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Apr 23, 2010 - Social Media    2 Comments

Google weiß wann ich schlafe

Ich teste gerade verschiedene Dienste von Google. Webmaster Tools, Analytics, Trends und auch das Webprotokoll. Dabei ist mir aufgefallen, dass schon im kleinen meine Daten sehr viel verraten.

Google weiß wann ich schlafe (Quelle: Screenshot)

Die Debatte um Google und den Datenschutz ist in den vergangenen Wochen ein viel diskutiertes Thema. Streetview, Googles Rückzug aus China und nun das Scannen von WLAN-Netzwerken. Letzteres führt zu neuer Aufregung.

Nach gegenwärtigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass neben der örtlichen Erfassung, dem Verschlüsselungsstatus der Geräte, der weltweit eindeutigen MAC-Adresse auch der vom Betreiber vergebene Name (sogenannte SSID) gespeichert wurde. Bei letzterer verwenden Privatpersonen nicht selten ihre Klarnamen oder andere auf sie hinweisende Informationen. Sowohl mit Blick auf die Benutzung des eigenen Namens als auch auf die Möglichkeit, die WLAN-Netze aufgrund ihrer örtlichen Lage Bewohnern von Häusern zuzuordnen, handelt es sich um die Erfassung und Speicherung personenbezogener Daten und deren Übertragung in die USA. (Quelle: PM des Bundesbeauftragten für Datenschutz)

Bislang hat Google seine Aktionen ab einem gewissen Punkt der “Serienreife” zumeinst recht offen kommuniziert. In diesem Fall wurde von der bislang üblichen Informationspolitik abgewichen. Hier muss und kann man mit Kritik ansetzen. Die Aufregung um das Thema ist jedoch nur bedingt nachvollziehbar.

Die vom WLAN abgestrahlten Daten sind nun erst mal öffentlich zugänglich. Die weitaus meisten WLANs übertragen auch keine personenbezogenen Daten. [...] Jedenfalls steht es jedem Nutzer frei, wie er sein WLAN nennt. Was aus dem Verschlüsselungsstatus groß hergeleitet werden soll – Fragezeichen. (Quelle: law blog)

Ich stamme ja aus dem ländlichen Raum. Hier kann man die einzelnen WLAN-Netzwerke schon eher mal einer bestimmten Adresse zuordnen. Google veröffentlicht diese Daten jedoch (bislang) nicht.

Gegenüber heise online räumt Google die Aktion ein. Dabei gehe es um die WLAN-gestützte Ortung, die bei Smartphones, zum beispiel bei der mobilen Verwendung von Google Maps, ohne GPS erfolge. Google betont auch, die Daten würden “aggregiert und anonymisiert”.

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass die Ortung beim mobilen Maps nach der Signalstärke der Funkmasten erfolgt. Scheinbar finden auch die gescannten WLANs Eingang in die Ortung, die überraschend gut ist.

Das Scannen der WLANs ist also erst einmal (heutiger Stand) nicht besonders kritisch. Dennoch ist die Informationspolitik zu kritisieren. Wer Kontrolle über seine Daten im Netz haben will, muss sich jedoch bewusst dafür entscheiden. Das Webprotokoll bietet einen guten Einblick in die Dinge, die Google über den Surfer speichert. Ein kleiner Selbstversuch kann hier aufschlussreiche Informationen liefern. Wer mehr über die Sichtweise von Google auf das Thema Datenschutz haben will, findet dies im Datenschutz Center.

Persönlich finde ich es interessant, wenn auch kritisch bedenkenswert, wie Google Daten und Informationen aggregiert und dadurch immer wieder den Service für die Nutzer verbessert. Am Beispiel Streetview zeigt sich auch, dass Google immerhin (meist) öffentlich kommuniziert, was das Unternehmen tut. Andere Unternehmen in Deutschland fotografieren ebenfalls Straßenzüge. Nur diese Unternehmen sprechen nicht darüber, verdienen mit diesen Daten jedoch gutes Geld.

Dez 31, 2009 - Gesellschaft    2 Comments

2009 – Ein kurzer Rückblick

Mit dem ersten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends geht es zu Ende. So auch weltweit mit den Bürgerrechten.

Feuerwerk in Bratislava // Foto: public domain

Es waren die Jahre nach dem “Schock” von 911. Die Bilateralen Blöcke sind (bislang) verschwunden, die Bedrohung der westlichen Welt durch den Kommunismus dahin. Und doch scheint die Sicherheit der fragilen Demokratie gefährdet. Die Politik versucht den Menschen nicht erst seit jenem Tag im September 2001 einzureden, dass der Staat mehr Wissen, mehr Macht und mehr Kontrolle benötigt, um die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten.

Doch spätestens in Folge der Ereignisse im September 2001 wurden diese Forderungen verstärkt durchgesetzt. Der Sicherheitsrelevante Gewinn erscheint hierbei jedoch fraglich. Das Problem in meinen Augen ist jedoch nicht das eigentliche Einschränken der Bürgerrechte, das Aushöhlen des Datenschutzes und die Suspendierung der Unschuldsvermutung unter dem Deckmäntelchen des Schutzes von Bürger und Demokratie.

Das eigentliche Problem sind vielmehr zwei Probleme:

Zum einen das nahezu stillschweigende Erdulden jeglicher Maßnahmen durch die Bürger – vermutlich und vor allem auch deshalb, weil der durchschnittliche Bürger ebenso wenig Ahnung von den digitalen Medien hat, wie diejenigen Politiker, die derartige Gesetze verabschieden.

Zum anderen jedoch auch die fälschliche Einstellung der Medien, der Bürger und auch der Politiker die Welt immer rückwärts zu erklären. Zufällige, unberechenbare, schwerwiegende Ereignisse, die nicht kalkulierbar sind (und vor denen sich die Welt auch nicht wirklich zu schützen vermag) werden rückwirkend rationalisiert und dazu genutzt, um “Schutzmaßnahmen” zu rechtfertigen, mit denen ein derartiges Ereignis hätte verhindert werden können.

Menschen tun sich im Allgemeinen schwer mit Wahrscheinlichkeiten und der “Berechnung” der Chance, dass derartige Ereignisse eintreten. Die mediale Dominanz derartiger Großereignisse lässt sie übermenschlich erscheinen – zum Nutzen derjenigen Politiker, die der Wählerschaft nicht vertrauen.

Ein so genannter “Black Swan” lässt sich nicht verhindern. Vielmehr sollten die Menschen lernen eine Welt zu erschaffen, in der derartige Ereignisse nicht die Empfindung der Bürger aus den Angeln heben.

Zusammengefasst:
Das zweite Problem der Menschen ist ihre Art Geschichte als kausale Folge zu missinterpretieren. Hätte ich Ereignis “A” verhindert, wäre Ereignis “B” nicht eingetreten. Die Welt wird als zwangsläufige Folge von Ereignissen wahrgenommen. Eine derartige Kausalität von Ereignissen gibt es jedoch nur in der Literatur.

„[Es] weist [alles] darauf hin, dass die treibende Kraft der narrativen Aktivität die Verwechslung von zeitlicher Folge und logischer Folgerung ist, das Nachfolgende in der Erzählung als verursacht von gelesen wird; die Erzählung wäre in diesem Fall die systematische Anwendung des in der Scholastik unter der Formel post hoc, ergo propter hoc angeprangerten logischen Irrtums[...].“ (Roland Barthes, “Das semiologische Abenteuer”)

Funktioniert auch die Wahrnehmung der Welt in den meisten Fällen nach dieser fälschlich angewandten Formel, so läuft die Welt jedoch an unserer Wahrnehmung vorbei viel chaotischer, ungeordnet und zufällig ab.

In diesem Sinne bleibt die Hoffnung, dass im kommenden Jahrzehnt ein anderer Wind herrscht und der Bürger wieder zum mündigen Subjekt einer Staatsform wird, die ihren Souverän zu lange entmündigt hat. Die Forderung geht hierbei an die Menschen, die sich informieren sollten. Und sie geht an Medien, die ihren Auftrag als Anwalt der Bürger vernachlässigt haben.

Roland Barthes, Das semiologische Abenteuer, S. 113.
Nov 5, 2009 - Gesellschaft    No Comments

Insolvenz und Datenverkauf

netzpolitik.org berichtet über die Möglichkeit, dass die Quelle-Kundendaten verkauft werden könnten

Quelle Versandlager in Leipzig/Bild: Martin Geisler via wikipedia

Das Blog netzpolitik.org berichtet über den möglichen Verkauf der Quelle-Kundendaten:

[E]in Sprecher von Insolvenzverwalter Karl Hubert Görg bestätigte sueddeutsche.de, die Daten könnten verkauft werden – sofern kein Widerrufsvermerk in der Kundendatei vermerkt sei. (Quelle: sueddeutsche.de)

Rechtlich scheint ein solcher Verkauf sogar problemlos möglich zu sein. Einzig diejenigen der Kunden, die einer Weitergabe ihrer Daten explizit widersprochen haben, sollten von einem derartigen Daten-Schlussverkauf ausgenommen sein.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sieht einen Verkauf nach dem Listenprivileg allerdings im Konkursfall nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt. Wo Unternehmensteile aufgelöst würden, seien die vorhandenen Kundendaten zu löschen. (Quelle: netzpolitik.org)

Eine Möglichkeit bleibt den Kunden der Quelle noch:

Grundsätzlich haben Kunden das Recht, die Löschung ihrer Daten auch individuell zu verlangen. Ein entsprechendes Musterschreiben können sich Verbraucher auf der Webseite des Verbraucherzentrale Bundesverbandes herunterladen. (Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband)

Es bleibt also nur zu hoffen, dass diese Anträge aufgrund der Insolvenz überhaupt noch bearbeitet werden. Denn genau hieran hat nicht nur der VZVB seine (berechtigten) Zweifel.

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