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Okt 20, 2010 - Social Media    1 Comment

Die “Social Media”-Blase Teil I: Die Party ist vorbei

Lehne ich mich aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass in fünf Jahren kein Schwein mehr von Twitter spricht? Ich glaube nicht.

Twitter erscheint mir finanziell immer mehr eine Seifenblase zu sein - verdammt dazu zu platzen. (Bild: JoshSemans&slollo / Bearbeitung sdoering / Lizenz: cc-by)

Twitter ist tot, es lebe das Sterben

Es tut mir ja wirklich leid, das so sagen zu müssen. Vor allem da ich selbst gern auf Twitter unterwegs bin. Ich bin ja bekannter Maßen kein Freund von Prophezeiungen, doch in diesem Fall muss es glaube ich mal sein. Wenn ich mir die aktuellen Nutzer-Zahlen des Dienstes anschaue, dann ist Twitter für mich der erste Kandidat, der die aktuelle “Social Media”-Blase nicht überleben wird.

Kaum Wachstum bei den Nutzerzahlen, im vergangenen Quartal nur 2 Millionen neue Nutzer. Immer weniger Menschen, die über die Seite direkt gehen, zeigen, dass die Nutzer auf Applikationen ausweichen. Die Usability der Seite ist aber auch einfach grottenschlecht. Selbst das neue Interface ist kaum eine Verbesserung.

Einnahmen? Umsatz? Oder gar Gewinne? Pustekuchen!

VC-Kapital, Erwartungen bei denen nicht einmal der Himmel das Limit zu sein scheint und geblendete Tech-Journalisten, die virtuelle Unternehmenszahlen kritiklos übernehmen und darüber philosophieren, Twitter sei unterbewertet.

Twitter soll also mehr als eine Milliarde Dollar wert sein. Kann mir irgendwer erklären, wie sich dieser Wert rechtfertigt? Und Hoffnung auf mögliche, künftige Umsatzprognosen ist ausdrücklich keine Rechtfertigung.

“The revenue portion of Twitter becomes a significant feature.” (Twitter CEO Evan Williams im April 2010)

Bis heute sehe ich dieses Feature nicht am Horizont. Aber warten wir einfach mal ab. Google hat auch etwa zwei Jahre gebraucht um seinen Dienst zu monetarisieren. Uups, Twitter gibt es ja schon seit 2006.

Stellt Euch mal eine Frage: Wie viel ist Euch Twitter wert – was würdet Ihr bezahlen um Twitter zu benutzten? Würdet Ihr als Marketingchef relevant in eine Twitter-Kampagne investieren?

Der einfachste Weg Geld zu verdienen ist noch immer ein Produkt zu haben, bei dem Menschen bereit sind Geld auf den Tisch zu legen. Entweder als Werbetreibende (also B2B) oder als  Kunden (also B2C).

Für beides sehe ich bislang, trotz aller Vorteile von Twitter für mich als Nutzer, keine wirkliche Chance. Ich hoffe ich werde eines Besseren belehrt.

Im zweiten Teil befasse ich mich mit der Frage, wie sich Facebook entwickelt. Dieser wird in ein oder zwei Tagen hier erscheinen.

ps.: Ich selbst nutze Twitter auch. Folgt mir doch einfach, dann können wir uns 140 Zeichen um die Ohren werfen.

Leseempfehlung: Meinung zur Netzneutralität

Netzneutralität bestimmt im Netz augenblicklich die Diskussion. Der Deal zwischen Google und Verizon wird oft als Dammbruch gesehen. In Deutschland gibt es eine Initiative “Pro Netzneutralität”. Ich finde Fefes Meinung dazu sehr lesenswert.

Die Leseempfehlung behandelt heute das Thema "Netzneutralität". Vor allem die Meinung des Bloggers Fefe steht im Mittelpunkt. (Bild Lin Pernille / Lizenz: cc-by)

In einem Posting von Samstag dem 14. August beschreibt Fefe sehr gut, wieso er nicht zu den Erstunterzeichnern der Initiative “Pro Netzneutralität” gehört. Ich finde, dass hier einge Aspekte angesprochen sind, die sehr bedenkenswert sind.

Wahrscheinlich kann man ebenso gute Argumente für ein Zeichnen der Petition finden. Doch sollte man immer ausgewogen seine Meinung bilden können – denn das “Internet ist ein Sendemedium”.

Wie seht Ihr das? Ist Euch Netzneutralität wichtig? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Ressourcen:

Jul 16, 2010 - Social Media    No Comments

Google vs Social

Google ist eines der erfolgreichsten Unternehmen im Netz. Die Geschwindigkeit, mit welcher Neuerungen an den Start gebracht werden ist bestechend. Doch beim Thema “Social Media” versagt die Crew aus Mountain View bislang. Wo liegen die Gründe für dieses Scheitern?

Warum scheitert Google bei seinen Bemühungen im Social Web? (Quelle: manfrys / Lizenz: cc-by-sa)

“Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.” (Quelle: Google Unternehmensinformation)

Informationen zu organisieren und nutzbar zu machen, diese Selbstbeschreibung verrät viel über das Mindset des Unternehmens und seiner Gründer. Verrät viel über die interne Kultur des Denkens. Es geht darum Fakten zu katalogisieren, zu ordnen und einem Nutzen (und einem Nutzer) zuzuführen. Es klingt wie ein naturwissenschaftliches Ordnungsprinzip, es erinnert an die Systematik in der Biologie oder die Beschreibung der Welt durch Physiker. Es klingt nicht nach dem, was Millionen von Nutzern tagtäglich in den sozialen Netzwerken betreiben.

“Betrachtet man die Umsatzstruktur, ergibt sich folgendes Bild: Google unternimmt alles, was der Kette der Werbung dient, vom Werbetreibenden bis zur Auslieferung der Anzeigen an Endkunden.” (Quelle: carta.info)

Auch im eigenen Handeln ist Google stringent, rational und, hat man das Unternehmen analysiert, wie die Kollegen bei carta, auch berechenbar. Die externe Handlungsmaxime und die Produkte, die den Kunden geboten werden, entsprechen als dem angenommenen internen Mindset.

Google ist “getting things done“, “hard facts” und im weitesten Sinn “Arbeit”. Nutze ich einen der Dienste von Google, so erwarte ich als User, dass ich möglichst schnell und einfach das erhalte, was ich wünsche. Suche ich beispielsweise das Kinoprogramm an dem Ort, an dem ich mich aufhalte, muss ich nur noch “Kinoprogramm” in den Suchschlitz tippen. Das erste Suchergebnis ist, unterstützt durch Geolokalisation, genau das, was ich suche.

Fertig. Done. Und ich bin dann mal weg – im Kino.

Das gleiche gilt für Wetter, Sportergebnisse und so weiter.

Vergleiche ich das mit meinem Verhalten, dass ich bei Facebook und Co. an den Tag lege, so stelle ich rein subjektiv fest, dass ich hier Zeit “vertrödele”. Soziale Netzwerke sind “slacking”, “Entspannung”, “kommunikativer Austausch” und “einfach mal rumsurfen und schauen, was Freunde so treiben”. Fotos, Videos, Links – all das erhalte ich dort, aber unsortiert, rein auf subjektiven Empfehlungen basierend, so als würden mir Freunde am Telefon eine DVD empfehlen.

Keine Arbeit, reines Vergnügen und Verknüpfung.

Natürlich stecken hinter Facebook, meinVZ und Co. Unternehmen, die strategisch Denken, die auf Umsatzmaximierung ausgerichtet sind und deren Ziel es ist möglichst viel Geld mit dem zu verdienen, was sie “besitzen” – mich, den User. Dennoch erkenne ich in der Entwicklung der Produkte ein anderes Mindset. Konzeptionell geht es hier nicht um einen naturwissenschaftlichen Experimentaufbau, an dessen Ende eine Optimierung von Abläufen für den Nutzer steht. Es geht hier viel mehr darum, ein Erlebnis, eine Erfahrung und einen Suchtfaktor zu kreieren, natürlich mit dem Ziel Nutzer zu gewinnen und zu halten.

Das Beispiel “Answers”:

Google Answers konzentrierte sich ganz darauf, dem Nutzer schnell die gesuchten Antworten zu liefern – und scheiterte. Yahoo! Answers konzentrierte sich auf die soziale Komponente, auf das Gefühl, Fragen zu Beantworten, die soziale Belohnung – und war erfolgreich.

Oder wie es Adam Rifkin ausgedrückt hat:

“Google apps are for working and getting things done; social apps are for interacting and having fun.” (Quelle: ifindkarma)

Es ist wie der Unterschied zwischen einem Blackberry und einem iPhone. Das iPhone verkauft sich, trotz aller Schwächen, Abermillionen mal. Der Blackberry, bei allen Versuchen, die breite Masse zu erreichen, ist bis heute ein Gerät für Business-Menschen. Erholung, Entertainment, Spaß bei der Bedienung vs. “getting things done” und zwar möglichst effizient.

Datenschutz: Oder die Diskussion um “I like”

Ich habe in den vergangenen Tagen sehr interessiert die Diskussion um Facebooks Social Plugins verfolgt. Ist Facebook dabei nur der Sündenbock? Entzündet hat es sich ja vorrangig am “I like”-Button, doch sind meiner Meinung nach auch die anderen Plugins betroffen. Denn auch hier bindet man in den meisten Fällen einen iframe ein.

Aus datenschutzrechtlichen Überlegungen ist der "I like"-Button von Facebook in der aktuellen Diskussion umstritten. (Quelle: debugredaktion / Lizenz: cc-by-sa)

Auf drweb.de schreibt der Jurist Dr. Thomas Helbing in einem Gastbeitragüber  seine rechtliche Einschätzung. Hier kommt er zu dem Schluss, dass es essentiell ist, den Datenschutzhinweis der Seite entsprechend zu überarbeiten.

Denn:

“Ein Verstoß gegen die Hinweispflicht des § 13 (1) TMG ist gemäß § 16 (2) Nr. 2 TMG eine Ordnungswidrigkeit und kann nach § 16 (3) TMG mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Da sich deutsche Datenschutzbehörden schwer tun, US-Unternehmen wegen Datenschutzverstößen zu belangen, treten Sie gerne – wie im Fall Google Analytics – an die hier ansässigen Webseitenbetreiber heran. Dies wäre auch bei den Facebook Plugins denkbar.” (Quelle: Dr. Thomas Helbig auf drweb.de)

In meinen Augen liegt das Problem vor allem daran, dass die Daten auf Server im Nicht-EU-Ausland übertragen werden. In vielen Fällen wird die IP-Adresse des Users als personenbezogenens Datum verstanden. Diese IP wird auf die Server von Facebook übertragen und bei einer derartigen Übertragung personenbezogener Daten muss der User zustimmen.

Ähnliches passiert vielfach jedoch schon auf vielen anderen Seiten im Netz. Fast jede Seite, auf der Werbung zielgruppenspezifisch ausgespielt wird nutzt dafür entsprechende Targeting-Anbieter. Ob diese nun nuggad oder beispielsweise wunderloop heißen, spielt dafür keine Rolle. Hier werden Cookies gesetzt, Daten übertragen und anhand des Surfverhaltens auf verschiedenen Seiten scheinbar eine Art von Nutzerprofil erstellt.

So erhalten Personen aus Bayern dann beispielsweise  andere Werbung als Hamburger, Frauen andere als Männer und über 40-jährige sehen andere Werbung, als ihre Kinder. der Anbieter nuggad jedenfalls arbeitet laut eigenen Aussagen mit einem Anonymizer, so dass keine IP übertragen wird. Beide genannten Anbieter haben für ihre Targeting-Lösungen, soviel sei gesagt, die entsprechenden Datenschutz-Gütesiegel erhalten.

Hierbei werden die Daten zwar nicht unbedingt in die USA übertragen, die Datenübertragung findet jedoch unabhängig davon statt. Ausschließen kann ich dies nur, indem ich Cookies von Drittanbietern im Browser ausschließe.

Oder nehmen wir das Beispiel der sogenannten Referrer. Jede Seite hat die Möglichkeit auszulesen, von welcher Seite ich gekommen bin. Bin ich zu Amazon über Google gekommen? Oder doch über Bing? Oder, oder, oder…

… oder welche weiteren Browserfenster habe ich gerade offen? Welche Addons nutze ich in welchem Browser, welches Betriebssystem, welche Internetanbindung, Welche Bildschirmauflösung. All dies wird bei jedem Besuch, wenn der Server die entsprechenden Anfragen stellt, ohne explizite Zustimmung übertragen.

Und das ist auch grundsätzlich nicht schlecht. Ich weiß also, wie viel Prozent meiner Nutzer mit welcher Auflösung im Netz sind. Das heißt, ich kann das Design der Webseite an meine Nutzer anpassen. Habe ich extrem viele Nutzer mobiler Endgeräte, kann ich beispielsweise eine mobile Version aufsetzen.

Ich selbst kann aus diesen Daten aber keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Personen ziehen, die mein Blog besuchen. Andere könnten dies vielleicht, aber ab einer gewissen Größe der Nutzerschaft wird das, aufgrund der reinen Anzahl, schon wieder schwer.

Ich nutze Google Analytics, ich habe den Facebook-Button eingebunden.

Die Verwendung von Facebook Social Plugins muss der Webseitenbetreiber in seinen Datenschutzhinweisen erläutern. Dies ergibt sich aus § 13 (1) Telemediengesetz (TMG). Danach hat ein Diensteanbieter (Webseitenbetreiber) den Nutzer über “Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten” sowie über die Verarbeitung seiner Daten in Staaten außerhalb der EU/EWR in “allgemein verständlicher Form” zu unterrichten.(Quelle: Dr. Thomas Helbig auf drweb.de)

Dem sollte natürlich jeder nachkommen, auch wenn die Diskussion eine typisch deutsche ist. Natürlich darf ich auch nicht von meinem Wissen über die Abläufe im Netz auf das Wissen aller anderen schließen. Aber zu einem selbstbestimmten Verhalten im Netz gehört für mich auch die Pflicht, sich über grundlegende Vorgänge zu informieren.

Will ich nicht, dass irgendwelche Daten von mir irgendwohin übertragen werden sollte ich ganz einfach einen Ratschlag befolgen: Kein Handy, kein Telefon, kein Auto, keinen Fernseher, keinen Computer, keinen Internetzugang, keine Kreditkarte…

Vielleicht sehe ich es zu sehr schwarz/weiß – doch ich bin diese endlose Diskussion an den Sündenböcken Facebook und Google leid. Streetview wird von anderen gemacht und kommerziell verkauft. Datenübertragung mit dem Anlegen von Nutzer-Profilen findet tagtäglich überall statt. Der Staat hat (noch) ELENA, plant die elektronische Gesundheitskarte und den elektronischen Pass. Klar auch hier gibt es Kritik. Doch irgendwie folgt die Blogsphere in meinen Augen zu sehr dem politischen Spin konservativer Kräfte aus Berlin, wenn es um Facebook und Google geht.

Ideal und wünschenswert wäre es, wenn Facebook jedem Nutzer im Profil eine Seite anzeigt, auf der er sehen kann, welche Daten das Unternehmen besitzt und diese Daten einfach löschen kann. Sozusagen eine Seite analog zu Googles Webprotokoll – jedoch mit Löschfunktion. Diese sollte in meinen Augen übrigens auch der Suchmaschinen-Gigant einführen. Ein Opt-Out für die Nutzung des OpenGraphs wäre natürlich auch nicht zu verachten.

Ich bin gespannt, wie Du lieber Leser das Thema siehst. Ich freue mich auf rege Kommentare.

Apr 23, 2010 - Social Media    2 Comments

Google weiß wann ich schlafe

Ich teste gerade verschiedene Dienste von Google. Webmaster Tools, Analytics, Trends und auch das Webprotokoll. Dabei ist mir aufgefallen, dass schon im kleinen meine Daten sehr viel verraten.

Google weiß wann ich schlafe (Quelle: Screenshot)

Die Debatte um Google und den Datenschutz ist in den vergangenen Wochen ein viel diskutiertes Thema. Streetview, Googles Rückzug aus China und nun das Scannen von WLAN-Netzwerken. Letzteres führt zu neuer Aufregung.

Nach gegenwärtigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass neben der örtlichen Erfassung, dem Verschlüsselungsstatus der Geräte, der weltweit eindeutigen MAC-Adresse auch der vom Betreiber vergebene Name (sogenannte SSID) gespeichert wurde. Bei letzterer verwenden Privatpersonen nicht selten ihre Klarnamen oder andere auf sie hinweisende Informationen. Sowohl mit Blick auf die Benutzung des eigenen Namens als auch auf die Möglichkeit, die WLAN-Netze aufgrund ihrer örtlichen Lage Bewohnern von Häusern zuzuordnen, handelt es sich um die Erfassung und Speicherung personenbezogener Daten und deren Übertragung in die USA. (Quelle: PM des Bundesbeauftragten für Datenschutz)

Bislang hat Google seine Aktionen ab einem gewissen Punkt der “Serienreife” zumeinst recht offen kommuniziert. In diesem Fall wurde von der bislang üblichen Informationspolitik abgewichen. Hier muss und kann man mit Kritik ansetzen. Die Aufregung um das Thema ist jedoch nur bedingt nachvollziehbar.

Die vom WLAN abgestrahlten Daten sind nun erst mal öffentlich zugänglich. Die weitaus meisten WLANs übertragen auch keine personenbezogenen Daten. [...] Jedenfalls steht es jedem Nutzer frei, wie er sein WLAN nennt. Was aus dem Verschlüsselungsstatus groß hergeleitet werden soll – Fragezeichen. (Quelle: law blog)

Ich stamme ja aus dem ländlichen Raum. Hier kann man die einzelnen WLAN-Netzwerke schon eher mal einer bestimmten Adresse zuordnen. Google veröffentlicht diese Daten jedoch (bislang) nicht.

Gegenüber heise online räumt Google die Aktion ein. Dabei gehe es um die WLAN-gestützte Ortung, die bei Smartphones, zum beispiel bei der mobilen Verwendung von Google Maps, ohne GPS erfolge. Google betont auch, die Daten würden “aggregiert und anonymisiert”.

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass die Ortung beim mobilen Maps nach der Signalstärke der Funkmasten erfolgt. Scheinbar finden auch die gescannten WLANs Eingang in die Ortung, die überraschend gut ist.

Das Scannen der WLANs ist also erst einmal (heutiger Stand) nicht besonders kritisch. Dennoch ist die Informationspolitik zu kritisieren. Wer Kontrolle über seine Daten im Netz haben will, muss sich jedoch bewusst dafür entscheiden. Das Webprotokoll bietet einen guten Einblick in die Dinge, die Google über den Surfer speichert. Ein kleiner Selbstversuch kann hier aufschlussreiche Informationen liefern. Wer mehr über die Sichtweise von Google auf das Thema Datenschutz haben will, findet dies im Datenschutz Center.

Persönlich finde ich es interessant, wenn auch kritisch bedenkenswert, wie Google Daten und Informationen aggregiert und dadurch immer wieder den Service für die Nutzer verbessert. Am Beispiel Streetview zeigt sich auch, dass Google immerhin (meist) öffentlich kommuniziert, was das Unternehmen tut. Andere Unternehmen in Deutschland fotografieren ebenfalls Straßenzüge. Nur diese Unternehmen sprechen nicht darüber, verdienen mit diesen Daten jedoch gutes Geld.

Jan 19, 2010 - Gesellschaft, Social Media    3 Comments

Klientelpolitik gegen Google

Nach dem gekauften Gesetz für Hoteliers arbeitet die FDP mit medialer Macht an einem GEsetz zur Zerschlagung von Google. Auch das ist reine Klientelpolitik.

Screenshot: www.google.de

Das die FDP das Spiel mit den Medien beherrscht hat sie im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 bewiesen. (Neo-)Liberale Medien unterstützten (und tun dies offensichtlich noch immer) die Ideen der Gelben. Gerade weil es sich dabei auch um Politik für die Klientel der großen Verlage handelt, stehen diese mit ihren Produkten bereit gegen die “große Datenkrake” ins Feld zu ziehen. Auch wenn dies kein Bürger wünscht.

Die Volksvertreter machen ihrem Namen mal wieder alle Ehre:

Liberale Medien und FDP werfen sich die Bälle zu. Gesetze, die (außer von einigen Verlegern) von niemandem gefordert werden, sollen durch’s Parlament gejagt werden. Volksvertreter sollen zur Ausschaltung einer lästigen Konkurrenz missbraucht werden. (Quelle: MAGDA)

Im Justiz- und im Wirtschaftsministerium werden unterschiedliche Waffen im Kampf gegen Google entwickelt. Das “Leistungsschutzrecht für Presseverlage” (Justizministerium) und das Gesetz zur Entflechtung marktbeherrschender Unternehmen (Wirtschaftsministerium). Zwar ist letzteres rein vom Namen her keine schlechte Idee, könnten doch so Stromkonzerne, die Bahn und andere “Big Player” sich genötigt fühlen, kundenfreundlicher zu agieren, zu mehr Markt gezwungen werden oder ihnen gar die Zerschlagung drohen, sollten sie einen Markt einseitig beherrschen. Doch das Gesetzt dient nicht dem Bürger. Es dient einzig und allein gegen einen Feind, der sich durch absolute Benutzerfreundlichkeit und den Drang dem User immer das beste Ergebnis zu erzielen ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt hat.

Nicht nur China zählt für Google zu den gefährdeten Märkten – auch in Deutschland droht Gefahr.

Es geht im Gesetz um nichts weniger, als die Zerschlagung des Unternehmens, auch wenn es sich nicht dem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung schuldig gemacht hat. Schon ist geht die Klientel, die Verlagsbranche mit irrwitzigen Forderungen in Stellung:

Die deutschen Zeitungsverleger haben beim Kartellamt gegen den Suchmaschinengiganten Google Beschwerde eingereicht. Sie fordern für die Anzeige der Suchtreffer eine Bezahlung. (Quelle: zeit.de)

Nicht der Bürger, der einfache Benutzer der Suchmaschine fordern ein Gesetz, beispielsweise zum Thema Datenschutz. Immerhin ist es nicht einfach zu kontrollieren, was das Unternehmen mit und aus seine persönlichen Vorlieben, Daten und Suchen so alles macht. Hier könnte ein Gesetz sinnvoll ansetzen.

Nein, die Verlage wollen dafür bezahlt werden, dass sie in den Suchergebnissen gelistet werden. Damit beweisen sie wieder einmal, dass sie das Internet nicht verstehen und beweisen zugleich, dass es ihnen einzig um Geld geht. Um die Sicherung ihrer Einnahmen.

Oder aber, sie verstehen das Netz inzwischen es sehr gut, tun aber so als ob nicht, um wünschenswerte Gesetze zu befördern. Immerhin ist es für jeden im Internet extrem einfach, nicht in den Suchergebnissen gelistet zu werden. Doch wer nicht gefunden wird, wird auch nicht besucht. Wer von Werbung auf den eigenen Seiten lebt, sollte also tunlichst alles versuchen, möglichst weit oben in den Ergebnissen von Google zu erscheinen. Nicht umsonst bezahlen jene, die am Lautesten schreien sehr viel Geld für die Optimierung ihrer Online-Auftritte im Hinblick auf Google.

Hier geht es also um Geld und die FDP ist ein willfähriger Helfer. Die Verlage erkennen, dass das Internet ihr klassisches Geschäftsmodell gefährdet. Die Freiheitlichen springen bei gegen die digitale Achse des Bösen.  Anstatt dass sich Wirtschaftsunternehmen an einen veränderten Markt anpassen versuchen sie die Kosten zu sozialisieren. Der Steuerzahler soll als finanzieller Blutspender die Verlagshäuser retten. Und nebenbei kann man auch noch lästige Konkurrenz ausschalten.

So sagt man bei der FDP also “Danke” für kostenlose Wahlkampfhilfe von “Zeit”, “Spiegel” und Co.

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