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Anekdote: Passion schlägt Technik

Ich erinnere mich gerade an eine wundervolle Anekdote aus dem Geschichtsunterricht in der 12ten Klasse. Sie verdeutlicht auf reizvolle Art und Weise, dass Leidenschaft und Kreativität jedes technische Spielzeug in der Präsentation und der Nachhaltigkeit des Eindrucks schlägt.

Wie waren die gesellschaftlichen Bedingungen in der Zeit der Industriellen Revolution? Ein Geschichtslehrer hat es mir "verraten". (Bild: slekovjr; Lizenz: cc-by)

Lesezeit: (3 Minuten / 1 Minute)

Wir sprachen über die Zeit der industriellen Revolution und über die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die in dieser Zeit herrschten. Wie es den Menschen ging, wie Reichtum verteilt war, und so weiter. Ich glaube, trotz meinem großen Interesse für historische Themen, hätte ich heute kein derart deutliches Bild dieser Zeit vor Augen, hätte es diesen Lehrer nicht gegeben.

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Sep 13, 2011 - Gesellschaft    3 Comments

Der Mensch ist dumm: Kant wäre Organspender

Lange Zeit dachte ich, Kants “Kategorischer Imperativ” sei die ideale Grundlage für eine gesellschaftliche Ethik. Man muss nicht auf eine religiös oder anderweitig “esoterisch” motivierte Moral zurückgreifen. Doch inzwischen glaube ich, dass die Idee des vernünftigen Menschen einfach Blödsinn ist.

Immanuel Kant wäre Organspender gewesen. Zumindest wenn er seiner eigenen Theorie vom vernunftbegabten Menschen folgen würde. (Bild: Andreas Toerl; Lizenz: cc-by-sa)

Kant formulierte seinen “Kategorischen Imperativ” in der Zeit der Aufklärung. Sein Ziel war es für alle (vernunftbegabten) Wesen (und darin schloss er alle Menschen ein), eine allgemeingültige Handlungsgrundlage zu geben, die eben nicht den Rückgriff auf Religion, etc braucht.

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Liebes Internet

Liebes Internet,

ich kenne Dich nun schon eine ganze Weile. Ja, wir sind wirklich schon einen langen Weg gemeinsam gegangen. Anfangs war es manchmal anstrengend: Das 14.400er Modem erschien schnell. Und doch wartete ich endlose Minuten, bis sich manche Bilder geladen hatten. Zumindest, bis ich zum ersten Mal an einer 2Mbit-Leitung saß.

Was habe ich nicht für schöne Diskussionen im IRC geführt? (Bild: N1NJ4 / Lizenz: cc-by)

Ja, heute sind schnellere DSL-Leitungen der Standard. Doch damals? 1998 war es das Paradies, eine Offenbarung. Ein Blick in eine Zukunft, die nur noch nicht gleichmäßig verteilt schien.

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Jul 28, 2011 - Gesellschaft    2 Comments

Benutzt meine Daten

Bitte. Ja bitte. Liebe Apple, lieber Google und liebes Spielkind Zeitverschwender Facebook. Bitte, ja ich bitte Euch: Benutzt meine Daten. Und macht es richtig.

Wieso werden meine Daten nicht sinnvoll genutzt? (Bild: stars6 / Leonardo Rizzi; Lizenz: cc-by-sa)

Ihr wisst, wo im Netz ich mich bewege. Wisst, welche Werbung ich anklicke, welche ich wegklicke oder ignoriere. Ihr wisst, auf welchen Webseiten ich wie lange surfe und ihr wisst, welche vorgeschlagenen “Freunde” mich auch nach dem 10ten Mal anzeigen nicht interessieren.

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Facebook sieht Dich – egal was Du tust!

Ja, Facebook sieht Dich. Immer und überall. Auch unter der Bettdecke. Also: Bitte keine Onanie mehr. Und kein Naschen nach 22 Uhr.

Die drei Affen - ein Symbol für den unreflektierten Menschen, der vermeintliche Gefahren dadurch abwehrt, indem er sie ignoriert. (Bild: Abellman / Lizenz: cc-by-sa)

Meine Fresse. Böses Facebook. Was erlaubt sich dieses Gesichterbuch eigentlich? Da nimmt es einfach unschuldige Menschen und schaut sich ihre Gesichter an. Einfach so. Ohne zu fragen. Böse!

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Mai 30, 2011 - Gesellschaft, Multimedial    No Comments

Algorithmisch zurück ins Mittelalter

Aufklärung 3.0, Befreier der Rede oder Speerspitze einer neuen Demokratie. Bringt uns die Vernetzwerkung der Welt wirklich das Licht der Erleuchtung?

Mittelalterliche Handschrift (Photo: wit / Lizenz: cc-by-sa)

Ich muss mich vorab entschuldigen. Ich kann über meine Gedanken nicht schreiben, ohne poetische Bilder zu verwenden, metaphorische Sprache, scheinbar entfernt von Fakten. Doch sind es, meiner Meinung nach, genau diese Bilder, die uns Verständnis erst ermöglichen.

Ein Vortrag auf der next11 hat es mir besonders angetan. Gebannt saß ich vor dem Rechner, nachdem ich leider nicht vor Ort sein konnte. Und ich empfehle jedem, sich diesen Talk anzusehen. Ich glaube selbst gerne an die positive Kraft der Technik, doch das, was Kevin Slavin dort erläutert, lässt mich nachdenklich werden und erzeugt Gänsehaut:

Die Entwicklung der Menschheit (zumindest die einiger Individuen/Subgesellschaften), entwickelt sich nach Aguste Comte durch drei Stadien:

  1. Das theologisch-fiktive Stadium
  2. Das metaphysische, oder abstrakte Stadium
  3. Das positive, oder wissenschaftliche Stadium

Um das kurz und verkürzt zu sagen: Der Mensch entwickelt sich von einem vor-religiösen Pantheismus, über den Monotheismus, hin zu einem Stadium, indem abstrakte Kräfte zur Erklärung der Welt herangezogen werden. Hier entwickelt sich auch der rationale Verstand, das Hinterfragen von Ursachen, was schließlich zum wissenschaftlichen Stadium führt.

Auch wenn ich dieser rigorosen Einteilung nicht vollständig zustimmen kann und ich mir der Irrrationalität des Menschen wohl bewusst bin: Man kann die historische Entwicklung der Menschheit mit diesem Werkzeug zumindest grob erfassen.

Viele Theoretiker des digitalen Zeitalters behaupten nun, dass uns der Fortschritt der Vernetzung weiterführen würde, hin zu einer neuen Aufklärung. Einer Aufklärung 2.0 (manchmal gar 3.0).

Ich widerspreche!

Die meisten Menschen nutzen Geschichten, um sich die Welt zu erklären. Geschichten gelten als das kollektive und das individuelle Gedächtnis der Welt.

Warum gäbe es sonst einen Film über Facebook? Dabei nutzt der Mensch unbemerkt sehr oft die Verwechslung von zeitlicher Abfolge und logischer Konsequenz. So werden scheinbare Kausalzusammenhänge “erklärbar”, obwohl es oft nichmal Korrelationen sind.

Weil ich im März geboren wurde, die Sterne so und so standen, verhalte ich mich wie ein Sternzeichen Widder mit dem Aszendenten Zwillinge. Oder so.

Weil Facebook das bessere Netzwerk ist, überflügelt es…

Weil Twitter so toll ist, nutzen es alle…

Weil das iPhone…

Dabei werden wir, unbemerkt für die meisten Menschen, heute von Algorithmen gesteuert. Vom Buchvorschlag bei Amazon, dem Suchergebnis bei Google, dem Wetterbericht im Fernsehen, der Wartezeit auf den Aufzug bis zur Waren-Belieferung großer Handelsketten. Die Welt (nicht nur die digitale) wird von Algorithmen kontrolliert.

Ein weiteres Beispiel ist der Aktienmarkt, in obigem Video schön erklärt. Bis heute verstehen, auch rückblickend, die Experten noch nicht, was genau im Jahr 2010 passiert ist, als der Aktienmarkt 10% seines Wertes in 5 Minuten verloren hat.

Doch was passiert, wenn immer mehr Lebensbereiche von Algorithmen gesteuert/kontrolliert werden. Verkehrsführung, Nahrungsmittelempfehlungen, Lese-Empfehlungen, Verbrechensbekämpfung. Die Verteilung lebenswichtiger Medikamente. Wenn unsere tatsächlichen Handlungen keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung mathematischer Formeln haben. Wenn in Millisekunden weitreichende Entscheidungen von Servern getroffen werden?

Wird Mathematik die Sprache der Götter? Brauchen Menschen eine neue Religion, neue Mythen, um sich die Welt zu erklären? Muss ich mir eine neues “Glaubenszentrum” in mein Gehirn implantieren lassen?

Ist eine Welt, in der 99,99 Prozent aller Menschen nicht mehr verstehen können, wodurch sie beeinflusst werden, eine Welt in der ich leben will? Ist das die Welt der gepriesenen neuen Aufklärung?

Oder ist es der Rückfall in mittelalterliche, oder gar mythologische Zeiten, in denen die Götter und Geister unsere Welt bestimmten und wir ihnen Opfer darbrachten, auf das die Ernte gnädig ausfalle.

Bedeutende Langsamkeit

Schnell, schneller, ausgebrannt. Gerne auch: Schnell, schneller, unwichtig. In der heutigen Zeit erschlagen uns Echtzeit-Nachrichten. Die tatsächliche Bedeutung einer Meldung wird dabei oft falsch eingeschätzt.

Handgeschriebene Zeitungen zeigen, das das Medium zwar nicht die Nachricht ist, aber das ein Medium die Nachricht - und ihre Relevanz - beeinflußt. (Bild: adactio / Lizenz: cc-by)

Leidenschaft und Distanz. Überblick und die Liebe für Details. Eigenschaften, die in der heutigen Zeit immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheinen. Sie fallen vom Rand des twitterisierten Schreibtisches und rutschen durch die Tasten einer USB-Tastatur. Fakten? Wer benötigt die schon? Geprüfte und hinterfragte Zahlen? Egal, solange die Klickzahlen stimmen.

Heute heißt es nicht mehr: “Be first, but first be right.” Heute heißt es: “Be first, but first be first.”

Dabei beobachte ich, wie ich selbst eine gewisse schizoide Einstellung zu Nachrichten entwickelt habe: Ich wünsche mir einerseits die schnelle Information, das schnelles Update und einen zügigen Überblick über die Nachrichtenlage.

Das ist wie ein schneller Snack “to go”. Doch damit ist mein Hunger nach Information nicht gestillt. In mir lebt der Wunsch nach tieferem Verständnis. Danach etwas zu durchdringen und aus dem Schatten des Halbwissens heraus treten zu können. Hintergründe, die einordnen oder Kommentare die bewerten (und ihre Subjektivität transparent kenntlich machen) – das wünsche ich mir.

Oft wird doch nur das schon Bekannte wiedergekäut. Die meisten Seiten sind widerliche Nachrichten-Wiederkäuer.

Doch es gibt seltene Ausnahmen. Es gibt noch heute handgeschriebene Zeitungen. Medien, die auswählen, weil die Herstellung ein aufwändiger Prozess ist. Medien, deren größter Wert die Leidenschaft ist, mit der sie geschaffen werden.

Ein besonderes Beispiel ist “The Musalman”:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=LUmdx2YHGcA 576 358]

Mir fehlen die Worte und ich bin sprachlos, ob der Schönheit und der Fremd- und Eigenartigkeit dieser Form der Zeitungsproduktion.

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