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Nov 11, 2011 - Gesellschaft    1 Comment

Der Journaille falsche Welt

Und täglich grüßt das Murmeltier: “Hey Baby, willst Du mal schlecken?” oder “Kiffen als Schulfach: Was meinen Sie?” So, oder so ähnlich, springt uns täglich die Schlagzeile an. Doch ist die Welt der “Journalisten” auch die Welt, in der wir leben?

Die klassische Schreibmaschine als Synonym für Journalismus (Bild: xlibber; Lizenz: cc-by)

So kommt die Nachricht in die Zeitung

Es war einmal ein kleines Ereignis. Nichts großes, doch es betraf einen Titan der Musik, den Pop Titan. Dieser hatte sich den Fuß verstaucht. Etwas, das jeden Tag auch abertausend anderen passiert. Doch an diesem August-Tag im Sommerloch herrschte tote Hose. Und zufällig war ein Reporter der Nachrichtenagentur “Euter(s)” in der Nähe. Dieser hatte sich nämlich den Kopf angestoßen, war in die Notaufnahme gefahren und sah nun Dieter Bohlen auf Krücken hinken. »» Weiterlesen

Apr 28, 2011 - Gesellschaft, Social Media    2 Comments

Aufklärung 2.0?

Gesellschaft 2.0? Aufklärung 2.0? Sind wir auf dem Weg in ein neues, vernetzt-goldenes Zeitalter? Ich glaube nicht (zwangsläufig) an die, viel gepriesene, positive Kraft der schönen bunten Welt.

Wir legen Daten, keine Eier: Für Facebook sind wir eingepferchte Legehennen. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by)

“Schlaue” Menschen schreiben über unsere Zeit, wir befänden uns im Zeitalter einer neuen Aufklärung. Die globale Vernetzung führe uns zu einer neuen Gesellschaft. Die alten Machtstrukturen und -Eliten verschwänden. Bis wir schließlich auf Elyseischen Feldern 2.0 unter der Sonne der Vernetzung beim neuen “Woodstock” tanzen.

Ich habe meine Zweifel. Ich zweifle, dass die Vernetzung uns in paradiesische Zustände führen wird (oder kann). Ich bezweifle, dass es zur Abschaffung der Eliten kommt. Betrachte ich die aktuelle Entwicklung, so sehe ich vielleicht(!) den Sturz bestehender Eliten, doch vor allem sehe ich das Erwachsen neuer Macht-Strukturen, -Eliten und -Gefahren.

Wir ziehen uns aus, vollständig und völlig freiwillig. Mehr als in jeder Beichte im hölzernen Stuhl, strippen wir unser Leben und schenken dem Netz unsere Daten. Wir lassen uns digital sezieren in der Hoffnung, uns mit (meist) unwichtigen Menschen im Netz zu verknüpfen. Nur um dann deren Belanglosigkeiten, deren uninteressante Lebenssplitter live verfolgen zu können.

Wozu sind wir hier?

Wir sind nicht im Netz (bei Facebook, Twitter, Google und Co.) um zu sozialisieren, um uns auszutauschen und uns gegenseitig zu besseren Menschen zu befruchten. Wir sind hier als Nahrung. Wir sind die Menschen, nach deren Daten-Blut sich die Vampire Namens Zuckerberg, Page und Co. so sehnen. Wir sind die Herde in Massentierhaltung, gezüchtet (lese: erzogen) um möglichst kostenoptimal als Futter zu dienen.

Erinnert Ihr Euch an die Szene aus Matrix, in der Neo in seinem Tank erwacht? Kennt Ihr die Bilder von Legehennen in der Batterie? Schaut in den Spiegel und erwacht. Durchbrecht den Schleier des Wunderlandes und blickt hinter die Fassade, die jedes Hollywood-Set in den Schatten stellt.

Lasst die Maske fallen!

Leben ist Blut, ist Liebe, ist Trauer, ist Fleisch, ist Schmerz, Leid und Glück. Leben, das seid Ihr selbst und die Menschen, die wirklich in Euren Herzen sind. Nicht auf Eurer Pinnwand.

Dez 21, 2010 - Gesellschaft, Social Media    7 Comments

Nett: Das neue Opium fürs Volk

Immer wieder die gleiche Diskussion: Eine tränenrührige Geschichte wird zum Anlass genommen einen Link immer und immer weiter zu verbreiten. Naiv sage ich. Aber die Geschichte ist doch so nett.

Hinterfragt man kritisch die "netten" Themen im Netz, kommt gern mal der Blogger-Mob zur Lynchjustiz vorbei. (Bild: Robert Couse-Baker / Lizenz: cc-by)

Bei “nett” schicken wir unser Hirn in Urlaub

Schon sehr, sehr lange gibt es in den VZ-Netzwerken eine gruppe Namens “Nett ist der kleine Bruder von Scheiße”. Und diese Gruppe drückt all das aus, was sich meiner Meinung nach hinter “nett” verbirgt. Denn eine nette Geschichte, ein bisschen Dramatik, rührselige Emotionen und ein heldenhafter Helfer – mehr braucht es nicht. Das sind die Zutaten für eine Geschichte mit Viralitäts-Potential. Zutaten für das Abschalten des Gehirns beim Leser (falls vorhanden).

Aktuelles Beispiel: Eine in Neuseeland gefundene Kamera (man beachte die Kommentare).

Die Links werden geteilt, getwittert und es wird dazu aufgerufen es dem Linkspammer gleich zu tun. Kettenbrief-Links für einen guten Zweck. Und manchmal ist der dahinterliegende Sinn auch jener gute Zweck.

Eine ähnliche Diskussion hatte ich heute bei Twitter. Es ging um die gelöschte Wikileaks-App im App-Store. Klar, angeblich sollten die Hälfte der Einnahmen gespendet werden. Gute Idee, oder?

Und wie viel wäre durch die andere Hälfte in die Taschen der Entwickler geflossen, die so mit kostenlosen Inhalten gut verdient hätten? Aber nein, so einen “netten”, guten Zweck darf der böse App-Store nicht löschen.

Sowas zeigt nur wieder, wie verdorben der Konzern mit dem Apfel-Logo wirklich ist. Ein Hort der Zensur. Da muss gleich die Blogger-Polizei kommen und Steve Jobs auf die Finger klopfen (oder eben Zensur rufen).

Kritiker werden gelyncht

Blicke ich beim verlinkten Beispiel in die Kommentare, dann erscheint vor meinem inneren Auge ein Bild: Das Bild eines Lynchmobs aus dem Mittelalter.

Wie kann man sich nur als hinstellen und den heiligen Glauben an “nett” hinterfragen. Ab auf den Scheiterhaufen mit dem Ketzer.

Ist eine Geschichte “nett”, so muss sie wahr sein. So handelt das Netz. Die Netzbewohner zeigen damit eine hohe Lernresistenz, dass es mich schaudern lässt. Die Zukunft des aufgeklärten “Homo Connectus” sieht düster aus.

Wenn wir im Netz wirklich so funktionieren, sehe ich nur eine Chance für mich: Ins Marketing gehen und “Nettes Marketing” zu betreiben. Es scheint ja zu funktionieren.

Kritische Fragen unerwünscht

Haben wir denn wirklich verlernt kritisch zu hinterfragen? Haben all die Lehrer Erfolg gehabt, die unsere Fragen mit Sätzen wie “Das ist halt so!” beantwortet haben? Haben unsere Politiker Erfolg, wenn sie daran glauben, dass wir am Wahltag nicht mehr wissen, was sie vier Jahre lang getan haben? Und haben uns all die Nigeria-Scams rein gar nichts lernen lassen?

Wir lassen uns von der netten, bunten Welt der sozialen Netze offensichtlich einhüllen. Einhüllen in einen wohlig warmen und weichen Kokon, der uns suggeriert, hier gäbe es nur Freunde. Und Freunde hinterfragt man nicht.

Meine Meinung über die Intelligenz der Masse wird im Netz von Tag zu Tag erneut (negativ) bestätigt. Mit jedem kritiklos und naiv geteilten Link begeht die Netzgemeinde in meinen Augen Glaubwürdigkeits-Selbstmord.

Was meint Ihr? Sehe ich hier zu schwarz? Bin ich auf dem falschen Gleis? Diskutiert mit mir in den Kommentaren. Oder auf Twitter.

Okt 13, 2009 - Gesellschaft    1 Comment

Paranoia: Und führe uns (nicht) in Versuchung

Generalverdacht: Englands neuste Behörde zum Schutz der Kinder erzürnt

Eigentlich sollte die “Independent Safeguarding Authority” (ISA) dem Schutz der Kinder im Königreich dienen. Zu diesem Zweck müssen sich alle Menschen, die regelmäßig Kontakt zu Kindern haben dort registrieren lassen. Jedoch betrifft diese Regelung nicht nur Lehrer, Kindergärtner und ähnliche Berufsgruppen.

Beispielhaft sind auch zwei Polizistinnen betroffen. Beide – Mütter jeweils eines Kindes – teilten sich die Arbeit so auf, dass sie abwechselnd gegenseitig beide Kinder betreuen konnten. So konnten beide arbeiten und ihre Kinder versorgen. Die Kinder hatten auch noch einen Spielkameraden.

“Doch dann kam das Verbot. Irgendwer, vermutlich ein Nachbar, hatte die Frauen angezeigt. [...] Frau Shepherd bekam daraufhin unangekündigten Besuch von einem Mitarbeiter der Ofsted, einer Regierungsstelle, die Schulen und andere Bildungseinrichtungen überprüft. Er bestimmte, dass das Arrangement unter den beiden Freundinnen illegal sei und sofort gestoppt werden müsse. Eine Katastrophe, nicht nur für die arbeitenden Mütter, die auf die Schnelle eine Ganztageskrippe finden mussten, sondern auch für die Kinder.” (Quelle: zeit.de)

Problematisch sind für viele Engländer vor allem die für die Behörde geltenden Regelungen:

“Die Schuldvermutung liegt niedriger als bei einem ordentlichen Gericht, und es ist noch nicht einmal notwendig, das 14-seitige Formular auszufüllen, mit dem mutmaßliche Täter gemeldet werden. Die ISA kann auch auf Hinweise aus der Öffentlichkeit hin oder auf der Grundlage von Zeitungsberichten aktiv werden. Die 200 Mitarbeiter der ISA sind darüber hinaus angehalten, Risiko-Profile verdächtiger Personen zu erstellen, um mögliche künftige Übergriffe im Keim zu ersticken. Dazu dürfen sie “Interessen, Einstellungen, Beziehungen und Lifestyle” untersuchen.” (Quelle: sueddeutsche.de)

Der Schutz Minderjähriger sollte in einer Gesellschaft unbestreitbar einen extrem hohen Stellenwert haben. Und dazu gehören sicherlich viele Maßnahmen. Eine Behörde, die nach Aussagen macher Engländer zu einer “paranoiden Gesellschaft” führt ist dabei jedoch imho der falsche Weg.

Eine politische Entscheidung, die selbst Eltern unter Generalverdacht stellt ist eine Regierung unter der nicht zu Leben ich ziemlich froh bin.

—Edit—

Schön schreibt auch Ingo Jürgensmann über die Rolle die Bürgerrechtsorganisationen in diesem Prozess spielen sollten. Auch weist er recht deutlich auf die Gefahr hin, dass solche Gesetze durch die Hintertür “EU” irgendwann zu uns schwappen könnten.