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Jul 16, 2010 - Social Media    No Comments

Google vs Social

Google ist eines der erfolgreichsten Unternehmen im Netz. Die Geschwindigkeit, mit welcher Neuerungen an den Start gebracht werden ist bestechend. Doch beim Thema “Social Media” versagt die Crew aus Mountain View bislang. Wo liegen die Gründe für dieses Scheitern?

Warum scheitert Google bei seinen Bemühungen im Social Web? (Quelle: manfrys / Lizenz: cc-by-sa)

“Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.” (Quelle: Google Unternehmensinformation)

Informationen zu organisieren und nutzbar zu machen, diese Selbstbeschreibung verrät viel über das Mindset des Unternehmens und seiner Gründer. Verrät viel über die interne Kultur des Denkens. Es geht darum Fakten zu katalogisieren, zu ordnen und einem Nutzen (und einem Nutzer) zuzuführen. Es klingt wie ein naturwissenschaftliches Ordnungsprinzip, es erinnert an die Systematik in der Biologie oder die Beschreibung der Welt durch Physiker. Es klingt nicht nach dem, was Millionen von Nutzern tagtäglich in den sozialen Netzwerken betreiben.

“Betrachtet man die Umsatzstruktur, ergibt sich folgendes Bild: Google unternimmt alles, was der Kette der Werbung dient, vom Werbetreibenden bis zur Auslieferung der Anzeigen an Endkunden.” (Quelle: carta.info)

Auch im eigenen Handeln ist Google stringent, rational und, hat man das Unternehmen analysiert, wie die Kollegen bei carta, auch berechenbar. Die externe Handlungsmaxime und die Produkte, die den Kunden geboten werden, entsprechen als dem angenommenen internen Mindset.

Google ist “getting things done“, “hard facts” und im weitesten Sinn “Arbeit”. Nutze ich einen der Dienste von Google, so erwarte ich als User, dass ich möglichst schnell und einfach das erhalte, was ich wünsche. Suche ich beispielsweise das Kinoprogramm an dem Ort, an dem ich mich aufhalte, muss ich nur noch “Kinoprogramm” in den Suchschlitz tippen. Das erste Suchergebnis ist, unterstützt durch Geolokalisation, genau das, was ich suche.

Fertig. Done. Und ich bin dann mal weg – im Kino.

Das gleiche gilt für Wetter, Sportergebnisse und so weiter.

Vergleiche ich das mit meinem Verhalten, dass ich bei Facebook und Co. an den Tag lege, so stelle ich rein subjektiv fest, dass ich hier Zeit “vertrödele”. Soziale Netzwerke sind “slacking”, “Entspannung”, “kommunikativer Austausch” und “einfach mal rumsurfen und schauen, was Freunde so treiben”. Fotos, Videos, Links – all das erhalte ich dort, aber unsortiert, rein auf subjektiven Empfehlungen basierend, so als würden mir Freunde am Telefon eine DVD empfehlen.

Keine Arbeit, reines Vergnügen und Verknüpfung.

Natürlich stecken hinter Facebook, meinVZ und Co. Unternehmen, die strategisch Denken, die auf Umsatzmaximierung ausgerichtet sind und deren Ziel es ist möglichst viel Geld mit dem zu verdienen, was sie “besitzen” – mich, den User. Dennoch erkenne ich in der Entwicklung der Produkte ein anderes Mindset. Konzeptionell geht es hier nicht um einen naturwissenschaftlichen Experimentaufbau, an dessen Ende eine Optimierung von Abläufen für den Nutzer steht. Es geht hier viel mehr darum, ein Erlebnis, eine Erfahrung und einen Suchtfaktor zu kreieren, natürlich mit dem Ziel Nutzer zu gewinnen und zu halten.

Das Beispiel “Answers”:

Google Answers konzentrierte sich ganz darauf, dem Nutzer schnell die gesuchten Antworten zu liefern – und scheiterte. Yahoo! Answers konzentrierte sich auf die soziale Komponente, auf das Gefühl, Fragen zu Beantworten, die soziale Belohnung – und war erfolgreich.

Oder wie es Adam Rifkin ausgedrückt hat:

“Google apps are for working and getting things done; social apps are for interacting and having fun.” (Quelle: ifindkarma)

Es ist wie der Unterschied zwischen einem Blackberry und einem iPhone. Das iPhone verkauft sich, trotz aller Schwächen, Abermillionen mal. Der Blackberry, bei allen Versuchen, die breite Masse zu erreichen, ist bis heute ein Gerät für Business-Menschen. Erholung, Entertainment, Spaß bei der Bedienung vs. “getting things done” und zwar möglichst effizient.