Gesellschaft, Social Media
No CommentsMr. Quick: Be first, but first be right
Die dpa besinnt sich auf die Grundtugend eines guten Journalisten. Richtigkeit geht vor Schnelligkeit.
Nach mehreren peinlichen Fehlern bei der Nachrichtenagentur “dpa” hat nun der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner erklärt, dass die Presseagentur lieber zu spät mit einer Meldung um die Ecke kommen wolle, als eine falsche Meldung weiter zu verbreiten.
Diesen Ansatz kann man nicht hoch genug anrechnen. Denn den Krieg um die Geschwindigkeit kann eine Agentur in Zeiten von Twitter gar nicht mehr gewinnen. Will die dpa ihr Geschäftsmodell sichern, so bleiben nur zwei Optionen – und Geschwindigkeit gehört nur nachrangig dazu.
Erstens: Die journalistische Qualität muss stimmen. Der Kunde muss sich immer sicher sein können, dass die Recherche hinter der Meldung stimmt, die Quellen hinterfragt wurden und es sich bei der Meldung nicht nur um die Weitergabe einer PR-Nachricht handelt.Auch die Auswahlkriterien sollten nachvollziehbar sein.
Zweitens: Die Unabhängigkeit muss gewahrt sein. Dies ist bei der dpa (noch) keine Frage und die Aussagen Büchners lassen auch darauf schließen, dass sich hieran nichts ändern wird.
Jetzt erst kann Geschwindigkeit zum relevanten Faktor werden. Denn trotz aufwändiger Recherche und Prüfung darf die dpa hier natürlich nicht den Anschluss an ihre Konkurrenten verlieren. Doch auch hier besteht Hoffnung, dass weiterhin die “große alte Dame” ihren Kunden zeitnah die relevanten Meldungen servieren kann.
Würden andere Medien, sowohl in Deutschland, als auch im Rest der Welt, diesen Grundsätzen treu bleiben, Relevanz, Bewertung und Transparenz im Blick auf ihre Kunden (vulgo: Leser) beachten, es wäre sogar möglich, dass diese noch einen Sinn darin sähen für Content (ob Print oder Online) zu bezahlen. Berichten jedoch weiterhin die meisten ungefiltert, nur dem Verdikt der Schnelligkeit unterworfen, so sehe ich kaum eine Zukunft (und auch kaum eine Daseinsberechtigung) für die Dinosaurier der Medien.
