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	<title>schriftrolle.de &#187; black swan</title>
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	<description>Neue Gedanken für eine alte Welt</description>
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		<title>Relevanz &#8211; Mein schwarzer Schwan</title>
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		<pubDate>Thu, 19 May 2011 14:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[99 von 100 Mails lösche ich nahezu ungelesen. Ich spreche nicht von Spam, ich spreche nicht von den Mails in der Arbeit. Ich spreche nur von den Mails, die täglich in meine privaten Postfächer fließen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>99 von 100 Mails lösche ich nahezu ungelesen. Ich spreche nicht von Spam, ich spreche nicht von den Mails in der Arbeit. Ich spreche nur von den Mails, die täglich in meine privaten Postfächer fließen.</strong></p>
<div id="attachment_2023" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.schriftrolle.de/2011/05/relevanz-mein-schwarzer-schwan"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2011/05/black_swan.jpg' class='size-full wp-image-2023 ' width='460' height='179.6875'/></a><p class="wp-caption-text">Lange dachte man in Europa, alle Schwäne seien weiß. Diese Allaussage musste mit der Entdeckung eines einzigen schwarzen Exemplares aufgegeben werden. (Bild: RedCraig / Lizenz: cc-by-sa)</p></div>
<p>99 von 100 Status-Updates lese ich nicht. Sie sind ausgeblendet, oder ich sortiere sie aus meiner Wahrnehmung.</p>
<p>999 von 1000 Tweets fliegen ungelesen durch meine Timeline. Ich sehe sie nicht und wenn ich mal auf meinen “Nachrichten-”Strom schaue, erscheint mir der kollektive <a title="Bewusstseinsstrom" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstseinsstrom" target="_blank&quot;">Bewusstseinsstrom</a> oft reichlich irrlevant. Er gleicht einer großen Massenparty, bei der man einmal durch den Raum läuft &#8211; und wieder zurück zum Ausgang, weil man lieber sofort wieder verschwindet.</p>
<p>Unzählig viele, mögliche Ergebnisse <a title="The filter bubble" href="http://www.ted.com/talks/eli_pariser_beware_online_filter_bubbles.html" target="_blank">filtert Google</a> schon “für mich”  aus den Suchergebnissen aus &#8211; auch wenn sie auf meine Suchanfrage passen würden. Mein Google-Ergebnis sieht anders aus, als Deins. Bei gleicher Suchanfrage wohlgemerkt.</p>
<p>Ich filtere radikal. Und dennoch lese ich noch viel zu viel. Das Wissen um die Filter, in den letzten Monaten nur noch faschistoider eingestellt, noch radikaler im Aussortieren und Entsorgen, sorgt zugleich dafür, dass all das, was übrig bleibt, den Anschein von Wichtigkeit bekommt. Völlig unbewusst. Ein Problem in meinem Kopf.</p>
<p>Ich muss noch lernen im Kopf härter zu filtern. Das schlechte Gewissen auszuschalten. Diese Stimme, die versucht mir einzureden, ich könne etwas verpassen. Doch was ich “verpasse” ist nahezu immer die endlose Perpetuierung bekannter, altbekannter Aussagen. Alter Wein in neuen Schläuchen, ohne Mehrwert &#8211; und ohne Relevanz.</p>
<p><strong>Doch wieso ist Relevanz dann mein schwarzer Schwan?</strong></p>
<p>Etwa ein bis zwei Ereignisse gibt es in der Woche, in denen der “Zufall” sich Bahn bricht. In denen mir ein Link, ein Wort, ein Zitat vor die Füße fällt und eine andere, eine neue Perspektive eröffnet. Oft geschieht dies allerdings analog, nicht digital.</p>
<p>Das ist dann der schwarze Schwan im kulturpessimistischen Denken. Es gibt die Relevanz dort draußen. Doch wie im analogen Leben ist sie rar gesät und man muss zum Spurenleser werden, um sie zu finden.</p>
<p>Filtert, schließt die Schleusen und öffnet so Eure Aufmerksamkeit für die absolut subjektive Relevanz. Ihr könntet die kleinen Perlen sonst am Wegesrand übersehen.</p>
<p><strong>Denn: Wer findet schon das 10-Cent-Stück auf dem Fußboden einer 4000-Mannparty?</strong></p>
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		<title>2009 &#8211; Ein kurzer Rückblick</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 17:36:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sdoering</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem ersten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends geht es zu Ende. So auch weltweit mit den Bürgerrechten. Es waren die Jahre nach dem &#8220;Schock&#8221; von 911. Die Bilateralen Blöcke sind (bislang) verschwunden, die Bedrohung der westlichen Welt durch den Kommunismus dahin. Und doch scheint die Sicherheit der fragilen Demokratie gefährdet. Die Politik versucht den Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem ersten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends geht es zu Ende. So auch weltweit mit den Bürgerrechten.</p>
<div id="attachment_256" class="wp-caption aligncenter" style="width: 605px"><a href="http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2009/12/Bratislava_New_Year_Fireworks.jpg"><img src='http://www.schriftrolle.de/wp-content/uploads/2009/12/Bratislava_New_Year_Fireworks.jpg' class='size-full wp-image-256' width='460' height='204.87394957983'/></a><p class="wp-caption-text">Feuerwerk in Bratislava // Foto: public domain</p></div>
<p>Es waren die Jahre nach dem &#8220;Schock&#8221; von 911. Die Bilateralen Blöcke sind (bislang) verschwunden, die Bedrohung der westlichen Welt durch den Kommunismus dahin. Und doch scheint die Sicherheit der fragilen Demokratie gefährdet. Die Politik versucht den Menschen nicht erst seit jenem Tag im September 2001 einzureden, dass der Staat mehr Wissen, mehr Macht und mehr Kontrolle benötigt, um die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten.</p>
<p>Doch spätestens in Folge der Ereignisse im September 2001 wurden diese Forderungen verstärkt durchgesetzt. Der Sicherheitsrelevante Gewinn erscheint hierbei jedoch fraglich. Das Problem in meinen Augen ist jedoch nicht das eigentliche Einschränken der Bürgerrechte, das Aushöhlen des Datenschutzes und die Suspendierung der Unschuldsvermutung unter dem Deckmäntelchen des Schutzes von Bürger und Demokratie.</p>
<p><strong>Das eigentliche Problem sind vielmehr zwei Probleme: </strong></p>
<p>Zum einen das nahezu stillschweigende Erdulden jeglicher Maßnahmen durch die Bürger &#8211; vermutlich und vor allem auch deshalb, weil der durchschnittliche Bürger ebenso wenig Ahnung von den digitalen Medien hat, wie diejenigen Politiker, die derartige Gesetze verabschieden.</p>
<p>Zum anderen jedoch auch die fälschliche Einstellung der Medien, der Bürger und auch der Politiker die Welt immer rückwärts zu erklären. Zufällige, unberechenbare, schwerwiegende Ereignisse, die nicht kalkulierbar sind (und vor denen sich die Welt auch nicht wirklich zu schützen vermag) werden rückwirkend rationalisiert und dazu genutzt, um &#8220;Schutzmaßnahmen&#8221; zu rechtfertigen, mit denen ein derartiges Ereignis hätte verhindert werden können.</p>
<p>Menschen tun sich im Allgemeinen schwer mit Wahrscheinlichkeiten und der &#8220;Berechnung&#8221; der Chance, dass derartige Ereignisse eintreten. Die mediale Dominanz derartiger Großereignisse lässt sie übermenschlich erscheinen &#8211; zum Nutzen derjenigen Politiker, die der Wählerschaft nicht vertrauen.</p>
<p>Ein so genannter &#8220;<a title="Black Swan - Taleb" href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Black_Swan_%28Taleb_book%29" target="_blank">Black Swan</a>&#8221; lässt sich nicht verhindern. Vielmehr sollten die Menschen lernen eine Welt zu erschaffen, in der derartige Ereignisse nicht die Empfindung der Bürger aus den Angeln heben.</p>
<p><strong>Zusammengefasst:</strong><br />
Das zweite Problem der Menschen ist ihre Art Geschichte als kausale Folge zu missinterpretieren. Hätte ich Ereignis &#8220;A&#8221; verhindert, wäre Ereignis &#8220;B&#8221; nicht eingetreten. Die Welt wird als zwangsläufige Folge von Ereignissen wahrgenommen. Eine derartige Kausalität von Ereignissen gibt es jedoch nur in der Literatur.</p>
<blockquote><p>„[Es] weist [alles] darauf hin, dass die treibende Kraft der narrativen Aktivität die Verwechslung von zeitlicher Folge und logischer Folgerung ist, das Nachfolgende in der Erzählung als verursacht von gelesen wird; die Erzählung wäre in diesem Fall die systematische Anwendung des in der Scholastik unter der Formel post hoc, ergo propter hoc angeprangerten logischen Irrtums[...].“ (Roland Barthes, &#8220;Das semiologische Abenteuer&#8221;)<span style="font-size: 13px; font-family: &quot;Arial&quot;;"><br />
</span></p></blockquote>
<p>Funktioniert auch die Wahrnehmung der Welt in den meisten Fällen nach dieser fälschlich angewandten Formel, so läuft die Welt jedoch an unserer Wahrnehmung vorbei viel chaotischer, ungeordnet und zufällig ab.</p>
<p>In diesem Sinne bleibt die Hoffnung, dass im kommenden Jahrzehnt ein anderer Wind herrscht und der Bürger wieder zum mündigen Subjekt einer Staatsform wird, die ihren Souverän zu lange entmündigt hat. Die Forderung geht hierbei an die Menschen, die sich informieren sollten. Und sie geht an Medien, die ihren Auftrag als Anwalt der Bürger vernachlässigt haben.</p>
<div id="_mcePaste" style="overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 269px; width: 1px; height: 1px;"><span style="font-size: 13px; font-family: &quot;Arial&quot;;"> Roland Barthes, Das semiologische Abenteuer, S. 113.</span></div>
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