Ein ganz normaler Sonntag
Es ist kurz nach sechs Uhr abends, und ich sitze auf dem Sofa. Einer der Kater liegt auf meinem Schoß, der andere hat sich auf der Armlehne zusammengerollt. Der Fernseher läuft im Hintergrund, irgendein YouTube-Video, das ich nur halb verfolge.
Und ich denke: Ich habe heute eigentlich nichts geschafft.
Das Gefühl ist vertraut. Es meldet sich zuverlässig jeden Sonntagabend, irgendwann zwischen dem letzten Kaffee und dem Moment, in dem klar wird, dass morgen wieder Montag ist. Ein vages Unbehagen. Die Ahnung, den Tag verschwendet zu haben.
Also mache ich etwas, das ich sonst nie mache. Ich schreibe auf, was ich heute tatsächlich getan habe.
Um 9 aufgewacht und im Bett beim ersten, zweiten, dritten Kaffee ein paar Dokus geschaut. Aufgestanden, das Bett abgezogen. Wäsche gewaschen. Wäsche getrocknet. Geschirrspüler eingeräumt, später wieder ausgeräumt. Katzenklos geschaufelt. Müll rausgebracht. Meinen Homeoffice-Arbeitsplatz geputzt, der das wirklich dringend nötig hatte.
Ein kleines Feedback auf ein Bewerbungsanschreiben von Anja gegeben. Sie hatte mich um Feedback gebeten, also habe ich mir Zeit genommen. Ist ja Sonntag. Da hab ich viel Zeit.
Einen Entwurf für die Landingpage der Mautic World Conference 2026 online gestellt und in der Community um Feedback gebeten. Eine Demo-Instanz für Pretalx aufgesetzt, damit wir als Community testen können, ob das Tool für unser Call for Papers taugt (wenn Du jetzt Bahnhof verstehst: Macht nichts, ist nicht so wichtig).
Direkt danach eine Demo-Instanz für Pretix eingerichtet – Ticketing, Payments, der ganze Spaß. Also zwei Webseiten, mit denen wir als Mautic Community unsere jährliche große Konferenz managen könnten. Und vielleicht uach kleinere regionale MeetUps. Schön, dass es sowas als Open Source Software gibt. Muss nur jemand aufsetzen, auf einem Server installieren, testen und konfigurieren.
Dann Ein bisschen an meinem virtuellen persönlichen Assistenten weiterentwickelt. Will den eigentlich kommende Woche schon mal an den Start bringen. Dazu zwei Blogposts geschrieben, dieser hier ist einer davon.
YouTube geschaut. Mehr YouTube geschaut. Viel Kaffee getrunken. Die Kater gekuschelt, mehrfach, ausgiebig. Noch mehr Kaffee getrunken. Und dann noch kurz die Synchronisation zwischen meiner Photo-App und meinem Photo-Speicher (Immich, selbst gehostet, Google Photos kann mich mal...) gefixt. Jupp, so ein Handywechsel macht manchmal unerwartet Probleme.
Die Liste ist länger, als ich dachte.
Ich lese sie noch einmal. Zwei Demo-Instanzen für ein Konferenz-Projekt. Ein Landingpage-Entwurf. Ein Bewerbungs-Review. Haushaltsaufgaben, die erledigt werden mussten. Und ja, auch Zeit auf dem Sofa, mit Katzen und Kaffee.
Trotzdem bleibt dieses Gefühl. Dieses „eigentlich nichts gemacht". Als ob die Liste nicht zählt, solange ich keinen Berg bestiegen oder ein Buch geschrieben habe.
Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht.
Es gibt Tage, die sich produktiv anfühlen, obwohl ich objektiv wenig getan habe – weil ich beschäftigt war, weil es stressig war, weil ich müde bin. Und es gibt Tage wie diesen, an denen man eine halbe Konferenz-Infrastruktur aufsetzt und trotzdem denkt: War ja nichts Besonderes.
Gerade im Vergleich zur vergangenen Woche, in der ich für eine wichtige berufliche Aufgabe einige Abend bis zwischen Zehn und Mitternacht am Rechner gesessen habe.
Mist. Ich merke mal wieder: Das eigene Gefühl ist kein zuverlässiger Zeuge.
Vielleicht sollte ich das öfter machen. Nicht als Produktivitäts-Tracking, nicht als Optimierungswerkzeug. Sondern einfach als Realitätscheck. Eine kleine Liste am Ende des Tages, die sagt: Doch, du hast Dinge getan. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.
Es ist jetzt fast halb sieben. Der Kater auf meinem Schoß schnurrt. Der andere ist irgendwann verschwunden, wahrscheinlich Richtung Futternapf. Der ist noch leer und ich muss gleich erstmal aufstehen und die "Monster" füttern.
Morgen ist Montag. Die Woche fängt an. Aber heute war ein ganz normaler Sonntag.
Und wenn ich ehrlich bin: Das ist völlig in Ordnung so.