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Social Media: Alles, nichts, oder?

Was ist “Social Media”? Facebook, Twitter, Quora? Sind diese Dienste wirklich “sozial”, oder sind sie in ihren Untiefen nicht viel mehr anti-sozial?

Was bedeutet der Begriff "Social Media" - und sind die entsprechenden Netzwerke wirklich "sozial"? (Bild: MelkiaD / Lizenz: cc-by)

Facebook ist das größte sogenannte “soziale” Netzwerk. Twitter analog dazu der größte Kurznachrichtendienst. Blogs, Video-Portale, Netzwerke und Co. werden gemeinhin unter dem Begriff “Social Media” zusammengefasst. Was ist daran “Social” und was “Media”?

“Das Wort sozial (von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet‘) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins (der Mensch als soziales Wesen). Es taucht in mehreren Bedeutungen auf.” (Quelle: Wikipedia)

Weiter in der Definition der Wikipedia heißt es, dass es bedeutet “anderen zu helfen und nicht nur an sich selbst zu denken”. Hierbei geht es um das Vermögen sich durch Einfühlung in andere Menschen hineinversetzen zu können. Es bedeutet auch „gegenüber Gleich- und Nichtgleichgestellten hilfreich, höflich und taktvoll und verantwortungsbewusst“ zu handeln.

Unsozial in diesem Sinne handelt, wem all das abgeht. Asozial (oft mit absprechendem Beiklang) ist, wer (fast) unverbunden mit ihr ‚am Rande‘ der Gesellschaft lebt, wer sich nicht in sie ‚einfügen‘ kann oder zumal, wer als ihr Schädiger angesehen wird.”

Handelt das Netzwerk nun also “sozial” im Sinn jeglicher Definition? Vielleicht handeln  Nutzer in diesem Netzwerk untereinander “sozial”. Ich jedenfalls habe sehr viele interessante und hilfreiche Kontakte über Facebook (und vor allem Twitter) erleben dürfen.

Doch das Unternehmen “Facebook” , das die technische Plattform  bereitstellt, wird handelt in jeglicher Weise unternehmerisch. Die Nutzer sind hier nur als Daten und Werbeempfänger relevant. Nur so haben sie einen Wert.

“Ein Medium (lat.: medium = Mitte, Mittelpunkt) ist etwas in der Mitte Befindliches, dazwischen Liegendes; der Plural ist Medien, selten Media.” (Quelle: Wikipedia)

Facebook und Co. befinden sich gleich mehrfach “in der Mitte”. Die Netzwerke befinden sich in der Mitte der Nutzer. Die Netzwerke sind in dieser Sichtweise Medien, die für die vermittlung zwischen den einzelnen Akteuren eine Verbindung erstellen.

Sie befinden sich aber auch zwischen Nutzer und Unternehmen. Diese Verbindung ist jedoch, wie oben beschrieben, keine gleichberechtigte, sondern eine hirarchische. Wer den stofflichen Überträger von Information besitzt, besitzt auch die Information.

Medium als stofflicher Vermittler: Ein Medium ist zunächst ein zwischen individuellen Körpern befindlicher raumerfüllender Stoff mit bestimmten Eigenschaften. Meist ist ein solcher Stoff einchemischer Stoff. Das Medium eines Schwimmbeckens ist beispielsweise Wasser, jenes einer Sauna Luft oder Dampf. Weil Stoffe Impuls und Energie übertragen, können sie auch Information übermitteln. Die Übertragung von Schall benötigt z. B. einen vermittelnden Stoff wie Luft.” (Quelle: Wikipedia)

Grundlegender ist jedoch die Bedeutungslosigkeit des Begriffs “Social Media”, die durch Bedeutungspluralität entsteht.

Ferdinand de Saussure hat erklärt, sprachliche Zeichen entstünden arbiträr, also zufällig. Es gibt keine natürliche Herleitung, warum ein Tisch beispielsweise Tisch heißt. Hören oder lesen wir das Wort Tisch, so stellen wir uns etwas vor, das sich im großen und ganzen die Idee eines Tisches aus der Realität deckt.

“Social Media” ist ein Begriff, bei dem sich nahezu jeder etwas anderes vorstellt (wenn eine solche Vorstellung überhaupt existiert). Somit herrscht eine vielfache Multiplikation an Bedeutungen vor, eine Multi-Signifikanz des Begriffs.

Mir ist bislang kein besserer Begriff über den Weg gelaufen, mit dem man die modernen Netz-Applikationen zusammenfassen kann. Doch bin ich mir bei jedem Gebrauch des Begriffs “Social Media” der damit verbundenen Problematik bewusst.

Wie seht Ihr das? Was bedeutet „Social Media“ für Euch und habt Ihr bessere Begriffe? Schreibt mir auf Twitter und folgt meinem RSS-Feed.

Aus dem Netz gefischt: Lesestoff für die Woche (KW 02)

Die erste Woche des Jahres hat sich in die Vergangenheit verabschiedet. Das Jahr ist gut gestartet, wenn man von Krankheit und Schlafmangel absieht. Für die zweite Woche gibt es natürlich wieder neues Lesefutter.

Ich versuche jede Woche erneut nach spannenden und inspirierenden Links zu fischen. Ich hoffe meine Auswahl gefällt Euch. (Bild: p2y / Lizenz: cc-by)

Rund um den Jahreswechsel habe ich viele Beiträge zu „guten Vorsätzen“ für das neue und Rückblicken auf das alte Jahr gelesen. Igor Schwarzmann hat, finde ich, die schönsten Worte getroffen, um sein Jahr Revue passieren zu lassen.

„It almost feels like the first year in which I took control of my own future and it’s a remarkable experience to process that. At the same time, it looks like all those things that we’re doing with the company, in Berlin or just in general with all the incredible people I have the pleasure to have around me, that the future can be many, many things. Exciting, good and full of life.“ (Quelle: wiredvanity)

Einen kritischen Blick hinter die Kulissen in “Silicon Valley” wirft Devin Friedman. In einem Artikel für die GQ, interviewt er die Macher der neusten Streiche, wenn es um soziale Netzwerke geht. Dabei ist er allerdings kein unkritischer Fanboy, sondern stellt die Fragen, auf die ich bei Journalisten lange gewartet habe. Ich hätte einen derartigen Artikel nicht in der GQ erwartet, die für mich eher für nackte Titten und schlechte Lifestyle-Werbung steht.

„ A more pessimistic way to look at it is that we’re slave labor, getting lured by our desire to show off what we buy (Swipely) or our witty repartee (Twitter), by our need for affirmation (all of the above), or by our habit of looking at pictures of girls from high school all day instead of doing work (FB), and we end up not only driving traffic to these sites but filtering information so that FB and Twitter and Swipely can capitalize on it. They would say they’re just trying to make it easier for us to find movies we like. That’s probably true, too.” (Quelle: Big Issues)

Lauren Schaefer hat in dieser Woche auf dem Blog ihres Vaters eine sehr interessante Analogie dafür gefunden, das „Social Media“ nichts, aber auch wirklich nichts Neues ist.

“While the term “social media” might have been coined with the rise of Facebook, Twitter, and blogs, these sites are mere copies of the original collaborative social networking — the bathroom stall.” (Quelle: Grow)

Die beschmierten Wände in der Schultoilette, als Pinnwand, die Antworten als Kommentare, und so weiter. Ihre Analogie ergibt Sinn. Schon immer haben Menschen Wege gesucht und gefunden ihren Drang zur Kommunikation auszuleben. Heute sind es Facebook oder Twitter, früher waren es Briefe und dazwischen kamen Telegraph und Telefon.

Kann man die Ökonomie “hacken”? Douglas Rushkoff (Affiliate Link) stellt diese Frage und beantwortet sie eindeutig mit „Ja“. Man sollte die Herleitung lesen, um das obige Zitat wirklich zu verstehen, denn er plädiert für lokale Währungen, die einer lokalen Gemeinschaft und somit der Gesellschaft dienlich sein können.

„ Thanks to the current economic meltdown, a restaurant in my town called Comfort has been unable to secure a loan from the bank to expand. Instead, John the owner has turned to us. We are buying “Comfort Dollars” at a rate of 1 US dollar for every $1.20 worth of restaurant food. So if I invest $1000, I get $1200 to spend at the restaurant. I get a 20% return on my investment, and  – since he’s paying in food – he gets money a lot cheaper than he can borrow it through the bank.” (Quelle: h+)

Und gleich noch ein wirklich genialer Beitrag von Douglas Rushkoff. Ich sollte den Mann beobachten!

“The longer the company can maintain the illusion of great profits without alienating its user base, the longer they can delay the inevitable decline. But given that Facebook has already begun cashing in its chips, that moment has quite likely arrived.” (Quelle: Facebook Hype will fade)

Ich wünsche Dir, lieber Leser, eine erfolgreiche und schöne Woche. Abonniere doch meinen RSS-Feed und folge mir auf Twitter.

Ich hab da was zu verschenken – Ein kleines Gewinnspiel

Zum Jahresende gibt es erstmalig ein Gewinnspiel im Blog. Ich hab da drei Bücher für Euch, die sich um Social Media, YouTube und die Frage nach Innovationen drehen. Viel Spaß beim Mitmachen.

Mein kleiner Kater spielt den Wachhund für die Gewinne. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by-sa)

Was gibt es denn zu gewinnen?

Ihr könnt folgende drei Bücher vom O’Reilly-Verlag gewinnen:

  • YouTube: An Insider’s Guide to Climbing the Charts”:
    Die beiden Autoren haben intensive Erfahrung, wie man sich selbst bei YouTube promten kann. Alan Lasufka ist einer der Top100 Comedians auf YouTube. Michael W. Dean ist ein Indi-Regisseur und hat den Film „D.I.Y. or DIE“ gedreht. Er ist mit Vorträgen vor allem in Europa und den USA unterwegs, um über „Do it Yourself“-Filmproduktion und Promotion zu sprechen.
  • Das zweite Buch, das hier auf dem Schreibtisch liegt, ist „Das Social Media Marketing Buch“.
    Dan Zarella, der Autor, führt ein geniales Blog über „Social Media“, virales Marketing und arbeitet als Inbound-Marketing-Manager bei HubSpot.
  • Beim letzten Buch fällt es mir wirklich schwer, es zu verschenken: Scott Berkuns the myths of innovation“.
    In einer wunderschönen Hardcover-Edition liegt das Buch hier und wartet auf seinen neuen Besitzer. Scott Berkun hinterfragt Mythen, die sich um die Entstehung von Innovationen ranken.
    Woher kommen Ideen? Gibt es die „göttliche Eingebung“? Welche Schwierigkeiten müssen Erfinder bestehen? Diese und viele weitere Fragen werden gestellt und der Autor zeigt, dass viele dieser Mythen uns mit einem falschen Bild auf Neuentwicklungen blicken lassen.

Das YouTube-Buch und das “the myth of innovation” sind auf Englisch. “Das Social Media Marketing Buch” ist auf Deutsch.

Doch wie kam es eigentlich zu dem Gewinnspiel?

Ein kurzer Tweet hat alles ins Rollen gebracht. Eine Anfrage an den O’Reilly-Verlag, ob sie mir für ein Gewinnspiel ein paar Bücher zur Verfügung stellen würden. Noch zwei Mails hin und her, schon war klar, dass ich Euch ein paar Bücher schenken kann. Schon lange wollte ich hier im Blog ein derartiges Gewinnspiel starten. Daher dachte ich mir, ich frag einfach mal bei Verlagen nach, ob es dafür Promo-Bücher gibt. Mein Tipp an alle Blogger ist also: Fragt einfach mal – es kostet Euch nicht mehr als eine Mail, oder einen Tweet.

Wie könnt Ihr gewinnen?

Das Gewinnspiel läuft bis zum 30.12.2010 (23:59 Uhr). Eigentlich ist es ganz einfach: Ich hab was zu verschenken und ihr sollt gar nicht viel dafür tun müssen. Schreibt in Eurem Blog über das Gewinnspiel und verlinkt mich – ich schau in die Trackbacks.

Es gibt aber auch noch einen zweiten Weg:
Twittert einfach mit dem Hashtag #srwin2010 und erwähnt mein Twitter-Handle @sdoering in Eurem Tweet.

Aus allen Trackbacks und Tweets lose ich dann ganz willkürlich die drei Gewinner aus. Die Glücksfee wird meine bessere Hälfte sein (sie weiß noch nichts von ihrem Glück).

Ich weiß, das Gewinnspiel ist ein Versuch mein Blog ein wenig zu promoten. Ich denke jedoch, dass dies ein berechtigter Wunsch jedes Bloggers ist. Zeigt ein wenig Blogger- oder Twitter-Liebe und macht mit.

ps.: Das ist ein rein privates Gewinnspiel, weil ich Lust hatte eines zu veranstalten. Rechtswege und sowas sind natürlich ausgeschlossen. Wer mich wegen sowas ankeksen will, hat den Spaß am Schenken zum Jahresende nicht verstanden.

Dez 12, 2010 - Gesellschaft, Social Media    1 Comment

Ist Wikileaks Social Media

Wir diskutieren meist unserer Komfortzone: Social Media als Marketing-Kanal. Oder Social Media als Kommunikation zwischen Freunden. Wikileaks ist unkomfortabel: Ist die Plattform Social Media?

Ist Wikileaks “Social Media”? Zumindest schafft die Organisation von Julien Assange ein Kristallisationspunkt zur Schaffung von Gemeinschaft. (Bild: Alex E. Proimos / Lizenz: cc-by)

Einseitige Kommunikation

Wikileaks ist ein mono-direktionaler Kommunikationskanal. Irgendjemand reicht Dokumente ein und diese werden der Welt dann medienwirksam zum Fraß vorgeworfen. Nach jeder gängigen Definition ist das kein Social Media.

Gerichtet auf das Gesicht von Julien Assange, verbirgt die Organisation ihr eigenes Netzwerk hinter einem Namen und einem Gesicht. Das soziale Engagement innerhalb der Organisation wird dem Schutz der Organisations-Mitglieder geopfert.

In keiner mir bekannten Definition handelt es sich bei Wikileaks um Social Media.

Die Masse engagiert sich – die Schaffung von Gemeinschaft

Wikileaks polarisiert. An Wikileaks scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite die Vertreter des bestehenden Systems. Personen und Institutionen, die in Wikileaks eine Bedrohung sehen. Hier werden Nebelkerzen gezündet. Hier wird rhetorisch schweres Kriegsgerät aufgefahren.

Auf der anderen Seite stehen die Verfechter einer freien Welt. Befürworter eines Systems, in dem sich Institutionen für ihr Handeln verantwortlich zeigen müssen. Ein System, das diese Institutionen kontrollieren will. Hier werden mit Cyber-Attacken und Wikileaks-Klonen die digitalen Schwerter geschärft.

Egal auf welcher Seite man sich selbst verortet. Man integriert sich in eine (neue) Gemeinschaft. Bin ich gegen Wikileaks, oder stehe ich auf Seiten der digitalen „Achse des Bösen“? Menschen organisieren sich und diskutieren in Foren, Blogs oder klassische Medien. (Selbst-)Organisation findet statt in den Kanälen, die Social Media bietet.

Wikileaks schafft eine Grenze – und Grenzen dienen der (Selbst-)Definition von Gruppen. Wikileaks schafft ein diskursives Umfeld, ganz im Sinn von Michel Foucault. Die historisch erarbeiteten Theorien von Macht, Subjekt und Disziplinierung lassen sich hier am aktuellen Beispiel beobachten.

Wichtig ist hier die Schaffung von Gemeinschaften. Wikileaks ist sozusagen der Kristallisationspunkt. In dieser Sichtweise ist Wikileaks vielleicht nicht an sich Social Media. Wikileaks schafft jedoch Kommunikation, schafft Gemeinschaft. Und Gemeinschaft kann sich nur in Abgrenzung definieren.

Bin ich Katzen- oder Hunde-Mensch. Trinke ich Pepsi, oder Cola. Gehe ich zu McDonalds oder zu Burger King. Oder verabscheue ich Fast Food? Ich bin ich – immer in Abgrenzung zu anderen.

Ist Wikileaks Social Media?

Diese Frage lässt sich final nur mit einem eindeutigen „Jein“ beantworten. Hinter Wikileaks verbirgt sich ein soziales Netzwerk. Ein Netzwerk von Menschen, die sich für eine Sache engagieren. Und ein Netzwerk von Menschen, die der Plattform geheime Daten zur Verfügung stellen. Dieses Netzwerk wird durch einmalige, einseitige Verbindungen definiert.

Doch im gebräuchlichen Wortsinn ist Wikileaks kein Social Media. Es lässt keine beliebige Mitarbeit zu und öffnet sich auch nicht der Massenkommunikation, die in beide Richtungen läuft. Die Organisation selbst zeigt keinerlei Transparenz.

Wikileaks ist (noch) eine Singularität im sozialen Netz. Doch wird es künftig weitere Plattformen für Leaks geben. Openleaks steht schon in den Startlöchern. Wie unsere (Online-)Welt damit umgeht wird sich zeigen.

Was meint Ihr? Für wie „sozial“ haltet ihr Wikileaks? Diskutiert mit mir auf Twitter.

Dez 3, 2010 - Social Media    2 Comments

Sprichst Du mit mir?

Wenn ich Facebook schon meine ganzen Daten schenke, dann will ich dafür wenigstens keinen Spam erhalten. Meinen die eigentlich mich mit dieser Kampagne? Dabei soll Targeting doch so einfach sein?

Werbung im Hamburger Schanzen-Viertel. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by-sa)

Meinst Du mich?

Ja, ich rede mit Euch. Ja mit Euch Ihr Werber, die Ihr mich mit belanglosen Spam-Versprechen nervt. Und ja liebe “GoreTex Outdoor Community” – auch Dich meine ich. Wieso sollten mich bitteschön Neuigkeiten eines Stoffes interessieren? Klar, ich bin gerne draußen. Ich klettere, betreibe Geocaching. Aber wieso zum Geier, sollte ich Fan einer Seite werden, die mir irgendwelche unspezifischen Neuigkeiten verspricht. Bin ich als unkritischer Fanboy im Targeting gespeichert?

Klar weiß ich, wie Targeting funktioniert. Natürlich ist mir bewusst, dass dem Werber gar nicht so viele Möglichkeiten der Einschränkung bleiben, wie er vielleicht gerne hätte.

Werbung ist Spam in meinen Augen und ich blende sie schon unterbewusst aus. Information wird konsumiert. Was erreicht mich wohl eher? Wieso bietest Du mir also Spam an? Wieso machst Du Dir nicht die Mühe, mich mit relevanten Inhalten zu “ködern”?

Du willst mich als Fan, Du willst einen vernünftigen CPF (Cost per Fan) erreichen? Wieso dann mit schlecht ausgerichteten und auch noch unspannenden Anzeigen.

Biete mir etwas – sei relevant!

Im Gegensatz dazu ist es schon vorgekommen, dass ich Anzeigen, die ich in Screenshots gesehen habe, als Anlass genommen habe, nach dieser Kampagne, der Marke oder dem Unternehmen zu suchen. Denn in diesen Anzeigen versteckte sich für mich ein Mehrwert, der mir die Mühe wert schien. Meistens zu Recht.

In den Netzwerken und bei Google stecken so viele Informationen über mich, die man für intelligente Werbeeinblendungen nutzbar machen könnte. Vielleicht gefällt die Vorstellung nicht jedem – kann ich gut verstehen. Doch wenn ich mir überlege, dass Facebook mehr weiß, als nur meine Interessen. Es kennt die Seiten in meinem Profil, weiß, wie oft ich auf Beiträge der jeweiligen Seiten reagiere oder ob ich die Seiten direkt besuche. Und Facebook kann auch wissen, wie viel Zeit ich auf Fanseiten verbbringe, wenn ich sie direkt besuche. Ja das Unternehmen könnte sogar sagen, wie viel Zeit ich auf den “echten Webseiten” verbringe, die zu den Fanseiten gehören.

Man sollte also annehmen, dass meine Interessen viel detaillierter Vorliegen. Vielleicht blende ich manche Meldungen von Fanseiten aus. Das sollte doch zeigen, dass ich nur ein Interesse am Rand habe – oder ich die Seiten nur im Profil habe, weil deren Name auch etwas  über mich aussagt.

Mit dieser Interessen-Relevanz sollten granularere Zuweisungen von Werbung möglich sein – und was passiert? Ich bekomme immer und immer wieder Spam.

Also liebe Werbetreibende und liebe Werbeflächen-Verkäufer. Bietet mir Information, nicht Spam.

Lieber Leser, was meinst Du? Beachtest Du Werbung im Netz? Macht Dir Targeting Angst? Schreib mir doch bei Twitter. Oder hier in den Kommentaren.

Nov 29, 2010 - Gesellschaft, Social Media    2 Comments

Social Media: Ponyhof der Eitelkeiten

Um es direkt zu sagen. Soziale Netzwerke sind ein Ponyhof. Streicheleinheiten für das eigene Ego, nette kleine Bloghäppchen, leicht verdaulich und nur ja keine Kritik. Social Media langweilt mich mehr und mehr.

Ab und an fühle ich mich in den meisten sozialen Netzwerken wie im Ponyhof. Alles brav, brav, nur ja keine wahre Kritik. Vor allem nicht gegen den Strom schwimmen. (Bild: dreamcicle19772006 / Lizenz: cc-by)

Der Ponyhof der Eitelkeiten

Ich erinnere mich an meine Jugend. Da gab es diese seltsamen Wesen, oft mit rosa Federmappen, kleinen Poesiealben und Pferdeheftchen in ihren Taschen. Am Nachmittag nahmen sie ihre Fahrräder und fuhren zum nächsten Reitstall, um sich in der heilen Welt von Hanni und Nanni zu vergnügen.

Heute lebt die ganze Welt in dieser Ponyhof-Fantasie. Sie heißt Facebook, Twitter oder studiVZ. Solange alle auf den gleichen Zug aufspringen, ein bisschen gemütlich Belanglosigkeiten austauschen, oder das neuste Katzenvideo teilen, so lang ist die Welt der sozialen Netze in Ordnung.

Nur sollte man gegen die Regierung, für Netzneutralität oder wahlweise auch für den kostenlosen Zugang zu Musik sein. Sonst hat man es schwer in dieser rosaroten Traumwelt.

Atheismus? Kritik am System der Netzwerker? Direkte Kritik in Blogkommentaren. Das sollte man lieber lassen. Sonst kann man sich gleich den *****stern an die Brust heften und sich als “Social Media”-Leprakranken brandmarken.

Dabei könnte es ganz anders sein:

“See, wouldn’t the social web be MUCH more interesting if we blogged like North Koreans?” (Quelle: You too can blog like North Korea)

Kritiklosigkeit ist (k)eine Tugend

Brot und Spiele. Mit dieser Taktik haben schon die alten Römer das Volk vor allzu viel kritischem Denken bewahrt. “Unser täglich Facebook gib uns heute”, könnte es frei nach einem Gebet heute heißen. Alles OK, solange die bunte Glitzerwelt am Morgen auf einen wartet. Die Welt dreht sich weiter und ich muss nicht nachdenken. Alles was wichtig ist, wird mich ja schon erreichen in meiner Timeline.

Die sah (ungefiltert) heute Morgen so aus:

  • Winterdienst (Wie überraschend!)
  • Alfred Jodokus Quak (wenigstens nett)
  • Ach du Scheiße, schon wieder Montag (Ach ne!)
  • iRudolph
  • Einmal “Alles” bei McDonald’s kostet derzeit € 133,99. (Wen interessiert der Drecks-Fraß?)
  • Scheinbar endlich mal gutes Radio für Hamburg! (‎Ach – echt. Auch schon gehört?)
  • Winter, Winter, Winter… (Der kommt aber auch immer so überraschend.)
  • Koalitionsende in Hamburg (Uiii… eine Nachricht.)
  • Wikileaks (Huch… gleich noch ne Nachricht – nur leider schon seit Tagen bekannt.)
  • Shopping mit Magento (Tja, nutz ich leider nicht.)
  • Seltsame PR Meldungen (Als wenn ich deswegen das Buch kaufen würde.)
  • Leslie Nielson Videos (Ruhe in Frieden.)
  • Videos (Mehr oder weniger mein Musikgeschmack.)
  • Urlaubsfotos (Urlaub, wie schreibt man das?)
  • Katzenkommentare (Ja, wir haben auch zwei tolle Kater – na und?)

Wo zum Geier ist die revolutionäre Kraft der Vernetzung? Wo sind die aufgeklärten, kritischen Bürger? Wo ist die Tiefe hinter der Oberflächlichkeit der “Ed Hardy”-Klamotten-Fraktion?

Wie steht es um Eure Timeline? Bei Twitter war es heute vor allem das Ende der Koalition und Wikileaks. Ich freu mich auf Kommentare und Reaktionen bei Twitter.

PS.: Ich mag die sozialen Netze – ich wünsche mir nur ab und zu ein wenig mehr Substanz.

PPS.: Es wurde ja auch schon schön ausgedrückt:

Nov 28, 2010 - Social Media    No Comments

Die Links der Woche (KW 47)

Auch dismal gibt es zum Wochenausklang noch ein paar schöne Links. Texte, die mich im Lauf der letzten Woche begeistert haben.

Wie durch eine Kamera versuche ich jede Woche über interessante Links zu berichten. (Bild: / Lizenz: cc-by-sa)

Social Media

Klaus Eck fragt sich, ob wir alle zu viel Zeit haben, um uns um Social Media zu kümmern.

“Social Media kostet richtig viel Zeit, wenn Sie es gut machen wollen. Blogs, Facebook, Xing und Twitter sind längst nicht nur “nice to have”. Es sind Zeitfresser, die uns an unsere persönlichen Grenzen stoßen lassen. In der Regel ist eine Stunde pro Kommunikationskanal im Minimum notwendig, um professionell Social Media  zu betreiben.” (Quelle: Haben Sie für Social Media zu viel Zeit?)

Mit “Don’t Call It Social Media” schreibt sich Sachar Kriwoj den Frust von der Seele. Er zeigt die Diskrepanz zwischen der geforderten Kommunikation in sozialen Netzwerken und dem dortigen Verhalten von Unternehmen auf:

“Und jetzt, wo sich das Jahr gen Ende neigt, kassieren diese Unternehmen und Agenturen, Preise. Von Juroren, die ebenso wenig bei twitter oder facebook unterwegs sind wie die Nominierten. Nachdem die Verantwortlichen auf Kongressen ihre Konzepte präsentiert haben. Verantwortlich aber sind sie nur für die Konzepte und nicht für die Umsetzung. Nicht für die Kommunikation sondern für die Zahlen. Verantwortlich für Reportings, aber nicht für den Unternehmenserfolg. Verantwortlich für Bullshit-Bingo.” (Quelle: Don’t Call It Social Media)

Mitch Joel fragt ganz direkt, ob Twitter uns tötet:

“Many people fail to realize the time, energy and effort it takes to be successful in Social Media. It’s true that you can definitely reap the rewards of that success, but it’s also true that sometimes being too successful can become overbearing and unmanageable. The truth is that you would much rather get to the point of being wildly successful and figuring out how to manage it all than having the Social Media equivalent of crickets when you try to connect online.” (Quelle: Is Twitter killing You?)

Kristian Köhntopp beschwert sich, dass wir trotz technischer Möglichkeiten noch lange nicht so weit sind, unsere Nachrichten aus unterschiedlichen sozialen Netz-Quellen dublettenfrei und sinnvoll gewichtet zu erhalten.

“Es wird Zeit für Web 3.0 – persönliche News. Mir doch egal, aus welchem Feed die kommen. Ich will die Dinger einmal sehen, dahinter ein mehrdimensionales Gewicht haben (kam von 5 Bekannten, 3 RSS Newstickern, 8 Freundes Blog-RSS rein, ist bei Rivva trending topic, ist bei Twitter Deutschland trending, 13 mal gefavt und 876 mal auf Facebook geliked: Das ist vielleicht wichtig für Dich), mit dem ich die verschiedenen Quellen der Nachricht für mich nachsehen kann.” (Quelle: Die unerträgliche Lameness des Web 2.0)

Zum Abschluss wieder ein hübscher Link. Wie sahn eigentlich unsere „Lieblingsseiten“ aus, als sie an den Start gingen? Facebook, Google, MySpace oder Yahoo? Die und mehr zeigt „The Telegraph“:

“Remember the days when the word Google was not interchangeable with internet? Or when every site seemed to have a Netscape icon on it? Or when Flash was still something you cleaned your floor with?” (Quelle: How 20 popular websites looked when they launched)

Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche neue Woche und einen schönen Rest-Sonntag. Genießt die letzten Stunden der Freiheit.

Übrigens: Wer gute Link-Häppchen für mich hat, kann sie mir bei Twitter gern zuwerfen. Oder Ihr packt sie in die Kommentare.

ps.: Mein persönlicher Tweet der Woche war folgender:

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