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Jan 14, 2011 - Social Media    5 Comments

Facebook-Werbung: Personalisierte Irrelevanz

Kann es sein, dass personalisierte Werbung bei Facebook und Co. viel irrelevanter ist, als Werbung zu einer anonymen Suchanfrage? Ich sage ja.

Personalisierung als Erfolgskriterium für Marketing-Kampagnen? Ein Argument für SEM. (Bild: mrbill / Lizenz: cc-by)

Mal eine Frage: Macht es Euch wahrscheinlicher zu Kunden für Eheringe, wenn Ihr bei Facebook Euren Beziehungsstatus ändert? Oder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ihr Eheringe kauft, wenn Ihr bei Google nach “Claddach Ring” sucht?

Ist es wahrscheinlicher, dass Ihr Euch für eine Wanderschuh-Anzeige bei Facebook interessiert, nur weil Ihr Wandern als Interesse habt, oder hat eine derartige Anzeige bei Google, wenn Ihr nach Wanderschuhen sucht, mehr Relevanz?

Bei Facebook kann der Werbetreibende seine Zielgruppe aufgrund demographischer Daten nahezu beliebig genau eingrenzen. Ich kann nach Interessen, nach Orten, Beziehungs-Status, etc. kategorisiert werden. Doch macht mich all das zu einem wahrscheinlicheren Kunden? Ist die Personalisierung, das Targeting also ein Vorteil für den Werbetreibenden?

Google hingegen hat einen enormen Vorteil, wenn es mir Werbung zu meinen Suchanfragen serviert. Ich zeige im Moment meiner Suche ein Interesse an einem bestimmten Thema. Dennoch bleibe ich potentiell anonym. Ich versuche also eine Lösung für ein Problem (oder Informationen) zu finden und zeige nicht nur ein diffuses Interesse.

Ich versuche es mal mit einer Geschichte zu verdeutlichen:

Meine Wanderschuhe sind kaputt. Sie sind undicht, ich hab ständig nasse Füße und bin total genervt davon. Ich brauch dringen ein neues Paar. Bei Google suche ich jetzt nach Testberichten für Wanderschuhe, Starte eine Suche nach Preisvergleichen, und dergleiche mehr. Wie reagiere ich auf eine gut geschriebene Werbung nach dem Motto: “Ihre Wanderschuhe sind Schrott? Wir helfen Ihnen das richtige Paar für Sie zu finden”?

Jetzt die Situation bei Facebook. Ich füge Wandern zu meinen Interessen hinzu, weil ich gerne mit meinen tollen Wanderschuhen große Touren gehe (OK, tue ich nicht, aber für das Beispiel denken wir uns das mal). Jetzt wird mir Werbung für Windbreaker, Wanderschuhe, etc eingeblendet. Zeigt mein Interesse mich also tatsächlich als interessierten Kunden?

Das sogenannte Targeting hat das Problem, dass Interessen und beliebig granular gefasste Demographien noch nichts über ein tatsächliches Kaufinteresse aussagen. Eine entsprechende Suche bei Google hingegen sehr genau zeigt, dass dieses Interesse besteht. Eine anonyme Suchanfrage “erzählt” dem Marketing-Menschen also tatsächlich mehr über einen ihm völlig unbekannten Kunden, von dessen Demographie er noch nicht einmal etwas zu wissen braucht.

“Here’s the dirty little secret to Facebook advertising: social network data doesn’t make ads more relevant. All it does is let marketers choose their eyeballs by selecting an infinitely fine grain of demographic, courtesy of all the data we put into the platform.

Search ads are infinitely more relevant because our search terms self select us as prospects. So if you have 50 people who do a Google search for ‘wedding rings’, chances are at least some percentage are actively looking to buy a wedding ring and the ads are served up accordingly. Now say 50 people change their relationship status on Facebook from ‘single’ to ‘engaged’. Now Facebook knows you’re getting married and you get ads for wedding photographers, rings, wedding planners, etc… but it still doesn’t peg you as a prospect for any product. You’re just a demographic. The irony is that an anonymous search term reveals much more about us than any information we put on a social networking site.” (Quelle: Kommentar von Andi R. im Blog Businesinsider)

Ziel einer guten Marketing-Strategie sollte immer sein den effektivsten Kanal zu nutzen. Möglichst viel Gewinn aus dem investierten Kapital (also der Werbung) heraus zu holen. Es gibt sicherlich Fälle, wo es am Ende des Tages bedeutet massiv auf beispielsweise Facebook zu werben, oder in Display-Werbung zu investieren (hohe Sicht- und Wahrnehmbarkeit), doch gerade bei kleineren Budgets oder spezielleren Angeboten, dürfte Google die bessere Wahl sein.

Was meint Ihr? Liege ich mit meiner Einschätzung so daneben? Diskutiert mit mir auf Twitter oder in den Kommentaren.

ps.: Ich freue mich, wenn Ihr meinen RSS-Feed abonniert.

Jan 13, 2011 - Social Media    3 Comments

Der virtuelle Messestand

Wieso fällt es vielen Unternehmen so schwer in sozialen Netzwerken gute (das heißt zielführende) Auftritte zu erstellen? Wieso fällt ihnen die Kommunikation mit den Kunden auf der Fanpage derart schwer? Vielleicht fehlt die richtige Analogie um eine Fanpage zu erklären.

Stellen Sie sich Ihre Fanpage bei Facebook einfach als einen Messestand auf einer Konsumenten-Messe vor. (Bild: Martin Dehn / Lizenz: cc-by)

Stellen Sie sich vor, sie planen einen Messeauftritt auf einer großen Konsumenten-Messe. Würden sie auf dort einen schönen Stand errichten, aussagekräftige Banner an die Wände hängen, Ihre Produkte vorführen und dann niemanden an den Stand stellen, der für (potentielle) Kunden ansprechbar ist?

Würden Sie Planung, Leitung und Betrieb des Messe-Stands einem externen Dienstleister überlassen? Oder die Kundengespräche?

Würden Sie den Stand eines Konkurrenten 1zu1 kopieren, weil Ihnen die aus der Ferne beobachtete Stand-Strategie zusagt?

Können Sie eine der Fragen mit “Nein” beantworten?

Wieso also Agenturen für die Betreuung der Fanpage engagieren? Wieso also den Facebook-Auftritt von Starbucks, Coca Cola oder Lufthansa kopieren und wieso niemanden dafür abstellen, mit den (potentiellen) Kunden (=Fans) zu kommunizieren?

Auf einer Messe ist auch nicht jeder Besucher Ihres Standes am Ende des Tages ein Kunde. Ziel eines Messe-Stands ist einerseits die Wahrnehmung der Marke/des Unternehmens bei allen Passanten zu erhöhen. Andererseits und viel wichtiger ist die Aufgabe potentielle Kunden aus der vorbeischlendernden Masse herausfiltern.

Es geht also um Markenwahrnehmung und Kundengewinnung/Kundenpflege. Erst bei einer “gefilterten Zielgruppe” hat Marketing nicht mehr mit riesigen Streuverlusten zu kämpfen.

Was passiert also, wenn ein Passant Interesse an Ihrem Messestand zeigt? Liegt dort auch nur ein Firmenprospekt (= Homepage), oder findet er Ihre freundlichen Mitarbeiter, die Fragen beantworten und den potentiellen Kunden beraten?

Vielleicht kommt aber auch (nur) ein Bestandskunde an Ihren Messestand, weil er eine Frage zu Ihrem Produkt hat. Verweisen sie ihn auf die Bedienungsanleitung (= FAQ-Bereich), oder beantworten Sie (oder Ihre Mitarbeiter) die Frage direkt?

Es geht also um Markenwahrnehmung und Kundengewinnung/Kundenpflege. Es geht darum, aus der Masse der Menschen diejenigen heraus zu destillieren, bei denen ein grundsätzliches Interesse am Thema besteht.

Erst bei einer “gefilterten Zielgruppe” hat Marketing nicht mehr mit riesigen Streuverlusten zu kämpfen.

Wieso nicht auch auf Facebook? Stellen Sie sich eine Seite (= Fanpage) bei Facebook doch einfach als Ihren virtuellen Messestand auf der größten Konsumenten-Messe der Welt vor.

Fragen zu Facebook, Twitter und Co.? Kommentieren Sie oder folgen Sie mir auf Twitter.

Dez 3, 2010 - Social Media    2 Comments

Sprichst Du mit mir?

Wenn ich Facebook schon meine ganzen Daten schenke, dann will ich dafür wenigstens keinen Spam erhalten. Meinen die eigentlich mich mit dieser Kampagne? Dabei soll Targeting doch so einfach sein?

Werbung im Hamburger Schanzen-Viertel. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by-sa)

Meinst Du mich?

Ja, ich rede mit Euch. Ja mit Euch Ihr Werber, die Ihr mich mit belanglosen Spam-Versprechen nervt. Und ja liebe “GoreTex Outdoor Community” – auch Dich meine ich. Wieso sollten mich bitteschön Neuigkeiten eines Stoffes interessieren? Klar, ich bin gerne draußen. Ich klettere, betreibe Geocaching. Aber wieso zum Geier, sollte ich Fan einer Seite werden, die mir irgendwelche unspezifischen Neuigkeiten verspricht. Bin ich als unkritischer Fanboy im Targeting gespeichert?

Klar weiß ich, wie Targeting funktioniert. Natürlich ist mir bewusst, dass dem Werber gar nicht so viele Möglichkeiten der Einschränkung bleiben, wie er vielleicht gerne hätte.

Werbung ist Spam in meinen Augen und ich blende sie schon unterbewusst aus. Information wird konsumiert. Was erreicht mich wohl eher? Wieso bietest Du mir also Spam an? Wieso machst Du Dir nicht die Mühe, mich mit relevanten Inhalten zu “ködern”?

Du willst mich als Fan, Du willst einen vernünftigen CPF (Cost per Fan) erreichen? Wieso dann mit schlecht ausgerichteten und auch noch unspannenden Anzeigen.

Biete mir etwas – sei relevant!

Im Gegensatz dazu ist es schon vorgekommen, dass ich Anzeigen, die ich in Screenshots gesehen habe, als Anlass genommen habe, nach dieser Kampagne, der Marke oder dem Unternehmen zu suchen. Denn in diesen Anzeigen versteckte sich für mich ein Mehrwert, der mir die Mühe wert schien. Meistens zu Recht.

In den Netzwerken und bei Google stecken so viele Informationen über mich, die man für intelligente Werbeeinblendungen nutzbar machen könnte. Vielleicht gefällt die Vorstellung nicht jedem – kann ich gut verstehen. Doch wenn ich mir überlege, dass Facebook mehr weiß, als nur meine Interessen. Es kennt die Seiten in meinem Profil, weiß, wie oft ich auf Beiträge der jeweiligen Seiten reagiere oder ob ich die Seiten direkt besuche. Und Facebook kann auch wissen, wie viel Zeit ich auf Fanseiten verbbringe, wenn ich sie direkt besuche. Ja das Unternehmen könnte sogar sagen, wie viel Zeit ich auf den “echten Webseiten” verbringe, die zu den Fanseiten gehören.

Man sollte also annehmen, dass meine Interessen viel detaillierter Vorliegen. Vielleicht blende ich manche Meldungen von Fanseiten aus. Das sollte doch zeigen, dass ich nur ein Interesse am Rand habe – oder ich die Seiten nur im Profil habe, weil deren Name auch etwas  über mich aussagt.

Mit dieser Interessen-Relevanz sollten granularere Zuweisungen von Werbung möglich sein – und was passiert? Ich bekomme immer und immer wieder Spam.

Also liebe Werbetreibende und liebe Werbeflächen-Verkäufer. Bietet mir Information, nicht Spam.

Lieber Leser, was meinst Du? Beachtest Du Werbung im Netz? Macht Dir Targeting Angst? Schreib mir doch bei Twitter. Oder hier in den Kommentaren.

Nov 14, 2010 - Social Media    No Comments

Der Social Media Wochenmarkt

Manchmal fühle ich mich wie auf dem Fischmarkt. An jeder Ecke steht ein Marktschreier und preist seine „Social Media“-Ware an.

Wer als Unternehmen "Social Media" von der Stange kauft wird keinen Erfolg haben. Alle Bemühungen müssen zum Unternehmen passen. (Bild: weisserstier / some rights reserved)

Klassisches Marketing und Facebook

Möglichst laut und eindringlich werden die angeblichen Vorteile von “Social Media” herausgestellt. Das Spiel mit der Angst vor dem Zurückbleiben soll auch die letzten Zweifler überzeugen. Doch wem bringt das Engagement in sozialen Netzwerken wirklich etwas?

In vielen Fällen bedeutete klassisches Marketing eine Form von Massensendung. TV-Kampagnen, tausende Flyer, Anzeigen in Zeitschriften. Doch wer wirklich aufgrund dieser Kampagnen als Kunde gewonnen werden konnte war schwer zu messen.

Bei vielen Artikeln und Diskussionen um „Social Media“ beschleicht mich das ungute Gefühl. Zum einen ist der Fokus sehr auf Facebook gerichtet. Das „Social Web“ ist so viel mehr als das Netzwerk aus Palo Alto. Zum anderen scheint es, als würden immer wieder die gleichen (Erfolgs-)Beispiele als Begründung gebracht, wieso Unternehmen in diesen Kommunikations-Kanal investieren sollten.

Das soziale Netz, das sind Twitter, Blogs, Bookmark-Services, Videoseiten und so viele Netzwerke, dass eine Aufzählung jeden Rahmen hier sprengen würde. Doch wo sind die Kunden derjenigen Unternehmen, die sich in dieses Biotop begeben sollen? In welchem Netzwerk finde ich also meine Zielgruppe? Und wie kommunizieren die Kunden dort? Eine weitere wichtige Frage ist, ob sich die Kommunikations-Kultur des Unternehmens auf das Web2.0 übertragen lässt?

Erfolg, Fehlschlag und Unternehmenskultur

Immer wieder werden Kampagnen wie „Old Spice“, „Dells Twitter Erfolge“ oder „Starbucks“ als Beispiele angeführt. Hier werden riesige Budgets in diesen Kanal investiert.

Dabei gibt es eben so viele, wenn nicht noch mehr, Beispiele für Misserfolge im „Social Web“. „Nestle“, „Dove“ oder „BP“ haben sich mit falscher Kommunikation im Netz temporär ins Abseits gestellt.

Wie hoch sind die Kosten für „Social Media“? Wie viel Umsatz könnte man generieren, wenn man als Unternehmen das finanzielle und zeitliche Budget in andere Kanäle investiert? Wie hoch ist das Riskio eines Fehlschlags, der Reputation und Geld kostet? Wie hoch ist die Chance einen viralen Glückserfolg zu feiern?

Wie kommuniziert ein Unternehmen? Welche Kultur herrscht im Unternehmen vor? Nur Authentizität kommt im sozialen Netz auf Dauer an. Nur Konstanz kann sich durchsetzen. Experimentierfreude und ein schützender Regenschirm für die „Social Media“-Bemühungen von Seiten des Managements müssen gegeben sein.

Welcher Schuh passt zum Unternehmen?

Es kann nur darum gehen, die zum Unternehmen passenden Kanäle zu identifizieren. Die Kunden dort zu finden, wo sie sich aufhalten. Die richtigen Kenngrößen müssen vor jeder Form des Engagements identifiziert werden. Und jede Kampagne muss gemessen werden – im Hinblick auf Zielerreichung und unerwartete Nebeneffekte.

Ideal zum Start ist eine grobe Strategie, einige taktische Ideen, die diesem Masterplan folgen. Also einige Testballons die zum Unternehmen und den identifizierten Netzwerken passen, an denen man lernt und die Do’s and Don’ts identifiziert.

Der ROI kann in Form von intelligenterem Brandmanagement erziehlt werden. Oder in einer Steigerung von Verkäufen. Auch Senkung der Kosten für klassische Pressearbeit und Werbung kann am Ende des Tages als Erfolg identifiziert werden.

Keine Lösung von der Stange

Das Beispiel „Dropbox“ zeigt genau das. Gab man ursprünglich etwa 300 Dollar in Google-Anzeigen aus, um einen zahlenden Kunden zu gewinnen, so bedeutete das einen Realverlust von etwa 200 Dollar. Denn der Lebenszyklus eines Kunden brachte etwa 100 Dollar an Einnahmen ein.

Man überlegte also, wie man Kunden ohne diesen finanziellen Selbstmord gewinnen konnte. Ein Anreizsystem wurde geschaffen, durch das bestehende Kunden neue Kunden werben sollten, und Dropbox im sozialen Netz empfehlen konnten. Der Erfolg gibt „Dropbox“ Recht.

Was klassische Werbung nicht erreichen konnte, konnte „Word of Mouth“-Marketing im „Social Web“ erreichen.

Doch trifft dieses Beispiel auf jedes Unternehmen zu? Nein! Individuelle Lösungen sind gefragt. Keine Konfektions-Ware.

Wer eine externe Agentur für 15.000 Euro beauftragt sollte sehr darauf achten, dass sich die Investition tatsächlich lohnt. Niemand sollte sich von tollen Präsentationen und einer hohen Fanzahl bei Facebook täuschen lassen.

Ein bisschen Information vor der Exekution

Vielleicht hat es gerade für kleinere Unternehmen Sinn, wenn sich die Entscheider vor einem Pitch ein wenig Informieren. Dazu gibt es einige Bücher, die meiner Meinung nach helfen können:

Was meint Ihr? Welche Unternehmen machen es richtig? Kommentiert oder diskutiert mit mir auf Twitter.

*: Amazon-Affiliate-Link: Einige Cent gehen am mich, wenn Ihr über diesen Link kauft.

ps.: Vielen Dank für eine kleine Fehlerkorrektur geht an Phil.

pps.: Update: Einige Zahlen sprechen zumindest dafür, dass die “Old Spice” Kampagne ein Erfolg war:

Also Mashable spricht von einem Umsatzwachstum von 107% – für mich klingt das doch recht erfolgreich :)
http://mashable.com/2010/07/27/old-spice-sales/

Leseempfehlung: Schade ich mir, wenn ich Wissen weitergebe?

Die Weitergabe von Wissen wird von vielen Menschen noch immer als problematischer Akt weitergegeben. Knappe Ressourcen sorgen ökonomisch betrachtet für einen höheren Preis/Gewinn. Wissen weiter zu geben könnte also dazu führen, dass die Konkurrenz steigt und die eigenen (Verdienst)-Möglichkeiten zurückgehen.

Bücher, Blogpostings oder lesenswerte Artikel. Die Kategorie "Leseempfehlung" verweist auf spannende und lehrreiche Einträge. (Bild: Ranoush / Lizenz: cc-by-sa)

Auf dem “wordweb blog” untersucht  Barbara Frolik die Frage, in wie fern die Weitergabe von Wissen die eigenen Möglichkeiten zur Auftragsgewinnung reduziert. Es könnte ja sein, dass durch die Weitergabe Konkurrenz erzeugt würde, die mich dann in meinen Bemühungen unterbieten könnte. Ein ganz normaler, ökonomisch hervorragend untersuchter Vorgang.

Doch bringt Barbara einen sehr guten Aspekt ein:

“Wenn ich viel weiss, aber niemand weiss, dass ich viel weiss, was nützt mir dieses Wissen dann? Die Antwort auf diese Frage darf sich jeder selbst ausdenken. Wer von seinem Wissen profitieren will, macht keinen Fehler, wenn er mit anderen teilt, was er weiss.”

Ich kann ihre Ansichten nur teilen und aus eigener Erfahrung bestätigen. Ihr seid anderer Meinung? Ihr stimmt zu? Ich bitte um Kommentare.

Aug 9, 2010 - Social Media    No Comments

Innovation – Das Unheil des Buzzwords

Innovation ist beliebt. Präsentationen und Werbeversprechen fangen mit diesem “Heilsbringer” an. Das Unheil lauert wie so oft jedoch im Detail. Denn als Buzzword verdeckt “Innovation” meist erschreckende Fehler.

Innovation ist per se nicht schlecht. Problematisch wird es, wenn der Begriff zum "Buzzword" wird. (Bild: Chris Denbow / Lizenz: cc-by)

Gerade im Bereich der “Social Media Strategien” wird der Begriff “Innovation” mit erschreckender Häufigkeit verwendet. “Virales Marketing”, “Social Media Marketing”, “neuartige Marketingkonzepte” – all diese schönen Worthülsen, werden gern als Innovation verkauft. Dabei sollten Kampagnen, gerade im Bereich der sozialen Netzwerke, auf kommunikativen Kernkompetenzen fußen.

Wichtig ist, dass Geschichten erzählt werden. Dem Nutzer müssen Anküpfungspunkte geboten werden. Diese mit einer unerwarteten Neuerung verknüpft sorgen viel wahrscheinlicher dafür, dass sich eine solche Kampagne verbreitet. Der Mehrwert muss erkennbar sein, sonst werden derartige Kampagnen nicht geteilt.

Ich brauche immer einen Grund, um Inhalte mit meinen Freunden bei Facebook oder meinen Followern bei Twitter zu teilen. Jeder Link muss meiner “Leserschaft” (oder einem Teil) einen Mehrwert bieten. Sonst wird das Linksharing nicht in die nächste Generation gehen.

Der Aspekt der Relevanz für die Leserschaft hat sich in Studien gezeigt.

Scott Berkun, ehemaliger Manager bei Microsoft und Autor des Buchs “The Myths of Innovation” (Amazon Partnerlink*), ist bekannt für folgendes Zitat:

“The abuse of words like innovation, disruption, game changing and breakthrough is killing us. We’re tripping over our own egos, lost in the ignorance of romance for the vagaries of pseudo-thinking associated with these words. The more often people in a company use this word, the less likely anything worthy of that label is actually happening, as it’s often the confused and the desperate who believe simply saying a word again and again like a magic spell causes anything at all to happen.”

Die Droge Innovation

Innovation ist das Kokain der Werbung und des Pitchens. Wird der Begriff inflationär gebraucht, ist dies für mich inzwischen ein nahezu sicheres Zeichen, dass hinter dem vorgestellten Konzept kein Konzept steht. Hier eröffnen sich beispielsweise in der Kommunikationsstrategie oft gravierende Lücken. Zum Teil wird aus dem Bauchgefühl heraus etwas als Fakt dargestellt. Gerne auch, weil es “cool” ist.

So werden subjektive Gefühle zur Grundlage unternehmerischer Entscheidungen. Grundlage einer Entscheidung sollten, meiner Meinung nach, jedoch Zahlen, Daten und valide Fakten sein. Innovation ist die Droge der Werbetreibenden. Und wie eine Droge verdeckt sie die zugrunde liegenden Abgründe.

Werden aber Zahlen präsentiert, beziehen sie sich meist zwangsläufig auf andere Kampagnen. Hier wird über Beispiele argumentiert. Beispiele haben jedoch nur anekdotische Beweiskraft. Ist die Fremd-Kampagne mit meinem Unternehmen vergleichbar? Herrscht dort die gleiche kommunikative Kultur, wird das Unternehmen/Produkt draußen in gleicher Weise wahrgenommen? Sind die Zahlen also übertragbar?

Oft kommt es auch zu Attributionsfehlern. Hier werden Entscheidung von Menschen in bestimmten Situationen zurückgeführt auf die Charaktereigenschaften der Menschen. (Bei Umfragen lese: der Befragten) Vernachlässigt werden dabei situative Einflüsse, die die Entscheidung meistens stärker bedingen als der Charakter. So handeln Menschen, danach befragt, wie sie sich in einer bestimmten Situation verhalten würden oft völlig anders, als beim Eintreten der beschriebenen Situation.

“Innovation” an sich ist kein schlechter Begriff. Im Gegenteil.

Abgeleitet von seinen lateinischen Wurzeln bedeutet das Wort “erneuern, verändern, neu machen”. Diese Eigenschaften sind für Unternehmen normalerweise gute Charakterzüge. Weiterentwicklung im Sinn des Nutzers bedeutet, dass der Nutzer und seine Zufriedenheit in den Mittelpunkt gestellt werden.

Für Aktionen im Umfeld sozialer Medien bedeutet dies, dem User muss ein Mehrwert geboten werden. Ein Grund die Kampagne des Unternehmens mit seinen Kontakten zu teilen. Dies bedeutet, eine (ständige) Beobachtung des Nutzers, seines Verhaltens und eine transparente bidirektionale Kommunikation mit dem User. Nur daraus lassen sich die Erkenntnisse gewinnen, die die Fortentwicklung einer Kampagne sinnvoll ermöglichen.

Oft zeigt das häufige Hervorbrechen des Begriffs “Innovation” jedoch eine Maskierung von prozessualen Fehlern, fehlendem Verständnis des Users oder einer Führung, die verlernt hat zu führen. Manchmal ist auch einfach die Leidenschaft aus einem Unternehmen gewichen und durch zu viel Bürokratie ersetzt worden.

Quellen der Inspiration zu diesem Beitrag:

Welche Erfahrungen mit dem Begriff der “Innovation” habt ihr gemacht? Nutzt Ihr das Wort selbst häufig, oder geht Euch der Inflationäre Gebrauch schon auf die Nerven? Über Kommentare freue ich mich.

Mai 17, 2010 - Multimedial, Social Media    No Comments

Notizzettel: Linktipps zum Wochenstart II

Letzte Woche gab es zum ersten mal die Linktipps zum Wochenstart. Auch heute habe ich, um ein paar Stunden verspätet, einige interessante Artikel zusammen gestellt. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren.

Jede Woche neu - die Linktipps zum Wochenstart. "Infizieren" Sie sich in der Blogsphere. (Quelle: atoms and bits / Lizenz: cc-by-sa)

Linktipps:

Blogtipps:

  • Smashing Magazine
    Design, Usability, Typographie – Wer sich hierfür interessiert und immer wieder Showcases der besten Beispiele aus dem Netz finden will, sei auf dieses Blog verwiesen
  • Alltagsforschung
    Das Blog von Daniel Rettig, der hier Studien, interessante Forschungsergebnisse und einfach faszinierende Fakten aus der WElt der Psychologie präsentiert. Immer wieder lesenswert und ab und zu zum staunen.