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Jan 14, 2011 - Social Media    5 Comments

Facebook-Werbung: Personalisierte Irrelevanz

Kann es sein, dass personalisierte Werbung bei Facebook und Co. viel irrelevanter ist, als Werbung zu einer anonymen Suchanfrage? Ich sage ja.

Personalisierung als Erfolgskriterium für Marketing-Kampagnen? Ein Argument für SEM. (Bild: mrbill / Lizenz: cc-by)

Mal eine Frage: Macht es Euch wahrscheinlicher zu Kunden für Eheringe, wenn Ihr bei Facebook Euren Beziehungsstatus ändert? Oder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ihr Eheringe kauft, wenn Ihr bei Google nach “Claddach Ring” sucht?

Ist es wahrscheinlicher, dass Ihr Euch für eine Wanderschuh-Anzeige bei Facebook interessiert, nur weil Ihr Wandern als Interesse habt, oder hat eine derartige Anzeige bei Google, wenn Ihr nach Wanderschuhen sucht, mehr Relevanz?

Bei Facebook kann der Werbetreibende seine Zielgruppe aufgrund demographischer Daten nahezu beliebig genau eingrenzen. Ich kann nach Interessen, nach Orten, Beziehungs-Status, etc. kategorisiert werden. Doch macht mich all das zu einem wahrscheinlicheren Kunden? Ist die Personalisierung, das Targeting also ein Vorteil für den Werbetreibenden?

Google hingegen hat einen enormen Vorteil, wenn es mir Werbung zu meinen Suchanfragen serviert. Ich zeige im Moment meiner Suche ein Interesse an einem bestimmten Thema. Dennoch bleibe ich potentiell anonym. Ich versuche also eine Lösung für ein Problem (oder Informationen) zu finden und zeige nicht nur ein diffuses Interesse.

Ich versuche es mal mit einer Geschichte zu verdeutlichen:

Meine Wanderschuhe sind kaputt. Sie sind undicht, ich hab ständig nasse Füße und bin total genervt davon. Ich brauch dringen ein neues Paar. Bei Google suche ich jetzt nach Testberichten für Wanderschuhe, Starte eine Suche nach Preisvergleichen, und dergleiche mehr. Wie reagiere ich auf eine gut geschriebene Werbung nach dem Motto: “Ihre Wanderschuhe sind Schrott? Wir helfen Ihnen das richtige Paar für Sie zu finden”?

Jetzt die Situation bei Facebook. Ich füge Wandern zu meinen Interessen hinzu, weil ich gerne mit meinen tollen Wanderschuhen große Touren gehe (OK, tue ich nicht, aber für das Beispiel denken wir uns das mal). Jetzt wird mir Werbung für Windbreaker, Wanderschuhe, etc eingeblendet. Zeigt mein Interesse mich also tatsächlich als interessierten Kunden?

Das sogenannte Targeting hat das Problem, dass Interessen und beliebig granular gefasste Demographien noch nichts über ein tatsächliches Kaufinteresse aussagen. Eine entsprechende Suche bei Google hingegen sehr genau zeigt, dass dieses Interesse besteht. Eine anonyme Suchanfrage “erzählt” dem Marketing-Menschen also tatsächlich mehr über einen ihm völlig unbekannten Kunden, von dessen Demographie er noch nicht einmal etwas zu wissen braucht.

“Here’s the dirty little secret to Facebook advertising: social network data doesn’t make ads more relevant. All it does is let marketers choose their eyeballs by selecting an infinitely fine grain of demographic, courtesy of all the data we put into the platform.

Search ads are infinitely more relevant because our search terms self select us as prospects. So if you have 50 people who do a Google search for ‘wedding rings’, chances are at least some percentage are actively looking to buy a wedding ring and the ads are served up accordingly. Now say 50 people change their relationship status on Facebook from ‘single’ to ‘engaged’. Now Facebook knows you’re getting married and you get ads for wedding photographers, rings, wedding planners, etc… but it still doesn’t peg you as a prospect for any product. You’re just a demographic. The irony is that an anonymous search term reveals much more about us than any information we put on a social networking site.” (Quelle: Kommentar von Andi R. im Blog Businesinsider)

Ziel einer guten Marketing-Strategie sollte immer sein den effektivsten Kanal zu nutzen. Möglichst viel Gewinn aus dem investierten Kapital (also der Werbung) heraus zu holen. Es gibt sicherlich Fälle, wo es am Ende des Tages bedeutet massiv auf beispielsweise Facebook zu werben, oder in Display-Werbung zu investieren (hohe Sicht- und Wahrnehmbarkeit), doch gerade bei kleineren Budgets oder spezielleren Angeboten, dürfte Google die bessere Wahl sein.

Was meint Ihr? Liege ich mit meiner Einschätzung so daneben? Diskutiert mit mir auf Twitter oder in den Kommentaren.

ps.: Ich freue mich, wenn Ihr meinen RSS-Feed abonniert.

Dez 3, 2010 - Social Media    2 Comments

Sprichst Du mit mir?

Wenn ich Facebook schon meine ganzen Daten schenke, dann will ich dafür wenigstens keinen Spam erhalten. Meinen die eigentlich mich mit dieser Kampagne? Dabei soll Targeting doch so einfach sein?

Werbung im Hamburger Schanzen-Viertel. (Bild: sdoering / Lizenz: cc-by-sa)

Meinst Du mich?

Ja, ich rede mit Euch. Ja mit Euch Ihr Werber, die Ihr mich mit belanglosen Spam-Versprechen nervt. Und ja liebe “GoreTex Outdoor Community” – auch Dich meine ich. Wieso sollten mich bitteschön Neuigkeiten eines Stoffes interessieren? Klar, ich bin gerne draußen. Ich klettere, betreibe Geocaching. Aber wieso zum Geier, sollte ich Fan einer Seite werden, die mir irgendwelche unspezifischen Neuigkeiten verspricht. Bin ich als unkritischer Fanboy im Targeting gespeichert?

Klar weiß ich, wie Targeting funktioniert. Natürlich ist mir bewusst, dass dem Werber gar nicht so viele Möglichkeiten der Einschränkung bleiben, wie er vielleicht gerne hätte.

Werbung ist Spam in meinen Augen und ich blende sie schon unterbewusst aus. Information wird konsumiert. Was erreicht mich wohl eher? Wieso bietest Du mir also Spam an? Wieso machst Du Dir nicht die Mühe, mich mit relevanten Inhalten zu “ködern”?

Du willst mich als Fan, Du willst einen vernünftigen CPF (Cost per Fan) erreichen? Wieso dann mit schlecht ausgerichteten und auch noch unspannenden Anzeigen.

Biete mir etwas – sei relevant!

Im Gegensatz dazu ist es schon vorgekommen, dass ich Anzeigen, die ich in Screenshots gesehen habe, als Anlass genommen habe, nach dieser Kampagne, der Marke oder dem Unternehmen zu suchen. Denn in diesen Anzeigen versteckte sich für mich ein Mehrwert, der mir die Mühe wert schien. Meistens zu Recht.

In den Netzwerken und bei Google stecken so viele Informationen über mich, die man für intelligente Werbeeinblendungen nutzbar machen könnte. Vielleicht gefällt die Vorstellung nicht jedem – kann ich gut verstehen. Doch wenn ich mir überlege, dass Facebook mehr weiß, als nur meine Interessen. Es kennt die Seiten in meinem Profil, weiß, wie oft ich auf Beiträge der jeweiligen Seiten reagiere oder ob ich die Seiten direkt besuche. Und Facebook kann auch wissen, wie viel Zeit ich auf Fanseiten verbbringe, wenn ich sie direkt besuche. Ja das Unternehmen könnte sogar sagen, wie viel Zeit ich auf den “echten Webseiten” verbringe, die zu den Fanseiten gehören.

Man sollte also annehmen, dass meine Interessen viel detaillierter Vorliegen. Vielleicht blende ich manche Meldungen von Fanseiten aus. Das sollte doch zeigen, dass ich nur ein Interesse am Rand habe – oder ich die Seiten nur im Profil habe, weil deren Name auch etwas  über mich aussagt.

Mit dieser Interessen-Relevanz sollten granularere Zuweisungen von Werbung möglich sein – und was passiert? Ich bekomme immer und immer wieder Spam.

Also liebe Werbetreibende und liebe Werbeflächen-Verkäufer. Bietet mir Information, nicht Spam.

Lieber Leser, was meinst Du? Beachtest Du Werbung im Netz? Macht Dir Targeting Angst? Schreib mir doch bei Twitter. Oder hier in den Kommentaren.

Datenschutz: Oder die Diskussion um “I like”

Ich habe in den vergangenen Tagen sehr interessiert die Diskussion um Facebooks Social Plugins verfolgt. Ist Facebook dabei nur der Sündenbock? Entzündet hat es sich ja vorrangig am “I like”-Button, doch sind meiner Meinung nach auch die anderen Plugins betroffen. Denn auch hier bindet man in den meisten Fällen einen iframe ein.

Aus datenschutzrechtlichen Überlegungen ist der "I like"-Button von Facebook in der aktuellen Diskussion umstritten. (Quelle: debugredaktion / Lizenz: cc-by-sa)

Auf drweb.de schreibt der Jurist Dr. Thomas Helbing in einem Gastbeitragüber  seine rechtliche Einschätzung. Hier kommt er zu dem Schluss, dass es essentiell ist, den Datenschutzhinweis der Seite entsprechend zu überarbeiten.

Denn:

“Ein Verstoß gegen die Hinweispflicht des § 13 (1) TMG ist gemäß § 16 (2) Nr. 2 TMG eine Ordnungswidrigkeit und kann nach § 16 (3) TMG mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Da sich deutsche Datenschutzbehörden schwer tun, US-Unternehmen wegen Datenschutzverstößen zu belangen, treten Sie gerne – wie im Fall Google Analytics – an die hier ansässigen Webseitenbetreiber heran. Dies wäre auch bei den Facebook Plugins denkbar.” (Quelle: Dr. Thomas Helbig auf drweb.de)

In meinen Augen liegt das Problem vor allem daran, dass die Daten auf Server im Nicht-EU-Ausland übertragen werden. In vielen Fällen wird die IP-Adresse des Users als personenbezogenens Datum verstanden. Diese IP wird auf die Server von Facebook übertragen und bei einer derartigen Übertragung personenbezogener Daten muss der User zustimmen.

Ähnliches passiert vielfach jedoch schon auf vielen anderen Seiten im Netz. Fast jede Seite, auf der Werbung zielgruppenspezifisch ausgespielt wird nutzt dafür entsprechende Targeting-Anbieter. Ob diese nun nuggad oder beispielsweise wunderloop heißen, spielt dafür keine Rolle. Hier werden Cookies gesetzt, Daten übertragen und anhand des Surfverhaltens auf verschiedenen Seiten scheinbar eine Art von Nutzerprofil erstellt.

So erhalten Personen aus Bayern dann beispielsweise  andere Werbung als Hamburger, Frauen andere als Männer und über 40-jährige sehen andere Werbung, als ihre Kinder. der Anbieter nuggad jedenfalls arbeitet laut eigenen Aussagen mit einem Anonymizer, so dass keine IP übertragen wird. Beide genannten Anbieter haben für ihre Targeting-Lösungen, soviel sei gesagt, die entsprechenden Datenschutz-Gütesiegel erhalten.

Hierbei werden die Daten zwar nicht unbedingt in die USA übertragen, die Datenübertragung findet jedoch unabhängig davon statt. Ausschließen kann ich dies nur, indem ich Cookies von Drittanbietern im Browser ausschließe.

Oder nehmen wir das Beispiel der sogenannten Referrer. Jede Seite hat die Möglichkeit auszulesen, von welcher Seite ich gekommen bin. Bin ich zu Amazon über Google gekommen? Oder doch über Bing? Oder, oder, oder…

… oder welche weiteren Browserfenster habe ich gerade offen? Welche Addons nutze ich in welchem Browser, welches Betriebssystem, welche Internetanbindung, Welche Bildschirmauflösung. All dies wird bei jedem Besuch, wenn der Server die entsprechenden Anfragen stellt, ohne explizite Zustimmung übertragen.

Und das ist auch grundsätzlich nicht schlecht. Ich weiß also, wie viel Prozent meiner Nutzer mit welcher Auflösung im Netz sind. Das heißt, ich kann das Design der Webseite an meine Nutzer anpassen. Habe ich extrem viele Nutzer mobiler Endgeräte, kann ich beispielsweise eine mobile Version aufsetzen.

Ich selbst kann aus diesen Daten aber keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Personen ziehen, die mein Blog besuchen. Andere könnten dies vielleicht, aber ab einer gewissen Größe der Nutzerschaft wird das, aufgrund der reinen Anzahl, schon wieder schwer.

Ich nutze Google Analytics, ich habe den Facebook-Button eingebunden.

Die Verwendung von Facebook Social Plugins muss der Webseitenbetreiber in seinen Datenschutzhinweisen erläutern. Dies ergibt sich aus § 13 (1) Telemediengesetz (TMG). Danach hat ein Diensteanbieter (Webseitenbetreiber) den Nutzer über “Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten” sowie über die Verarbeitung seiner Daten in Staaten außerhalb der EU/EWR in “allgemein verständlicher Form” zu unterrichten.(Quelle: Dr. Thomas Helbig auf drweb.de)

Dem sollte natürlich jeder nachkommen, auch wenn die Diskussion eine typisch deutsche ist. Natürlich darf ich auch nicht von meinem Wissen über die Abläufe im Netz auf das Wissen aller anderen schließen. Aber zu einem selbstbestimmten Verhalten im Netz gehört für mich auch die Pflicht, sich über grundlegende Vorgänge zu informieren.

Will ich nicht, dass irgendwelche Daten von mir irgendwohin übertragen werden sollte ich ganz einfach einen Ratschlag befolgen: Kein Handy, kein Telefon, kein Auto, keinen Fernseher, keinen Computer, keinen Internetzugang, keine Kreditkarte…

Vielleicht sehe ich es zu sehr schwarz/weiß – doch ich bin diese endlose Diskussion an den Sündenböcken Facebook und Google leid. Streetview wird von anderen gemacht und kommerziell verkauft. Datenübertragung mit dem Anlegen von Nutzer-Profilen findet tagtäglich überall statt. Der Staat hat (noch) ELENA, plant die elektronische Gesundheitskarte und den elektronischen Pass. Klar auch hier gibt es Kritik. Doch irgendwie folgt die Blogsphere in meinen Augen zu sehr dem politischen Spin konservativer Kräfte aus Berlin, wenn es um Facebook und Google geht.

Ideal und wünschenswert wäre es, wenn Facebook jedem Nutzer im Profil eine Seite anzeigt, auf der er sehen kann, welche Daten das Unternehmen besitzt und diese Daten einfach löschen kann. Sozusagen eine Seite analog zu Googles Webprotokoll – jedoch mit Löschfunktion. Diese sollte in meinen Augen übrigens auch der Suchmaschinen-Gigant einführen. Ein Opt-Out für die Nutzung des OpenGraphs wäre natürlich auch nicht zu verachten.

Ich bin gespannt, wie Du lieber Leser das Thema siehst. Ich freue mich auf rege Kommentare.