/?p=2512</guid>
		<description><![CDATA[sternTV prangert die Commerzbank an. Diese zocke Rentner ab. Die Wahrheit sucht man im Bericht allerdings vergebens. Denn darum geht es sternTV nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Glänzend, liebes Team von sternTV &#8211; ganz großes Kino. Oder wie soll man sonst diesen polemischen Beitrag, getarnt als Journalismus bezeichnen? Steven Spielberg hätte es nicht besser gemacht.</strong></p>
<div id="attachment_2518" class="wp-caption aligncenter" style="width: 490px"><a href="http://schriftrolle.de/2011/11/stella-splendens-ein-glanzender-stern"><img src='http://schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/11/CoBa-cc-by-tyo.jpg' class='size-full wp-image-2518 ' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Eine Filiale der Commerzbank. Das Magazin sternTV polemisiert gegen das Bankhaus. (Bild: tyo, Lizenz: cc-by)</p></div>
<blockquote><p>&#8220;Diese Form der Demagogie wäre nicht einmal gerechtfertigt, wenn sich die Vermutungen [...] als zutreffend herausstellen sollten. In jeder Erscheinungsform von Rechtsstaat hat jeder Verdächtigte ein Recht, daß, wenn man schon einen bloßen Verdacht publizieren darf, betont wird, daß er nur verdächtigt wird.&#8221; (&#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_verlorene_Ehre_der_Katharina_Blum" target="_blank">Die verlorene Ehre der Katharina Blum</a>&#8220;, Heinrich Böll)</p></blockquote>
<p>Irgendwie habe ich es zur Zeit mit schlechtem Journalismus. Ich weiß selbst nicht genau, wieso, doch ich empfinde das, was “<a title="Der Journaille falsche Welt" href="http://schriftrolle.de/2011/11/der-journaille-falsche-welt/">die Journaille</a>” da so treibt gefährlicher, als unsere <del>unkontrollierten</del> Politiker.<span id="more-2512"></span></p>
<h3><strong>Zur Vorgeschichte</strong></h3>
<p>Vor zwei Wochen beschreibt die Redaktion von <strong>sternTV</strong> den Kampf einer 91-jährigen <strong>Rentnerin gegen die Commerzbank AG</strong>. Der “<em>armen Frau</em>” habe eine Beraterin eine Geldanlage aufgeschwatzt. Die Anlage hat eine so lange Laufzeit, dass die Rentnerin erst mit 107 Jahren wieder an ihr Geld käme. Damit nicht genug:</p>
<blockquote><p>&#8220;Doch Irmgard Greiner braucht ihr Geld plötzlich. Denn: Sie muss eine Pflegekraft anstellen, alleine schaffe sie den Haushalt nicht mehr, sagt sie.&#8221; (Quelle: <a href="http://www.stern.de/tv/sterntv/seniorin-fuehlt-sich-bei-geldanlage-von-bank-betrogen-das-geld-gibts-erst-mit-107-1745712.html" rel="nofollow" target="_blank">sternTV</a>)</p></blockquote>
<p>Bitte merkt Euch dieses Zitat, ich komme gleich nochmal darauf zurück.</p>
<p>Natürlich, wie es sich für eine &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/David_gegen_Goliath" rel="nofollow" target="_blank">David gegen Goliath</a>&#8220;-Geschichte gehört, zeigt sich die “böse” Commerzbank uneinsichtig. Trotz eines negativen Schiedsspruches des <a href="http://www.bankenverband.de/service/beschwerdestelle/index_html" rel="nofollow" target="_blank">Ombudsmanns des Bankenverbandes</a>, weigert sich die Bank der Rentnerin ihr Geld auszuzahlen. Ob es dafür möglicherweise plausible Gründe gibt, wird nicht hinterfragt.</p>
<h3><strong>Die Widersprüche</strong></h3>
<p>So weit, so nachvollziehbar. Immerhin ist es in der aktuellen Lage keine Kunst auf die bösen Banken einzuprügeln. Im Gegenteil, die Sympathien sind bei solch einer Geschichte recht klar verteilt.</p>
<p>Hat man jedoch wie ich eine Freundin, die selbst vor einigen Jahren eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Commerzbank durchlaufen hat, dann fallen einem (oder zumindest ihr) gewisse Ungereimtheiten an dieser Geschichte auf. Und ein guter Journalist sollte diese ebenfalls erkennen und sich die Mühe machen sie zu hinterfragen. Auch bei einer 91 Jahre alten, sympathischen Rentnerin.</p>
<p>Es wird berichtet, dass die Beraterin zu Frau Greiner nach Hause gekommen sei. Dies passiert doch nicht bei Otto-Normal-Kunde &#8211; oder? Oder wer von Euch erhält regelmäßig Hausbesuche seines Beraters? Um zuhause vom Berater besucht zu werden, muss das bei der Bank angelegte Vermögen schon ne Hausnummer größer sein, als beispielsweise ich so auf dem Konto habe. Da stelle ich mir schon automatisch die Frage, wie das mit dem Argument &#8220;<em>kein Geld für eine Pflegekraft</em>&#8221; übereinstimmen kann. Dazu später mehr.</p>
<p>Man muss auch die Gegenseite nicht wirklich zu Wort kommen lassen. Ein Sprecher der Bank wird vor ein Mikrofon gestellt, wohl wissend, dass er sich zu einem laufenden Verfahren nicht äußern wird. Auch kann er sich nicht äußern, da dies das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bankgeheimnis#Bankgeheimnis_in_Deutschland" rel="nofollow" target="_blank">Vertrauensverhältnis zwischen Bank und Kunde</a> (auch vertraglich festgehalten) sprengen würde.</p>
<p>Viel besser (im Sinne der Redaktion) lesen sich dagegen solche Sätze:</p>
<blockquote><p>“Die Commerzbank AG sieht das offenbar anders &#8211; und lehnt die Rückzahlung ab. Und auch das Urteil im Schlichtungsverfahren, in dem es hieß &#8216;die Bank hat ihre vertraglichen Aufklärungspflichten schuldhaft nicht erfüllt&#8217;, akzeptiert das Unternehmen nicht.”(Quelle: <a href="http://www.stern.de/tv/sterntv/seniorin-fuehlt-sich-bei-geldanlage-von-bank-betrogen-das-geld-gibts-erst-mit-107-1745712.html" rel="nofollow" target="_blank">sternTV</a>)</p></blockquote>
<p>Auch hier ergibt sich in der zweiten Sendung ein Widerspruch. Davon mal ab: Der Schiedsspruch ist ein Verfahren, das nicht bindend ist. Wird er nicht akzeptiert (von welcher Partei auch immer), kann geklagt werden. Damit ist die Klage sozusagen so etwas wie eine zweite Instanz, eine Revision. Nach Aussagen der Commerzbank in diesem Fall sehr berechtigt, da der Schiedsspruch aufgrund unvollständiger Tatsachen erfolgt sein soll. Dies für beide Parteien sicher festzustellen ist die Aufgabe eines Gerichts. Doch darauf muss sternTV weder in den Artikeln zur Sendung, noch in der Sendung an sich, eingehen.</p>
<p>Erinnert ihr Euch an die Aussage der Rentnerin, <strong>sie brauche das Geld</strong> so dringend, <strong>um eine Pflegekraft zu bezahlen</strong>? Nun, hier ergeben sich in der Folgewoche zwei interessante Aspekte an der Geschichte:</p>
<ul>
<li>Zum einen: Besagte Anlage umfasst, wie sich herausstellt, 5% des bei der Commerzbank angelegten Vermögens der Dame.<br />
Mit einem Anlagevolumen von 800.000 Euro erklärt sich dann auch der Hausbesuch der Beraterin.</li>
<li>Und zum zweiten: Die Anlage war dazu gedacht, nach dem Tod der Dame in eine Stiftung einzufließen.<br />
Dafür eignet sich die Anlage sehr gut &#8211; allein schon aus steuerrechtlichen Gründen.</li>
</ul>
<p>Wo ist denn der Rest des Vermögens geblieben, von dem ein deutlicher Teil schon seit Jahren in Aktien investiert war? Investiert jedenfalls in deutlich riskantere Werte, wie sich (nicht durch die Recherche der Redaktion), herausstellt. Hat einer der sternTV-&#8221;Journalisten&#8221; auch nur an diese Frage gedacht? Hätte auch nur einer der so genannten &#8220;Journalisten&#8221; mal diese Fragen gestellt, die Ungereimtheiten hätten auffallen müssen.</p>
<p>Zumindest, wenn man mehr sucht, als eine polemische, quotenstarke Geschichte. Zumindest, wenn man eine neutrale, &#8220;wahre&#8221; Berichterstattung sucht.</p>
<h3><strong>Eine gute Geschichte &#8211; der Tragödie zweiter Teil</strong></h3>
<p><strong></strong>Aber so hat man bei sternTV nun die böse Commerzbank da, wo man sie haben will. Zur öffentlichen Erschießung bereit, steht sie an der Wand. Man hat die zweite deutsche Großbank in eine Position gezwungen, aus der heraus eine Verteidigung nur schwer möglich ist. Wer glaubt nach Finanzkrise und Eurokrise noch den böse, bösen “<a href="http://szenesprachenwiki.de/definition/bankster/" rel="nofollow" target="_blank">Bankstern</a>”?</p>
<p>Und wer glaubt künftig noch seinen heimischen Beratern, wenn diese eine gute, langfristige Anlage anbieten? Und ich gehe hier mal davon aus, dass die wenigsten Berater &#8220;schwarze Schafe&#8221; sind.</p>
<p>Die Redaktion von sternTV hat, für die zweite Sendung zum Thema, noch ein Ass im Ärmel. <a href="https://www.commerzbank.de/de/hauptnavigation/konzern/konzerninfo/management_1/vorstand/index.html" rel="nofollow" target="_blank">Martin Zielke</a> kommt als Gesprächspartner ins Studio. Im Vorstand der Commerzbank ist er zuständig für das Privatkundengeschäft. Zielke ist also der oberste Vorgesetzte der &#8220;bösen Beraterin&#8221;, die die &#8220;arme Rentnerin&#8221; so hinters Licht geführt hat.</p>
<p>Doch damit nicht genug. Man findet sogar noch einige andere Fälle, in denen sich die Hinterbliebenen ehemaliger Kunden über ähnliche Praktiken und Verträge aufregen. Im Ganzen werden drei weitere Fälle genannt.</p>
<p>Im ersten Fall geht es um eine Anlagesumme von 12.800 Euro. Auch hier mit langfristiger Laufzeit angelegt. <em>“Besonders tragisch an diesem Fall: &#8220;Irgendwann reicht die Rente der Seniorin nicht mehr &#8211; und sie braucht Geld aus dem Fonds, aber das ist fest angelegt bis 2031.&#8221;</em> (Quelle: <a href="http://www.stern.de/tv/sterntv/aerger-mit-geldanlagen-zockt-die-commerzbank-rentner-ab-1748631.html" rel="nofollow" target="_blank">sternTV</a>)</p>
<p>Die Dame verstirbt &#8220;<em>hoch verschuldet</em>&#8220;. Die Redaktion (oder die potentiellen Erben, die das Erbe ausschlagen mussten) nennen die Höhe der Schulden nicht. Eine Einschätzung, ob das Geld aus der Anlage überhaupt ausgereicht hätte die Schulden zu decken, ist so natürlich nicht möglich. Und sternTV stellt solche Fragen nicht.</p>
<p>Der zweite Fall ist noch gravierender. Immerhin geht es hier <strong>um 250.000 Euro</strong>. Hier hat ebenfalls eine Rentnerin ihrem Berater vertraut. Und erhielt mit 88 Jahren eine Anlage, mit einer Laufzeit von 20 Jahren, so berichtet es die Nichte.</p>
<blockquote><p>&#8220;40 Jahre ist ihre Tante bei der Commerzbank, hat einen persönlichen Berater [...]. Die letzte Unterschrift holt sich der Berater noch, als die alte Dame im Krankenhaus liegt: &#8216;Da hat sie die Unterschrift geleistet, obwohl sie mit Medikamenten versorgt war und nicht richtig ansprechbar. Sie hatte eine ganz schwere Lungenentzündung.&#8217; Zwei Wochen später stirbt Gertrud Rasch.&#8221; (Quelle: <a href="http://www.stern.de/tv/sterntv/aerger-mit-geldanlagen-zockt-die-commerzbank-rentner-ab-1748631.html" rel="nofollow" target="_blank">sternTV</a>)</p></blockquote>
<p>Die wichtigste Aussage an dieser Geschichte fällt allerdings in einem Nebensatz. Ich habe sie im Zitat sehr bewusst erst einmal ausgelassen, denn genauso unterschwellig wurde diese Information in der Sendung mitgeteilt:</p>
<p>Es geht um den Berater der Rentnerin: “<strong><em>als der die Firma wechselt</em></strong>”, vertraue ihm die Kundin weiter. Ein Fall, der offensichtlich nichts mit der Commerzbank zu tun hat. Ein (möglicherweise unethischer) Berater, der zum betreffenden Zeitpunkt kein Mitarbeiter des Geldhauses mehr war. Wie lange schon, wird nicht genannt. Möglicherweise erst Tage, oder Wochen &#8211; vielleicht Monate, gar Jahre? Die Antwort bleibt sternTV schuldig.</p>
<p>Aber eine tragische Geschichte, ein hoher Geldbetrag und eine Unterschrift im Krankenhaus, kurz vor dem Tod der Kundin. Damit macht man Quote. Damit treibt man die Stimmung auf der Emotionsleiter nach oben. Wahrheit, journalistische Sorgfalt, oder gar Ethik &#8211; wozu?</p>
<p>Interessant ist auch, dass die Aussagen des Commerzbank-Vorstandes, der die ganze Sendung hindurch ruhig, unpolemisch, offen und neutral versucht hat zu argumentieren, sich nicht im Artikel auf der sternTV-Webseite finden. Kein einziges Mal wird in beiden Artikeln der Position der Bank Platz eingeräumt.</p>
<h3><strong style="font-size: 15px;">Journalismus geht anders &#8211; oder?</strong></h3>
<p><strong style="font-size: 15px;"></strong>Interessant, da sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pressekodex#Der_Pressekodex" rel="nofollow" target="_blank">neben dem offiziellen Pressekodex </a>einige Leitsätze entwickelt haben, die ein Journalist eigentlich &#8220;mit der Muttermilch&#8221; aufgesogen haben sollte:</p>
<ul>
<li style="margin-bottom: 15px;"><strong>Eine Quelle allein ergibt keine Nachricht. Für eine Nachricht braucht es mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen.</strong><br />
<blockquote style="margin: 15px 0 0 30px; border: none; padding: 0px;"><p>Im Fall des ersten Berichts reicht die Schilderung einer Renterin und deren Anwältin (für mich ist das eine Quelle) aus, um eine Hexenjagd zu veranstalten. Gut, es gibt noch die Quelle &#8220;Ombudsmann&#8221; &#8211; das mag vielleicht reichen.</p></blockquote>
</li>
<li style="margin-bottom: 15px;"><strong>Bei Konflikten sind die Positionen beider Seiten darzustellen. </strong><br />
<blockquote style="margin: 15px 0 0 30px; border: none; padding: 0px;"><p>Im ersten Bericht, wie oben beschrieben, wird die Gegenposition nur pro Forma dargestellt. Tatsächlich ist jedem Journalisten bekannt, dass sich die Bank nicht dazu äußern kann/wird. In der zweiten Sendung, werden Aussagen des Vorstandes übergangen, ignoriert, ihm wird über den Mund gefahren und er wird in einer Art und Weise vom Moderator an den Pranger gestellt, dass ich mich persönlich schämen muss einen Presseausweis zu haben. In keinem der Beiträge auf der Webseite kommt die Position der Commerzbank zur Sprache.</p></blockquote>
</li>
<li style="margin-bottom: 15px;"><strong>Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute. </strong>Ein Mindestmaß kritischer Distanz zum Thema (und der eigenen Rolle) ist auch bei sogenannten Herzblut-Themen geboten.<br />
<blockquote style="margin: 15px 0 0 30px; border: none; padding: 0px; font-style: none;"><p>Kritische Distanz? Mal direkt bei der Rentnerin nachfragen, als klar wird, dass die Anlage gerade mal 5 Prozent des Vermögens ausmacht? Mal die Widersprüche in der Geschichte ansprechen? Nein. Man hat sein Thema für eine Hexenjagd &#8211; Journalistische Sorgfalt wäre da nur im Weg.</p></blockquote>
</li>
</ul>
<p>Nach dem ersten Bericht dachte ich mir noch: Es ist wirklich eine Sauerei, was die Bank-Beraterin mit der alten Dame abgezogen haben soll. Und obwohl ich selbst einen tollen Berater bei der Commerzbank habe, bezweifle ich nicht, dass sich auch unter den CoBa-Beratern so einige schwarze Schafe tummeln.</p>
<p>Ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass die Verkaufs-Ziele, die den Beratern vorgegeben werden, dazu verführen, das diese möglicherweise nicht immer ethisch korrekt verkaufen. Immerhin muss man ja seine Zielmarken erreichen. Denn soweit ich aus meinen Gesprächen mit verschiedenen Bankangestellten heraushören konnte, sind diese Zielmarken doch recht hoch angesetzt. Nichts desto trotz gibt es genug Berater, die ihre Verkaufsziele mit sauberem Gewissen erreichen. Trotz Verkaufsdruck und verdammt viel Stress.</p>
<p>Was mir die Galle überkochen lässt, sind jedoch sogenannte Journalisten, die jegliche <a title="Der Journaille falsche Welt" href="http://schriftrolle.de/2011/11/der-journaille-falsche-welt/" target="_blank">Grundlagen ihres Jobs missachten</a>. Die sich offensichtlich ihr Gewissen haben chirurgisch entfernen lassen. Die einem Interview-Partner nicht das geringste Maß an Anstand entgegen bringen, so dass man sich wirklich fühlt, als wohne man einem mittelalterlichen Inquisitionsprozess bei, bei dem es darum geht einen Ketzer zu überführen.</p>
<blockquote><p>“‘Seht Ihr?” rief Bernard aus und wandte sich an die beisitzenden Richter. ‘So reden sie alle! Wenn einer von ihnen gefasst wird, tritt er vor das Gericht, als ob sein Gewissen ruhig und rein wäre. Dabei wissen sie nicht, dass eben dies das deutlichste Zeichen ihrer Schuld ist, denn die Gerechten zeigen sich unruhig im Prozess.’” (Umberto Eco, “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423210796/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=schriftrolle-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3423210796" rel="nofollow" target="_blank">Der Name der Rose</a>” &#8211; Inquisitions-Prozess)</p></blockquote>
<p>Nein, der Schuldige stand für Redaktion und Moderator von sternTV von vornherein fest. Ob Frau Greiner (nebst Anwältin) im laufenden Verfahren gegen die Commerzbank möglicherweise eine eigene Agenda verfolgt, scheint die Verantwortlichen der Sendung nicht zu interessieren. Immerhin eine berechtigte Frage, wenn sich jemand in so einer Situation an die Presse wendet.</p>
<p>Eine saubere Recherche der Hintergründe fehlte. Oder zumindest deren Darstellung, was an sich noch schlimmer wäre. Der Umgang mit Martin Zielke ließ mich erschaudern, aufgrund der Menschenverachtung, die ihm von Seiten des Moderators entgegengebracht wurde.</p>
<h3><strong style="font-size: 15px;">Stella Splendens &#8211; Du glänzender Stern</strong></h3>
<p><strong style="font-size: 15px;"></strong>In meiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oberfranken" rel="nofollow" target="_blank">alten Heimat</a> gibt es ein geflügeltes Wort: “<em><a href="http://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~aussen%20hui%2C%20innen%20pfui&amp;bool=relevanz&amp;suchspalte%5B%5D=rart_ou" rel="nofollow" target="_blank">Außen hui, innen pfui</a></em>”, das hier sehr treffend ist. Als glänzender Stern, als Anwalt der kleinen Leute präsentiert sich sternTV auch unter dem neuen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Steffen_Hallaschka" rel="nofollow" target="_blank">Moderator</a><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Steffen_Hallaschka" rel="nofollow" target="_blank"> Steffen Hallaschka</a></strong>. Der Kampf der Davids, gegen die Goliaths dieser Welt wird unterstützt.</p>
<p>Denn der Kampf des kleinen Mannes (oder der kleinen Frau) bringt Einschaltquoten, sorgt dafür, dass die Werbekasse klingelt, und bezahlt somit Moderator und namenlose Redaktion.</p>
<blockquote><p>„Die Gewalt von Worten kann manchmal schlimmer sein als die von Ohrfeigen und Pistolen.“ (Heinrich Böll: Interview im Oktober 1974)</p></blockquote>
<p><strong>Moral, Ethik oder gar Wahrheit haben hingegen keinen Platz im Universum RTL/sternTV.</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/11/stella-splendens-ein-glanzender-stern/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Journaille falsche Welt</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/11/der-journaille-falsche-welt/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/11/der-journaille-falsche-welt/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 06:34:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://schriftrolle.de/?p=2477</guid>
		<description><![CDATA[“Hey Baby, willst Du mal schlecken?” oder “Kiffen als Schulfach: Was meinen Sie?” So ähnlich, springt uns täglich die Schlagzeile an. Ist die Welt der “Journalisten” auch die Welt, in der wir leben?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Und täglich grüßt das Murmeltier: “Hey Baby, willst Du mal schlecken?” oder “Kiffen als Schulfach: Was meinen Sie?” So, oder so ähnlich, springt uns täglich die Schlagzeile an. Doch ist die Welt der “Journalisten” auch die Welt, in der wir leben?</strong></p>
<div id="attachment_2478" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://schriftrolle.de/2011/11/der-journaille-falsche-welt"><img src='http://schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/11/typewriter-cc-by-xlibber.jpg' class='size-full wp-image-2478' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Die klassische Schreibmaschine als Synonym für Journalismus (Bild: xlibber; Lizenz: cc-by)</p></div>
<p><strong>So kommt die Nachricht in die Zeitung</strong></p>
<p>Es war einmal ein kleines Ereignis. Nichts großes, doch es betraf einen Titan der Musik, den Pop Titan. Dieser hatte sich den Fuß verstaucht. Etwas, das jeden Tag auch abertausend anderen passiert. Doch an diesem August-Tag im Sommerloch herrschte tote Hose. Und zufällig war ein Reporter der Nachrichtenagentur “Euter(s)” in der Nähe. Dieser hatte sich nämlich den Kopf angestoßen, war in die Notaufnahme gefahren und sah nun Dieter Bohlen auf Krücken hinken.<span id="more-2477"></span></p>
<p>Also schrieb er eine kleine Meldung, tippte sie ins System und tat danach, was er sonst so tut. Die Meldung landete (mitsamt einem Bild) auf dem Tisch eines Redakteurs. Dieser sah, dass es gut war (da sonst nichts wichtiges passiert war) und er sendete sie über den Ticker nach draußen.</p>
<p>Denn immerhin hatte sich ja nicht Lischen Müller den Fuß verstaucht, sondern der Pop Titan. Das war natürlich etwas ganz anderes.</p>
<p>Denn wie hatte schon<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Man_bites_dog_(journalism)" target="_blank"> John B. Bogart</a>, Lokalredakteur bei der “New York Sun” geschrieben:</p>
<blockquote><p>„When a dog bites a man, that is not news, because it happens so often. But if a man bites a dog, that is news.“</p></blockquote>
<p>Der Ticker, das ist sozusagen die Luft, die der Journalist zum atmen braucht. Hier findet er jede von der Agentur für halbwegs wichtig gehaltene Meldung.</p>
<p>Ein gelangweilter Schreiberling bei einer Tageszeitung, nennen wir sie “FOTO”, sah die Meldung im Ticker &#8211; und da er ja so tun wollte, als sei er wichtig, schrieb er noch fünf Worte dazu, rief bei Dieters Management an, um sich ein schönes Zitat dazu zu holen und gab sie an seinen<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chef_vom_Dienst" target="_blank"> Chef vom Dienst</a> weiter. Der CvD hatte (noch immer war der Tag ruhig) sowieso gerade keine bessere “Nachricht” und so landete die Meldung ganz oben auf der Webseite der “FOTO”.</p>
<p>Dort wurde sie von einem Redakteur des Magazins “Reflektor” gefunden. Auch hier gab es gerade kein “Futter” für die Webseite. Und da die Meldung auch im Ticker von “Euter(s)” war, hatte sie ja das Siegel “glaubwürdig”. Auch lief gerade die neue Staffel von “Bayern sucht den Super-Melker” an, in dem der gute Dieter in der Jury saß. Also aktuell, mal was anderes, gerade nichts besseres da &#8211; und so landete die Meldung auch bei “Reflektor” ganz oben.</p>
<p>Da bei “FOTO” und “Reflektor” ganz oben, fingen all die anderen Schreiberlinge in anderen Redaktionen an, ihre CvDs mit dem Thema zu bombardieren. Und, weil bei den sogenannten Leitmedien (also den Lemmingen, die immer vorne weg rennen) ganz oben, nahmen diese CvDs ihren Job ernst &#8211; und warfen die Meldung auf den eigenen Webseiten auch nach oben (oder in die Fernsehnachrichten/Radionachrichten). Natürlich ohne sie nochmals zu prüfen.</p>
<p>Inzwischen war es kurz vor 12 Uhr am Mittag. Die Schreiberlinge der Agentur “Deutsche Journaille Agentur” machten ihr mittägliches “Medienmonitoring”. Da schauen Sie, welche Themen wohl wichtig sind, indem sie schauen, über was die anderen so schreiben (und wo sie es auf den Webseiten stehen haben).</p>
<p>Dort konnten sie sehen, das die Meldung über Dieters Fuß bei allen ganz weit oben war. Die Meldung musste also wichtig sein. Daher wurde die Meldung von der “dja” aufgegriffen &#8211; und an alle Kunden weiterverteilt, die für ihre Webseiten diese Meldungen automatisch abonniert hatten. So landete Dieters Fuß dann schließlich auf so Seiten wie “wed.de” oder “gmy.de”. Dort wollen die Leute eigentlich nur ihre Mails lesen, bekommen aber auch (mehr oder weniger interessante) Nachrichten serviert*.</p>
<p>So kam es, dass der Fuß des Pop Titan zur Meldung des Tages wurde. Auch nicht weniger interessant, als der sprichwörtliche “<a href="http://imageshack.us/f/167/rundschaubh0.jpg/" target="_blank">Sack Reis</a>”.</p>
<blockquote><p>“Journalismus besteht hauptsächlich darin, Leuten zu erzählen ‘Lord Jones ist gestorben’, die vorher nicht einmal wussten, dass Lord Jones überhaupt je gelebt hat.” (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G._K._Chesterton" target="_blank">Gilbert Keith Chesterton</a>, engl. Kriminalschriftsteller)</p></blockquote>
<p><strong>Die Nachrichten-Kriterien</strong></p>
<p>Diese Meldung erfüllte auch alle sogenannten Nachrichten-Kriterien. Nur was diese Filter passiert, das kommt auch in die Zeitung/auf die Webseite/in die Fernseh-Nachrichten.</p>
<ul>
<li>Kriterium Neuigkeit/Aktualität</li>
<li>Kriterium Nähe</li>
<li>Kriterien Konflikt/Kampf und Dramatik</li>
<li>Kriterien Gefühl, Liebe und Sex</li>
<li>Kriterium Prominenz</li>
</ul>
<p>Und diese Filter, die die Qualität und Relevanz sicherstellen sollen, wurden gleich mehrfach hintereinander geschaltet:<br />
Es ist aktuell, weil erst heute passiert. Die Nähe ist dadurch gegeben, dass sich jeder dem Dieter nahe fühlt. Er ist immerhin der “Pop Titan der Deutschen”. Und wie dramatisch es war, bis der arme Dieter in der Notaufnahme war. Sein Management hatte extra betont, wie schmerzhaft dieses Unglück für den armen Mann war. Prominent ist er ja und Schmerzen tun weh, sind also Gefühle. Und so erfüllte diese “Nachricht” alle Kriterien. Egal, ober bei &#8220;Euter(s)&#8221;, &#8220;FOTO&#8221; oder &#8220;Reflektor&#8221;.</p>
<p>Und natürlich hat jeder Schreiberling, Redakteur und CvD in dieser langen Kette immer wieder geprüft, ob die Kriterien erfüllt sind. Und sicherlich spiele niemals nicht eine Rolle, dass an diesem Tag aber auch so gar nichts passiert ist. Oder gar, dass man (im Netz) Klicks braucht, um Werbung zu verkaufen, also dass die Notwendigkeit gegeben ist, dass immer irgendwas passieren muss.<br />
Nein, jeder hat seinen grundgesetzlich geschützten Job total ernst genommen (und außerdem wollen die Leute sowas ja lesen).</p>
<p>Doch was ist mit der Lebenswirklichkeit der Menschen, wenn es um andere Themen geht? Was ist mit dem Weltbild/und der Welt-Wahrnehmung, wenn sie durch den Journalismus geprägt wird?</p>
<p><strong>Neutral, objektiv und frei</strong></p>
<p>Journalisten berichten neutral und objektiv über das was so passiert in der Welt. So oder so ähnlich haben es mir die Gesellschaftskunde-Lehrer vor langer Zeit beigebracht. Und so sehen viele Journalisten sich selbst und ihre Job. Denn sie und ihr Berufsstand sind besonders geschützt:</p>
<blockquote><p>“Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.” (<a href="http://dejure.org/gesetze/GG/5.html" target="_blank">Art. 5 GG</a>)</p></blockquote>
<p>Journalismus, vom Grundgesetz besonders geschützt, ist also ein reales Abbild unserer Welt? Die Schreiberlinge zeigen uns nur, was auch tatsächlich passiert? Nein. Das System des Journalismus, die Notwendigkeit damit Geld zu verdienen (um Schreiberlinge, Redakteure, Grafiker, Vorstände, Aktionäre zu &#8220;bezahlen&#8221;), verhindert in sich schon, dass ein realistisches Abbild möglich wäre.</p>
<p>Außerdem ist da noch der Leser &#8211; und der ist das eigentliche Problem. So fällt es diesem nämlich überhaupt nicht ein, gute Nachrichten zu kaufen. Oder auch nur ein: “Es ist nichts passiert”, mit seiner werbe-wertvollen Aufmerksamkeit zu belohnen. Oder würdest Du eine <del>BILD</del>&#8220;FOTO&#8221; oder einen <del>Spiegel</del>&#8220;Reflektor&#8221; kaufen, wenn alle Seiten leer wären und die einzige Schlagzeile lautet: “Schlaft ruhig, es ist nichts passiert!”?</p>
<p><strong>Die Wirklichkeit und die Journaille</strong></p>
<p>Wir haben also gesehen, dass die sogenannten Nachrichten-Kriterien nicht unbedingt dabei helfen, ein Abbild der Wirklichkeit im Journalismus zu erzeugen. Im Gegenteil: Sie sind die Ursache eines noch grundsätzlicheren Problems.</p>
<p>Sie sind diese Faktoren, die zu<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Selektive_Wahrnehmung" target="_blank"> selektiver Wahrnehmung</a> (nicht nur bei den Schreiberlingen) führen. Für die Blattmacher/Medienschaffenden sind natürlich die Erfolgskennzahlen der Meldungen ebenso ein Filter &#8211; was läuft wie warme Semmeln, das macht man wieder. Die Ladenhüter lässt man sein. Egal, ob letzteres vielleicht “wichtiger” wäre.</p>
<p>Doch auch beim Leser sorgen die Nachrichten-Faktoren für eine verschobene Weltwahrnehmung.</p>
<p><strong>Nehmen wir ein recht konkretes Beispiel:</strong></p>
<p>Viele Mütter in meinem Umfeld sagen, dass sie heute mehr Angst um ihre Kinder haben, als früher. Früher hätte es diese Masse an Missbrauch, Entführung, und so weiter nicht gegeben. Heute wäre die Welt für die armen kleinen Mädchen und Jungs sehr viel gefährlicher geworden.</p>
<p>Doch ist dem tatsächlich so?</p>
<p>Am 18. Oktober hat das Bundesministerium für Forschung und Bildung, zusammen mit dem Kriminilogischen Forschungsinstitut Niedersachsen<a href="http://www.bmbf.de/press/3164.php" target="_blank"> die ersten Ergebnisse einer Langzeitstudie vorgestellt</a>.</p>
<p>&#8220;Im Vergleich zu der Situation vor fast 20 Jahren ist ein deutlicher Rückgang bei Fällen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen&#8221;, erklärt Bundesbildungsministerin Schavan. Zum Teil sind die<a href="http://www.rundertisch-kindesmissbrauch.de/documents/Erster_Forschungsbericht_sexueller_Missbrauch_2011.pdf" target="_blank"> Übergriffe um ein Viertel gesunken</a>, in den vergangenen 20 Jahren. Zugleich steigt jedoch die gefühlte Gefährdung in unserer Welt immer weiter an.</p>
<p>Wenn ihr in Eurem Umfeld mal rumfragt, ob es für Kinder/Jugendliche heute gefährlicher ist, als vor 20 Jahren, werdet Ihr sehen, dass die meisten Menschen die heutige Gesellschaft für gefährlicher halten.</p>
<p>Immerhin wird mehr über Kindesmissbrauch geschrieben/berichtet, als je zuvor. Und der Mensch neigt, aufgrund seiner Psyche, nun einmal dazu, von “öfter gelesen” auf “öfter passiert” zu schließen.</p>
<p>Um es &#8220;korrekter&#8221; zu sagen, der Mensch nutzt intuitiv im Hirn gewisse Abkürzungen (Heuristiken), um im Fall von Unsicherheit zu einem zügigen Ergebnis zu kommen. Dinge, an die man sich leichter erinnern kann, sorgen dann beispielsweise dafür, dass man solche Ereignisse/Verbrechen als häufiger/wahrscheinlicher einschätzt. Das ganze nennt sich <a title="Verfügbarkeitsheuristik" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verf%C3%BCgbarkeitsheuristik" target="_blank">Verfügbarkeitsheuristik</a>.</p>
<p>Ein recht unschöner Zustand, den die Art und Weise der Berichterstattung, Umgang und Auswahl der Themen durch die Journalie, sowie die werbegetriebene Klickhysterie sogar noch verschlimmern. Denn mit jeder neuen Horrormeldung, verstärkt sich diese Heuristik, weil man sich besser an derartige Meldungen erinnert.</p>
<p>Um es klar zu sagen: Ich bin für einen Journalismus, der diese Bezeichnung verdient. Ich bin dafür, dass über solche Themen gesprochen wird. Im Gegenteil, es müsste noch viel mehr darüber geschrieben/gesprochen werden. Allerdings nicht unbedingt so, wie das heute passiert.</p>
<p>Heute sind “Perverses Vergewaltiger-Schwein vor Gericht”, oder “Dieses Schwein wollte fünf Menschen töten” zulässige und gern gelesene Schlagzeilen, wie sie tagtäglich in der FOTO erscheinen könnten.</p>
<p><strong>Vergewaltigung der Opfer</strong></p>
<p>Bei solchen Schlagzeilen interessiert jedoch das Opfer meist nicht als Mensch, sondern rein als legitimierende Funktion. Es ist der notwendige Statist für diese Meldung. Das Opfer derartiger Gewalttäter wird zum &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Redshirt" target="_blank">Red Shirt</a>&#8221; für den Bericht, ohne den das Ereignis, somit auch nicht die “Nachricht” und somit vor allem nicht Auflage/Klickzahlen geschehen könnten. Und somit schließlich der kommerzielle Erfolg der Zeitung.</p>
<p>Das Opfer wird also nicht nur vom Täter entwürdigt/gedemütigt/verletzt/getötet. Es wird auch von dieser Art der Berichterstattung entmenschlicht/objektifiziert/austauschbar gemacht. Diese Berichterstattung ist zwangsläufig auf die möglichst hohe Grausamkeit von Taten angewiesen, um ihren innersten Auftrag (Geld verdienen) zu erfüllen.</p>
<p>Die Opfer sind dabei, wie gesehen, nur als strukturelle Funktion notwendig. Das individuelle Schicksal ist unwichtig, austauschbar und in vielen Fällen auch einfach eher störend, weil komplex. Hauptsache ich habe ein paar schöne Tränen der Hinterbliebenen, vielleicht gemischt mit dem Wunsch nach Rache&#8230; Das wäre das i-Tüpfelchen.</p>
<blockquote><p>“Nähme man den Zeitungen ihren Fettdruck, um wieviel stiller wäre es auf der Welt. “ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Tucholsky" target="_blank">Kurt Tucholsky</a>)</p></blockquote>
<p>Die selektive  Wahrnehmung formt das Weltbild, das aufgrund eines andere psychologischen Effekts, zugleich noch verstärkt wird. Der Mensch ist so gestrickt, dass er eher nach Bestätigung für einen Gedanken/eine Annahme sucht, als nach Widerlegung. Diesen Effekt nennt man<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Best%C3%A4tigungsfehler" target="_blank"> Bestätigungfehler</a>.</p>
<p>Und so sorgt das täglich grüßende Murmeltier Names “Journaille” in einem sich selbst verstärkenden System dafür, dass die Welt des Journalismus nichts mehr mit der Welt da draußen vor dem Fenster zu tun hat.</p>
<p><strong>Ein neuer Journalismus?</strong></p>
<p>Die Nachrichten in den Presse-Organen sind also sehr oft nur noch<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Referent_(Linguistik)" target="_blank"> Zeichen, die auf keine Referenten verweisen</a>. Doch wenn dem so ist, welcher Stellenwert sollte diesem Journalismus eigentlich zugestanden werden? Und wie könnte ein Journalismus aussehen, der den grundgesetzlich geschützten Status in einer demokratischen Gesellschaft verdient hat?</p>
<p>Kann ein “guter Journalismus” vielleicht nur dort funktionieren, wo er keinen kommerziellen Einflüssen und Notwendigkeiten ausgeliefert ist, wo er aber zugleich auch keinen politischen Interessen und Verknüpfungen unterworfen ist? Und wie könnte so ein Journalismus funktionieren? Wie könnten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Korrespondent" target="_blank">Korrespondenten</a>, Redakteure, Grafiker, Schreiber, externe Autoren, Fotografen, Gebäude, Druckpressen, etc. bezahlt werden, wenn man den Journalismus aus dem kommerziellen Rahmen nimmt?</p>
<h6><em>*Bekanntmachung: Ich arbeite selbst bei einem Unternehmen, dass eine derartige Webseite betreibt. Außerdem besitze ich auch einen Presseausweis. </em></h6>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/11/der-journaille-falsche-welt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wer nicht wählt, wählt rechts</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/10/wer-nicht-wahlt-wahlt-rechts/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/10/wer-nicht-wahlt-wahlt-rechts/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 18:42:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwähler]]></category>
		<category><![CDATA[Parteienfinanzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlverweigerung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schriftrolle.de/?p=2274</guid>
		<description><![CDATA[Immer wieder hört ich, dass man als Nichtwähler die radikalen Parteien unterstütze. Konkret heißt es dann immer, dass Nichtwähler ihre (Nicht-)Stimme den rechten Parteien schenken würden. Aber &#8211; stimmt das eigentlich? So hat beispielsweise der Vorsitzende der Initiative &#8220;Gesicht zeigen&#8221;, Uwe-Karsten Heye, ehemaliger Chefredakteur der SPD-Parteizeitung &#8220;Vorwärts&#8221;, 2009 vor der Landtagswahl in Sachsen gesagt: &#8220;Wer also [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Immer wieder hört ich, dass man als Nichtwähler die radikalen Parteien unterstütze. Konkret heißt es dann immer, dass Nichtwähler ihre (Nicht-)Stimme den rechten Parteien schenken würden. Aber &#8211; stimmt das eigentlich?</strong></p>
<div id="attachment_2273" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.schriftrolle.de/2011/10/wer-nicht-wahlt-wahlt-rechts"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/09/wahlzettel.jpg' class='size-full wp-image-2273 ' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Ich habe 2 Stimmen? Ich nutze lieber keine! (Bild: Awaya Legends; Lizenz: cc-by-sa)</p></div>
<p>So hat beispielsweise der Vorsitzende der Initiative &#8220;Gesicht zeigen&#8221;, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe-Karsten_Heye" target="_blank">Uwe-Karsten Heye</a>, ehemaliger Chefredakteur der SPD-Parteizeitung &#8220;Vorwärts&#8221;, 2009 <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1023390/" target="_blank">vor der Landtagswahl in Sachsen gesagt</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wer also wirklich verhindern will, dass die NPD wieder in den Landtag kommt, der kann sie wegwählen, indem er zur Wahl geht. Und alle, die nicht zur Wahl gehen, müssen sich vorwerfen lassen, dass sie indirekt damit die NPD stärken.&#8221;</p></blockquote>
<p><span id="more-2274"></span><br />
Ich bin seit meiner Jugend sowohl in der Schule, als auch im Privatleben immer wieder mit solchen Aussagen konfrontiert worden. Und mal ehrlich, wenn unsere Sozialkunde-Lehrer, mein Vater oder erfahrene Politiker sowas sagen, dann muss das ja stimmen.</p>
<p>Außerdem würde ich mir lieber die Hand abhacken, als die NPD zu unterstützen.</p>
<p><strong>Wer nicht wählt, wählt rechts.</strong></p>
<p>Wäre es nicht interessant, diese Aussagen zu überprüfen? Ich fände es ja tool, wenn ich künftig jedem, der sagt &#8220;Ich gehe nicht wählen&#8221; einfach einen Zettel in die Hand drücken kann, der eindeutig beweist, dass die Entscheidung falsch ist und dass er/sie die Fanatiker in der Parteienlandschaft unterstützt?</p>
<p>Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht und versucht zu berechnen, was die Folgen der Wahlverweigerung sind.</p>
<p>Dazu habe ich erst einmal einige Aussagen gesucht, die zum Phänomen &#8220;Nicht-Wähler&#8221; / &#8220;Wahlverweigerer&#8221; getätigt wurden und mich gefragt, ob diese Aussagen stimmen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Meistens wird dabei folgendermaßen argumentiert:</span><br />
Die radikaleren Parteien schaffen es immer recht gut, ihre Wähler zur Wahl zu motivieren. Deshalb haben diese Parteien bei einer sinkenden Wahlbeteiligung weniger zu befürchten. Eher im Gegenteil, der relative Stimmanteil steige massiv an, wird gesagt. Außerdem erhalten diese Parteien viele Stimmen von Protestwählern, deshalb müssen &#8220;vernünftige&#8221; Menschen eben irgendeine der traditionellen Parteien wählen um diesen Zuspruch bei den kleineren und radikalen Parteien auszugleichen.</p>
<p>Ich soll also lieber Pest, als Cholera wählen, damit meine Nicht-Stimme nicht der NPD zugute kommt.</p>
<p>Die Überschrift dieses Abschnitts lautet &#8220;<em>Wer nicht wählen geht, wählt rechts.</em>&#8221; Das war so in etwa das Hauptargument, dass ich bei meiner Recherche immer wieder gefunden habe.</p>
<p>Wieso man aber in der Argumentation, dass meine fehlende Stimme die kleinen Parteien unterstütze sofort und alleinig auf die NPD schließt, verstehe ich nicht. Also mal ehrlich, wenn die &#8220;Sonstigen Parteien&#8221; bei einer Wahl zusammen beispielsweise 7 % erreichen, dann müsste meine &#8220;Nicht-Stimme&#8221; sich doch anteilig auf all diese Parteien auswirken/verteilen? Oder verstehe ich hier etwas falsch und die NPD hat da einen besonderen &#8220;Nicht-Stimmen&#8221;-Magnet entwickelt?</p>
<p>&#8220;<em>Wer nicht wählt, wählt rechts</em>&#8221; ist so schon mal faktischer Blödsinn. Folgt man der Argumentationslogik, dass solch eine &#8220;Nicht-Stimme&#8221; ein entsprechendes Gewicht bei den kleineren Parteien hat, müsste man also sagen: &#8220;Wer nicht wählt, wählt zu X % die NPD, zu Y % die Partei Bibeltreuer Christen, zu Z % die APPD (und so weiter).&#8221; Bei den &#8220;Sonstigen&#8221; ist ja auch ein buntes Spektrum <span style="text-decoration: line-through;">an Bullshit zu finden</span> vertreten.</p>
<p>Das heißt: Meine nicht abgegebene Stimme ist nur zu einem sehr geringen Teil eine Stimme für die NPD.</p>
<p>Die NPD (oder jede andere rechte Partei) dient hier lediglich als schreckliches Gespenst, das uns durch Angst zur Wahl treiben soll. Denn wie gesagt, ich würde mir <strong>eher die Hand abhacken, als die NPD mit einer Nicht-Stimme an die Macht zu bringen</strong>.</p>
<p>Dennoch, das Argument Nr. 1 ist sowohl argumentativ, als auch mathematisch hinfällig.</p>
<p>Doch was ist mit den anderen Aussagen über Nichtwähler?</p>
<p><strong>&#8220;Nichtwählen ist keine Willenskundgebung sondern Demokratieverweigerung.&#8221;</strong></p>
<p>Ich finde diesen Satz toll. Jeder will doch seinen Willen kund tun. Jeder will doch sagen dürfen, was er will. Immerhin haben wir Meinungsfreiheit. Und sich der Demokratie verweigern? Nein, das will ich nicht. Ich betrachte mich als vernünftigen Menschen &#8211; und die Demokratie ist doch eindeutig die vernünftigste Regierungsform.</p>
<p>Dabei ist dieser Satz eigentlich nur eine wohlklingende Verdrehung einer alten Aussage, die die meisten von Euch als Kind gehört haben dürften:</p>
<blockquote><p>&#8220;Und nur weil alle von der Klippe springen, springst Du deswegen auch?&#8221;</p></blockquote>
<p>Anders gesagt: Mit diesem &#8220;Argument&#8221; versuchen Eltern ihre Kinder davon zu überzeugen, dass deren Wünsche nichts anderes sind als sozialer Druck der &#8220;Freunde&#8221;. Die Kinder sollen also gerade dann eigenständig sein, wenn die Wünsche der Kinder (oft entstanden durch Druck aus der peer group) den Eltern gerade nicht passen. Bei mir war das beispielsweise der Fall wenn ich Klamotten haben wollte, die gerade &#8220;in&#8221; waren. Denn ich wollte in der Schule auch einfach mal nicht gemobbt werde. (Heute bin ich froh, dass ich die Klamotten nicht bekommen habe und &#8220;gezwungen&#8221; war, meine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.)</p>
<p>Das sind heute sicherlich andere Dinge (iPod, Gameboy DS, oder was auch immer).</p>
<p>In meiner Kindheit/Jugend nahm ich mir das &#8220;Argument” mit der Klippe zu Herzen. Es kam ja von meinen Eltern und ich fand die Logik dahinter wirklich gut. Also habe ich für mich entschieden, was ich will (oder nicht will). Das entsprach dann oftmals jedoch nicht den Erwartungen der Generation über mir. Dann wurde mir &#8220;befohlen&#8221;, dass ich Dinge tue, weil man es eben so macht/weil es sich so gehört/weil es der Anstand gebietet/weil es eben so ist.</p>
<p>Beispiele gefällig? &#8220;Wenn sich Erwachsene unterhalten haben die Kinder still zu sein&#8221;, &#8220;Wenn Du nicht brav bist, bringt Dir der Weihnachtsmann keine Geschenke&#8221;, &#8220;In der Schule darfst Du keinen Kaugummi kauen&#8221;, &#8220;In der Schule musst Du mit dem Füller schreiben, Kugelschreiber sind verboten, weil wir das schon immer so machen.&#8221;</p>
<p>Und um das Gegen-Argument zum Nichtwählen noch aus einem anderen Blickwinkel anzugehen:</p>
<p>Im Jahr 1930 rief Mahatma Gandhi zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Salzmarsch" target="_blank">Salzmarsch</a> (seinem gewaltfreien Protest gegen das britische Salzmonopol) auf. Denn indische Bürger durften zu dieser Zeit weder Salz herstellen, noch es selber verkaufen. Dabei war Salz, neben Wasser, gerade im indischen Klima eine absolute Überlebensnotwendigkeit.</p>
<p>War diese Form des zivilen Ungehorsams, zu der Gandhi damit aufforderte, also auch keine &#8220;Willenskundgebung&#8221;, sondern Unterdrückungsverweigerung?</p>
<p>Und wenn Apple mir sein neues iPhone verkaufen will, ich es jedoch nicht haben mag, weil ich es es scheiße finde &#8211; ist das dann auch keine &#8220;Willensbekundung&#8221;, sondern Konsumverweigerung?</p>
<p><strong>&#8220;Wer nicht wählen geht, muss die akzeptieren, die von anderen gewählt wurden.&#8221;</strong></p>
<p>Ich hab mal gelernt, man solle ein Argument einfach mal auf den Kopf stellen, um zu prüfen, ob es ein sinnvolles Argument ist. Das hieße dann:</p>
<p>Wer wählen geht, muss die nicht akzeptieren, die von anderen gewählt wurden?</p>
<p>So verstehe ich jetzt auch unsere Demokratie. Deshalb missachten NPD-Wähler die demokratische Grundordnung und erkennen die großen Parteien nicht an. Deshalb wettert die Opposition immer gegen die Beschlüsse der Regierung, anstatt sich brav zu fügen.</p>
<p>Wer wählen geht, darf die Meinung aller anderen missachten. Jetzt habe ich das System verstanden.</p>
<p>Sorry, aber das ist einfach Bullshit. Wer wählen geht, muss ebenso akzeptieren, dass andere Menschen ihre Stimme anders abgeben. Das heißt, wähle ich beispielsweise die Piraten (lieber hacke ich mir die Hand ab), muss ich einfach akzeptieren, dass die Mehrheit CDU/CSU/SPD/etc wählt und somit diese Parteien an die Macht kommen.</p>
<p>Wähle ich zufällig eine der künftigen Regierungsparteien muss ich ebenso akzeptieren, dass es zu einer Koalition kommen kann (auch mit einer Partei, die ich vielleicht beschissen finde) oder dass die Opposition versucht die Politik der Regierung zu verhindern (Bundesratsblockade, Klagen vor dem Verfassungsgericht, etc).</p>
<p>Demokratie funktioniert nun mal so, dass die Mehrheit der Bürger entscheidet, wer alle Bürger die kommenden Jahre <span style="text-decoration: line-through;">verarschen</span> regieren darf.</p>
<p><strong>Macht ist Geld: Die Angst vor dem Verlust</strong></p>
<p>Wieso sind es (gefühlt) eigentlich immer Politiker aus dem Spektrum der gemäßigten Parteien, die uns dazu auffordern, wählen zu gehen? Gut, manchmal sind es auch irgendwelche Promis, die sich für solche Kampagnen hergeben. Aber es gibt ja auch genug Promis, die einer der traditionellen  Parteien nahestehen. Oder deren Begabung nicht unbedingt im eigenständigen Denken liegt.</p>
<p>Wenn also vor allem Personen aus dem Dunstkreis der etablierten Parteien solche Aussagen tätigen, steckt da vielleicht noch was anderes dahinter, als nur die Angst vor der NPD (die wie oben gezeigt als gutes Schreckgespenst funktioniert).</p>
<p><strong>Wer profitiert eigentlich von unseren Wählerstimmen? Und wie?</strong></p>
<p>Ich hab mir mal die Mühe gemacht, beispielhaft zu berechnen, welche Auswirkungen die Nichtwähler haben:<br />
<em>(Achtung, jetzt kommen einige Zahlen &#8211; haltet durch, es wird noch spannend)</em></p>
<p>Für die Modellrechnung brauche ich ein paar Annahmen:</p>
<ul>
<li>Alle Wähler der &#8220;Protest-Parteien&#8221; und der radikalen Parteien gehen wählen.<br />
Das heißt, die absolute Zahl der Wähler bei PIRATEN, DIE LINKE, NPD und den SONSTIGEN bleibt bei sinkender Wahlbeteiligung gleich.</li>
<li>Nur Wähler, die CDU, SPD, GRÜNE oder FDP gewählt hätten, gehen nicht zur Wahl. Das heißt, ich ziehe bei den anderen Parteien nicht mal Wähler ab, die diese nur aus Protest gewählt hätten und sonst vielleicht aus Protest nicht zur Wahl gegangen wären.<br />
Ich gebe ihnen anteilig also sogar mehr Stimmen, als es realistisch erscheint.</li>
<li>Die traditionellen Parteien verlieren anteilig gleich stark an Stimmen. Ist zwar nicht realistisch, aber ob nun die CDU 5% ihrer Stimmen verliert, die FDP dagegen nur 3% ist für die Auswirkungen auf die &#8220;Protestparteien&#8221; irrelevant. zumindest wenn der Gesamtanteil der Protestwähler gleich bleibt. Daher ist diese Vereinfachung vertretbar.</li>
<li>Ich benutze als Beispiel die letzte Wahl in Berlin. Bei anderen Wahlen stellen sich die Ergebnisse sicherlich in den konkreten Zahlen anders dar.</li>
</ul>
<p><span style="text-decoration: underline;">Hier nun also die Ausgangssituation, wie sie sich für mein Beispiel der letzten Wahl in Berlin darstellt:</span></p>
<table border="0">
<tbody>
<tr>
<td>Wahlbeteiligung:</td>
<td>60,2 %</td>
</tr>
<tr>
<td></td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>SPD</td>
<td>28,3 %</td>
</tr>
<tr>
<td>CDU</td>
<td>23,4 %</td>
</tr>
<tr>
<td>DIE GRÜNEN</td>
<td>17,6 %</td>
</tr>
<tr>
<td>DIE LINKE</td>
<td>11,7 %</td>
</tr>
<tr>
<td>PIRATEN</td>
<td>8,9 %</td>
</tr>
<tr>
<td>FDP</td>
<td>1,8 %</td>
</tr>
<tr>
<td>SONSTIGE (ohne NPD)</td>
<td>6,2 %</td>
</tr>
<tr>
<td>NPD</td>
<td>2,1 %</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Gehe ich nun davon aus, dass 30 % der Wähler der &#8220;klassischen&#8221; Parteien nicht zur Wahl gehen, ändert sich das Ergebnis natürlich schon. Doch was passiert genau? Ich schreibe die Änderungen in Prozent hinter die (fiktiven) Ergebnisse:</p>
<table border="0">
<tbody>
<tr>
<td>Wahlbeteiligung:</td>
<td>42,1 %</td>
<td>- 18,1 %</td>
</tr>
<tr>
<td></td>
<td></td>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td>SPD</td>
<td>23,3 %</td>
<td>-   5,0 %</td>
</tr>
<tr>
<td>CDU</td>
<td>19,3 %</td>
<td>-   4,1 %</td>
</tr>
<tr>
<td>DIE GRÜNEN</td>
<td>14,5 %</td>
<td>-   3,1 %</td>
</tr>
<tr>
<td>DIE LINKE</td>
<td>16,7 %</td>
<td>+  5,0 %</td>
</tr>
<tr>
<td>PIRATEN</td>
<td>12,7 %</td>
<td>+  3,8 %</td>
</tr>
<tr>
<td>FDP</td>
<td>1,5 %</td>
<td>-   0,3 %</td>
</tr>
<tr>
<td>SONSTIGE (ohne NPD)</td>
<td>8,9 %</td>
<td>+  2,7 %</td>
</tr>
<tr>
<td>NPD</td>
<td>3,0 %</td>
<td>+  0,9 %</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Wahlbeteiligung liegt bei Landtagswahlen meist recht deutlich über der 50 % Marke. Im Gegensatz dazu sind Europawahlen immer die Wahlen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Bei der letzen Europawahl lag die Wahlbeteiligung bei 43 %.</p>
<p>Ihr seht. Die NPD gewinnt zwar anteilig an Volumen. Die 5 % Hürde verhindert aber auch bei 30 % zusätzlich protestierenden Nicht-Wählern, dass diejenigen, die nicht wählen, tatsächlich rechts wählen. Vergleiche ich hingegen den Zugewinn von 0,9 % mit den massiven Verlusten der klassischen Parteien, verstehe ich nun, wieso diese dem Wahlvolk mit dem rechten Gespenst vor jeder Wahl erneut Angst einjagen.</p>
<p>Um den Punkt noch deutlicher zu argumentieren: <span style="text-decoration: underline;">Bei welchem Anteil von Nicht-Wählern wäre die NPD ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen? </span></p>
<p>Erst bei einer Quote von nur noch 42 % der ursprünglichen Wählerschaft, also bei einem Anteil von 58 % zusätzlicher Nicht-Wähler, hätte die NPD genau 5 % erreicht und somit den Einzug ins Berliner Parlament geschafft.</p>
<p><strong>Das entspräche einer Wahlbeteiligung von 25,3 %. Wie realistisch&#8230;</strong></p>
<p>Ich muss zugeben, dass die Situation anders ist, wenn zuvor schon mehr Personen für eine Partei gestimmt haben. Je höher der Stimmen-Anteil einer Partei (siehe Piraten im Gedankenexperiment), desto mehr profitiert eine solche (Protest-)Partei von Nicht-Wählern. Allerdings würden Protestwähler, die sonst für solche Parteien gestimmt hätten und jetzt (aus Protest) nicht zur Wahl gehen, den Effekt abschwächen. Es wäre für die kleinen Parteien also deutlich schwerer als in meinem Beispiel.</p>
<p><strong>Geld regiert die Welt</strong></p>
<p>OK, ich habe nun verstanden, dass die großen Parteien am stärksten durch Nicht-Wähler verlieren. Machtverlust ist hier eine reale Gefahr &#8211; und weniger Stimmen bedeutet weniger Sitze im Parlament. Die Parteisoldaten auf den hinteren Listenplätzen hätten da irgendwann ein echtes Problem.</p>
<p>Aber es geht eben nicht nur um Macht. Denn als Abgeordneter verdient man nebenbei nicht so schlecht. Und auch die &#8220;Rente&#8221; schon nach zwei Amtszeiten, kann sich sehen lassen. Beispielsweise erhält ein einfacher Bundes-Parlamentarier nach 2 Amtszeiten 1651 € an &#8220;Rente&#8221;. Das ist etwa doppelt so hoch, wie die deutsche Durchschnittsrente (für die ein Leben lang gearbeitet werden musste).</p>
<p>Doch der Gedanke Geld führt noch ein Stückchen weiter. Denn nicht nur die einzelnen Parteisoldaten profitieren davon, wenn ihre Partei mehr Sitze im Parlament erhält. Auch die Parteien profitieren direkt von einer höheren Anzahl abgegebener Stimmen.</p>
<p>Das Parteiengesetz (§ 18) sieht vor, dass die Parteien jährlich staatliche Mittel erhalten (nannte sich früher Wahlkampfkostenerstattung). Die Höhe dieser Mittel bemisst sich aufgrund der “Verwurzelung in der Gesellschaft”. Das heißt, je mehr Stimmen eine Partei bei den Wahlen erhält, desto mehr Knete gibt es jedes Jahr. Gezählt werden dabei Landtags- Bundestags und Europawahlen. Es gibt jedoch eine Einschränkung:</p>
<blockquote><p>“Die vom Staat gezahlte Summe an alle Parteien darf als sogenannte „absolute Obergrenze“ derzeit jährlich maximal 133 Millionen Euro betragen. Der Innenausschuß hat am 6. Juli 2011 den Weg freigemacht, diese Obergrenze auf 141,9 Millionen Euro (2011) und schließlich auf 150,8 Millionen Euro (2012) zu erhöhen. Die staatlichen Mittel an eine Partei sind hierbei maximal so hoch, wie die Einnahmen der Partei aus anderen Quellen wie z. B. Mitgliedsbeiträge oder Parteispenden.” (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parteienfinanzierung#Finanzierung_aus_staatlichen_Mitteln" target="_blank">wikipedia</a>)</p></blockquote>
<p>Für jede Zweitstimme (Listenstimme) erhält eine Partei 70 Cent. Für die ersten vier Millionen Stimmen sogar 85 Cent. Jede (rechtmäßige) Spende und alle Mitgliedsbeiträge, werden je Euro nochmal mit 38 Cent “vergütet”. (Einschränkung nur bei Großspenden über 3.300 Euro je juristischer Person).</p>
<p>Die kleinen Parteien haben jedoch ein Problem:</p>
<blockquote><p>“Um am System der staatlichen Teilfinanzierung teilzunehmen, muss eine Partei bei der letzten Bundestagswahl oder Europawahl mindestens 0,5 % der gültigen Stimmen oder bei der jeweils letzten Landtagswahl 1,0 % der gültigen Stimmen erhalten haben.” (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parteienfinanzierung#Finanzierung_aus_staatlichen_Mitteln" target="_blank">wikipedia</a>)</p></blockquote>
<p>Das heißt, je mehr Menschen für die klassischen Parteien stimmen, desto geringer ist der Anteil kleiner Parteien, die über die 0,5 %-Grenze rutschen. Und um so höher sind die &#8220;Einnahmen&#8221; der großen Parteien aus den staatlichen Mitteln.</p>
<p><strong>Wieso ich künftig nicht mehr wählen werde</strong></p>
<p>OK, welchen Wahrheits-Wert Wahlversprechen haben, muss ich glaube ich nicht ausführen. Lese ich mir jedoch die Wahlprogramme der einzelnen Parteien durch, so stelle ich fest, dass ich, egal welche Partei ich wählen würde, einen (unterschiedlich) hohen Anteil an Bullshit mitwählen müsste.</p>
<p>Ich kann leider nicht Punkt 1 von den Piraten, Punkt 7 von der FDP, Punkt 4 von den Grünen und so weiter wählen. Eine Wahl ist ja auch kein Wunschkonzert. Ich müsste also mit meiner Stimme immer deutlich zu viele Punkte unterstützen, die ich mit meinen Einstellungen und meinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Denn um genau solche Punkte geht es mir, wenn ich von Bullshit in Wahlprogrammen spreche.</p>
<p>Bislang überwog für mich die Angst, ich könnte als Nicht-Wähler meine “Nicht-Stimme” den Rechten schenken. Und das war für mich absolut inakzeptabel. Es zwang mich dazu, all das in den Wahlprogrammen von SPD und Co zu akzeptieren, dass ich, rational betrachtet, sonst jedoch auch nicht unterstützen will/kann.</p>
<p>Da ich nun jedoch weiß, wie wenig Gewicht meine fehlende Stimme auf die kleinen Parteien hat, wie viel Gewicht (und Verlust) es jedoch für die traditionellen Parteien bedeutet, wenn ich deren Bullshit nicht mehr unterstütze, bleibt mir keine andere Wahl, als meinen Widerwillen gegen all diese Parteiprogramme durch mein Fernbleiben von der Wahl auszudrücken. Ich wähle lieber zu 0,0001 % die Sonstigen, als 50 % Bullshit in einem Wahlprogramm auch noch mit meiner Stimme (und damit mit Geld) zu unterstützen.</p>
<p>Es ist genau wie im freien Markt: Wenn ich ein Produkt auf den Markt bringe, das keiner haben will, sollte ich dringend meine Produktpolitik überdenken. <strong>Vielleicht denken SPD, CDU und Co. mal darüber nach, wie wir ihre Ideen finden, wenn wir aufhören sie nur deshalb zu wählen, weil man es uns alle mit einem Schreckgespenst zur Wahl getrieben hat.</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/10/wer-nicht-wahlt-wahlt-rechts/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Anekdote: Passion schlägt Technik</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/09/anekdote-passion-schlagt-technik/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/09/anekdote-passion-schlagt-technik/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 08:53:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
		<category><![CDATA[Passion]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Vision]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schriftrolle.de/?p=2229</guid>
		<description><![CDATA[Ich erinnere mich gerade an eine wundervolle Anekdote aus dem Geschichtsunterricht in der 12ten Klasse. Sie verdeutlicht auf sehr reizvolle Art und Weise, dass Leidenschaft und Kreativität jedes technische Spielzeug schlägt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich erinnere mich gerade an eine wundervolle Anekdote aus dem Geschichtsunterricht in der 12ten Klasse. Sie verdeutlicht auf reizvolle Art und Weise, dass Leidenschaft und Kreativität jedes technische Spielzeug in der Präsentation und der Nachhaltigkeit des Eindrucks schlägt.</strong></p>
<div id="attachment_2231" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.schriftrolle.de/2011/09/anekdote-passion-schlagt-technik"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/09/industrielle_revolution-cc-by-selkovjr.jpg' class='size-full wp-image-2231 ' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Wie waren die gesellschaftlichen Bedingungen in der Zeit der Industriellen Revolution? Ein Geschichtslehrer hat es mir &quot;verraten&quot;. (Bild: slekovjr; Lizenz: cc-by)</p></div>
<h6>Lesezeit: (<span style="font-weight: normal;">3 Minuten</span> / 1 Minute)</h6>
<p>Wir sprachen über die Zeit der <strong>industriellen Revolution</strong> und über die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die in dieser Zeit herrschten. Wie es den Menschen ging, wie Reichtum verteilt war, und so weiter. Ich glaube, trotz meinem großen Interesse für historische Themen, hätte ich heute kein derart deutliches Bild dieser Zeit vor Augen, hätte es diesen Lehrer nicht gegeben.</p>
<p><span id="more-2229"></span></p>
<p><strong>Wie erklärt man un-/teilinteressierten Schülern, wie Geld in einer (gefühlt) so fernen Zeit verteilt war?</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Möglichkeit 1:</span> Ich lasse die Schüler einige Seiten im Buch lesen und frage in der folgenden Stunde die Fakten ab.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Möglichkeit 2:</span> Ich lasse einen Schüler ein Referat vorbereiten, halten und frage wiederum in der folgenden Stunde die Fakten ab.</p>
<p><strong>Möglichkeit Herr Lücke: </strong></p>
<p>Man schneide weißes Papier in Stücke, so dass deren Größe etwa der von <strong>Monopoly-Geldscheinen</strong> entspricht und schreibe zufällige Beträge auf diese &#8220;Scheine&#8221;. Man nehme sie mit in die Klasse. Dort angekommen lasse man den hinteren Teil des Klassenzimmers so räumen, dass sich die Kursteilnehmer an der einen Wand aufstellen können.</p>
<p>Dann erkläre man die Regeln des &#8220;Spiels&#8221;: <strong>Wer am Ende das meiste &#8220;Geld&#8221; hat, darf 10 Minuten früher gehen.</strong></p>
<p>Dann stelle man sich auf der anderen Seite des Klassenzimmers, den Schülern gegenüber auf einen Stuhl, gebe das Startkommando und lasse die Scheine fallen&#8230;</p>
<p>In unserem Fall hätte ich durch meine rabiate Art mich auf den Boden zu werfen, um nach den Scheinen zu greifen fast einer Mitschülerin das Handgelenk gebrochen. Und am Ende war <strong>99% des Kapitals in den Händen von 2 Schülern</strong>. <strong>Der Rest ging also fast leer aus.</strong> Und ein großer Teil der Mitschüler gingen wirklich leer aus. Sie hatten keinen der ersehnten Scheine ergattern können&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/09/anekdote-passion-schlagt-technik/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Mensch ist dumm: Kant wäre Organspender</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/09/der-mensch-ist-dumm-kant-ware-organspender/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/09/der-mensch-ist-dumm-kant-ware-organspender/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 16:03:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Kategorischer Imperativ]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Organspende]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schriftrolle.de/?p=2205</guid>
		<description><![CDATA[Lange Zeit dachte ich, Kants "Kategorischer Imperativ" sei die ideale Grundlage für eine sinnvolle Ethik. Inzwischen glaube ich, dass diese Idee scheitern muss.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lange Zeit dachte ich, Kants &#8220;Kategorischer Imperativ&#8221; sei die ideale Grundlage für eine gesellschaftliche Ethik. Man muss nicht auf eine religiös oder anderweitig &#8220;esoterisch&#8221; motivierte Moral zurückgreifen. Doch inzwischen glaube ich, dass die Idee des vernünftigen Menschen einfach Blödsinn ist. </strong></p>
<div id="attachment_2218" class="wp-caption aligncenter" style="width: 595px"><a href="http://www.schriftrolle.de/2011/09/der-mensch-ist-dumm-kant-ware-organspender"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/09/Kant-Organspender-cc-by-sa-AndreasToerl.jpg' class='size-full wp-image-2218 ' width='460' height='176.92307692308'/></a><p class="wp-caption-text">Immanuel Kant wäre Organspender gewesen. Zumindest wenn er seiner eigenen Theorie vom vernunftbegabten Menschen folgen würde. (Bild: Andreas Toerl; Lizenz: cc-by-sa)</p></div>
<p>Kant formulierte seinen &#8220;Kategorischen Imperativ&#8221; in der Zeit der Aufklärung. Sein Ziel war es für alle (vernunftbegabten) Wesen (und darin schloss er alle Menschen ein), eine allgemeingültige Handlungsgrundlage zu geben, die eben nicht den Rückgriff auf Religion, etc braucht.</p>
<p><span id="more-2205"></span></p>
<blockquote><p>&#8220;Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne. &#8221; (Immanuel Kant, § 7 <em>Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft</em>).</p></blockquote>
<p>Doch genau bei der grundlegenden Annahme des &#8220;vernünftigen Menschen&#8221; muss ich Kant einfach widersprechen. Betrachte ich mir die Menschen um mich herum, blicke ich morgens in der U-Bahn auf die schlafwandelnden Fleischtüten, oder gehe ich mit offenen Augen durch die Stadt, so stelle ich immer und immer wieder fest: Der Mensch ist unvernünftiger als jedes Tier auf diesem Planeten.</p>
<p>Der Mensch wird (wie auch die Tiere) angetrieben von seinen Trieben. Doch der Mensch übertreibt es mit diesen Trieben derart, dass er sich selbst und die Welt um ihn herum damit in den Untergang treibt. (Sorry, die Trieb-/getrieben-Wortspiele konnte ich mir nicht verkneifen.)</p>
<p>Inzwischen wissen auch die Psychologen (und die Verhaltensökonomen), dass der Mensch eben nicht das rationale Tier ist, auf dem so viele gesellschaftlichen Modelle beruhen. Irrationalitäten (und hier nehme ich mich ganz sicher nicht raus) beherrschen uns und treiben uns vor sich her, wie ein Schäfer seine Herde.</p>
<p>Beispiele gibt es genug: Rauchen, Alkohol, Religion, Drogen, Atomstrom-Hass, Öko-Ideologien, Apple-Produkte, übermäßiger Konsum industrieller Nahrung, Stromverbrauch, sinnlose Gewaltausbrüche, Fußball, und, und, und&#8230;</p>
<p>Natürlich bin ich nicht unschuldig. Natürlich bin auch ich nur ein Teil dieser Masse. Und nein, ich erhebe mich nicht mit dem mahnenden Zeigefinger. Ich blicke mich um, mache mir meine Gedanken und werfe sie der Welt zum Fraß vor. Natürlich in der Hoffnung damit Gedanken und Reaktionen anzustoßen. Ich bin auch nur ein Gleicher unter Gleichen.</p>
<p>Wie gesagt, Kant ging davon aus, der Mensch sei ein &#8220;endlich vernunftbegabtes Wesen&#8221;. Ich halte den Menschen eher für ein &#8220;unendlich unvernunftbeladenes Etwas&#8221;. Und das ist an sich ja nicht einmal etwas schlechtes. Wir müssen es nur anerkennen und lernen damit umzugehen.</p>
<p><strong>Die Dummheit der Menschen am Beispiel &#8220;Organspende&#8221;</strong></p>
<p>Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Organspende. Vernünftig wäre es, dass jeder Mensch einen <a title="Organspende rettet Leben" href="http://www.organspendeausweis.org/" target="_blank">Organspendeausweis</a> hat. Man sollte also meinen, dass allein die (angenommene) Vernunft im Menschen dazu führen würde, dass die Quote der Organspender bei nahezu 100% liegt. Tatsächlich gab es in Deutschland mit seiner &#8220;Zustimmungsregelung&#8221; im Jahr 2010 genau <a href="http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/dboowasys921.xwdevkit/xwd_init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&amp;p_aid=i&amp;p_aid=10172876&amp;nummer=420&amp;p_sprache=D&amp;p_indsp=-&amp;p_aid=3069406" target="_blank">1.296 Organspender</a> (wenn man Lebendspende nicht mitzählt). Das heißt auf 1 Million Bürger kommen 16 Organspender. In Spanien sind es beispielsweise 34.</p>
<p>Nur 25% der Deutschen haben überhaupt einen Organspendeausweis. 75% sind jedoch bereit Organe zu spenden.</p>
<p>Doch dann höre ich so außerordentlich dumme und ideologiegetriebene Aussagen von <span style="text-decoration: line-through;">Vollidioten</span> Politikern:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich meine, dass es auch für die Erklärung zur Organspende kein &#8216;Muss&#8217; geben darf.&#8221; (Annette Widmann-Mauz, CDU)</p></blockquote>
<p>Und dabei geht es hier nur darum, dass man seine Position zur Organspende erklären soll. Andere Länder machen es da sehr viel intelligenter. Dort muss man explizit bekanntgeben, wenn man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Widerspruchsregelung" target="_blank">kein Organspender sein will</a>. Dort ist die Quote der Spender entsprechend höher. Die Bequemlichkeit der Menschen wird eben in diesem Fall zum Vorteil der Gesellschaft genutzt.</p>
<p>Würden also nur die 25% der Bevölkerung, die keine Organe spenden wollen, sich gegen eine Spende aussprechen, wäre die Quote der &#8220;Nichtspender&#8221; beim Wechsel auf die &#8220;Widerspruchsregelung&#8221; genauso hoch, wie heute die Quote der Spender. Die faulen 50% der Bevölkerung, die grundsätzlich bereit sind zur Spende, wären somit automatisch Spender.</p>
<p>Nebenbei würde dies noch den Haushalt entlasten, da <span style="text-decoration: line-through;">nutzlose</span> teure Kampagnen zur Erhöhung der Spendenbereitschaft wegfallen können.</p>
<p>Abgesehen davon, dass bei den ablehnenden 25% sicherlich irrationale Gründe den größten Anteil daran haben, dass sie nicht spenden wollen. Gerade hier zeigt sich in meinen Augen, dass der Mensch ein <span style="text-decoration: line-through;">dummes</span> unvernünftiges Tier ist.</p>
<p><strong>Nutzt die <span style="text-decoration: line-through;">Dummheit</span> Irrationalität des Menschen</strong></p>
<p>Geht man also vom <span style="text-decoration: line-through;">faulen </span>bequemen Menschen aus &#8211; und eben nicht davon, dass der Mensch vernunftbegabt ist &#8211; löst man ein existierendes Problem recht schnell. Und das lässt sich auch auf viele andere Bereiche des Lebens übertragen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/09/der-mensch-ist-dumm-kant-ware-organspender/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Liebes Internet</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/08/liebes-internet/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/08/liebes-internet/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2011 14:40:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[IRC]]></category>
		<category><![CDATA[Rant]]></category>
		<category><![CDATA[real life]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schriftrolle.de/?p=2184</guid>
		<description><![CDATA[Liebes Internet, ich kenne Dich nun schon eine ganze Weile. Ja, wir sind wirklich schon einen langen Weg gemeinsam gegangen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Liebes Internet,</strong></p>
<p><strong>ich kenne Dich nun schon eine ganze Weile. Ja, wir sind wirklich schon einen langen Weg gemeinsam gegangen. Anfangs war es manchmal anstrengend: Das 14.400er Modem erschien schnell. Und doch wartete ich endlose Minuten, bis sich manche Bilder geladen hatten. Zumindest, bis ich zum ersten Mal an einer 2Mbit-Leitung saß.</strong></p>
<div id="attachment_2187" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.schriftrolle.de/2011/08/liebes-internet"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/08/IRC-cc-by-N1NJ4.jpg' class='size-full wp-image-2187 ' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Was habe ich nicht für schöne Diskussionen im IRC geführt? (Bild: N1NJ4 / Lizenz: cc-by)</p></div>
<p>Ja, heute sind schnellere DSL-Leitungen der Standard. Doch damals? 1998 war es das Paradies, eine Offenbarung. Ein Blick in eine Zukunft, <a href="http://en.wikiquote.org/wiki/William_Gibson" target="_blank">die nur noch nicht gleichmäßig verteilt</a> schien.</p>
<p><span id="more-2184"></span></p>
<p>Damals war das Netz echt bunt, grell und irgendwie laut. (Erinnerst Du Dich noch an die schrecklichen MIDI-Dateien?) Aber es gab einige wirklich interessante Menschen. Ich erinnere mich heute noch an Diskussionen, die ich im IRC geführt habe. Ich glaube ja, dass heute keins der Facebook-Kiddies unter 25 das IRC noch kennt. Aber das ist auch egal.</p>
<p>Dort, also bei Facebook, habe ich derartige Diskussionen noch nie geführt. Facebook ist inzwischen auch nur noch für Bullshit. Poste ich dort etwas , von dem ich denke, dass es wichtig ist, passiert nahezu nichts. Poste ich lachende Katzen, bekomme ich 10 Likes, 30 Kommentare&#8230;</p>
<p>Twitter? Ach komm. Lass es einfach. Twitter ist tot &#8211; <a href="http://en.wikiquote.org/wiki/The_Crow#Eric_Draven" target="_blank">es weiß es nur noch nicht</a>.</p>
<p>RSS? Na gut &#8211; nachdem ich radikal aussortiert habe, bekomm ich da endlich wieder (größtenteils) gute Inhalte (und nicht mehr den gleichen Wein in 100-fach neuen Schläuchen). Sowas nennt man heute glaube ich &#8220;<a href="http://www.ctrl-verlust.net/category/queryology/" target="_blank">Filter-Kompetenz</a>&#8220;.</p>
<p><strong> Aber trotzdem. Liebes Internet. Was ist aus Dir geworden.</strong></p>
<p>Deine verdammte Aufmerksamkeits-Ökonomie ist doch wirklich Scheiße. Jeder schreit nach Klicks, jeder versucht so viel wie möglich an ROI aus mir herauszupressen. Egal, ob es Facebook ist, (wie lange bin ich täglich auf den Seiten), oder spiegel.de (wie viele Seiten klicke ich an). Es geht nicht um mich. Was ich mir von Dir wünsche, dass interessiert Dich nicht. Auch wenn Du es immer wieder behauptest. Dir geht es schon lange nicht mehr um mich. Dir geht es nur noch darum, wie Du durch mich, meine Daten und mein Verhalten Geld erzeugen kannst.</p>
<p>Und was bekomme ich von Dir zurück? Via Facebook mit alten Freunden einfach in Kontakt bleiben zu können. Die wirklich wichtigen Menschen kann ich an einer Hand abzählen. Da reicht Email. Und bei manchen Menschen frage ich mich, ob ich den Kontakt wirklich haben will.</p>
<p>Nein, ich bekomme noch immer die gleiche, beschissen uninteressante Werbung für Ladyshave und Billigkredite aufs Auge gedrückt. Dabei interessiere ich mich aktuell viel eher für Fliesenkleber, Handwerker, Heizungssanierung, KfW-Vorschriften, Wärmedämmung und anderen Kram.</p>
<p>Wieso zeigst Du mir nicht wenigstens ein bisschen von dem, was mich interessiert? Wieso zeigst Du mir Rauschen und nicht Information? Wieso verschwendest Du meine Zeit?</p>
<p>Gib mir die Werkzeuge, die ich brauche um das zu erledigen, was ich tun muss (oder will).</p>
<p>Nein &#8211; Du bist zum sich selbst verstärkenden System geworden. Etwas, dass sich nur noch um sich selbst dreht. Etwas, dass in seinem Kern die immer gleichen <span style="text-decoration: line-through;">roten Iros</span> Menschen stehen hat, die sich ihre eigenen Echos beantworten und denken, sie würden einen Dialog mit Menschen führen.</p>
<p>Nein, sie führen den Dialog nur noch mit sich selbst (oder ihren Klon-Kriegern).</p>
<p>Weißt Du was &#8211; liebes Internet: Ich werd einfach wieder ein bisschen mehr mein (analoges) Ding machen und Dich einfach Dein (digitales) Ding machen lassen.</p>
<p><strong>Mal sehen, wer glücklicher ist.</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/08/liebes-internet/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Benutzt meine Daten</title>
		<link>http://schriftrolle.de/2011/07/benutzt-meine-daten/</link>
		<comments>http://schriftrolle.de/2011/07/benutzt-meine-daten/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 16:01:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Datennutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollverlust]]></category>
		<category><![CDATA[personalisierte Werbung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.schriftrolle.de/?p=2162</guid>
		<description><![CDATA[Bitte. Ja bitte. Liebe Apple, lieber Google und liebes Spielkind Facebook. Bitte, ja ich bitte Euch: Benutzt meine Daten. Und macht es richtig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bitte. Ja bitte. Liebe Apple, lieber Google und liebes Spielkind <span style="text-decoration: line-through;">Zeitverschwender </span>Facebook. Bitte, ja ich bitte Euch: Benutzt meine Daten. Und macht es richtig.</strong></p>
<div id="attachment_2164" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.schriftrolle.de/2011/07/benutzt-meine-daten"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/07/Datacenter.jpg' class='size-full wp-image-2164 ' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Wieso werden meine Daten nicht sinnvoll genutzt? (Bild: stars6 / Leonardo Rizzi; Lizenz: cc-by-sa)</p></div>
<p>Ihr wisst, wo im Netz ich mich bewege. Wisst, welche Werbung ich anklicke, welche ich wegklicke oder ignoriere. Ihr wisst, auf welchen Webseiten ich wie lange surfe und ihr wisst, welche vorgeschlagenen “Freunde” mich auch nach dem 10ten Mal anzeigen nicht interessieren.</p>
<p><span id="more-2162"></span></p>
<p>Ihr wisst sogar, wen ich ignoriere, wem ich im Netz also versuche aus dem Weg zu gehen, indem ich ihn/sie/es filtere.</p>
<p>Ihr kennt meine Meinung zur Gesellschaft, kennt die Themen, die mich interessieren. Und verdammt nochmal: Ihr kennt die Produkte, die mich interessieren könnten.</p>
<p>Ihr könnt gerne auch noch mehr über mich wissen. Beispielsweise, dass ich mir mit meiner Freundin zusammen gerade ein Haus gekauft habe, dass ich seit über einem Jahr kein Auto mehr besitze, oder dass ich das iPhone aus verschiedenen Gründen nicht mag.</p>
<p>Ihr wisst, dass ich letzte Woche ein Galaxy Tab getestet habe und dürftet mitbekommen, dass ich mich über dieses Gerät jetzt nicht mehr bei Euch melde.</p>
<p>Ihr wisst wo ich wohne und wo ich mich meistens bewege.</p>
<p>Wieso also bekomme ich keine sinnvolle Werbung über aktuelle Angebote zur Renovierung eines Hauses? Preise zu Fliesen, Möbelnoder Küchengeräten? Wieso werde ich mit Werbung zugespammt, zu Themengebieten, die mich nicht interessieren?</p>
<p>Wieso muss ich mir Gesichter von Menschen anschauen, obwohl ich schon x-Mal kein Interesse  an einer Freundschaft mit ihnen gezeigt habe?</p>
<p>Und wieso ist Werbung noch immer Spam und keine Information?</p>
<p>Sind Eure Rechenzentren so schlecht? Eure IT-ler so unkreativ? Wollt ihr wirklich all diese Daten über mich verrotten lassen?</p>
<p>Nutzt sie, nehmt sie, zergliedert sie &#8211; und bietet mir endlich mal einen wirklichen Mehrwert an, wenn ich Euch die Daten schon zum Fraß (und zur Umsatzsteigerung) vorwerfe.</p>
<p><strong>Los, ich warte!</strong></p>
<p><strong>Mit freundlichen Grüßen</strong><br />
Sven Döring</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://schriftrolle.de/2011/07/benutzt-meine-daten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

<!-- Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: http://www.w3-edge.com/wordpress-plugins/

Minified using disk: basic (Feed is rejected)
Page Caching using disk: enhanced
Database Caching 1/29 queries in 0.015 seconds using disk: basic
Object Caching 617/704 objects using disk: basic

Served from: schriftrolle.de @ 2012-02-09 17:30:22 -->
