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Nov 15, 2010 - Social Media    4 Comments

So viele Follower braucht niemand

“Ach wie schön ist Panama.” Diesen Satz habe ich im Kopf, wenn ich mal wieder den Wunsch nach einer möglichst hohen Zahl an Twitter-Followern höre. Der digitale Schwanzvergleich wird überbewertet.

Einfluss oder Menge. Die Anzahl der Follower hat nahezu keinerlei Relevanz. Reine Quantität wird überbewertet. (Bild: crosathorian / some rights reserved)

Die Zahl der Follower – sinnfreier Egofick

Ich möchte mich erst einmal für meine Wortwahl entschuldigen. Doch gebe ich zu bedenken, dass das Streben nach Glück nicht in einer möglichst hohen Follwer-Zahl begründet liegen kann. Was nützen mir 10 Tsd, 100 Tsd oder gar 1 Million Follower, wenn keiner davon meine Tweets verbreitet? Was nützt mir die größte Follower-Gemeinde, wenn ich keinen Mehrwert daraus gewinne?

Der Bär hatte zwei Follower. Den kleinen Tiger und die Tigerente. Zu dritt machten sie sich auf den Weg ins gelobte Panama. Und zu dritt erreichten sie ihr persönliches Paradies, wenn auch nicht Panama, so doch die dafür gehaltene, alte Heimat.

Lady Gaga hat 7,091,266 Follower, Britney Spears 6,278,353 und Justin Bieber kommt auf 6,055,792 Follower. Klingt viel, aber im Vergleich zu knapp 200 Millionen Usern von Twitter, sind das:

  • Lady Gaga           3,55 Prozent
  • Britney Spears  3,14 Prozent
  • Justin Bieber     3,02 Prozent
    (Quelle: TwitterCounter Stand 2010-11-15)

Die Accounts mit der größten Fan-Gemeinde erreichen also gut 96 Prozent der Menschen im Netzwerk nicht. Die meisten haben kein Interesse am Tun und Lassen der Stars des Twitter-Universums. Bezogen auf die Weltbevölkerung von 6 Milliarden würde die Zahl noch weiter ins Unbedeutende sinken.

Was sollen diese beiden Beispiele verdeutlichen? Schon wenige, passionierte Follower können helfen meine Ziele zu erreichen. Wenige, passionierte “Multiplikatoren”/Helfer/Unterstützer können einer Marke/einem Unternehmen den nötigen (Motivations-)Schub schenken. Die reine Zahl mag interessant sein – über den Einfluss im sozialen Netz sagt sie nichts aus.

Quantität vs. Qualität

Um Einfluss für eine Marke/ein Unternehmen zu übernehmen, müssen die Follower und Unternehmen das gleiche Ziel haben. Hier wird es schon schwieriger. Ziel von Kunden ist normalerweise ein gutes Produkt zu einem fairen Preis. Die Qualität muss stimmen, ebenso wie das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Unternehmen haben oft das Ziel der Gewinn-Maximierung. Leider zu oft auf Kosten der Kunden. Nur die wenigsten (zum Beispiel Apple) schaffen den Spagat zwischen (meiner Meinung nach) überteuerten Produkten und absoluter Fantreue.

Engagiere ich mich in sozialen Netzwerken, so muss ich mir die Frage stellen, ob ich lieber viele Follower (auf dem Papier) will, oder ob mir weniger Follower lieber sind. Denen kann ich dann einen realistischen Mehrwert bieten, den sie dann in ihr Netzwerk (hoffentlich) weitertragen. Und auf diesem Weg transportieren sie auch meine Marke.

Möchte ich mein Ego also an einer Zahl festmachen? Einer Zahl, die über tatsächlichen Einfluss nichts, aber auch nahezu gar nichts, aussagt? Oder suche ich lieber nach aussagekräftigeren Kennzahlen?

Ich freue mich auf Diskussionen hier im Blog oder bei Twitter. Sprecht mich einfach an.

Nov 15, 2010 - Social Media    1 Comment

Groupon, DailyDeal, DealZeit – Social Media mit Gewinn

Wer will schon Geld verdienen? Umsatz oder gar echte Gewinne werden ja auch völlig überbewertet. Oder? Ein Musiker zeigt den „Social Media“-Nerds hingegen wo der Hammer hängt. Und wird weltweit kopiert.

Dealzeit, Groupon und Co. setzten auf den Jagdtrieb der Nutzer. Zeitlimit und Rabatte sorgen üfr ein Gefühl von Schnäppchenjagd. (Bild: bixentro / some rights reserved)

Umsatz ist ein Fremdwort

Das Problem vieler Dienste in der „Social Media“-Welt ist ja, dass sie keine Einnahmen haben. Umsätze sind inexistent, oder so gering, dass ein wirtschaftliches Überleben ohne Risikokapitalgeber unmöglich wäre. Andererseits kann man ohne Umsätze und mit virtuellen Unternehmens-Prognosen auch mehr Risikokapital einwerben.

Klar, auch Unternehmen wie Groupon haben VC-Geld eingenommen. Doch zwischen der Gründung im November 2008 und der schwarzen Null lagen gerade mal sieben Monate. Nur YouTube konnte schneller mehr Investorenkapital einwerben. Doch der wirtschafliche Erfolg des Videoportals ist vielleicht in diesem, oder dem kommenden Jahr zu erwarten.

Das Konzept ist einfach. Lokale, kleinere Unternehmen können einen Deal eröffnen. Dieser läuft einen Tag und wenn eine Mindesanzahl von Usern zuschlagen, kommt der Deal zustande. So konnte ich bei einem der Deal-Anbieter ein leckeres Dreigänge-Menü im Körri für zwei Personen für 25 Euro schießen. Das war mal schnell ne 50-prozentige Ersparnis.

So wird man als Kunde zum Schnäppchenjäger und hat gleich noch einen Anreiz, den Deal zu verbreiten, sonst könnte er ja nicht zustande kommen.

Erfolgreich Geld verdienen

Solche Deals lohnen sich – zumindest für Groupon, DailyDeal und Co. Denn rund 50 Prozent der Einnahmen bleiben bei der Webseite. Doch auch für die Unternehmen lohnt es sich. Die bekommen Kunden und die Werbung kostet meist die schwarze Null. Zumindest, wenn man richtig rechnet. Gerade bei kleineren Werbebudgets kann sich das lohnen. Allerdings muss dann natürlich die Qualität stimmen. Sonst werden aus Deal-Kunden keine Stammkunden.

Das Funktionieren dieser Seiten zeigt sich allein schon dadurch, dass es inzwischen mehrere Seiten gibt, die als Affiliate-Seiten Geld damit verdienen, die Deals der Großen anzubieten. Groupon, DailyDeal und Co. können es sich also leisten Affiliate-Geld für Reichweite zu zahlen.

Dealzeit – Erfolgreich als Kundenlieferant

Ein gutes Beispiel ist die Seite „Dealzeit“. Die Sponsoren des Barcamp in Hamburg scheinen die Konkurrenz im Deal-Affiliate-Markt nervös zu machen. Immerhin wurden sie „Opfer“ einer Guerilla-Marketingaktion:

„Wir nehmen es mal als Lob, dass Leon (a) unsere Arbeit und (b) die Fans von Dealzeit so schätzt, dass er sich die Mühe macht jeden einzelnen [...] via Facebook direkt anzuschreiben.“ (Quelle: Dealzeit Blog)

Lutz und Dennis, die Macher hinter der Seite, suchen für verschiedene Städte in Deutschland immer die besten Deals aus und stellen sie den Usern der Seite zur Auswahl. Die Deals liegen bei CityDeal (inzwischen Groupon), DailyDeal oder Groupon und anderen.

Schließt ein Nutzer einen Deal über Dealzeit ab, so verdienen die Jungs ein bisschen mit. So kann man sich auf sympathische Art und Weise ein Stück des Kuchens abschneiden. Und den eigenen Nutzern durch die Auswahl einen guten Service bieten.

Ich werde demnächst ein Interview mit Lutz von DealZeit führen und freue mich schon darauf. Vor allem, weil ich mir für meine Leser interessante Einblicke in diesen Teil der „Social Media“-Welt erwarte.

Habt Ihr Fragen, die Euch interessieren? Werft sie mir in die Kommentare, oder schreibt mir bei Twitter. Ich werde die Fragen dann gern für Euch stellen.


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Nov 14, 2010 - Social Media    No Comments

Der Social Media Wochenmarkt

Manchmal fühle ich mich wie auf dem Fischmarkt. An jeder Ecke steht ein Marktschreier und preist seine „Social Media“-Ware an.

Wer als Unternehmen "Social Media" von der Stange kauft wird keinen Erfolg haben. Alle Bemühungen müssen zum Unternehmen passen. (Bild: weisserstier / some rights reserved)

Klassisches Marketing und Facebook

Möglichst laut und eindringlich werden die angeblichen Vorteile von “Social Media” herausgestellt. Das Spiel mit der Angst vor dem Zurückbleiben soll auch die letzten Zweifler überzeugen. Doch wem bringt das Engagement in sozialen Netzwerken wirklich etwas?

In vielen Fällen bedeutete klassisches Marketing eine Form von Massensendung. TV-Kampagnen, tausende Flyer, Anzeigen in Zeitschriften. Doch wer wirklich aufgrund dieser Kampagnen als Kunde gewonnen werden konnte war schwer zu messen.

Bei vielen Artikeln und Diskussionen um „Social Media“ beschleicht mich das ungute Gefühl. Zum einen ist der Fokus sehr auf Facebook gerichtet. Das „Social Web“ ist so viel mehr als das Netzwerk aus Palo Alto. Zum anderen scheint es, als würden immer wieder die gleichen (Erfolgs-)Beispiele als Begründung gebracht, wieso Unternehmen in diesen Kommunikations-Kanal investieren sollten.

Das soziale Netz, das sind Twitter, Blogs, Bookmark-Services, Videoseiten und so viele Netzwerke, dass eine Aufzählung jeden Rahmen hier sprengen würde. Doch wo sind die Kunden derjenigen Unternehmen, die sich in dieses Biotop begeben sollen? In welchem Netzwerk finde ich also meine Zielgruppe? Und wie kommunizieren die Kunden dort? Eine weitere wichtige Frage ist, ob sich die Kommunikations-Kultur des Unternehmens auf das Web2.0 übertragen lässt?

Erfolg, Fehlschlag und Unternehmenskultur

Immer wieder werden Kampagnen wie „Old Spice“, „Dells Twitter Erfolge“ oder „Starbucks“ als Beispiele angeführt. Hier werden riesige Budgets in diesen Kanal investiert.

Dabei gibt es eben so viele, wenn nicht noch mehr, Beispiele für Misserfolge im „Social Web“. „Nestle“, „Dove“ oder „BP“ haben sich mit falscher Kommunikation im Netz temporär ins Abseits gestellt.

Wie hoch sind die Kosten für „Social Media“? Wie viel Umsatz könnte man generieren, wenn man als Unternehmen das finanzielle und zeitliche Budget in andere Kanäle investiert? Wie hoch ist das Riskio eines Fehlschlags, der Reputation und Geld kostet? Wie hoch ist die Chance einen viralen Glückserfolg zu feiern?

Wie kommuniziert ein Unternehmen? Welche Kultur herrscht im Unternehmen vor? Nur Authentizität kommt im sozialen Netz auf Dauer an. Nur Konstanz kann sich durchsetzen. Experimentierfreude und ein schützender Regenschirm für die „Social Media“-Bemühungen von Seiten des Managements müssen gegeben sein.

Welcher Schuh passt zum Unternehmen?

Es kann nur darum gehen, die zum Unternehmen passenden Kanäle zu identifizieren. Die Kunden dort zu finden, wo sie sich aufhalten. Die richtigen Kenngrößen müssen vor jeder Form des Engagements identifiziert werden. Und jede Kampagne muss gemessen werden – im Hinblick auf Zielerreichung und unerwartete Nebeneffekte.

Ideal zum Start ist eine grobe Strategie, einige taktische Ideen, die diesem Masterplan folgen. Also einige Testballons die zum Unternehmen und den identifizierten Netzwerken passen, an denen man lernt und die Do’s and Don’ts identifiziert.

Der ROI kann in Form von intelligenterem Brandmanagement erziehlt werden. Oder in einer Steigerung von Verkäufen. Auch Senkung der Kosten für klassische Pressearbeit und Werbung kann am Ende des Tages als Erfolg identifiziert werden.

Keine Lösung von der Stange

Das Beispiel „Dropbox“ zeigt genau das. Gab man ursprünglich etwa 300 Dollar in Google-Anzeigen aus, um einen zahlenden Kunden zu gewinnen, so bedeutete das einen Realverlust von etwa 200 Dollar. Denn der Lebenszyklus eines Kunden brachte etwa 100 Dollar an Einnahmen ein.

Man überlegte also, wie man Kunden ohne diesen finanziellen Selbstmord gewinnen konnte. Ein Anreizsystem wurde geschaffen, durch das bestehende Kunden neue Kunden werben sollten, und Dropbox im sozialen Netz empfehlen konnten. Der Erfolg gibt „Dropbox“ Recht.

Was klassische Werbung nicht erreichen konnte, konnte „Word of Mouth“-Marketing im „Social Web“ erreichen.

Doch trifft dieses Beispiel auf jedes Unternehmen zu? Nein! Individuelle Lösungen sind gefragt. Keine Konfektions-Ware.

Wer eine externe Agentur für 15.000 Euro beauftragt sollte sehr darauf achten, dass sich die Investition tatsächlich lohnt. Niemand sollte sich von tollen Präsentationen und einer hohen Fanzahl bei Facebook täuschen lassen.

Ein bisschen Information vor der Exekution

Vielleicht hat es gerade für kleinere Unternehmen Sinn, wenn sich die Entscheider vor einem Pitch ein wenig Informieren. Dazu gibt es einige Bücher, die meiner Meinung nach helfen können:

Was meint Ihr? Welche Unternehmen machen es richtig? Kommentiert oder diskutiert mit mir auf Twitter.

*: Amazon-Affiliate-Link: Einige Cent gehen am mich, wenn Ihr über diesen Link kauft.

ps.: Vielen Dank für eine kleine Fehlerkorrektur geht an Phil.

pps.: Update: Einige Zahlen sprechen zumindest dafür, dass die “Old Spice” Kampagne ein Erfolg war:

Also Mashable spricht von einem Umsatzwachstum von 107% – für mich klingt das doch recht erfolgreich :)
http://mashable.com/2010/07/27/old-spice-sales/

Nov 10, 2010 - Social Media    No Comments

Informations-Tsunami: Nicht untergehen im Info-Überfluss

Tagtäglich bewege ich mich im “Social Web”. Soziale Netzwerke, Twitter und Blogs sind meine Hauptinformationsquelle. Hier finde ich Inspiration, Wissen, Neuigkeiten und eine Menge Müll. Doch wie organisiert man den Informationsfluss so, dass es kein Tsunami wird?

Surfen wir auf der Informationswelle. oder überrollt uns ein Informations-Tsunami? Mit den richtigen Hilfsmitteln sorgen wir wieder für Durchblick. (Bild: thelastminute - some rights reserved)

Informationsflut? Informations-Tsunami!

Ich habe 122 Blogs im RSS-Reader, folge über 300 Personen auf Twitter und habe gut 100 Menschen bei Facebook in meiner Freundesliste. Auf Xing tausche ich mich via Mail aus, habe 130 Personen in meinen Kontakten und lese einige Gruppen aktiv. Zusätzlich schreibe ich am Tag rund 100 Mails und führe mehrere Telefonate. Außerdem habe ich rund 25 aktive Google Alerts.

Ich betreibe dieses Blog hier, schreibe ca. 2 -3 mal in der Woche für das Windowsblog und versuche gerne mal wieder einen Gastbeitrag zu verfassen. Interessante Inhalte kommentiere ich, soweit die Zeit das zulässt.

Größtenteils ist dies mein Privatvergnügen. In der Arbeit kümmere ich mich, zusammen mit Kollegen, um die Social Media Strategie unserer Plattform, entwickele und überwache einen Teil der Projekte, die von der Redaktion angestoßen werden. Im Fall von Urlaub mache ich noch die Vertretung für die redaktionelle Tagesarbeit in den Bereichen Nachrichten, Wissenschaft und Kino.

Ich lebe in einem stetigen Fluss von Meldungen und ich habe in den vergangenen beiden Jahren die Anzahl meiner Informationsquellen massiv gesteigert. Um nicht von diesem Informations-Tsunami überrollt zu werden benötige ich ein ausgefeiltes System, um die schiere Menge an Informationen zu bündeln und zu reduzieren. Auch der Aufbau dieses Systems hat etwa zwei Jahre gedauert. Da dies ein stetiger Prozess ist, bin ich für Verbesserungsvorschläge natürlich gerne offen.

Wie sieht mein Informations-Setup nun eigentlich aus?

Zum Lesen und Aggregieren der Blogs verwende ich den Google Reader. Hier sortiere ich mir die Inhalte nach thematischen Bereichen, die zugleich auch eine Priorität der Inhalte ausdrücken. Den Ordner “Social Media” lese ich weit aufmerksamer, als den Ordner “Design“.

Zugleich habe ich zwei Ordner “erstmal interessant” und “vielleicht weg“. Im ersten der beiden Ordner müssen sich Inhalte erst einmal beweisen. Ich abonniere ein Blog, sortiere den Feed in diesen Ordner und wenn nach ein paar Tagen die Inhalte die erhoffte Qualität haben, dann sortiere ich das Blog in den entsprechenden thematischen Ordner. Umgekehrt ist “vielleicht weg” die Vorstufe zur Löschung aus meinem Feedreader.

Zum einen kommt es vor, dass ich im Lauf der Zeit merke, dass sich meine Interessen verschoben haben. Zum anderen kann es sein, dass ich merke in einem Blog ist doch sehr viel weniger interessanter Inhalt, als ursprünglich gedacht. Damit landet ein Blog sozusagen “auf Bewährung”.

Auf dem iPhone ist mein Google Reader mit der genialen App “Reeder” verknüpft. Sie synchronisiert sich mit meinem Setup und zeigt mir nur die bislang ungelesenen Inhalte an. Außerdem ist sie, wie mein Browser auch, mit Instapaper verknüpft. Der nächsten Stufe im Informations-Setup.

Instapaper – Inhalte lesen, wenn Zeit und Konzentration es erlauben

Instapaper ist meine Rettung. Wie oft habe ich mir früher die Links zu interessanten Artikeln nach Hause geschickt, um sie dann in einem eigenen Ordner meines Mailprogramms zu archivieren – und nie wieder anzusehen? Viel zu oft!

Mit Instapaper ist die Funktion “Später lesen” nur einen Klick entfernt. Sowohl auf meinem Rechner in der Arbeit, als auch auf dem iPhone und zu Hause.

Interessante, gerade längere Artikel und Blogbeiträge, werden über ein sogenanntes Bookmarklet an Instapaper gesendet und dort in reduzierter Form (meist schwarze Schrift auf weißem Hintergrund) für das Lesen auf mobilen Endgeräten aufbereitet. Bei einem Kaffee in der Mittagspause, oder auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, lese ich dann gern die Artikel, denen ich die nötige Zeit widmen will.

Twitter – chaotische Timeline und TwitterTimes

Bei Twitter ist es schon schwieriger. Durch die Nutzung von Hootsuite, kann ich mir eine Oberfläche gestalten, in der ich neben meiner Timeline (all den Beiträge der Menschen, denen ich folge) auch meine direkten Nachrichten, meine gesendeten Tweets und meine wichtigsten Suchen und Listen auf einen Blick erfassen kann. Dennoch ist und bleibt Twitter an dieser Stelle chaotisch.

Worüber reden die Menschen in meinem erweiterten Twitter-Netzwerk? Welche Themen sind also gerade in diesem Teil der Netzgemeinde interessant und vieldiskutiert?

Hierfür nutze ich TwitterTim.es. Verknüpft man diesen Dienst mit seinem Account bei Twitter, so erhält man auf einer übersichtlich gestalteten Seite all die Themen präsentiert, die in meinem Netzwerk kursieren – sortiert nach Wichtigkeit. Wichtigkeit wird hierbei durch die Anzahl der Tweets und den Einfluss derer, die diese abschicken definiert.

Es gibt hierfür auch andere Anbieter. Paper.li ist dafür ein schönes Beispiel, das mir in meiner Twitter-Timeline immer mal wieder begegnet. Ich bin allerdings noch nicht dazu gekommen es auch zu testen. Wer hiermit Erfahrungen hat, darf sie in den Kommentaren gerne teilen.

An dieser Stelle hat es dann eben doch einen Sinn, wenn man ein großes Netzwerk an Menschen hat, denen man bei Twitter teilt. Je kleiner die Runde, um so eindimensionaler sind die dort diskutierten Themen und der größere Überblick geht verloren. Man findet eben doch nur die Themen, über die andere schon sprechen.

Die wichtigsten Lektionen

Die beiden wichtigsten Lektionen, die ich lernen musste – und zum Teil noch immer lernen muss sind folgende:

  • Man kann nicht Alles lesen
  • Einfach mal abschalten

Am Anfang habe ich versucht noch alle zu lesen. Dem ist schon lange nicht mehr so. Je nach persönlicher Wichtigkeit der Quelle, schwankt die Lesequote bei RSS-Feeds zwischen 5 – und 95 Prozent. Eins meiner Lieblingsblogs, detailverliebt.de, liegt beispielsweise bei glatten 90%. Das Blog von Fefe bei 99 Prozent. Mashable hingegen kommt nur auf 13 Prozent.

Dennoch habe ich in den vergangenen sechs Monaten 8,863 Blogpostings “gelesen”. Wobei gelesen für den Google Reader bedeutet, dass ich den Beitrag angeklickt habe. Das heißt für meinen Feedreader lese ich durchschnittlich knapp 50 Postings am Tag.

Am Wochenenden und teilweise abends unter der Woche kommt inzwischen die zweite Lektion zum Tragen. Einfach mal abschalten. Auch wenn ich noch immer viel zu häufig “connected” bin, so versuche ich Twitter- und Blogfreie Zeiten zu setzen. Zeiten, in denen der Rechner ausbleibt und das iPhone nicht dazu verwendet wird mich mit Informationen zu versorgen. Facebook, Twitter, RSS – all das wird am Wochenende auf ein absolutes Minimum reduziert. Und nur ganz selten bin ich unter der Woche nach 22 Uhr noch aktiv im Netz.

Natürlich hat das auch mit veränderten privaten Lebensumständen zu tun. Dreimal in der Woche Sport, gemeinsame Zeit mit meiner Freundin und der Versuch das Privatleben eben auch ein wenig frei von der digitalen Informationsflut zu halten.

Auch diese Gründe haben dafür gesorgt, dass ich mich immer aktiver mit der Frage nach einer Optimierung des Informationsflusses befasst habe.

Welche Wege und Hilfsmittel nutzt Ihr, um dem Informations-Tsunami zu begegnen? Kommentiert, oder schreibt mir auf Twitter.

Sixt kapert Castor

Sixt sorgt aktuell für Aufsehen. Kein Wunder, haben doch die Werber von “Jung von Matt” scheinbar “parasitär” den Protest gegen den Castortransport gekapert und für eine “billige Werbeaktion missbraucht”. Ich finde: Gut gemacht!

Sixt kapert die Protestaktionen rund um den Castortransport. Die Agentur "Jung von Matt" beweist ein schlaues Händchen im Guerilla-Marketing. (Bild: Sixt)

Es ist beinahe so, als hätte Red Bull beim Kampf von Asterix, Obelix und Co. ein Plakat platziert, auf dem steht. “Braut keinen teuren Zaubertrank! Nehmt Red Bull!”. Wir würden lachen über solch eine Werbung.

Humorlos ist wer gar nicht lacht

Doch geht es um Castoren, Atomkraft und den kurzen Protest des braven Deutschen, dann ist der Spaß vorbei. Zumindest in der Netzgemeinde. Ein trauriges Bild. Denn hier zeigt sich mal wieder, dass die ach so tolleranten Netcitizens leider weder Spaß verstehen, noch Satire.

Meine erste Reaktion war: “Coole Aktion!”… dann kam ich ins Grübeln, hab die Reaktionen im Netz gelesen und mich gefragt, ob ich durch ein Wurmloch in eine parallele Dimension geschleudert wurde. Ich fühlte mich an die Serie “Sliders” erinnert.

Wieso regen sich also Alle so auf? Es scheint fast so, als wäre ein Großteil der aktiven Netzgemeinde geschlossen gegen Atomstrom. Und für illegale Aktionen wie “Castor schottern!” oder ähnliches. Aber ich vergaß – das Prinzip “David gegen Goliath” funktioniert im Netz ja super. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Und es geht mir in diesem Beitrag nicht um die politische Meinung.

Wen spricht Sixt eigentlich an – ein Missverständnis der Netcitizens

Aber mal im Ernst gegen wen richtet sich die Ansprache in der Werbung wirklich? Gegen die Demonstranten? Mitnichten. Liest man den Satz mal ohne gleich Schaum vor dem Mund zu haben, ergibt sich meiner bescheidenen Meinung nach ein ganz anderes Bild:

Sixt kritisiert teure Kastortransporte. Und die werden nicht dadurch teuer, dass so viele Menschen demonstrieren, wie beispielsweise der Bayerische Innenminister leichtfertig behauptet. Ebenso wie die Kampagne mit Ministerin Schmidt geht es hier gegen “die da oben”. Die Ansprache richtet sich gegen die Initiatoren des Castor-Transports. Nicht gegen die Gegner.

Klar ist die zweite Aussage des Werbebanners nicht realistisch. Aber das ist die Wirkung der Proteste auch nicht. Oder glaubt ernsthaft jemand, die Sitzblockaden würden den Castor stoppen und man würde die Container zurück nach Frankreich schicken?

Aber was ich dabei natürlich vergesse, ist, dass die Netzgemeinde ja davon ausgeht gemeint zu sein – auch wenn sie es so gut wie nie ist. Wir nehmen uns als Blogger, Facebooker und “Social Media”-Experten einfach viel zu ernst. Dabei ist unser Einfluss (noch) verdammt gering. Und wenn es dann mal einer (von JvM) schafft, wird drauf gehauen.

“Unlauter ist die Wahl der Mittel meiner Meinung nach deshalb, weil der thematische Zusammenhang fehlt. Im politischen Diskurs hat Werbung nichts zu suchen. Was ist der nächste logische Schritt? Gekaufte Demonstrationen, die dann als Social Sponsoring bezeichnet werden?” (Quelle: Matthias Priebe)

“Man stelle sich einmal vor, dass das Sixt-Beispiel Schule macht: Sponsoring durch Bandenwerbung, Bustransfers , firmengesponsorte Demonstrantenblöcke (wohlmöglich mit unterschiedlichen Pro- und Contra-Sponsoren) – was kommt noch?” (Quelle: Carta)

Wobei man ja hier schon mal anmerken muss, dass es genau solche Verfahrensweisen schon seit längerer Zeit gibt. Da werden Azubis von Energiekonzernen rangekarrt, damit eine “Pro Atomkraft”-Demo auch nach was aussieht, da sammeln Gewerkschafter mit eigener Agenda ganze Busladungen ein und fahren sie nach Berlin.

Ein wenig mehr “kritisches Hinterfragen”, darf von einem Artikel bei Carta eigentlich schon erwartet werden.

Aufmerksamkeit – die geliebte/gehasste Währung im sozialen Netz

“Zweitens nutzt die Kampagne Aufmerksamkeit, die Bürger unter Einsatz ihrer Freizeit für eine Sache gewonnen haben und münzt diese Aufmerksamkeit in eigenen wirtschaftlichen Vorteil um.” (Quelle: Carta)

Genau dieses Aufmerksamkeits-Ökosystem ist es, das Blogs (zumindest die nicht-kommerziellen) pflegen. Werden Produkte vom Blogger als toll – oder als mies – beurteilt, ist es nur ein kurzer Schritt die Freizeit zu opfern um einige Zeilen darüber zu schreiben. Gerade hier zeigt sich das Grundprinzip des “Social Webs”.

Und Sixt – oder die Jungs von JvM – zeigen, dass sie es verstanden haben. Im Großen und Ganzen macht Steve Jobs auf seinen Veranstaltungen nichts anderes. Er wirft der Netzgemeinde (und einigen sogenannten Journalisten) einen Knochen hin, um den die sich dann wie wild balgen.

“Waren bisher bekannte Politiker die Zielscheiben der Kampagnen, die sich wehren konnten, so sind es nun einfache Bürger, die sich gegen den parasitären Mitdemonstranten nicht wehren können, ohne selbst das Grundrecht der Versammlungsfreiheit zu verletzen.” (Quelle: Carta)

Wieso sollten sie sich auch wehren – sie sind ja gar nicht gemeint. Denn unbemerkt von Carta und anderen, sind es wieder die Politiker, die die Zielscheibe der Kampagne bilden – nur braucht es diesmal kein plakatives Gesicht dafür.

Ein Sturm im Wasserglas

Im ganzen Wust des “Shitstorms” habe ich nur wenige “Pro Sixt”-Beispiele gefunden:

“Im ersten Moment ist man stutzig und möchte Kopfschütteln, was viele im Netz auch machen. Im zweiten Moment müsste jedem die Genialität der Werbung auffallen, im Zusammenhang der Zielgruppe mit potenziellen Kunden von Sixt.” (Quelle: Dimido)

Viel öfter herrschen negative Reaktionen vor:

“Die Sixt-Sache mit Ulla Schmidt und der Dienstwagenaffäre war lustig, weil es uns gefiel, dass mal eine Institution mit ein wenig Wumms in der Hinterhand es denen da oben zeigt.
[…]
Die Botschaft: Mit Sixt liegen wir alle auf einer Wellenlänge – diesem Autovermieter kann man ruhigen Gewissens vertrauen […].
Umso erstaunlicher ist es, dass Jung von Matt nun riskiert hat, diese jahrelang angehäuften Vorschusslorbeeren an einem einzigen Tag zu verspielen.
[…]
Jung von Matt setzt sich über all dies hinweg, zieht die Proteste ins Lächerliche und damit gleichzeitig auch die Sorgen der potentiellen Zielgruppe.” (Quelle: avatter)

Interessant finde ich auch, dass die Aufregung im Netz als derart wichtig angesehen wird.

“[…] fast 200 Tweets, neun Blogartikel und schon am nächsten Tag Schlagzeilen in der Presse: Bild meldet „Sixt veralbert Castor-Demo mit Werbe-Plakat“, die SZ schreibt über die „Die Provokateure vom Dienst“ und der Freitag „Sixt adelt den Protest“. (Quelle: Carta)

Ich frag mich ja gerade wirklich, wie hoch der negative ROI von 200 Tweets ist. Oder die tatsächliche Reichweite der neun Blog-Postings. Hier beweist das soziale Netz jene Kritik, die es als selbstreferentiell bezeichnet und deklassiert. Wir nehmen uns selbst viel zu wichtig und haben verlernt über unseren Tellerrand hinaus zu schauen.

Da draußen gibt es auch noch eine andere Realität. Und die kostenlose Mediacoverage beweist – JvM weiß sehr genau, worauf sie zielen müssen. Die eigentliche Zielgruppe des Kunden. Diejenigen, die zuhause sitzen, die Proteste aus sicherer Entfernung und mit Interesse in den klassischen Medien verfolgen und irgendwann mal wieder ein Fahrzeug der “Van&Truck”-Sparte benötigen.

“Und das alles kostengünstig gefilmt, dokumentiert und verbreitet von der zahlreich erschienenen Presse.” (Quelle: Sixt Blog)

Das Netz mit all seiner Kritik ist gut als Katalysator, um das Thema in den klassischen Medien zu platzieren. In den Medien, die die (Haupt-)Zielgruppe von Sixt konsumiert. Für mehr war das Netz in diesem Fall leider weder gut, noch zu gebrauchen.

An dieser Stelle benutzt JvM das Netz, soviel Kritik auch von mir. Wir lassen uns jedoch scheinbar gerne benutzten.

So und nun freue ich mich auf Eure Reaktionen, Eure Meinung und frage Euch: Wie lest Ihr das Sixt-Plakat?

Ihr könnt auch gern bei Twitter reagieren. Ihr findet mich unter @sdoering.

Zum Schluss gibt es noch das Video der Aktion:

Nov 5, 2010 - Social Media    1 Comment

Twitter – Was bringt mir das?

Was ist Twitter wert. Ich meine gar nicht das Unternehmen. Ich meine die Frage nach dem Wert für den Nutzer. Was bringt mir Twitter? Ist es nur ein Spielzeug – oder kann man es produktiv nutzen?

Viele Neulinge sehen in Twitter nur einen Kanal voll sinnlosem Rauschen. Dabei verbirgt sich dahinter ein produktives Werkzeug. Wenn man es zu nutzen weiß. (Bild: jay' / Lizenz: cc-by-sa)

Egal, ob ich Unternehmer oder “einfacher Nutzer” bin. Wenn ein Dienst keinen Mehrwert für mich bietet, dann hat er über kurz oder lang keine Chance. Dies gilt im Besonderen auch in der schönen bunten Welt des Web2.0.

Twitter. Kurze Nachrichten, Links und Bilder auf 140 Zeichen. Und eine ganze Menge Müll. Wo ist der Mehrwert?

Ich bewege mich inzwischen schon eine ganze Weile bei Twitter. Mal mehr und mal weniger intensiv. Ich nutze schon länger Applikationen, um den an sich unübersichtlichen Dienst so zu strukturieren, wie ich ihn mir wünsche. Die eigentliche Webseite von Twitter ist auch nach der Neugestaltung in meinen Augen für eine intensive Nutzung nicht ideal. Der Wert der Weboberfläche kann es also schon mal nicht sein.

Für mich – und für viele Menschen die ich kenne – ist einer der Faktoren, die Twitter reizvoll machen, die andere Form der Öffentlichkeit. Grundsätzlich ist auf Twitter erstmal alles öffentlich. Man muss seinen Account bewusst sperren, um nicht in der Öffentlichkeit zu posten.

Das ist vergleichbar mit einer Party. Oder einem der früheren Chaträume. Auf Partys stehen Menschen in Grüppchen herum und unterhalten sich. Man kommt dazu, hört zu und bereichert schließlich das Gespräch mit seiner eigenen Meinung.

Oder ich gehe zur nächsten Gruppe und erzähle, was ich gerade in der Küche gehört habe. “Hey schon gehört? Karl und Anna haben erzählt, dass sie sich selbstständig machen.”

Ich kann jemanden auch durch den Raum ansprechen. Meine Aussage ist dann zwar direkt an ihn gerichtet, aber der Rest hört trotzdem mit.

Erst wenn ich mich mit einem Partygast in ein Nebenzimmer, oder eine sehr ruhige Ecke verziehe, kann ich unter vier Augen reden.

Bei Twitter ist das ähnlich. Es gibt das @Reply (ich antworte im öffentlichen Raum), das ReTweet (Ich gebe an meine Follower weiter, was jemand anders gesagt hat) und die direkte Nachricht. Die kann nur ich und der Empfänger lesen.

In der Kürze, liegt die Würze.

Die Beschränkung auf 140 Zeichen erscheint im ersten Moment auch eher schwierig. Wie will ich in so wenig Zeichen sinnvolle Information unterbringen? Interessanterweise trainiert gerade die Kürze der Tweets (also der einzelnen Beiträge) die intelligente Komprimierung. Klar, das gelingt nicht jedem sofort – und mir bisweilen auch noch nicht immer.

Doch wer eine Aussage auf unter 140 Zeichen interessant gestalten kann, der fängt die Augen der Leser ein. Und animiert sie zum Klick auf den beigefügten Link. Dort (auf der Webseite, im Blog, etc) ist dann auch der Platz für längere Erklärungen.

Und mal ganz ehrlich. Wenn jemand auf einer Party etwas erzählen will, aber nicht zum Punkt kommt, dann sucht man sich doch auch ein anderes Grüppchen.

So viel Müll und seltsame Zeichen

Ja, Twitter ist im ersten Moment chaotisch und unklar. Vor allem aber wirklich verwirrend. Seltsame Abkürzungen wie #smchh oder #ff schwirren durch die Tweets. Viele Twitterer schreiben auch einen an Jugend-SMS-Sprache erinnernden Stil.

Leider gibt es kein Lexikon, das die sogenannten Hashtags erklärt. Viele entstehen sehr spontan und dynamisch – und verschwinden dann schnell wieder. Doch was sind Hashtags eigentlich?

Hashtags sind sozusagen die Hauptschlagworte, die einen Teweet ausmachen. Oft werden hier Abkürzungen verwendet. So steht beispielsweise #smchh für “Social Media Club Hamburg“. Nach diesen Hashtags kann man suchen. Bin ich beispielsweise auf dem “Barcamp in Hamburg”, so nutze ich das Hastag #bchh10 um die Teweets zu markieren, die sich mit dieser Veranstaltung beschäftigen.

Ja, das ist schon eine eigene Sprache. Doch man lernt sie recht schnell.

Am Anfang hatte ich oft das Problem, dass ich Zusammenhänge nicht verstanden habe.

Ein Beispiel:

Karl und Anna unterhalten sich über Twitter. Ich folge aber nur Anna. Dann kann ich nur ihre Seite der Konversation sehen. Mit dem richtigen Twitter-Tool (beispielsweise Hootsuite) kann ich mir inzwischen aber Konversationen aufklappen lassen. So verstehe ich dann meist doch um was es geht.

Wer nutzt Twitter eigentlich?

Die Jugend und viele Frauen ziehen gerade nach. Bisher galt Twitter als das soziale Netzwerk der etwas älteren, vor allem männlichen Nutzern. Der Frauenanteil steigt jedoch schon seit einiger Zeit signifikant.

Waren es vormals die 25 – 34 Jährigen, die die aktivste Gruppe der Twitternutzer ausgemacht haben, so kommt nun vermehrt die Gruppe der 18 – 24-Jährigen (plus 7,9%) und der unter 17-Jährigen (plus 6,2%) ins Spiel.

Die ersteren Nutzer haben sich inzwischen – das sit zumindest meine Beobachtung – professionalisiert. Bei Twitter tausche ich mich beispielsweise vor allem über die Themen aus, die mich interessieren. Und viele, denen ich folge betreiben es ebenso. Ich lese, höre sozusagen zu und versuche interessante Inhalte an meine Follower weiter zu reichen.

Politische Bewegungen nutzen Twitter um sich zu organisieren und um Protest ins Netz zu tragen. Gerade Themen wie “Stuttgart 21″ oder der “Ausstieg aus dem Atomausstieg” fanden große Resonanz im deutschen Twitterraum.

Mein Eindruck im Bereich der jüngeren Nutzerschaft ist, dass vor allem die Anwesenheit von Stars wie Justin Bieber dazu führt, dass die Fans sich eine nähere Kontaktmöglichkeit erhoffen und deshalb zu Twitter kommen. Auch der Austausch mit anderen Fans ist bei Twitter vergleichsweise einfach.

Ich kenne viele Twitterati, die den Dienst auch dafür nutzen, aus den oftmals redundanden Informationen mit Hilfe von Tools wirklich spannende Neuerungen in ihrem Interessenfeld heraus zu filtern.

Werkzeuge sind das A und O

Die richtigen Werkzeuge sind das A und O bei Twitter. So wird die eigene Followerschar bei twittertim.es beispielsweise zum Nachrichtenaggregator. In wenigen Sekunden erkenne ich so die wichtigsten Themen, über die all jene schreiben, denen ich folge. Vor allem werden dort die Links bewertet, so dass ich in Echtzeit die wirklich spannenden Themen finden kann.

Je mehr Menschen ich folge, umso weiter fassen sich dort natürlich auch die Themen. Andererseits wird so die Gewichtung der Themen nach den Interessen innerhalb meiner Kontakte genauer.

Mit twittertim.es kann ich also Twitter zu meiner persönlichen Nachrichten- und Informationsquelle machen, die mir einen schnellen und direkten Überblick bietet.

Ein gutes Werkzeug um sich bei Twitter zu organisieren ist auch Hootsuite. Mit der Web-Anwendung kann ich meinen Twitterfeed, meine Listen, eingehende Nachrichten und Suchen auf einen Blick sehen. Ich kann Tweets verschicken und auch Auswertungen betrachten, welche Tweets besonders erfolgreich waren.

Nutze ich den Dienst nur für mich kostet es nichts. Für Unternehmen fallen kleinere Monatsbeträge an, je nachdem wie viele Mitarbeiter damit arbeiten müssen.

Als Fazit: Twitter – Spielzeug und mächtige Informationsquelle

Ich kann also festhalten, dass Twitter für viele sicherlich ein Spielzeug ist, dessen Sinn sich gerade neuen Nutzern nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt.

Für mich ist Twitter aber, so wie ich es nutze, ein mächtiges Werkzeug um Trends und Neuerungen zu erkennen und mich mit Menschen zu verbinden, die in einem ähnlichen Interessenfeld unterwegs sind. Durch die Sortierung in Listen und externe Werkzeuge, wird Twitter so sinnvoll und produktiv nutzbar.

Welche Frage jetzt noch offen bleibt, ist, wie Ihr Twitter nutzt. Schreibt mir doch in den Kommentaren. Ich freue mich auf regen Austausch.

Wer mir folgen will, findet mich unter @sdoering.

Nov 4, 2010 - Social Media    3 Comments

Das Problem mit Facebook Places oder Foursquare

Facebook Places ist jetzt noch toller, besser und überhaut. Ohne der analoge Mahner sein zu wollen, die versteckten Kosten und Gefahren sind verdammt hoch.

Dienste wie "Facebook Places" oder "Foursquare" bieten nicht nur Vorteile. Sie beinhalten auch große Gefahren. (Bild: HowardLake / Lizenz: cc-by-sa)

Sogenannte Opportunitätskosten treten immer dann auf, wenn man etwas macht, weil man in der Zeit etwas anderes nicht macht. Man kann diesen Begriff aus der Wirtschaftssprache sehr gut auch auf Phänomene wie Facebook Places, Foursquare und Co. anwenden.

Ein fiktives Beispiel aus der Realität

Ich wohne mitten in der Stadt, in einer Gegend mit Mehrfamilienhäusern. Meine Haus- und Wohnungstür hat ein elektronisches Schild markiert, auf dem immer steht, wo ich mich gerade befinde. “Sven Döring ist zuhause.” Oder eben: “Sven Döring ist gerade in Hamburg im Körri.*

Was sagt dieses Schild aus. Gut, Freunde, die spontan vorbei kommen wissen, wo sie mich finden können.  Ein Vorteil. Und Fremde? Beispielsweise Diebe? Denen sagt das Schild, dass ich gerade nicht zuhause bin und noch mindestens soundso lange auch nicht zuhause sein werde. Eine schöne Einladung eigentlich, oder?

Im Netz ist man nicht anonym

Jetzt mag jemand sagen. Na was ist denn dabei. Bei Twitter weiß doch niemand meine Adresse.

Dem muss ich widersprechen. In meinem Profil ist diese Domain hier verlinkt. Diese Domain gehört mir und ist auf meinen Namen, mit meiner realen Adresse registriert. Eine entsprechende Abfrage ist also keine 30 Sekunden entfernt.

Würde ich jetzt eine automatisierte Abfrage an die Twittersuche stellen, nach Check-ins via Foursquare (oder Facebook Places, etc) und darüber eine Auswertung laufen lassen, wer in seinem Profil eine Domain angegeben hat und aus der Nähe kommt, hätte ich eine schöne Liste aller notwendigen Informationen.

Die dafür notwendige Arbeit ist eine, die jemand mit Grundkenntnissen im Programmieren recht schnell hinbekommen sollte.

Gehe ich einen Schritt weiter, kann ich die Adressen noch über Google Maps oder StreetView anzeigen lassen und mir gleich mal noch anschauen, wie erfolgsversprechend die Gegend aussieht.

Und nun meine Frage: Sind die versteckten Kosten nicht höher, als irgendeine potentielle Marketing-Rabatt-Aktion einer Lokalität bei Facebook Places oder Foursquare?

ps.: Ich bin auf Twitter zu finden – folgt mir doch einfach!

*: Kein Affiliate-Link, ich habe mit dem Lokal nichts zu tun, sondern bin nur ein begeisterter Gast.

pps.: Hier noch ein Werbevideo von Facebook zu Places:

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