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Neue Gedanken für eine alte Welt || Vigilia pretium libertatis.

Über Sven Döring

Ich lebe in der Nähe von Hamburg, arbeite dort mit Daten und versuche über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Das Denken in Schubladen und Grenzen ödet mich nicht nur an, ich sehe darin eines unserer größten, gesellschaftlichen Probleme.

Es schränkt uns ein und verhindert eine offen-kritische Auseinandersetzung durch ideologische Scheuklappen.

Privat beschäftige ich mich viel mit Fragen zur Gesellschaft, zu unserem Leben und mit der Frage, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte.

Außerdem genieße ich unser Haus und unseren Garten, da ich es als Geschenk betrachte, mit den eigenen Händen etwas aus- und aufbauen zu können.

Ansonsten tanze ich regelmäßig und gerne, betreibe ab und zu Geocaching und "last, but not least" liebe meine bessere Hälfte über alles.

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Über schriftrolle.de

Auf dieser Seite versuche ich vor allem meinen Gedanken zur Gesellschaft, den Fragen des nicht ganz so alltäglichen Lebens und (seltener) meinen privaten Momenten Ausdruck zu verleihen.

Viele meiner Einträge sind Essays im eigentlichen Sinn. Niedergeschrieben, um meine Gedanken zu ordnen und möglicherweise den ein oder anderen zum Nachdenken anzuregen.

Alles hier entspricht meiner Ansicht und Meinung zum Zeitpunkt, an dem es verfasst wird. Niemand mag mir absprechen, dass ich im Lauf der Zeit etwas dazu lerne und daher meine Meinung zu einzelnen Themen ändere.

Geschätzte Seiten

Wir stoppen Atomstrom, schonen die Umwelt, trennen den Müll und wechseln den Stromanbieter. Wir sind die neue Generation des umweltbewussten, hippen Stadtmenschen, der seinen "Coffee to Go" aus Alu-Thermobechern anstatt aus Pappe trinkt. Wir wollen alle bekehren. Und wir sind so grün (hinter den Ohren).

Windparks gelten als saubere Möglichkeit der Energieerzeugung. Tatsächlich erzeugen sie einige Probleme. (Bild: EnecoMedia; Lizenz: cc-by-sa)

Die Idee ist bestechend: Wir nutzen unerschöpfliche Energiequellen, um den immer steigenden Hunger der Weltbevölkerung nach günstiger Energie zu stillen. Sie Sonne scheint ja sowieso. Und der Wind weht auch umsonst. Und Bioenergie klingt nach einem erfolgreichen Konzept - immerhin wachsen die Rohstoffe ja nach. Oder Erdwärme. Ich mein - wieso auch nicht, die Erde ist ja sowieso schön warm in ihrem Inneren. Kann man sich ja auch zunutze machen - oder?

Soweit so schön. Und hier endet meist auch der Horizont der Verfechter von erneuerbaren Energien. Und ich muss diesen Thesen sogar zustimmen. Mir geht es auch gar nicht darum zu widerlegen, dass die Sonne scheint, oder das der Wind weht - oder gar, dass unser Heimatplanet recht warm ist unter seiner Oberfläche.

Doch wie machen wir aus diesen “erneuerbaren” Energiequellen unseren Strom in der Steckdose?

Es weht ein Wind

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind…

Wind ist eine saubere Form der Energie. Bewegungs-Energie wird durch die Zauberkraft der Windturbinen in elektrischen Strom umgewandelt. Meist findet dieser Zauber an Orten statt, die für Menschen schwer zugänglich sind. Diese Hogwards der modernen Energieerzeugung heißen dann “Offshore Windparks”.

Doch damit der Strom auch zu mir in die Steckdose kommt, müssen die kleinen Elektronen in Leitungen gequetscht werden, die über den Meeresgrund gezogen werden, irgendwo an der Küste an Land kommen und dann ins Stromnetz eingespeist werden.

Abgesehen von den Ressourcen, die für diese Seekabel benötigt werden, gibt es noch ganz andere, sehr endliche Ressourcen, die zwingend benötigt werden, wenn man Strom aus Windkraft erzeugen will.

Sogenannte seltene Erden werden benötigt, um die Turbinen zu bauen. Diese seltenen Erden sind, wie der Name vermuten lässt, recht begrenzt. Außerdem kommen sie in Gegenden vor, die sich nicht gerade durch ihre menschenfreundlichen Regierungssysteme auszeichnen. Jede Windturbine unterstützt also fast schon zwangsläufig Menschenrechtsverletzungen.

The gearbox of a two-megawatt wind turbine contains about 800 pounds of neodymium and 130 pounds of dysprosium. Dawn Stover

Wichtig in meiner Argumentation ist jedoch, dass die Materialien, die benötigt werden, um die endlose Energieressource “Wind” auszubeuten sehr endlich, sehr begrenzt sind.

Die Kraft der Sonne

Sogar die Sonne hat ihre Schattenseiten. Pavel Kosorin

Denn während Sonnenlicht relativ unendlich vorhanden ist - zumindest für die kommenden vier Milliarden Jahre, so sind es Photovoltaik-Zellen die Solarthermie-Kraftwerke nicht. Und auch das Grundwasser in der Wüste ist vergleichsweise begrenzt. Wenn ich mir also entsprechende Projektideen anschaue, die auf diese Art Strom aus Sonnenlicht in der Wüste erzeugen wollen, muss ich mir die Frage stellen, woher kommt das Wasser, das in diesen Anlagen genutzt wird, um in Form von Dampf die Turbinen anzutreiben? Woher kommt das Wasser, dass genutzt wird, um Anlagen, Pannels oder Spiegel zu reinigen, die der Staub sonst in ihrer Leistungsfähigkeit mindert. Und woher kommt das Wasser, das zum Betrieb der Kühlungen verwendet werden muss?

Ein Beispiel aus Kalifornien: Im Jahr 2013 soll  das “Blythe Solar Power Project ans Netz gehen. Die Kühlung der Kondensatoren erfolgt hier via Luftkühlung, der Wasserverbrauch konnte so um 90% reduziert werden. Dennoch wird die Anlage rund 740.000 Kubikmeter Grund-Wasser im Jahr verbrauchen. Nur für die Reinigung, die Kühlung der Hilfssysteme und um Wasserverluste im System auszugleichen.

Wenn ich mir überlege, dass rund 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser leben müssen…

Geothermie

Auch hier wird zum Betrieb Grundwasser benötigt. Irgendwas muss man ja in den Boden pumpen, damit es - erhitzt von der Erde - irgendwo wieder als Dampf hervorkommt und eine Turbine antreiben kann, die dann Strom erzeugt. Klar, Grundwasser wird vom Regen “nachgefüllt” - nur leider nicht in dem Maß, in dem man es zur Stromerzeugung verbraucht.

Ein “schönes Beispiel” ist hier das Geothermie-Kraftwerk “The Geysers in Kalifornien:

The Geysers electrical plant reached peak production in 1987, at that time serving 1.8 million people. Since then, the steam field has been in gradual decline as its underground water source decreases. Currently, the Geysers produce enough electricity for 1.1 million people.

Klar, man versucht das Problem zu beheben, indem man Grauwasser einer nahe gelegenen Stadt nutzt, um dieses in den Boden zu pumpen. Hier wird also “schlechtem Geld noch gutes hinterher geworfen.”

Biomasse

Biomasse wird vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern als “win-win”-Situation erachtet. Denn nicht nur wird durch die Umwandlung von Biomasse in Energie eben diese erzeugt, sondern man kann auch der Bodenerosion vorbeugen - oder beispielsweise feueranfällige Waldgebiete ausdünnen.

Die Frage stellt sich jedoch, ob es wirklich so sinnvoll ist, Ackerfläche (oder Wald) für den Anbau von Energiepflanzen zu nutzen, oder ob es nicht sinnvoller wäre, diese Ackerflächen für den Anbau von Lebensmitteln zu nutzen. Vor allem wird es schwer werden den Menschen in diesen Ländern zu erklären, wieso sie neben solchen Feldern nicht doch zusätzlich Wald roden sollten, um nicht zu verhungern.

Je weiter man den Anbau von Energiepflanzen vorantreibt, um so mehr werden die Biotope für die Tierwelt und Anbaufläche für Nahrung zurückgehen. In dieser Form ist die “erneuerbare Energie” Biomasse dann für einen höheren CO2-Gehalt der Erdatmosphäre ebenso verantwortlich, wie für Waldrodungen, weniger Nahrungsmittelanbau, etc.

Wasserkraft

Wasserkraft klingt doch gut. Flüsse fließen zum Meer, Wellen schlagen ans Ufer, der Tidenhub (Ebbe und Flut) kommt auch regelmäßig. Nutzen wir doch einfach die unendliche Kraft, die das Wasser uns zur Verfügung stellt. Eine wahrhaft erneuerbare Energiequelle.

Was ist denn mit Staudämmen bei Flüssen? Allein der Verbrauch an Rohstoffen beim Bau lässt den Begriff “erneuerbare Energien” als Absurdum erscheinen.

Das zurückgehaltene Sediment steht außerdem flussabwärts nicht mehr zur Verfügung. Bisher wurde es bei Hochwasser auf den flussnahen Feldern abgelagert und verbesserte damit den Nährstoffgehalt der Böden. Darüber hinaus wurde bislang die normale Abtragung am Flussgrund durch frisches Sediment aus dem Oberlauf ausgeglichen. Bleibt dieses aus, besteht die Gefahr, dass der Fluss sich eintieft und der Grundwasserspiegel sinkt. (Quelle: Wikipedia)

Die Aussagen für den Ressourcenverbrauch gelten natürlich auch für Wasserkraft (Wellen, Tidenhub und so weiter…)

Wieso also das Märchen?

Egal, ob die Vorteile der Atomkraft herausgestellt werden, ob man Erdgas bevorzugt, Öl oder eben die “grüne Energie”. Immer steckt eine Agenda dahinter und in den seltensten Fällen werden rationale Gründe für oder wider kommuniziert.

Atomkraft ist schlecht? Wieso eigentlich. Seit mehreren Jahrzehnten haben wir diese Energieform subventioniert, ursprünglich deshalb eingeführt, damit wir uns unabhängiger machen können von anderen Ländern, die entsprechende Energieträger fördern.

Das wir uns beim Uranabbau ebenso abhängig machen, keine Wiederaufbereitung hatten und vor allem, dass es durch die Subventionierung auf Seiten der Industrie nie die Notwendigkeit gab zu Wiederaufbereitung und Endlagerung zu forschen, fällt uns nun auf die Füße. Auch die Frage der Sicherheit ist weniger eine Frage rationeller, sinnvoller Entscheidungen, sondern davon, dass Standards herabgesetzt werden, damit die Industrie zu niedrigeren Preisen produzieren kann.

Wieso herrschten in Deutschland Sicherheitsstandards, die beispielsweise in Finnland zur sofortigen Abschaltung der Meiler geführt haben? Wieso müssen Entsorgungskosten auf die Gesellschaft übertragen werden und wieso sind diese nicht eingepreist im Atom-Strom.

Wieso werden Offshore-Windparks errichtet, obwohl es bis heute keine Technologie gibt, die beim Bau sicherstellen kann, dass die Lärmschutzvorschriften eingehalten werden können? Wieso werden solche Parks genehmigt? Die Zerstörung der Natur wird an dieser Stelle eben in Kauf genommen - es ist ja eine umweltfreundliche Energie.

Wieso müssen Methoden der Energieerzeugung Anwendung finden, die darauf angewiesen sind, dass wir Materialien nutzen, die in Regionen vorkommen, deren politische Systeme sich nicht gerade durch ihre menschenfreundlichkeit auszeichnen. Wieso unterstützen wir also mit unserem Ökowahn Diktaturen, Zensur, Folter und Menschenrechts-Verstöße?

Es gibt keine “saubere Energie”

Energie kann nicht aus dem Nichts geschaffen werden. Energie wird nur von einer Form in eine andere Umgewandelt. Dabei kommt es zu Wirkungsverlusten in Form von Reibung, Wärme und so weiter.

Jede Form der Energie-Umwandlung benötigt also eine zugrundeliegende Ressource. Das diese Hauptressource vielleicht (nahezu) unendlich verfügbar ist, ändert nichts an den Problemen, die bei der Produktion/beim Bau der Energieumwandler (Windkrafträder, Wasserkraftwerke, etc) entstehen.

Wir neigen jedoch gerne dazu, unser eigenes Gewissen dadurch zu beruhigen, dass wir den wohlklingenden Versprechen einer grünen PR glauben. Wir beziehen gerne “grünen Strom”, gehen brav in die Kirche, beichten unsere Verfehlungen und lassen uns von Predigern wie Al Gore, oder Krichen wie “Die Grünen” verführen.

Wir waschen unser Gewissen rein, baden unsere Hände in Unschuld - und ersetzen Religion A durch Religion B. Die Energierevolution ist nichts anderes, als das große Schisma

Update:

Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich einen Fehler im Artikel habe. Beim Ressourcenverbrauch in der Solarenergie, handelt es sich um die Solarthermie. 

Veröffentlicht am: 02. December, 2011

Verfasst von:

Kategorie: Gesellschaft, Umwelt

Schlagworte: Anti-Atom, Erneuerbare Energie, Geothermie, Solarstrom, Umweltschutz, Windkraft