Was ist Twitter wert. Ich meine gar nicht das Unternehmen. Ich meine die Frage nach dem Wert für den Nutzer. Was bringt mir Twitter? Ist es nur ein Spielzeug – oder kann man es produktiv nutzen?

Viele Neulinge sehen in Twitter nur einen Kanal voll sinnlosem Rauschen. Dabei verbirgt sich dahinter ein produktives Werkzeug. Wenn man es zu nutzen weiß. (Bild: jay' / Lizenz: cc-by-sa)
Egal, ob ich Unternehmer oder “einfacher Nutzer” bin. Wenn ein Dienst keinen Mehrwert für mich bietet, dann hat er über kurz oder lang keine Chance. Dies gilt im Besonderen auch in der schönen bunten Welt des Web2.0.
Twitter. Kurze Nachrichten, Links und Bilder auf 140 Zeichen. Und eine ganze Menge Müll. Wo ist der Mehrwert?
Ich bewege mich inzwischen schon eine ganze Weile bei Twitter. Mal mehr und mal weniger intensiv. Ich nutze schon länger Applikationen, um den an sich unübersichtlichen Dienst so zu strukturieren, wie ich ihn mir wünsche. Die eigentliche Webseite von Twitter ist auch nach der Neugestaltung in meinen Augen für eine intensive Nutzung nicht ideal. Der Wert der Weboberfläche kann es also schon mal nicht sein.
Für mich – und für viele Menschen die ich kenne – ist einer der Faktoren, die Twitter reizvoll machen, die andere Form der Öffentlichkeit. Grundsätzlich ist auf Twitter erstmal alles öffentlich. Man muss seinen Account bewusst sperren, um nicht in der Öffentlichkeit zu posten.
Das ist vergleichbar mit einer Party. Oder einem der früheren Chaträume. Auf Partys stehen Menschen in Grüppchen herum und unterhalten sich. Man kommt dazu, hört zu und bereichert schließlich das Gespräch mit seiner eigenen Meinung.
Oder ich gehe zur nächsten Gruppe und erzähle, was ich gerade in der Küche gehört habe. “Hey schon gehört? Karl und Anna haben erzählt, dass sie sich selbstständig machen.”
Ich kann jemanden auch durch den Raum ansprechen. Meine Aussage ist dann zwar direkt an ihn gerichtet, aber der Rest hört trotzdem mit.
Erst wenn ich mich mit einem Partygast in ein Nebenzimmer, oder eine sehr ruhige Ecke verziehe, kann ich unter vier Augen reden.
Bei Twitter ist das ähnlich. Es gibt das @Reply (ich antworte im öffentlichen Raum), das ReTweet (Ich gebe an meine Follower weiter, was jemand anders gesagt hat) und die direkte Nachricht. Die kann nur ich und der Empfänger lesen.
In der Kürze, liegt die Würze.
Die Beschränkung auf 140 Zeichen erscheint im ersten Moment auch eher schwierig. Wie will ich in so wenig Zeichen sinnvolle Information unterbringen? Interessanterweise trainiert gerade die Kürze der Tweets (also der einzelnen Beiträge) die intelligente Komprimierung. Klar, das gelingt nicht jedem sofort – und mir bisweilen auch noch nicht immer.
Doch wer eine Aussage auf unter 140 Zeichen interessant gestalten kann, der fängt die Augen der Leser ein. Und animiert sie zum Klick auf den beigefügten Link. Dort (auf der Webseite, im Blog, etc) ist dann auch der Platz für längere Erklärungen.
Und mal ganz ehrlich. Wenn jemand auf einer Party etwas erzählen will, aber nicht zum Punkt kommt, dann sucht man sich doch auch ein anderes Grüppchen.
So viel Müll und seltsame Zeichen
Ja, Twitter ist im ersten Moment chaotisch und unklar. Vor allem aber wirklich verwirrend. Seltsame Abkürzungen wie #smchh oder #ff schwirren durch die Tweets. Viele Twitterer schreiben auch einen an Jugend-SMS-Sprache erinnernden Stil.
Leider gibt es kein Lexikon, das die sogenannten Hashtags erklärt. Viele entstehen sehr spontan und dynamisch – und verschwinden dann schnell wieder. Doch was sind Hashtags eigentlich?
Hashtags sind sozusagen die Hauptschlagworte, die einen Teweet ausmachen. Oft werden hier Abkürzungen verwendet. So steht beispielsweise #smchh für “Social Media Club Hamburg“. Nach diesen Hashtags kann man suchen. Bin ich beispielsweise auf dem “Barcamp in Hamburg”, so nutze ich das Hastag #bchh10 um die Teweets zu markieren, die sich mit dieser Veranstaltung beschäftigen.
Ja, das ist schon eine eigene Sprache. Doch man lernt sie recht schnell.
Am Anfang hatte ich oft das Problem, dass ich Zusammenhänge nicht verstanden habe.
Ein Beispiel:
Karl und Anna unterhalten sich über Twitter. Ich folge aber nur Anna. Dann kann ich nur ihre Seite der Konversation sehen. Mit dem richtigen Twitter-Tool (beispielsweise Hootsuite) kann ich mir inzwischen aber Konversationen aufklappen lassen. So verstehe ich dann meist doch um was es geht.
Wer nutzt Twitter eigentlich?
Die Jugend und viele Frauen ziehen gerade nach. Bisher galt Twitter als das soziale Netzwerk der etwas älteren, vor allem männlichen Nutzern. Der Frauenanteil steigt jedoch schon seit einiger Zeit signifikant.
Waren es vormals die 25 – 34 Jährigen, die die aktivste Gruppe der Twitternutzer ausgemacht haben, so kommt nun vermehrt die Gruppe der 18 – 24-Jährigen (plus 7,9%) und der unter 17-Jährigen (plus 6,2%) ins Spiel.
Die ersteren Nutzer haben sich inzwischen – das sit zumindest meine Beobachtung – professionalisiert. Bei Twitter tausche ich mich beispielsweise vor allem über die Themen aus, die mich interessieren. Und viele, denen ich folge betreiben es ebenso. Ich lese, höre sozusagen zu und versuche interessante Inhalte an meine Follower weiter zu reichen.
Politische Bewegungen nutzen Twitter um sich zu organisieren und um Protest ins Netz zu tragen. Gerade Themen wie “Stuttgart 21″ oder der “Ausstieg aus dem Atomausstieg” fanden große Resonanz im deutschen Twitterraum.
Mein Eindruck im Bereich der jüngeren Nutzerschaft ist, dass vor allem die Anwesenheit von Stars wie Justin Bieber dazu führt, dass die Fans sich eine nähere Kontaktmöglichkeit erhoffen und deshalb zu Twitter kommen. Auch der Austausch mit anderen Fans ist bei Twitter vergleichsweise einfach.
Ich kenne viele Twitterati, die den Dienst auch dafür nutzen, aus den oftmals redundanden Informationen mit Hilfe von Tools wirklich spannende Neuerungen in ihrem Interessenfeld heraus zu filtern.
Werkzeuge sind das A und O
Die richtigen Werkzeuge sind das A und O bei Twitter. So wird die eigene Followerschar bei twittertim.es beispielsweise zum Nachrichtenaggregator. In wenigen Sekunden erkenne ich so die wichtigsten Themen, über die all jene schreiben, denen ich folge. Vor allem werden dort die Links bewertet, so dass ich in Echtzeit die wirklich spannenden Themen finden kann.
Je mehr Menschen ich folge, umso weiter fassen sich dort natürlich auch die Themen. Andererseits wird so die Gewichtung der Themen nach den Interessen innerhalb meiner Kontakte genauer.
Mit twittertim.es kann ich also Twitter zu meiner persönlichen Nachrichten- und Informationsquelle machen, die mir einen schnellen und direkten Überblick bietet.
Ein gutes Werkzeug um sich bei Twitter zu organisieren ist auch Hootsuite. Mit der Web-Anwendung kann ich meinen Twitterfeed, meine Listen, eingehende Nachrichten und Suchen auf einen Blick sehen. Ich kann Tweets verschicken und auch Auswertungen betrachten, welche Tweets besonders erfolgreich waren.
Nutze ich den Dienst nur für mich kostet es nichts. Für Unternehmen fallen kleinere Monatsbeträge an, je nachdem wie viele Mitarbeiter damit arbeiten müssen.
Als Fazit: Twitter – Spielzeug und mächtige Informationsquelle
Ich kann also festhalten, dass Twitter für viele sicherlich ein Spielzeug ist, dessen Sinn sich gerade neuen Nutzern nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt.
Für mich ist Twitter aber, so wie ich es nutze, ein mächtiges Werkzeug um Trends und Neuerungen zu erkennen und mich mit Menschen zu verbinden, die in einem ähnlichen Interessenfeld unterwegs sind. Durch die Sortierung in Listen und externe Werkzeuge, wird Twitter so sinnvoll und produktiv nutzbar.
Welche Frage jetzt noch offen bleibt, ist, wie Ihr Twitter nutzt. Schreibt mir doch in den Kommentaren. Ich freue mich auf regen Austausch.
Wer mir folgen will, findet mich unter @sdoering.