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Jan 18, 2011 - Persönliches    No Comments

Pause, Persönliches, Perfektionismus

Dieser Eintrag ist vollständig persönlich. Wer nun irgendwelche Erwartungen an “Social Media”, “Twitter” oder “Facebook” hegt, wird enttäuscht. Thema ist eine Blog-Pause auf schriftrolle.de. Eine Pause von Buchstaben auf Word, eine Pause von Bits und Bytes.

Meine internen Abläufe bedürfen eines Reboots. Daher erfolgt eine Blogpause. (Bild: jeff_golden / Lizenz: cc-by-sa)

Vielleicht ist es auch eine Netz-Pause. Ein verstärkter Rückzug aus den sogenannten “sozialen Netzwerken”, um die internen Filter und Speichermedien mal wieder vom digitalen Datenmüll zu befreien. Zumindest die digitale Präsenz wird reduziert werden in dieser Zeit. Während einer Defragmentierung sollte man ja auch nicht zu viel auf den Festplatten treiben.

Der Grund lautet: “buffer overflow

Pufferüberläufe (engl. buffer overflow) gehören zu den häufigsten Sicherheitslücken in aktueller Software, die sich u. a. über das Internet ausnutzen lassen können. Im Wesentlichen werden bei einem Pufferüberlauf durch Fehler im Programm zu große Datenmengen in einen dafür zu kleinen reservierten Speicherbereich, den Puffer, geschrieben, wodurch nach dem Ziel-Speicherbereich liegende Speicherstellen überschrieben werden. (Quelle: wikipedia)

Mein Gehirn ist ein Speichermedium. Jeden Tag, jede wache Stunde, beinahe jede Minute fließen Informationen in meinen Speicher. Mein Gehirn ist wie ein Schwamm. Es saugt diese Informationen auf, es kategorisiert sie und legt sie ab.

Mein Gehirn nutzt diese informationen, diese Objekte des Wissens, um daraus durch Rekombination “neues” Wissen zu schaffen. Erkenntnis zu befördern und Probleme zu hinterfragen und zu durchdringen.

Ein Parser (engl. to parse „analysieren“ bzw. von lateinisch pars „Teil“; im Deutschen gelegentlich auch Zerteiler) ist ein Computerprogramm, das in der Computertechnik für die Zerlegung und Umwandlung einer beliebigen Eingabe in ein für die Weiterverarbeitung brauchbares Format zuständig ist. Häufig werden Parser eingesetzt, um im Anschluss an den Analysevorgang die Semantik der Eingabe zu erschließen und daraufhin Aktionen durchzuführen. (Quelle: wikipedia)

Filter sorgen normalerweise dafür, dass dieser Informationsstrom die richtigen Bahnen nimmt und in der richtigen Menge von statten geht.

Diese Filter sind im Moment überlastet.

Im Vergleich zu einem Recognizer, der die Eingabe analysiert und ausgibt, ob diese im Sinne der Vorgaben richtig oder falsch ist, gibt der Parser die Analyse einer Eingabe in einer gewünschten Form aus und erzeugt zusätzlich Strukturbeschreibungen. (Quelle: wikipedia)

Ich nutze ganz bewusst die Sprache der Technik, um in diesen Analogien zu beschreiben, warum ich mich einige Zeit zurückziehen werde. Mein Gehirn braucht einen Reboot, vielleicht sogar ein “neues Gehäuse”. Ich nehme eine Auszeit aus dem sozialen Netz.

Die Zwänge, zumindest die gefühlten Zwänge des “sozialen” Netzes erscheinen oftmals auch als die Fesseln, die den freien Geist an sich binden, aussaugen durchkauen. Nur um am Ende des Zyklus ausgespuckt zu werden und zu sehen, wie der Zyklus erneut beginnt. Iteration 2.0 sozusagen. Eine Auszeit aus der empfunden gezwungenen Content/Produktion.

Mein Anspruch ist es ein Problem immer so gut wie möglich zu durchdringen. Fragen zu stellen, die den Kern des Systems berühren oder zumindest den Weg dorthin zeigen. Ich will Systeme verstehen und darin zeigt sich auch der Perfektionismus, der Teil meines Wesens ist.

Den Ansprüchen gerecht zu werden, kann ich im Augenblick nicht. Schalte ich mein text-produktives Schaffen auf Standby. Mein Anspruch auf Durchdringung muss erst auf mich selbst angewandt werden.

Ich werde sicherlich den ein oder anderen Inhalt beispielsweise bei Twitter verbreiten. Ungefilterte Rohdaten sozusagen, die Andere nutzen sollen um daraus gedankliche Diamanten zu pressen. Wer daran interessiert ist, darf mir gerne auf Twitter folgen.

Bis dahin verbleibe ich,

Sven Döring (@sdoering)

ps.: Schöner Nachtrag:

One Way: Keine Kommunikation im Web2.0

Die Enquête-Kommission des Bundestages hat nun auch einen Blog. Und bald auch eine Online-Redakteurin. Deren Jobbeschreibung liest sich wirklich “interessant”.

Kommunikation als Einbahnstraße kann in Zeiten der sozialen Netzwerke nicht dauerhaft funktionieren. Es fehlt das Feedback. (Bild: kennymatic / Lizenz: cc-by)

Trotz sehr geringer Partizipation im Blog, dachte ich mir, schau ich mir das Ding mal an. Ich habe alle Artikel zumindest überflogen, gesucht, wie die Teilnahme der Netzgemeinde an dem Projekt ist und festgestellt, dass es sehr wenige Kommentare gibt.

Daher kam die Frage auf, woran das wohl liegen könnte. Alles weitere sind also Vermutungen und Meinungen meinerseits.

Hier mein Kommentar im Blog der Enquête-Kommission, den ich auch meinen Lesern nicht vorenthalten will:

“Ab 1. August wird das Enquête-Sekretariat durch eine Online-Redakteurin unterstützt, die sich um den Web-Auftritt, den Twitter-Account und so weiter kümmern wird.”

Das nenn ich mal eine Jobbeschreibung. Ich befürchte auch, dass es sich dabei weniger um eine klassische Redakteursstelle, sondern viel eher um eine klassische PR-Stelle handeln wird. Ich wünsche der Kollegin alles gute für ihren Start in diesem Umfeld. Und viel Leidenschaft für das Thema. Hoffentlich wird auch genug Rückgrat vorhanden sein, vielleicht Dinge auch (selbst-)kritisch zu hinterfragen und zu beleuchten. Denn gerade Offenheit, die Freiheit des Andersdenkenden in sein eigenes Denken zu integrieren würde Vertrauen schaffen.

Allerdings machen mir die Worte “und so weiter” wirklich Angst. Ist es um die “Social Media”-Kompetenz wirklich so schlecht bestellt? Oder wollte nur niemand verraten, wie die angedachte “Social Media”-Strategie aussieht?

Es bleibt auch im Blog zu beobachten, dass die Blogkultur auf Kommentare zu Antworten leider fehlt. Kommunikation in Zeiten des Web2.0 ist keine Einbahnstraße. (Ort der Veröffentlichung: Blog der Enquête-Kommission)

Social Media – Die Urbanisierung des Internets

Kann man zum Verständnis des Phänomens “Social Media” beitragen, indem man es mit Analogien aus der realen Welt erklärt? Einen derartigen Versuch stellt dieser Beitrag dar:

Zur Verdeutlichung einer virtuellen Urbanisierung dient eine Ansicht von Hamburg aus Google Maps. (Quelle: Screenshot Google Maps)

“Seit dem Jahr 2007 wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, während 1950 noch 70 % auf dem Land lebten. Nach Prognosen der UNO wird der weltweite Anteil der städtischen Bevölkerung bis 2030 auf über 60 % steigen und im Jahr 2050 rund 70 % erreichen. Weltweit gibt es über 130 Städte mit mehr als drei Millionen Einwohnern.” (Quelle und weiterführende Infos: wikipedia)

Innerhalb von 10 Jahren wird sich also weltweit das Verhältnis umgekehrt haben. Menschen strömen in die Städte und diese Wachsen (gerade in der dritten Welt) rasant. Die Urbanisierung schreitet voran. Dieses Phänomen kann man auch an den steigenden Nutzerzahlen in den verschiedenen Social Media Diensten beobachten. Ein stetig größer werdender Anteil an Menschen im Netz tummeln sich in diesen (unterschiedlichen) Netzwerken. Kann man also die Analogie der Urbanisierung des Internets funktional nutzbar machen und auf das Netz anwenden?

“Unter Urbanisierung (lat. urbs: Stadt) versteht man die Ausbreitung städtischer Lebensformen in ländlichen Gebieten. Dieser Prozess ist seit Jahrhunderten zu beobachten.” (Quelle und weiterführende Infos: wikipedia)

“Social Media (auch Soziale Medien) ist ein Schlagwort, unter dem Soziale Netzwerke und Netzgemeinschaften verstanden werden, die als Plattformen zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen dienen.” (Quelle und weiterführende Infos: wikipedia)

Wo liegt die Verbindung zwischen diesen Definitionen? Während meines alltäglichen Wegs zur Arbeit, aus dem Speckgürtel in eine Millionenstadt, dachte ich, dass die Urbanisierung meinen gesamten Weg kennzeichnet. Trotz der Tatsache, dass ich außerhalb der Stadt wohne, habe ich eine sehr gute Nahverkehrsanbindung, eine Autobahn, Bundesstraßen und wenn ich mir einige Stadtteile Hamburgs anschaue, sind diese ländlicher, als mein Wohnort.

Ins Internet ging ich erstmals vor inzwischen 13 Jahren. Es gab wenig Menschen (oder Firmen) mit einer eigenen Webseite und jede Stand, abgesehen von sehr wenigen Links, für sich allein. Größere Webseiten, wie amazon.com (oder ab 1998 amazon.de), die in dieser Zeit starteten, bildeten damals übertragen gesprochen die Städte im Internet. Kleine Webseiten, wie beispielsweise meine ersten Schritte im Netz, kleine Bauernweiler auf dem flachen Land. Heute nutze ich ein vernetztes Blog, habe Profile (Wohnungen) in verschiedenen Sozialen Netzwerken und kommuniziere über vielfältige Kanäle.

Heute finde ich die Menschen, die mir wichtig sind in eben diesen sozialen Netzwerken, erhalte Nachrichten-Tipps, Informationen, Kauftipps und andere Empfehlungen über dieses Freundes-Netz. Was der Stammtisch und das Gespräch beim Friseur früher besorgten, besorgt heute der Stream in den Social Networks.

Meine Webseite, stärker verknüpft als früher, orientiert sich selbst stark an den Netzwerken, unterliegt also sozusagen einer virtuellen Urbanisierung. Ich befinde mich eben nicht nur im Speckgürtel einer Stadt (Netzwerkes), sondern mehrerer virtueller Urbanisierungszentren.

Viele Menschen, die früher noch überlegt hätten, sich eine eigene Seite zu erstellen, nutzen dagegen heute nur noch die Profile in den Netzwerken. Eine Verstädterung findet also auch hier statt.

Hat Steve Johnson 2003 noch das gesamte Netz als Stadt verstanden und erklärt, betrachte ich das Netz weiter gefasst, wobei ich denke, dass keine der beiden Analogien “mehr Recht hat”, als die andere. Es ist ein unterschiedlicher Betrachtungswinkel – in meinem Fall liegt mir die Sichtweise auf mehrere Urbanisierungs-Zentren einfach mehr. Hier werden die Netzwerke als einzelne Entitäten greifbarer und ähnlich wie zwei Städte, miteinander vergleichbarer.

Welche Folgen hat das?

Städte sind Zentren der Innovation. Menschen verbinden sich und Ideen scheinen in Städten zu florieren. Andererseits sinkt bei steigender Verstädterung die Geburtenrate. Das Konzept der Ideen auf das Netz zu übertragen fällt noch leicht. Kollaboration wird erleichtert im Netz, durch Social Bookmarks, Wikis, Bewertungs- und Auskunftsportale, etc. Doch ob daraus wirklich neue Produkte/Services/Sites geboren werden, kann bezweifelt werden.

Musste ich noch html lernen, um meine ersten Seiten ins Netz zu bringen, bieten heutige Social Tools (Blogs, Networks, etc.) einfache Bedienungsmöglichkeiten, die ein Wissen um die dahinterliegende Technik nicht mehr notwendig machen. Die Menschen werden hier zu Konsumenten, ohne die Chance zu haben Weiterentwicklung zu betreiben und zum Produzenten zu werden. (Nicht auf Inhalte bezogen.)

Ich bewerte die Folgen dennoch positiv, da sich in den Netzen eine Kultur der Empfehlung, der Verbindung entwickelt, die zu einer Kultur der Kollaboration werden könnte und zum Teil schon wird, wie man am Beispiel des Blogprojekts detailverliebt.de und anderer gut sehen kann. Durch gemeinsames Tauschen finde ich heute schon sehr viel spannendere Meldungen/Blogs/Nachrichten/Bilder, als dies noch vor 2 Jahren der Fall war.

Durch mein Geben in der digitalen Welt, erhalte ich sehr viel zurück. Die Kosten sind in Zeit gemessen zwar etwas höher (wie auch die Lebenshaltungskosten in Städten die des ländlichen Raums übersteigen), doch die Wertschöpfung ist im privaten, wie auch im beruflichen Alltag auch um ein Vielfaches höher.

Social Media als die Urbanisierung des Internets verstanden lässt auch einen Blick in die Zukunft wagen. All denen, die noch immer davon sprechen, das Web2.0 sei nur eine Modeerscheinung, sei ein Blick in die Geschichtsbücher unter dem Schlagwort “Verstädterung” empfohlen.

Waterloo: Facebook liest private Telefonbücher

Ich bin ja generell ein Freund der Möglichkeiten, die soziale Netzwerke bieten. Ich nutze Facebook, Twitter, Xing sowie meinVZ sehr intensiv. Auch kleinere, unbekanntere Netzwerke sind in meinen Bookmarks und werden genutzt. Dennoch kann ich die Augen vor dem Thema Datenschutz nicht verschließen. Hatte kürzlich Google sein Waterloo, so zeigt nun Facebook einmal mehr, dass seine Macher beim Thema Datenschutz die nötige Sensibilität fehlen lassen.

Persönliche Daten sind etwas, über das jeder Nutzer seine Kontrolle nicht verlieren darf. Daher ist die iPhone-App von Facebook schon ein Desaster. Hier werden beim Synchronisieren alle Kontakte aus dem Telefonbuch übertragen, gespeichert und für interne Auswertungen genutzt. Eine Möglichkeit dies zu verhindern hat der User nicht. Eine Möglichkeit diese Daten wieder zu löschen auch nicht.

“Wenn du diese Funktion aktivierst, werden alle Kontakte von deinem Handy (Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer) an Facebook gesendet und unterliegen dann den Datenschutzrichtlinien von Facebook. Zudem werden die Profilbilder deiner Freunde sowie andere Informationen von Facebook zu deinem iPhone-Adressbuch hinzugefügt. Bitte stelle sicher, dass deine Freunde mit deiner Nutzung ihrer Daten einverstanden sind.” (Quelle: Facebook iPhone-App)

Von einer Speicherung ist hier nicht die Rede.

Schlimmer noch – all die Menschen, deren Daten im Telefonbuch stehen und die mit einer solchen Übertragung/Speicherung/Nutzung nicht einverstanden sind. Nummern von Kontakten gebe ich im Offline-Leben beispielsweise nur weiter, wenn ich deren explizites Einverständnis habe. So handhaben es die meisten Menschen, die ich kenne und so ist das auch gut.

Auch in den Datenschutzbestimmungen von Facebook ist ein expliziter Passus zur Übertragung/Speicherung der Telefonbücher nicht zu finden. Hat der Nutzer bei Email-Adressbüchern noch Rest an Kontrolle (die Zuckerberg immer so schön betont), so fehlt diese bei Telefonbüchern vollständig.

Deutsches Datenschutzrecht nicht beachtet

Nach Angaben des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar bei “Spiegel Online” verstößt Facebook hier eindeutig gegen deutsches Recht:

“Wir haben ein Rechtsgutachten für den vergleichbaren E-Mail-Dienst erstellen lassen. Demnach ist das klar unzulässig in Deutschland. Das gilt meiner Ansicht nach für die Telefonbuch-Synchronisation auch.” [...] “Es handelt sich hier ja zum Teil um potentiell noch brisantere Kontaktinformationen, die übertragen werden. Dass die weder Mitglieder noch die Betroffenen löschen können, ist untragbar.” (Quelle: Spiegel Online)

Ich muss zugeben, das Thema ist nicht neu. Schon im Februar berichtete der Schweizer Blogger Kurt von Moos über das Datenschutzproblem.

Der Umgang mit persönlichen Daten ärgert mich

Bin ich also von irgendwelchen mir möglicherweise nur entfernt bekannten Menschen schon mit Facebook synchronisiert worden? Ich habe keine Möglichkeit dies zu erfahren.

Hier geht das Netzwerk, leider mal wieder viel zu weit.

ps.: Die Serie zur “Social Media Strategie” wird im Verlauf der kommenden Woche fortgesetzt werden. Ich verabschiede mich erstmal in ein paar Tage Kurzurlaub.