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Jan 9, 2011 - Social Media    7 Comments

2011: Fünf “Regeln” für Social Media

Die Zeit der guten Vorsätze ist vorbei. Jetzt kann ich endlich sinnvolle Vorschläge in den Raum werfen. Habe ich letztes Jahr noch einen Onlinedienst genutzt um mich ans Bloggen zu erinnern, will ich dieses Jahr selbst ein paar Ideen für einen besseren Umgang mit sozialen Netzwerken vorschlagen und zur Diskussion stellen.

Ja, Facebook und Co. sind eine große Spielwiese - doch muss man deswegen jeden Scheiß mitmachen? (Bild: twicepix / Lizenz: cc-by-sa)

Meine Vorschläge für “Social Media”-Regeln 2011

Ja klar, ich weiß, “Social Media” darf keine Regeln haben. Jeder ist hier ja ach so individuell und darf machen, was er (oder sie, oder es) will. Also nennen wir die Regeln einfach – Regeln.

  • Kein “Ich gehe gerade aufs Klo” mehr.

Bitte, bitte lasst es einfach. Ich will keine Bilder oder Texte davon sehen, wie Ihr aufs Klo geht, oder ob Ihr Euch bei der letzten Party übergeben musstet, weil Ihr den Alk-Konsum nicht unter Kontrolle habt. Lasst Euch behandeln, aber heftet Euch solche Entgleisungen nicht noch mit Stolz an die Brust.

Ganz nebenbei – immer mehr Arbeitgeber schauen auch bei Facebook und Co. nach, was potentielle Bewerber so treiben. Daher das Motto: “Erst denken, dann senden.”

  • Bald kommt der Frühling – putzt mal Eure Freundes-Listen

Ja, es wird Zeit für den großen Frühlingsputz bei Facebook, VZ, Twitter und Co. Wie viele Eurer sogenannten Freunde habt Ihr in den letzten vier Wochen gelesen? Wie viele haben überhaupt gepostet? Irgendwelche Nachrichten? Status-Updates? Neue Bilder? Nein – dann einfach mal raus damit.

Vergleicht mal einen Abend zu Dritt im Café mit einem Abend auf einer großen Geburtstagsfeier – welche Gespräche sind intensiver, welcher zwischenmenschliche Kontakt bleibt Euch länger im Kopf? (Nein ich mein nicht die groß-busige Blondine, oder den gut-bestückten Studenten)

Das Motto: “Nicht neu, sondern mit Perwoll gewaschen.”

  • Sei keine Konsum-Hure. Sei der Zuhälter!

Einen Kommentar schreiben, vielleicht selbst einen Blog anfangen? Wieso nicht. Sich einfach von der “Konsum-Hure” zum Inhalte-Zuhälter aufschwingen ist gar nicht so schwer. Jeder hat Geschichten, die für andere interessant sein können. Jeder weiß etwas, wieso also nicht sein Wissen teilen? Und wenn nicht, so hast Du noch immer Deine Meinung. Wieso also nicht einfach mal was sagen/schreiben?

Jeder der im Netz Inhalte produziert freut sich, wenn er ein Feedback erhält. Und sei es nur um sich zu verbessern. Also wieso nicht ein wenig der “Liebe teilen”? Wieso nicht einfach mal öfter einen Kommentar hinterlassen? Kritik üben, Danke sagen – das kostet nicht viel Zeit. Sehr viel weniger als ein Blog-Posting.

Motto: “Gib etwas zurück.”

  • Du sollst Deine Daten achten.

Ja, Deine Daten sind viel wert – am meisten jedoch für Dich. denn Facebook kann Dir Werbung servieren – aber keine Liebe. Facebook, Twitter, Google und wie sie alle heißen – für sie bist Du “Humankapital” im dreckigsten Wortsinn. Lass es Dir auf der Zunge zergehen und sprich mir nach: “Ich bin Humankapital, ich bin Humankapital, ich bin Humankapital.”

Marc Zuckerberg verdient sein Geld nur, weil Du es ihm schenkst. Ohne Dich wäre er nichts.

Motto: “Ich liebe meine Daten.”

  • Ja bin ich denn schon draußen?

Es gibt ein Leben neben 0 und 1, neben Bits und Bytes. Neben Facebook, Twitter und Co. Einfach mal den Rechner ausschalten und den Fernseher gleich dazu. Los, geh raus, genieße die Natur, mach was verrücktes, oder lies Deiner Liebsten mal ein Buch vor.

Einkaufen, kochen und mit einem Dinner bei Kerzenschein überraschen – das geht nicht, wenn nebenbei das 10te Netzwerk ruft.

Motto: “Offline ist manchmal auch ganz schön.”

So und nun seid meine braven Schäfchen und folgt mir auf Twitter. Oder meinem RSS-Feed hier im Blog.

Social Media – Die Urbanisierung des Internets

Kann man zum Verständnis des Phänomens “Social Media” beitragen, indem man es mit Analogien aus der realen Welt erklärt? Einen derartigen Versuch stellt dieser Beitrag dar:

Zur Verdeutlichung einer virtuellen Urbanisierung dient eine Ansicht von Hamburg aus Google Maps. (Quelle: Screenshot Google Maps)

“Seit dem Jahr 2007 wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, während 1950 noch 70 % auf dem Land lebten. Nach Prognosen der UNO wird der weltweite Anteil der städtischen Bevölkerung bis 2030 auf über 60 % steigen und im Jahr 2050 rund 70 % erreichen. Weltweit gibt es über 130 Städte mit mehr als drei Millionen Einwohnern.” (Quelle und weiterführende Infos: wikipedia)

Innerhalb von 10 Jahren wird sich also weltweit das Verhältnis umgekehrt haben. Menschen strömen in die Städte und diese Wachsen (gerade in der dritten Welt) rasant. Die Urbanisierung schreitet voran. Dieses Phänomen kann man auch an den steigenden Nutzerzahlen in den verschiedenen Social Media Diensten beobachten. Ein stetig größer werdender Anteil an Menschen im Netz tummeln sich in diesen (unterschiedlichen) Netzwerken. Kann man also die Analogie der Urbanisierung des Internets funktional nutzbar machen und auf das Netz anwenden?

“Unter Urbanisierung (lat. urbs: Stadt) versteht man die Ausbreitung städtischer Lebensformen in ländlichen Gebieten. Dieser Prozess ist seit Jahrhunderten zu beobachten.” (Quelle und weiterführende Infos: wikipedia)

“Social Media (auch Soziale Medien) ist ein Schlagwort, unter dem Soziale Netzwerke und Netzgemeinschaften verstanden werden, die als Plattformen zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen dienen.” (Quelle und weiterführende Infos: wikipedia)

Wo liegt die Verbindung zwischen diesen Definitionen? Während meines alltäglichen Wegs zur Arbeit, aus dem Speckgürtel in eine Millionenstadt, dachte ich, dass die Urbanisierung meinen gesamten Weg kennzeichnet. Trotz der Tatsache, dass ich außerhalb der Stadt wohne, habe ich eine sehr gute Nahverkehrsanbindung, eine Autobahn, Bundesstraßen und wenn ich mir einige Stadtteile Hamburgs anschaue, sind diese ländlicher, als mein Wohnort.

Ins Internet ging ich erstmals vor inzwischen 13 Jahren. Es gab wenig Menschen (oder Firmen) mit einer eigenen Webseite und jede Stand, abgesehen von sehr wenigen Links, für sich allein. Größere Webseiten, wie amazon.com (oder ab 1998 amazon.de), die in dieser Zeit starteten, bildeten damals übertragen gesprochen die Städte im Internet. Kleine Webseiten, wie beispielsweise meine ersten Schritte im Netz, kleine Bauernweiler auf dem flachen Land. Heute nutze ich ein vernetztes Blog, habe Profile (Wohnungen) in verschiedenen Sozialen Netzwerken und kommuniziere über vielfältige Kanäle.

Heute finde ich die Menschen, die mir wichtig sind in eben diesen sozialen Netzwerken, erhalte Nachrichten-Tipps, Informationen, Kauftipps und andere Empfehlungen über dieses Freundes-Netz. Was der Stammtisch und das Gespräch beim Friseur früher besorgten, besorgt heute der Stream in den Social Networks.

Meine Webseite, stärker verknüpft als früher, orientiert sich selbst stark an den Netzwerken, unterliegt also sozusagen einer virtuellen Urbanisierung. Ich befinde mich eben nicht nur im Speckgürtel einer Stadt (Netzwerkes), sondern mehrerer virtueller Urbanisierungszentren.

Viele Menschen, die früher noch überlegt hätten, sich eine eigene Seite zu erstellen, nutzen dagegen heute nur noch die Profile in den Netzwerken. Eine Verstädterung findet also auch hier statt.

Hat Steve Johnson 2003 noch das gesamte Netz als Stadt verstanden und erklärt, betrachte ich das Netz weiter gefasst, wobei ich denke, dass keine der beiden Analogien “mehr Recht hat”, als die andere. Es ist ein unterschiedlicher Betrachtungswinkel – in meinem Fall liegt mir die Sichtweise auf mehrere Urbanisierungs-Zentren einfach mehr. Hier werden die Netzwerke als einzelne Entitäten greifbarer und ähnlich wie zwei Städte, miteinander vergleichbarer.

Welche Folgen hat das?

Städte sind Zentren der Innovation. Menschen verbinden sich und Ideen scheinen in Städten zu florieren. Andererseits sinkt bei steigender Verstädterung die Geburtenrate. Das Konzept der Ideen auf das Netz zu übertragen fällt noch leicht. Kollaboration wird erleichtert im Netz, durch Social Bookmarks, Wikis, Bewertungs- und Auskunftsportale, etc. Doch ob daraus wirklich neue Produkte/Services/Sites geboren werden, kann bezweifelt werden.

Musste ich noch html lernen, um meine ersten Seiten ins Netz zu bringen, bieten heutige Social Tools (Blogs, Networks, etc.) einfache Bedienungsmöglichkeiten, die ein Wissen um die dahinterliegende Technik nicht mehr notwendig machen. Die Menschen werden hier zu Konsumenten, ohne die Chance zu haben Weiterentwicklung zu betreiben und zum Produzenten zu werden. (Nicht auf Inhalte bezogen.)

Ich bewerte die Folgen dennoch positiv, da sich in den Netzen eine Kultur der Empfehlung, der Verbindung entwickelt, die zu einer Kultur der Kollaboration werden könnte und zum Teil schon wird, wie man am Beispiel des Blogprojekts detailverliebt.de und anderer gut sehen kann. Durch gemeinsames Tauschen finde ich heute schon sehr viel spannendere Meldungen/Blogs/Nachrichten/Bilder, als dies noch vor 2 Jahren der Fall war.

Durch mein Geben in der digitalen Welt, erhalte ich sehr viel zurück. Die Kosten sind in Zeit gemessen zwar etwas höher (wie auch die Lebenshaltungskosten in Städten die des ländlichen Raums übersteigen), doch die Wertschöpfung ist im privaten, wie auch im beruflichen Alltag auch um ein Vielfaches höher.

Social Media als die Urbanisierung des Internets verstanden lässt auch einen Blick in die Zukunft wagen. All denen, die noch immer davon sprechen, das Web2.0 sei nur eine Modeerscheinung, sei ein Blick in die Geschichtsbücher unter dem Schlagwort “Verstädterung” empfohlen.

Mai 7, 2010 - Social Media    1 Comment

Social Media: Die Kunst der Langsamkeit

Social Media boomt. Jeder will dabei sein und das möglichst sofort. Doch sind Sie langsam genug für das soziale Netz?

Zu schnell für Social Media? Nur wer Langsamkeit als Prinzip erkennt, kann dauerhaft bestehen. (Quelle: / Lizenz: cc-by-sa)

Wer ein schnelles “Dabeisein” mit Schnelllebigkeit verwechselt, wird im Umfeld von Social Media nicht auf Dauer bestehen. Entwicklungen geschehen nicht graduell, bedeutende Innovationen verändern die Welt mit extremer Geschwindigkeit. Doch genau hier liegt das Problem.

Beim Schritt in die Welt sozialer Netzwerke geht es darum Beziehungen zu knüpfen und dafür bedarf es vor allem einer Ressource: Zeit. Nur wer kommuniziert, zuhört und erst dann spricht, der wird auf Verständnis stoßen, wird die Wahrnehmung von sich, seinem Unternehmen und seinen Produkten mitbestimmen können.

In der Realität wirft ein PR-Manager auch nicht jedem den er trifft die Vorzüge eines Produkts an den Kopf. Zumindest nicht, wenn er ernst genommen werden will. Wieso sollte es also im Netz anders sein? Es ist das Bild der Schildkröte, das hier vorherrschen sollte.

Man interagiert auf der Basis, das man in den meisten Fällen mit einer einzelnen Person (oder wenigen Personen) kommuniziert. Dieses Geflecht der Kommunikation wächst mit der Zeit, wenn interessante, werthaltige Inhalte transportiert werden.

Es liegt also in der Hand der Menschen, die Social Media innerhalb von Unternehmen steuern und fördern, auch die Grundlagen zur Erfolgsdefinition zu bestimmen. Wertigkeit in den Beziehungen sollte vor einer reinen Anzahl von Fans oder Followern gehen.

Was nützen 10.000 Fans auf Facebook, wenn davon keiner die Produkte empfiehlt oder selbst kauft? 100 treue Fans, die begeistert sind vom Unternehmen und dieses auch weiter-kommunizieren, haben da den größeren Wert. Und werden auch einen größeren ROI erzeugen.

“Social media isn’t a grenade, it’s a bayonet, and if we fall into the trap of focusing on “When” instead of “Why” we’re going to end up as a historical footnote [...].” (Quelle: Jay Baer)