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Feb 27, 2010 - Gesellschaft    No Comments

Einzig Goldman-Sachs und Griechenland?

Es stellt sich die berechtigte Frage, ob innerhalb der Europäischen Union einzig Griechenland in Sünde verfallen ist und sich auf “spezielle” Geschäfte mit der Investment-Bank eingelassen hat.

Quelle: Friedrich.Kromberg & Marsyas // Bearbeitung: sdoering

Vielfach wurde in letzter Zeit berichtet, Goldman-Sachs habe Griechenland geholfen seine tatsächlichen Staatsschulden zu verschleiern, so dass es dem Land überhaupt erst möglich wurde in den Euro-Raum aufgenommen zu werden.

“Dabei dreht es sich um einen so genannten ‘Cross Currency Swap’ aus dem Jahr 2002, den die griechische Regierung über die US-Investmentbank abgewickelt hat. Bei solchen Swaps werden Zinszahlungen und manchmal auch Schulden in verschiedene Währungen getauscht. Gewöhnlich besteht der Zweck darin, damit möglichst gute Zinsbedingungen für einen Schuldner zu erreichen.” (Quelle: Berner Zeitung)

Wenn das ein derart einfaches Geschäft für einen Staat ist, muss sich zwangsläufig die Frage stellen, ob dies auch von anderen Regierungen eingegangen wurde. Kein derartiges Vorgehen ist an sich illegal. Doch man darf sich ebenso fragen, wo die Europäische Zentralbank war, als es darum ging zu prüfen, wie es um die Finanzen der Euro-Kandidaten bestellt war. Sind die Investment-Banker der Wall Street intelligenter, als die Mitarbeiter unserer Zentralbank?

“Solche Angebote zur Verschleierung der Finanzlage von Staaten sind nichts Neues. Laut dem britischen ‘Independent’ hat sich bereits Italien vor seinem Euro-Beitritt auf einen entsprechenden Deal mit der US-Bank JP Morgan eingelassen.” (Quelle: Berner Zeitung)

Es zeigt sich, dass mindestens ein weiteres EU-Mitglied von derartigen Praktiken keinen Abstand genommen hat. Für die Banken ist es ein einträgliches und vor allem sicheres Geschäft. Hätte ich einen derartigen Deal eingefädelt, so würde ich natürlich versuchen das Geschäftsmodell breiter aufzustellen – indem ich weitere Staaten mit “Cross Currency Swaps” bediene.

In einem sehr lesenswerten Artikel (auf Englisch) schreibt Simon Johnson über Die Rolle von Goldman Sachs (Link: Goldman Goes Rogue). Hier stellt er einige sehr interessante Fragen: Sind möglicherweise aktuelle Euro-Kandidaten betroffen? Wo war die EZB? Und so weiter. Die Rolle von Goldman-Sachs wird hier sehr gut ersichtlich.

Gerade in Deutschland lehnt man sich im Augenblick sehr weit aus dem Fenster und verurteilt die Praxis der Griechen. Deren Reaktion wird belächelt – auch wenn sie zum Boykott deutscher Waren aufrufen. So erklärte Bundesklanzlerin Angela Merkel am 11. Februar 2010: “Griechenland ist Teil der Europäischen Union. Griechenland wird nicht alleine gelassen. ”

Schon 2009, in einem Interview mit der Zeit, äußerte sich der Präsident des deutschen Bankenverbandes, Andreas Schmitz, über die Praxis der deutschen Bundesregierung, sich nahezu ausschließlich von angelsächsischen Geldhäusern in der Finanzpolitik beraten zu lassen. Er sagte in der Zeit: “Es macht mir Sorgen, dass sich Regierungen hierzulande fast ausschließlich von den großen Häusern der Wallstreet beraten lassen. Natürlich entstammen die Lösungsvorschläge dann der angelsächsischen Kultur.”

Möglicherweise ist es auch nur eine Lobbygruppe, die hier gegen die (politisch) erfolgreichere Konkurrenz schießt. Dennoch wird eine Praxis deutlich. Die Praxis sich von den Top-Managern und Beratern derjenigen Geldhäuser beraten zu lassen die, laut Aussagen der betreffenden Politiker, die größte Finanzkrise der jüngeren Geschichte verursacht haben. Da erscheint es nicht gerade glaubwürdig, dass die selben Politiker nun nichts von den Geschäften Griechenlands gewusst haben wollen.

Fraglich ist ebenso, ob die Verflechtungen nicht sogar noch weitergehen.

“Otmar Issing, bis 2006 Chefökonom der EZB, wurde 2007 Berater von Goldman Sachs. Angela Merkel machte den Goldman Sachs-Berater dann im Oktober 2008 auch noch zum Vorsitzenden einer Kommission, die auf deutscher Seite die Vorschläge für die Neuregelung der internationalen Finanzmärkte ausarbeiten sollte.” (Quelle: NachDenkSeiten)

Wundert es da, dass die EZB auf dem Goldman-Sachs-Auge blind zu sein scheint? Oder die Bundesregierung? Frau Dr. Merkel selbst verfügt jedenfalls über sehr gute Kontakte zum Deutschland-Chef der Investment-Bank, wie Capital schon  2006 aufgezeigt hat:

“Dibelius nahm schon früh Kontakt zu CDU-Parteichefin Angela Merkel auf, lange vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Für die Politikerin arrangierte er mehrere Dinner mit Unternehmenschefs, damit sie besser und schneller mit Personen aus der Wirtschaft ins Gespräch kam. Immer wieder steht er der Kanzlerin bei Fragen zur Verfügung.”

Nicht nur in den Vereinigten Staaten ist die Nähe des Geldhauses zur Politik also sehr nah. Auch und gerade in Europa sind die Verbindungen der Bank nicht nur mit den Großkonzernen exzellent. Natürlich ist die Chefetage jederzeit (auch im Urlaub und Nachts) für die Firmenchefs der DAX-Konzerne erreichbar – daran wird sich niemand stören. Doch die Verbindungen zu Spitzenpolitikern gehen nicht weniger weit, sollten aber aus Sicht der Bürger kritischer hinterfragt werden. Denn die Volksvertreter scheinen hier eher Bankenvertreter zu sein.

“In Europa stehen die beiden ehemaligen EU-Kommissare Mario Monti und Karel van Miert als Berater auf der Gehaltsliste, der frühere EU-Kommissar Peter Sutherland arbeitet als Chairman von Goldman Sachs International und in gleicher Funktion beim Energiekonzern BP. Zudem ist er Mitglied im Internationalen Beraterkreis der Allianz. Ex-Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs ist Aufsichtsratschef von Goldman Sachs Investment Management.” (Quelle:  Capital)

Bedenkenswert: Der Begriff Minister kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Diener. Vielleicht sollten diese Worte in jedem Ministerbüro an der Wand hängen.

Goldman Goes Rogue